“Ja” ist aller Anfang!

“Wer will findet Wege, wer nicht will findet Gründe”

Als letztes, vornangestellt:

Ein Tag vor Heiligabend! Morgens, Elf Uhr! Ich liege noch im Bett, am offenen Fenster, trinke Tee und rauche eine Zigarette. Wie sehr ich das genieße, mit schönen Gedanken an die Liebste, mit dem weiterkreieren meines Lebens.
Eine leichte Unruhe habe ich gerade gespürt, lasse sie einfach durchziehen. Was für eine Unruhe? Alle um mich herum sind irgendwie in Vorbereitung. Die to do Listen sind noch lange nicht abgearbeitet, letzte Einkäufe, Ordnung machen, backen, Baum aufstellen, kochen, dies das jenes. Rein in den Trubel.
Ich mache garnichts!
Ich erinnere einen Druck, der sich unaufhaltsam steigert, der an den Tagen vor Weihnachten kein Ende erkennt.
In den letzten Jahren war es ein Wettlauf zur Krippe. Im Laden brach an den letzten Tagen vor dem Fest regelmäßig der Wahnsinn aus….das Buch ist nicht mehr rechtzeitig da, sie haben mein Weihnachtsfest zerstört! Mein ganzes Leben!

Im Moment freue ich mich auf Zeit mit meiner Familie! kaffeesieren, chillen, erzählen, spielen! Natürlich: Halt mal kurz! Das Känguruspiel!

Ich habe angefangen, innerhalb mehrerer Tage, ein paar Gedanken aufzuschreiben.
Inzwischen war noch soviel mehr in den letzten Tagen. Unter anderem hatte ich am Tag der Wintersonnenwende eine tief spirituelle Erfahrung.
Während eines Wintersonnwenderitual, von dem uns Peter erzählt hat. Ich habe es gemacht, um den Zeitraum der Wende um 11:46 am 21. Dezember.
Ich konnte sehr intensiv eine Verbindung spüren, die weit über alles hinausging, was vorher da war. Es strömte durch mich und verband mich von einem Punkt tief in der Erde mit einem Punkt hoch in den Sternen. Es war unbeschreiblich klar! Von beiden Punkten bekomme ich meine Kraft und ich verbinde beide Punkte. Alles durchwebt Alles. Ich spüre klar und deutlich, daß ich ein Grenzgänger bin.
Beruf: Grenzgänger!
Ich kenne beide Seiten sehr gut!
Mit diesem, sehr starken Gefühl gehe ich in die Weihnachtszeit. Morgen, Heiligabend, bin ich Vormittags noch im Laden. Das ist immer Schön! Die Weihnachtstage verbringe ich mit meiner Familie. Wir werden Spielen, Essen, Chillen! Ich freue mich drauf. Und im Januar geht es für mich dann richtig los. Auf in eine lebenswerte Welt! Ich freue mich auf alle Aufgaben, die sich mir stellen, und ich bin gespannt auf die Lösungen, auf dem Weg in die Geld- und Geschäftsfreie Zeit.
Ich wünsche Euch allen eine geruhsame, entspannte und lichtvolle Weihnachtszeit. Genießt das!

Anfang:

Lange habe ich mich gefragt, wo soll ich anfangen. Am Anfang wäre eine Antwort. Die richtige Antwort aber ist “Jetzt”! Ich schiebe alles viel zu lange vor mir her und es wird immer mehr. Ich habe kurz vor Berlin aufgehört zu schreiben, vieles ist passiert, viele Menschen haben meinen Weg gekreuzt, oder ich ihren Weg. Und jede und jeder hat seine Spur hinterlassen, mir Impulse gegeben.
Also ich fange Jetzt mit Jetzt an.
Ich liege auf meinem Bett, es läuft Ayo. Ich habe mein Tablet mit der Bluetoothbox verbunden bekommen und höre heute mal seit langer Zeit wieder Musik.
Sonst singe ich wieder sehr viel. Das hat mit meiner Ankunft hier erstmal etwas nachgelassen, jetzt kommt es wieder. Überhaupt öffnet die Nähe zum draußen, das Mitten in der Natur sein, viele Türen bei mir. Ich komme so wunderbar zu mir, tief an meine Gefühle. Alles ist stimmig. Es gibt oft Momente hier, da bleibt die Zeit einfach stehen. Das gibt mir viel Kraft und Erfüllung.
In dieser Woche hat mich Lene an vier Tagen in den Dienstplan eingetragen.
Montag, Dienstag, Mittwoch und dann noch mal Samstag. Das ist schon wieder recht sportlich. Glück sei Dank spüre ich unmittelbar, wenn wieder diese Unrast einsetzt, dieser Druck, das getrieben sein. Alleine das sofort zu spüren reicht, daß es sich schnell auflöst. Ich entwickle eine Geldunverträglichkeit und Geschäftsallergie.
Und dahin geht mein Weg! Raus aus Geschäften, weg vom Geld. Wie? Ich werde sehen!

Jedenfalls wohne ich jetzt im Bauwagen und ich fühle mich in ihm absolut richtig. Es gab vor einer Woche einen Punkt, an dem ich merkte, es geht nicht weiter, der Winter kommt und es sind noch einige Baustellen. Dann hatte ich plötzlich den Impuls, öffentlich über Facebook zu fragen, ob jemand mir helfen kann, die Zinkdachrinnen zu löten und anzubringen, und den Edelstahlschornstein aufzustellen. Die Resonanz war überwältigend. So haben wir zu siebt am Samstag beides erledigt und zusätzlich die alte Tür gerichtet, so daß sie nun schließt.Stefanie, die einige Kilometer hingelegt hat, um dabei zu sein, hat noch eine Seite streichen können. Tanja und Timo haben die allererste Wagensuppe gekocht. Leute, war die lecker und scharrrff, von zwei selbstgezogenen Zitronenchilli, ein Geschenk meiner Kollegin Lene. Ich habe noch mehrere Zweige mit Früchten, die ich in Öl einlegen werde.
Ich beginne auch langsam, mich auf meine Geldfreie Zeit einzustellen, die jetzt beginnen wird. Nicht adhoc, aber zügig. Ich habe noch das Geld, um den Wagen Energieautark zu machen. Dann ists vorbei. Das bedeutet ich werde wohl noch im Winter das Auto verkaufen. Und das war es dann.
Jetzt muß ich langsam beginnen, zu schauen, woher ich mein nötiges Essen bekomme. Ich setze auf Lebensmittel, die ich irgendwie vor der Mülltonne retten kann.
Ich weiß ja, genausoviel, wie wir in Deutschland essen, werfen wir eins zu eins weg, vernichten es einfach! Ohne daß jemand etwas davon hat. Den einzigen Zweck, den dieses Essen hat, ist, die Erde noch mehr auszuplündern, auszumergeln, den Schadstoffgehalt der Atmosphäre immer weiter hochzujubeln.
Keiner wird etwas dagegen haben, wenn ich es esse. Oder? Wir werden sehen….
Ich werde regelmäßig in kurzen Abständen wieder berichten. Ulrike hat es sich gewünscht. Und ich wußte plötzlich nicht mehr, worauf ich eigentlich gewartet habe, warum ich nicht längst schreibe.
Also gut.

Ich beginne heute.

Heute war der Trauergottesdienst für meinen Nachbarn Guiseppe. Er ist, wie ich ein Februarkind, nur ein Jahr jünger als ich, als er in der letzten Woche in Der Folge zweier, kurz hintereinander folgender Herinfarkte starb. Seine beiden Kinder genauso alt wie meine. Heute ist mir bewußt geworden, daß ich einen wichtigen Menschen verloren habe, einen Freund. Es war immer eine Verbindung da, obwohl er eigentlich keinen Raum dafür ließ. Er hat täglich von Morgens bis spät in die Nacht in seinem Eiscafé verbracht. Sieben Tage, ohne Freien Tag, elf Monate im Jahr. Morgens um Neun hat er aufgeschloßen und nachts um zwei hörte ich in meinem Zimmer noch die Eismaschine.
Ein Herzinfarkt kommt oft vor, das ist wahr. Aber nicht während einer unangemeldeten Steuerprüfung, in der zehn Leute den Laden stürmten, die Gäste aufforderten zu gehen.
Guiseppe hat das so aufgeregt, daß er es nicht überlebt hat.
Ich habe Jahrelang meinen Laden gegenüber seines Cafés betrieben. Wir haben oft fast um die Wette gearbeitet. Wenn wir dann noch ein Pläuschchen hielten, schimpften wir oft einvernehmlich über die Ungerechtigkeiten und die Herzlosigkeit, lachten über die Bemühungen von uns Menschen, unser Mensch sein zu definieren.
Er war ein ungewöhnlich gutes Herz.
Das größte für die Kinder war es, wenn die ganze Klasse an den letzten Schultagen einen Ausflug zum Eiscafé machten. Kurz vor den Sommerferien kam eine Klasse nach der anderen, um die Klassenkasse auf den Kopf zu hauen. Er hat dem Ort 26 Jahre das Weltbeste Eis geschenkt.
Sein Sohn Matthia hat am Freitag das restliche Eis verschenkt. Das Eiscafé war voll. Viele waren dankbar, für eine letzte Kugel ihrer Lieblingssorte, für diese wunderbare Möglichkeit Abschied nehmen zu können.
Guiseppe hat mich auch bei meinem Lauf unterstützt.
Sein Tod hat mich sehr tief berührt und erschüttert. Es waren viele Ähnlichkeiten bei uns.
Und es ist auch ein Gefühl der Erleichterung da, ein ganz persönliches, die Bremse getreten zu haben in diesem Überlebenskampf. Etwas hart zwar, aber konsequent.
Und es ist noch immer ein befreites Gefühl.

So es ist Sonntag, in mir dreht es. Ein Tag der Besinnung. Meine intime Innenschau.
Fragen Fragen Fragen Fragen….
Ich verlege mich auf die Erstellung einer todoListe all der kleinen und großen Dinge, die in nächster Zeit anstehen:

Laden:
– Mehrere Schichten wöchentlich bis Januar, ab jetzt steigende Tendenz. Schön wieder da zu sein!
– Ein Ladengeschäft haben wir im Auge, in das bökers übersiedeln kann. Die Situation im alten Haus ist weiterhin unsicher. Wir möchten alle, das die Buchhandlung in Wildeshausen erhalten bleibt! Darein möchte ich meine Energie auch noch setzen. Obwohl ich am Anfang des Jahres gerne die Verantwortung abgeben möchte. Ob es gelingen kann, so kurzfristig einen Kollektivprozess in Lauf zu bringen, werden wir sehen. Oder ob ich den Laden einfach jemandem überschreibe, der ihn weitermacht? Jedenfalls hängt in dem ganzen Finanzkonstrukt auch unser Haus, das ich gerne Birgit übergeben möchte. Das geht aber erst, wenn der Laden nicht mehr auf mich läuft, denn der ist eine Sicherheit für die Bank.
– Ein Telefonat mit Artabana. Das ist eine solidarische Gesundheitsversicherung. Sie ist Deutschlandweit in Gemeinschaften, also solidarisch organisiert und greift bei größerem Kostenaufwand weiter, auf mehrere Gruppen. Höhere Kosten tragen dann viele Gemeinschaften miteinander. Die nächste Gruppe ist in Ganderkesee, wohin ich dann einmal monatlich zu einem Treffen fahren müßte, was für alle verbindlich ist. Ich werde auch darüber weiter berichten.
– Meine Krankenversicherung werde ich kündigen.
– 2 bis 3 Raummeter Holz brauche ich wohl für den Winter noch. Darum muß ich mich noch kümmern. Dafür ist noch ein wenig Geld da.
– Meinen Kontostand muß ich bei der Bank nachfragen. Ich habe kaum einen Überblick über meine Finanzen. Das Interesse daran kommt mir abhanden. Eine BankKarte habe ich nicht mehr, seit ich vor eineinhalb Jahren losgegangen bin. Das macht alles umständlicher. Ich muß ermitteln, wieviel Geld noch da ist um im Frühjahr den Wagen Energieautark zu machen. Ein Gespräch mit meinem Elektrikmeister steht an, um die Größe der Anlage und die Kosten zu besprechen. Leider fehlt mir das Verständnis für diese Basteleien und Tüfteleien. Ich hoffe Wind mit Sonne mischen zu können.
– Ein kleines Stück Regenrinne fehlt noch an einer Seite. Thomas und Roman wollen sie in eineinhalb Wochen anbringen. Ich freue mich so sehr, daß sie es ein wenig in die Hand genommen haben. Und ich freue mich auf unseren gemeinsamen Wuppundwerkeltag. Es war so großartig, daß sie und ein paar weitere wundervolle Menschen der Einladung zum Wupp-, Werkel- und Tüdeltag angenommen haben, am vorletzten Wochenende. Wir haben von Vormittag bis Abends einige kleine und große Aufgaben am Wagen erledigt. Stefanie ist fantastischerweise zu Besuch bei einer Freundin gewesen, dreißig Kilometer von hier, und hat die Gelegenheit zum gemeinsamen kennenlernen genutzt. Ihr habe ich die rotfarbige Bestreichung, der alten Eingansseite zu verdanken. Flo, wie wir rausfanden, sind wir entfernt aber sehr nah verwandt, hat es geschafft mittels einer hölzernen Auflage, den Doppelwandigen Edelstahlschornstein aufzustellen. Der Ofen zieht jetzt gleichmäßig und verbrennt sehr effektiv. Und das Kondenswasser läuft nicht mehr in den Ofeninnenraum. Thomas und Roman haben glücklicherweise die Regenrinnen in die Hand genommen und angebracht. Tanja hat zusammen mit Timo die fabelhafteste Wagensuppe gekocht, schön scharf, das Beste nach einem schaffensreichen Tag, nahe der Frostgrenze. Ich bin völlig begeistert von diesem gemeinsamen Tag.
– Um eine Tretwaschmaschine werde ich mich noch kümmern. Eine moderne Tretwaschmaschine wird mir in den nächsten Jahren mit weniger Aufwand als ein Waschbrett meine Wäsche reinigen und befrischen.
– Auch einen Schiffsausrüster werde ich noch besuchen, um nach einer Fußpumpe für das Fießende Wasser zu schauen, die keinen Strom braucht.
– Meinen Elektriker werde ich besuchen. Er hat sicherlich schon herausfinden können, wie ich im Frühjahr den Wagen Energieautark ausrüsten kann. Zwischen zwei und vier KW wären schön. Für vier KW ist es wahrscheinlich finanziell schon zu eng. Vier KW wären aber gut um Küchenmaschinen zu betreiben und mehrere Tage ohne Sonnenlicht auszukommen. Aber die genauen Preise wird er, berechnet auf meine Wünsche, schon haben. Dann werde ich sehen, was geht.
– Geh ich noch mal zum Zahnarzt und lass ihn das, was er angefangen hat, zu Ende machen? Eine Gewissensfrage!
– Für den Start der Vegan-Zeit möchte ich mir über einige Dinge klarer werden und noch genaue Informationen über zB Vitamin B12 einholen. Sollte ich einmal den Speicher aufladen, um dann in eine natürliche B-12 Bevorratung zu kommen?
– Sollte ich mir noch Rasierklingen auf Vorrat kaufen?

So viele Fragen

So ist noch viel zu tun. Aber in erster Linie möchte ich wieder diesen Blog weiterführen und beschreiben, wie es weitergeht in diesem Prozess in ein Konsum- und möglichst Geschäftsfreies Leben. Ich nehme es nicht mehr hin, wenn es heißt, es ginge nicht! Ich suche einen Weg und freue mich über Alle, die daran teilhaben möchten und auf welche Art auch immer Teilnehmen und -geben.
Am Wochenende bekomme ich erst einmal wundervollen Besuch, und in der nächsten Woche gehe ich konkrete Schritte in Richtung “Raus aus dem Kaufsystem – freie Bahn für Vertrauen!”
Ich freue mich auf einen weiteren Schritt in ein minimalistisches Leben!
Ich bin gespannt, was mir begegnet….

Fußnote
Ich habe jetzt einige Tage gebraucht um mich durchzuringen diese Aufzählungen, jetzt zu veröffentlichen. Ich nehme dieses Gedankengewusel jetzt als Anschluß und hoffe damit wieder in regelmäßige und sortiertere Berichte zu finden.
Ich selber nutze die Zeit gerade zum Sortieren, backen, denken, fühlen, lieben, genießen…Ich freue mich momentan an jedem Moment.
Ich freue mich hier zu sein, auf dieser wundervollen Welt, in meinem wunderbaren Leben. Was für ein irres Geschenk.
Ein Geschenk, das es wert ist ins Leben zu finden und genossen zu werden.
Nichts hindert mich nur noch zu genießen und alle, die sich Druck und Wahnsinn weiterhin hingeben wollen, einfach machen zu lassen.
Aber ebensogut kann ich dabei eine schöne Zukunft kreieren.
Was für ein wunderschönes Leben!
Danke möchte ich laut rufen

Unter der Fußnote….eigentlich: hinten angestellt, anstatt oben über “als letztes vorangestellt” als Krönchen…als Schritt:

Wieder fühle ich mich einen Schritt weiter und spüre wie es verwischt. Die Schritte passieren von alleine, ich habe das Gefühl, selber der Weg zu sein. Ich sehe keine einzelnelnen Schritte mehr. Es ist in mir zur Bewegung geworden, endlich in Gang gesetzt.

“Parantantatam. Etwas möchte beginnen, etwas möchte von außen nach innen, etwas möchte von innen nach außen, Etwas möchte sich mit etwassen austauschen.”
Käpt’n Peng

“Stützräder ab und Leinen los. Gib Dir nen Stoß. Du bist der Fluß und nicht das Floß”
Auch wieder Käpt’n Peng

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Noch Sieben Tage!

Liebe Lebenslaufbegleiter, -Interessierte, -Freunde…..!
Heute in sieben Tagen werde ich wieder nach Harpstedt kommen.
Ich sitze vor einem Bauwagen in einer Gemeinschaft in Kummasel/Wendland
und fühle mich gut und allem gewachsen, was da auf mich zu kommt!
Seit Tagen beschäftigen mich einige Fragen….Wie wird es weitergehen? Was kommt dann? Wie wird der Film, wird er dem Thema, mit dem ich unterwegs bin, gerecht? Ist all das möglich, von dem ich so überzeugt bin? Werde ich einen Weg finden, eine Grundlage schaffen können, weiterhin Geldfrei zu leben, einen freien Raum zu schaffen?
Wie wird das Wiedersehen? Worauf freue ich mich noch, worauf nicht mehr? Wie schmal ist der Grad, zwischen Freiheit und Zwängen?
Welche Aufgaben warten auf mich?
Es ist vieles geschehen, im letzten Jahr, wovon ich nicht berichtet habe, nicht fähig war zu berichten, was erst sacken muß, bevor es stimmig im Gesamtbild seinen Platz findet.
Vieles hat sich so anders entwickelt, wie erhofft, oder erwartet.
Von einem schnell gefaßten, fast naiv anmutenden Entschluß ist ein sehr komplexes Unterfangen geworden, das sich auch mir erst nach und nach erschließt, entblättert.
Vieles, was ich mir vorgenommen hatte, konnte ich nicht so ausführen, wie ich dachte. Das Jahr war vollgefüllt und ist so schnell vergangen.
Gelesen habe ich wenig, Veranstaltungen sind nicht wirklich zustande gekommen. Die Zeit oder das Netz fehlten ständig um die “Büroarbeiten” zu erledigen.
Die Steine habe ich nicht rausschicken können. Ich hoffe, niemand nimmt es übel. Ich überlege mir etwas anderes Schönes für Euch.
Eine Einladung ans Lagerfeuer, mit Geschichten und Liedern, mit Freunden…..?
Das Reisetagebuch wollte ich heute morgen noch schnell aktualisieren, aber auch jetzt fehlt der ruhige Platz.
Berlin….Siebenlinden….Wendland.
Ich werde es nachschreiben, sobald ich einen ruhigen und geschützten Raum habe!
Die Gemeinschaften werde ich sehr bald noch einmal gesondert beschreiben, auch da wird jetzt erst das Bild runder!

An dieser Stelle möchte ich noch einmal allen Danken, die diese Expedition für mich haben möglich werden lassen. Ich danke Euch für dieses Jahr, für alles, was ich erfahren konnte, für alle Menschen denen ich begegnet bin, für alle Fürsorge und Unterstützung.
Für die grenzenlose Gastfreundschaft.

331. Sa 30.04. Berlin ……….
…….
346. So 15.05. Berlin Scheinbar
347. Mo 16.05. Berlin
348. Di 17.05. Halbensleben
349. Mi 18.05. Gardelegen
350. Do 19.05. Siebenlinden
351. Fr 20.05. Siebenlinden
352. Sa 21.05. Siebenlinden
353. So 22.05. Dambeck. Kloster Dambeck
354. Mo 23.05. Blütlingen
355. Di 24.05. Güstritz Rundling
356. Mi 25.05. Güstritz
357. Do 26.05. Meuchefitz Reiner
358. Fr 27.05. Kummasel
359. Sa 28.05. Kummasel
360. So 29.05. Celle
361. Mo 30.05. Rehtem
362. Di 31.05. Sulingen
363. Mi 01.06. Sulingen
364. Do 02.06. Heiligenloh
365. Fr 03.06. Heiligenloh
366. Sa 04.06. Wildeshausen
367. So 05.06. HARPSTEDT

Tag 294 bis 330 – Teil 2 – Einhörner und Erwartungen

Als Ich In Berlin heute ankam, setzte ich mich erstmal auf eine Bank in der ufaFabrik, mitten in Berlin. Susi hat mich mitgenommen. Ich ließ mich von ihr noch zu einer veganen Linsensuppe einladen. Die schönen Tage in Schlalach sind Erinnerung, wie so vieles andere. Ich gehe weiter. Ich weiß noch nicht, wo ich die Nacht verbringe. Und auch nicht, wann und was ich heute esse. Und es fühlt sich unglaublich gut an.

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Denn ich weiß, das es schon entsteht. Und wenn keine Sorgen meine Aufmerksamkeit belegen, kann ich es sogar spüren.
Und ich bin gespannt und freue mich jedes mal darauf, wenn es sich offenbart, es zu entdecken.
Inzwischen, Drei Stunden später liege ich auf meinem Nachtlager auf einer Turnmattein der Akrobatikschule von Peter.

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Ich bin heute nach Berlin gekommen. Leider nicht hineingewandert, wie ich es eigentlich vorhatte, sondern im Auto meiner Gastgeberin der letzten Tage.
Angekommen, habe ich Peter getroffen, dem ich Grüße von Vanessa ausrichten sollte…
Peter lebt hier seit 37 Jahren und ist einer der Besetzer dieses Geländes und Gründer. Die Akrobatikschule betreibt er fast genauso lange.

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Hier versuche ich also jetzt die wichtigen Stationen der letzten Wochen kurz anzuzeichnen, um dann endlich wieder auf aktuellem Stand zu sein.
….von Zeven nach Hilburghausen wo ich auf Schloß Weitersroda einige Tage zu Gast war. Dort habe ich Fabian kennengelernt. Er und Nadine haben mir einen schönen Wohnplatz umgeben von rosa Einhörnern in einem Prinzessinnenzimmer in Leipzig zur Verfügung gestellt.
Ungefähr zehn Menschen leben im Schloß Weitersroda, das Prinz Chaos, Florian Kircher vor fast zehn Jahren Erworben hat, in Gemeinschaft.

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Daniel, Basti und Melanie legen einen Permakulturellen Garten an. Daniel stellt EM her und nährt und beschleunigt damit den Bokashi-Kompost. Der Prinz ist Sänger und Kabarettist, und moderiert wöchentlich eine Radiosendung bei Radio Lotte.

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293. Tag….Den Weg von Schloß Weitersroda nach Schloß Tondorf legte ich per Anhalter zurück. Nachdem ich auf einem Wall gesessen habe um die Trampstelle zu beschauen stand ich über eine Stunde in bester Stimmung an der Straße, aber niemand nahm mich war. Ich wünschte mir eine Mitfährt, aber wieder geschah nichts. Plötzlich bemerkte ich, daß ich mein Tablet nicht da hatte und erschrak. Es lag oben auf dem Damm. Ich bedankte mich, mit etwas Tabak, ging wieder an die Straße und sofort hielt Angela und nahm mich mit. Ich erzählte ihr diese wundersame Geschichte, sie freute sich mit und verstand, was da passiert war. Täglich erlebe ich so viele Wunder. Sie geschehen in den Zeiten eines klaren “Ja”, ganz natürlich und in einer Tour, aber auch in den Momenten, in denen ich völlig mutlos bin, wie um mir zu sagen, “mach Dir keine Sorgen, es ist alles da, lass los und vertraue. Und das tue ich. Nur “ich will jetzt aber unbedingt” funktioniert kein bisschen. Das bleibt unerfüllt. Von Schloß Tonndorf nach Weimar, Jena, Chemnitz, Leipzig.

Am 296. Tag kam ich nach Weimar, mit einer Adresse einer Frau in einer WG. Alle im Haus waren ausgeflogen und ich fand mich bald, es war schon angebrochene Nacht, im “Falken” wieder, einer Kneipe im gleichen Haus. Dort überdachte ich meine Möglichkeiten, als Nadja an meinen Tisch kam und mich zum Bier einlud.

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Ich war dann einige Tage als Gast in ihrem Bauwagen, auf ihrer Parzelle. Dort habe ich mich sehr wohl gefühlt, habe ab und zu Besuch bekommen, von Nadja und Ihren Kindern, Noah und Devi. Diese Begegnung hat in mir viele neue Gedanken ausgelöst. Die einsamen Tage in diesem Gärtchen konfrontierten mich mit alten Themen: meine Offenheit, meine Wahrnehmung, Sehnsüchte und Erwartungen. Immer wieder geht es zurück auf Vertrauen.
Wenn ich mir nicht vertraue, wie kann ich anderen dann Vertrauen?
Wie es in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.
Die kurzen, aber intensiven Gespräche mit Nadja haben mich sehr aufgerüttelt, wachgechüttelt.
Noah und Devi haben derweil immer mein leibliches Wohl im Auge gehabt und mich wunderschön umsorgt mit Smoothies und Schokolade! Lecker!
Die Tage in Jena habe ich bei Nadine und Boris verbracht. Hier habe ich Hannes kennengelernt, mit dem zusammen wir ein wenig an seinem Film fürs Geodome gewerkelt haben.
In Chemnitz habe ich Marlene besucht, eine Freundin meines Sohnes. Das waren auch interessante Tage in dieser WG. Mit ihrem Mitbewohner hatte ich ein Gespräch über “Prepper”, das ist abgeleitet vom englischen Wort prepare….vorbereiten. Die Prepper bereiten sich auf ein Leben nach einer Katastrophe vor, von der sie überzeugt sind, daß sie einsetzen wird.
Ich habe oft das Gefühl, ich bin der einzige, der an die Möglichkeit einer friedlichen Beendigung dieses Systems des Kampfes und der Angst glaubt. Ich bin sicher, daß wir es möglich machen könnten.
Diese Gespräche zeigen mir sehr viel. Ich sehe, wie weit die Hoffnungslosigkeit schon fortgeschritten ist. Wie gefangen jeder doch in dieser Hoffnungslosigkeit ist.
In Leipzig habe ich einige wunderbare Menschen kennenlernen dürfen.

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Neben dem Haus, in dem Fabian und Nadine mit ihren Kindern leben, ist ein Gemeinschaftsgarten entstanden.ein Kistengarten mit über 150 Kisten, in denen Gemüse und Kräuter wachsen. Bauhaus, Außenküche und schöne einladendende Ruheinseln locken viele Menschen an, die alle schnell dabei sind, die Setzlinge vor schnellwachsenden Wildkräutern zu Schützen. Das gezupfte Kraut, die Miere und Melde, und wie sie alle heißen, habe ich teilweise gleich gegessen. Der Verein betreibt auch Gewächshäuser, um damit die Mitglieder ausreichend versorgen zu können. Ein tolles Projekt.

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Während meines Laufes ist in Wildeshausen ein Gemeinschaftsgarten entstanden. Einige Aktivisten haben ein Grundstück in Nähe des Zentrums gestellt bekommen und bebauen es nach permakulturellen Gesichtspunkten. Das zu besuchen und vielleicht dort mitwirken zu können, darauf freue ich mich schon jetzt.
Aus Leipzig bin ich herausgewandert, gegen Abend mitgefahren, bis Bad Düben, wo ich vor der Schlafplatzsuche kurz das “Hotel National” betrat, um nach etwas Brot zu fragen. Eine Einladung vom Seniorchef war die Folge. Er setzte mich zu Raphael und Stefan an den Tisch, mit denen ich gleich in gutem Gespräch war. Als ich gehen wollte, überredete mich der Senior, ein gutherziger Mann im Sakko, einen überdachten Platz im Hotelgebäude zu beziehen. Ich war glücklich darüber, weil es nach Regen aussah, und gerade hatte ich meine Isomatte aufgerüstet, da kam Stefan zu mir und sagte, er hätte mir ein Zimmer gebucht, mit Dusche und Frühstück! Was für ein Riesengeschenk! Jens im Glück! Unter solchen Menschen fühle ich mich gut aufgehoben und sicher.

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Am nächsten Tag, als ich Bad Düben verließ, ich war noch nicht aus dem Ort, las mich Annette auf und lud mich zu sich zum Kaffee ein. Auch die Gespräche und die Verbundenheit taten gut. Sie schenkte mir eine ordentliche leckere Wanderverpflegung und so kam ich gut gestärkt nach Wittenberg.
Dort angekommen am Schloß lernte ich sofort Kristina kennen, die mich zusammen mit ihren Freundinnen Tabea und Alina, und zwei Mitabiturientinnen, deren Namen ich leider vergessen habe, in ihre Lieblingskneipe einlud, und mit sehr interessierten Fragen ein schönes Gespräch in Gang setzte. Wieder so wundervolle junge Menschen, mit schönen Gedanken zu unserem Dasein und einer gemeinsamen glückliche Zukunft und lebenswerte Welt. Mit viel Hoffnung.

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Ich spüre, ich möchte diesen jungen Menschen all meine Energie geben und dabei helfen, unterstützen.
Unsere Vorstellungen sind sehr nah beieinander. Es war ein wunderschöner und sehr überraschender Abend mit wundervollen Frauen.
Von Wittenberg zu Fuß zum Königreich Deutschland. Dort wurde ich empfangen und konnte zwei Nächte alleine in einem Krankenzimmer verbringen, auf einem verlassenen Gang. Der Sieben-Betten-Saal war fast identisch mit dem in Bassum, in dem ich die Wochen nach der Operation meines bereits durchbrochenen Blindarmes lag.
Das Königreich hat in der Organisation und Aktion einige sehr interessante Ansätze. Darüber werde ich noch genauer berichten, wie auch über alle andren Gemeinschaften, die ich auf meiner Tour besucht habe, nach Beendigung meines Laufes.

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Von Wittenberg bin ich in eine weitere Gemeinschaft aufgebrochen, ins Zegg. Auch dort setzte ich mich erst einmal und ließ mich finden! Ich verbrachte dort eine Nacht und traf am nächsten Tag Hannes, der mich dort abholte um einige Tage mit mir zu gehen.

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Von Bad Belzig bis Brück und Schlalach zu Michelle und Susanne sind wir gemeinsam gewandert. Hannes fuhr nach fünf Tagen und ich blieb noch kurz und genoß das kleine Stückchen Heimat.

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Und dann kam Berlin….

Tag 294 bis 330 – Teil 1 – vegan und verbunden

“Kein Gott- Kein Staat- Kein Fleischsalat”

Im Laufe meiner Wanderung entdecke ich eine tiefe Spiritualität in mir, bisher unbekannte Räume, fühle mich immer mehr verbunden mit Allem. Es ist ein tieferes Vertrauen, als ich es bisher kannte, es ist ein Hingeben und Annehmen.
Mich verläßt endlich mein “etwas Wollen, hinbiegen, forcieren”.
Eine Dynamik ergreift und trägt mich. Ich gehe weiterhin nur mit.
Wenn ich unterwegs bin, und ein Bedürfnis habe, öffne ich dort, wo ich bin, einfach nur einen Raum, aus dem ich einen halben Schritt heraustrete, so daß Platz ist, für das was sich einstellen will.
So bin ich im Schloß Tonndorf angekommen, und habe mich auf dem Menschenleeren, abendlichen Schloßhof auf eine Bank gesetzt, ohne irgendetwas zu wollen.
Es hat nur Minuten gedauert, da kam Robert, einer der Bewohner der Gemeinschaft auf mich zu und lud mich ein zu bleiben. Es war Mögen auf den ersten Blick. Drei Nächte durfte ich, dank Robert und Nadine in diese Gemeinschaft hineinspüren.
Ich bekomme in den letzten Wochen in den vielen Gemeinschaften, einiges über Umgang mit Konflikten, Entscheidungsfindung und anderen Mitmenschlichen Prozessen mit. Viele Gedanken, Bilder und Ideen stellen sich dazu ein.

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Jetzt bin ich gerade mit Hannes unterwegs. Auch zwischen uns gab es einige Augenblicke mit verschiedenen Ansichten und Herangehensweisen.
Zum Beispiel standen wir an einer Weggabelung und hatten verschiedene Wünsche. Ich wollte noch ein paar Kilometer weiter zu einer Gemeinschaft gehen, deren Adresse ich im Zegg von Almut bekommen habe. Hannes wollte eine Schutzhütte ansteuern und das Feuer vorbereiten.
Da wir uns nicht einigen konnten, warfen wir eine Münze und ich verlor. Ich habe mich dann sofort auf den Abend mit Hannes am Feuer freuen können. Und es ist ein wunderbar harmonischer und stimmiger Abend geworden.

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Wir haben Äste zusammengetragen und in für in Lagerfeuer tauglicher Größe gestapelt, einen Feuerplatz auf Sand, den wir mit Hilfe einer Plane von einem nahen Haufen holten, errichtet und entzündet. Ein wärmendes Licht, am Ende eines Wandertages, die aufgebauten Schlaflager drumherum, ein Fläschchen Bier zu unserem Wohl. Selbst die Polizisten, die direkt an unser Feuer gefahren kamen, auf der kleinen Lichte am Anfang des Waldweges an der Schutzhütte, sie waren freundlich und erlaubten uns weitere eineinhalb Stunden lang Holz nachzulegen. Mit den Worten, sie hätten sich überzeugt von der vorbildlichen Art der Feuerstelle, wir sollten uns auf sie berufen, gingen sie und wir hatten das Gefühl, sie wären vielleicht gerne in unserer Welt geblieben und hätten sich dazugesetzt.
Und überpünktlich löschten wir unser Feuer und krabbelten in unsere Schlafsäcke.
Hannes wollte lieber eine halbe Stunde eher als ich das Feuer löschen. Ich wollte die geschenkte Zeit voll auskosten.
Ein anschließendes Gespräch über das herausfordern des Glücks, das uns begleitete und leitete, mich auf meinem Weg schon seit Monaten, über das Vertrauen und Verlässlichkeit ließ mich wieder unglaublich viel über mich lernen. Und auch über den Umgang mit den Dingen und Herausforderungen des Lebens.
Hannes und ich sind im Augenblick zu Gast bei Susanne. Und bei Michelle, die zwar in unserem Gastlichen Heim nicht wohnt, die uns dennoch irgendwie genauso aufgenommen hat. Michelle und Susi pflegen eine tiefe offene Verbundenheit und arbeiten zusammen in Susis veganem Kinderheim “Manuka” in Brück. Uns empfängt hier eine tief vertraute und fürsorgliche Atmosphäre.

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Obwohl auch die Tierhaltung im vegan ausgerichteten Verständnis keinen Platz hat, so wie jegliche andere Ausbeutung von Lebewesen durch den Menschen, gibt es in Manuka einige gerettet Tiere, die hier ein sicheres Heim bekommen. Iwan ist eines der zwei Schweine auf dem Hof, neben den Pferden und Ponys. Die Pferde werden nicht geritten und Iwan schläft Mittags am liebsten auf Susannes Schoß ein.

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Hannes ist in den letzten Tagen voll auf Planungsmodus. Er ist einige Tage mit mir unterwegs, um eine Pause einzulegen in der Planungsphase seines earthship. Seine Planung eines Geodomes in Äthiopien ist ein weit fortgeschrittenes und sehr vorbildliches Projekt. Ich konnte in Jena, wo ich Nadine und Boris besuchte und so Hannes kennenlernte, einen Tag seiner Planungsphase miterleben und beteiligt sein. Jetzt, hier in Schlalach plant er mit Susanne, die mit dem Kinderheim von Brück in das fünfzehn Kilometer entfernte Schlalach ziehen möchte, den kompletten Neubau eines Heimgebäudes für fast 15 Kinder. Es ist unglaublich, was für Ideen er aus dem Hut zaubert. Susanne ist glücklich, daß die Planungen so plötzlich so konkret geworden sind. Und am Freitag, bevor sie uns um sechs Uhr abends aufgegriffen hat, hat sie nicht im Traum damit gerechnet, daß sie morgen Mittag, vier Tage später die kompletten Unterlagen ausgedrückt und zum einreichen beim Bauamt in der Hand hält. Es ist eine Freude zu sehen, wie sich alles ineinander fügt.
Auch in meinem Lauf fügt sich alles immer schöner, je mehr ich loslasse.
Die Gespräche zwischen uns sind tiefen Vertrauens, offen und im Dialog. Und immer sind sie von überraschenden Einsichten, Beschauen und Vestehen bestrahlt.
In der heimeligen, hellen Küche auf dem Sofa finde ich ein Heim in mir. Hannes hört Raggae, während er dem wunderbarsten, liebevollsten, wertschätzendsten Kinderheim ins Leben hilft.
Hier tritt mein Lauf wieder in den Vordergrund, den ich momentan sehr stark spüre. Hier finde ich eine Gemeinschaft mit diesen drei Menschen, die sich so leicht und selbstverständlich in völliger Offenheit entwickelt.
Susanne hat mir, trotz meiner Skepsis eines Systemwechsels bei elektronischen Geräten, ein IPad geschenkt! Michelle hat die Sache in die Hand genommen und alle Apps und Programme, die ich brauche, auf dieses Gerät installiert…..und es mir auch noch lieb und geduldig erklärt! Was für ein Geschenk! Sie waren der Meinung, mit meinem tablet, dem der Bildschirm vor einigen Wochen an einer Stuhlkannte zerbrochen ist und zersplitterte, würde ich die nächsten Wochen nicht klarkommen. Trotz meiner Unsicherheit und Überforderung war es gleich beschlossene Sache.
Mein Lauf bekommt gerade in mir eine höhere Dichte, die letzten Wochen waren Phasenweise geprägt von der Frage ” wie geht es weiter nach dem Lauf.”
Meine Kollegen, die mir durch ihr gemeinsames “Ja” diesen Lauf so leicht möglich machten, wollten wissen, wie ich einsetzbar bin, im Schulbuchgeschäft. Seitdem beschäftigte mich die Frage “wie kann ich die Essenz meines Laufes einsetzen und zum Blühen bringen” oder ist es nicht zu vermeiden, daß ich unbemerkt wieder ins Getriebe gerate?
Mir wird immer klarer, daß ich nach meiner Rückkehr im Juni, vieles in meinem Leben ändern werde.
Ich habe verstanden, daß ich vegan werde. Der Wunsch aufgrund eines vermehrten ethischen Verständnisses, wächst seit einiger Zeit. Ich, der auf Käse nie verzichten wollte, habe meine letzte Sicherheit hier in Schlalach bekommen.
Die Klarheit und Entschlossenheit Susannes, in mehreren kleineren Gesprächen während eineinhalb Tagen, über die Verwendung von Eseln als Tragtiere als Trasporttiere im Projekt in Äthiopien, das Hannes seit einiger Zeit akribisch plant und ausarbeitet lief über eineinhalb Tage immer wieder mal.

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Susanne betonte mehrfach, “kein Mensch sollte andere Lebewesen ausbeuten”!
Und Obwohl wir nicht explizit über die Schrecken der Tierhaltung sprachen, hatte jeder von uns ein tiefes Verständnis dazu. Mir selber zogen die Greuelbilder, unseres “menschlichen” Verhaltens wie eine stachelige Perlenschnur an meinem inneren Auge vorbei.
Und mir ist klargeworden, daß angesichts des unsäglichen Leids, daß wir auf dieser Welt in unserer Bornierten Aroganz anrichten, es für mich nicht mehr entschuldbar oder ertragbar ist, einfach so weiterzumachen.
Es war zwischen Hannes und Susi zu keiner Zeit eine Diskussion, sondern lediglich Austauch von Ansichten und Gefühlen.
Das beflügelt mich sehr und ein Bild, daß sich in mir gebildet hat, wird immer stärker und klarer.

Menschen die im Kreis sitzen, um sich einem Thema anzunähern, einen gemeinsamen Weg zu suchen, Aufgaben verteilen….
Jeder in diesem Kreis nutzt seine Art der Meditation, in seine Mitte und das Thema zu kommen….. in das Thema, um das es geht.
Alle sprechen über das was sie fühlen, denken, sehen, was sie bewegt, über ihre Befürchtungen und Ängste.
Wer an der Reihe ist kann einige Sätze sagen, reihum, solange bis es nichts mehr zu sagen gibt.
Was gesagt wird, wird wertlos stehen gelassen. Jeder hört, was das Gegenüber zu sagen hat. In der Mitte des Gesprächskreises entsteht langsam das Ergebnis, zeigt sich der zu gehende Weg, das gemeinsam mögliche Etwas.
Diskussionen werden so vermieden. Letztlich sind Diskussionen auch nur Kämpfe, in denen es darum geht Recht zu haben und eigene Interessen zu wahren und durchzusetzen. Das ist kein Gemeinschaftstaugliches System.
Und jeder hört was der andere sagt.

.….……………………………… Ende Teil Eins

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283 bis 293 – Zug nach Zeven…Anreise und Anarchie

Es hatte in der Nacht geschneit, in der Regensburger Gegend. Am Tag vorher, bei einem langen Spaziergang auf dem JuraSteig mit Tyson, habe ich die Frühlingssonne noch genossen, habe an den Steinen gesessen, direkt dort, wo es einige Meter in die Tiefe geht, über dem Abgrund, Tyson ist freudig rumgeflitzt und hat mich zu allen Seiten bewacht. Da habe ich einen Hundefreund gefunden. Alle meine Gedanken, mit einem Hund zu Wandern, habe ich nach anfänglichen Reiz bei der Vorstellung, ziemlich schnell verworfen. Mit Tyson jedoch, wäre es sehr gut für mich vorstellbar. Ja, es war sogar kurz ein Wunsch.
Im Moment jedoch, hier in Jena, wäre es schwierig. Ich teile gerade mit Nadine ein kleines Studentenzimmer, wo ich auf dem Boden auf der Matratze in meinem Schlafsack lagere. Mit ihrem Bett und dem Schreibtisch….Und natürlich meinem Riesenrucksack ist das Zimmer voll. Morgen kommt Boris noch dazu. Der war jetzt einige Zeit in der Toscana. Morgen wird er nach einer 17-Stündigen Busreise hier in Jena ankommen. Ich freue mich sehr darauf, ihn wieder zu sehen. Und seit Weihnachten ist bei uns beiden Reisenden ziemlich viel passiert.

Clemens hat mich am Morgen des verschneiten 285. Tages meiner Reise, zusammen mit Tyson, zum Bahnhof in Regensburg gefahren. Die Straßenverhältnisse waren so schlecht, daß wir es gerade Pünktlich zum Bahnhof schafften.

Ich folgte einer Einladung nach Zeven, zwischen Bremen und Hamburg, von Gesa, die ich im letzten Jahr, am Tag vor meiner Reise, kennenlernt habe. Sie leitet Seminare mit Gruppen von FÖJlern, junge Menschen, die ein Freiwilliges Ökologisches Jahr in verschiedenen Einrichtungen leisten. Für die Gemeinschaft. Ich wollte Tobi kennenlernen, einen der Initiatoren des Utopival. Er sollte eine Vortrag vor 25 FÖJlern halten,hatte aufgrund von Zugverbindungen einige Stunden Verspätung und so durfte ich von meinem Vorhaben erzählen. Es stieß scheinbar auf starke Resonanz.

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So bot sie mir jetzt noch einmal diese so großartige Möglichkeit, mit einer weiteren Gruppe junger Erwachsener ins, für mich sehr ergiebige und inspirierende Gespräch zu kommen. Die drei Tage dort auf dem Hof, vom Frühstückstisch sahen wir das gemütliche Kauen der Kühe, waren für mich, trotz der Erkältung, die mich fürchterlich erwischt hatte, ein guter, frischer Quell.

Aber die Zugfahrt dorthin war ein großes Abenteuer. Ich hatte schon Tage vorher meinen Waschbeutel im Schloß Tempelhof liegen lassen, ein schwerer Verlust! Nun, auf dem Bahnhof Würzburg, unserem ersten ICE-Halt, trat ich kurz vor die Tür und prompt schloss sie sich. Mein Rucksack stand offen im Gang, die Trommel ausgepackt, meine Frühstücksbrote obendrauf. Alles Klopfen half nicht mehr. Keiner kann eine ICE Tür wieder öffnen, wenn sie einmal geschlossen ist.
Der Zug setzte sich in Bewegung, Richtung Hamburg, und einen kurzen Moment hatte ich das Gefühl, alles ist verloren.
Das Gefühl dauerte glücklicherweise nur Sekunden. Zwei großartige Mitarbeiter vom DB-Info brauchten ganze zehn Minuten, um mein Hab und Gut in Göttingen zu sichern und meine Reise über Bremen umzuleiten.
Mit allergrößter Dankbarkeit und erleichtert konnte ich meine Fahrt nach Zeven fortsetzen.

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In Bremen wollte ich den Bus nach Zeven besteigen, der Busfahrt erklärte mir, daß die Fahrt zwar auf meinem Fahrschein ausgewiesen ist, der Bus jedoch extra fünf Euro siebzig kostet.
Letztlich bot er an, mich so mitzunehmen, weil er von meinem Lauf sehr angetan war.
Alles fügte sich wunderbar, und am Abend, mit nur einer Stunde Verspätung, wurde ich herzlich im Seminar empfangen. Die FÖJ-Seminare drehen sich um Themen wie Nachhaltigkeit, Ernährung, Landbau, Geldfreies Leben…. Das Thema diesegs Seminars war Landwirtschaft und Nahrung. Das Seminarhaus lag mitten auf einem Erzeugerhof. Ich nutzte die nächsten zwei Tage um eine plötzlich ausgebrochene und heftige Erkältung zu kurieren, um dann am Donnerstag der Gruppe von meinem Lauf zu erzählen. Ich habe viele Interessierte Fragen beantwortet.
Für nicht wenige aus der Gruppe, war das ein Highlight der Woche. Ich bin sehr glücklich darüber, daß mein Lebenslauf auch sehr viele junge Menschen anspricht, die sich durchaus inspirieren lassen.

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Ich spüre in dieser jungen, nachrückenden Generation die Bereitschaft zum Aufbruch, eine Selbstverständlichkeit die alten Strukturen nicht so sehr zum Maßstab zu machen und andere Wege zu gehen. Und eine wachsende Achtsamkeit auf allen Ebenen, sich selbst und den Liebsten gegenüber, für ihre Um- oder Mitwelt. Das und das Interesse und die Empfänglichkeit für meinen Lebenslauf alle Themen, die ich im Gepäck habe, gibt mir viel Kraft auf meinem Weg weiterzugehen.
Sicherlich bin ich beim Tragen der kleinen Verantwortlichkeiten oft kläglich gescheitert, was vielem geschuldet ist, aber letztendlich auch diesem System der Angst mit ihren Sorgen.
Ich spüre den tiefen Wunsch, an die Wurzel des ganzen Mißstands zu gehen.
Ich bin in Zeven auch beschenkt worden mit Seife, Zahnbürste und Zahnpasta. Endlich wieder Duschen!
Meine Rückfahrt nach Mitteldeutschland mit der DB war auch recht abenteuerlich.
Aufgrund eines Suizides auf der Strecke von Oldenburg, mußte ich mit einer Stunde Verspätung einen anderen Zug besteigen.Der jedoch viel dann auch kurz hinter Verden aus, weil sich eine Tür nicht mehr schloss. Zurück nach Verden und dann Anlauf genommen nach Hannover. Bei dieser Aktion traf ich Attin, eine junge Frau, auf dem Weg nach Freiburg. Es schien eine Schicksalhafte Begegnung. Attin stellte auf Anhieb die richtigen Fragen zu meinem Vorhaben. Eine Verbindung war zu spüren, sie hatte sehr ähnliche Gedanken zum Thema. Leider scheinen wir uns in Hannover aus den Augen verloren zu haben. Wie schade!
Am Abend, mit zweieinhalbstündiger Verspätung bestieg ich den Bus nach Hildburghausen, von wo aus ich zu Fuß weitergehen wollte nach Weitersroda.

Das Schloß mit Treppenturm....Von der Straße aus.
Das Schloß mit Treppenturm….Von der Straße aus.

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Mein Bett im Marokkanischen Zimmer
Mein Bett im Marokkanischen Zimmer

Mia hatte mich zu Prinz Chaos, so nennt sich Radiomoderator, Sänger und Kabarettist Florian Ernst Kirner, ins Schloß Weitersroda gesandt.
Der Prinz hat vor einigen Jahren dieses Schloß gekauft, viel in Stand gesetzt, und bietet so den Raum, in dem sich eine Gemeinschaft bilden könnte. Jedoch ist es schwierig für eine Gemeinschaft im Klima einer Anarcho-Monarchie zu entstehen. Auch hier gibt es wie in anderen Gemeinschaften, Prozesse, die nur in einem Miteinander Früchte tragen können. Am Sonntag Vormittag ein Ausritt in den Weitersroda Stadtforst, ohne Pferd.

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Am Sonntag abend versammelten sich dann alle im Marokkanischen Zimmer, in dem ich Drei Nächte lang mein Lager hatte, um einer Lesung Fabians, der einen Text von einem Freund vortrug und ein paar Texten aus meinem Repertoire zu lauschen. Fabians Text drehte sich um das Vermächtnis unserer Vorfahren aus der Kriegsgeneration. Ich rezitiert einige Gedichte und las einen Text, der sich um die Entstehung von Totaltarismus drehte. Harte Kost, Nachdenkliches und lustige Anekdötchen leiteten in ein geselliges Beisammensein. Ein YouTubeVideo von Fabian ist bereits 40 000 mal aufgerufen worden. Er hält darin eine bewegende und bewegte Rede auf einer Montagsmahnwache.
“Fabian Götting – Der Löwe erwacht”

Ich habe auch in Weitersroda wieder tolle Menschen kennengelernt.
Basti, Petra, Sushilla, Melanie, Florian,Daniel, Fabian und einige Menschen mehr.
Daniel und Melanie legen seit letztem Jahr einen Permakultur-Garten an.

In der Schloßküche
In der Schloßküche

Daniel züchtet EM, daß sind effektive Mikroorganismen, mit denen er den Boden und den Kompost behandelt. Das wirkt Ertragssteigernd. Mit diesen Mikroorganismen kann mann Geschirr spülen, es bei Unwohlsein und Krankheit einnehmen und vieles mehr.
Außerdem stellt er damit Bokashi her, einen sehr Nährstoffhaltigen Kompost.

http://www.zeit.de/lebensart/essen-trinken/2011-02/bokashi-kompost-mikroorganismen

Ich könnte ihm beim Bau eines Wasserturms aus Paletten helfen. Das Wasser bewässert durch Eigendruck das neu errichtete Gewächshaus, und wir haben begonnen ein Kräuterbeet anzulegen.

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Viele Gespräche hatte ich in diesen Tagen, auch mit Basti und Fabian, zu meinem Thema, dem Ausbruch des Ersten Weltfriedens.
Ein interessantes Thema, das ganz verschiedene Reaktionen hervorruft.

Am 293. Tag meines Laufes brachte mich der Prinz, wie er auch von allen genannt wird, mit seiner Kutsche an die Autobahn.

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Tag 267 bis 282 – Wagenplatz und Wirprozess

Nach Tagen in Bingen, wo ich einige Wehwehchen auskurieren durfte und konnte. Meine liebsten Heilpraktiker haben mich mit Medizin versorgt, gegen die aufkeimende Erkältung, und meine Wirbel eingerenkt. Am 277. Tag stand ich dann an der Raststätte Medenbach, die Nase Richtung Crailsheim. Die Lebensgemeinschaft “Schloß Tempelhof” sollte mein nächstes Ziel sein. Thomas hat mich dann auch, bei sehr schönem und angenehmem Gespräch nach Würzburg mitgenommen, zu der Raststätte, wo auf der anderen Seite der Autobahn noch vor einigen Tagen mein Rohrhotel war. An der Raststätte Würzburg mußte ich lange warten. Ich bin inzwischen so sehr geduldig geworden, genieße die kurzen und schönen Momente und Begegnungen, die sich unterwegs ergeben so sehr, weil ich weiß, es wird irgendwann etwas kommen. Weil ich erkannt habe, daß Erfolge das sind was aus dem, was ich tue erfolgt, nicht was sich erst einstellt wenn ich das Ziel erreicht habe. Ich bin nur mehr gespannt darauf, was es sein wird. In diesem Fall, wer mich mitnehmen wird…Es war schon dunkel und regnerisch, die Kälte kroch mir unter die Kleider, in die Haut. Ich wünschte mir einen Engel, der mich bis zum Schloß Tempelhof trägt, da ich bei dem Wetter nicht gerne draußen schlafen wollte.
Keine zwei Minuten nach diesen kleinen Wunschgebet stand der Engel neben mir und bot an mich mitzunehmen…direkt bis zur Autobahnabfahrt Crailsheim. Der Engel hieß Pit und war aus den Niederlanden. Dort arbeitet er für einen Coffeeshopbetreiber. Während er bei 140 auf der linken Spur eine lustige Zigarette dreht, erzählte er mir seine Geschichte:
Ein Freund hatte die Idee ein spezielles Raucherutensil herzustellen. Pit bot ihm die Finanzierung des Geschäftes an, unter der Bedingung, daß es aus komplett abbaubarem Material besteht. Und so entwickelten sie ein Granulat aus Hanf und mischten es mit Naturharzen und bekamen ein plastikähnliches Material. Er schenkte mir ein Set mit einigen Zigarettenblättchen und Döschen aus ebendiesem Material, so daß ich mich von der Qualität überzeugen konnte. Das passt so wunderbar in meinen Lauf! Hanf ist eine wunderbare Alternative zu Erdöl und Baumwolle. Am Anfang des 20. Jahrhunderts war Hanf ein wichtiger Rohstoff. Die Baumwollindustriellen haben sehr viel dafür getan, daß die Weiterentwicklung dieses “open source” Produktes brutal abgebremst würde. Die Pflanze wurde für illegal erklärt und ihr Anbau unter Strafe gestellt. Die öffnende Wirkung dieser Pflanze wurde als Grund benutzt, sie mit strengstem Rauschdrogenverbot zu belegen.
So war die Tür geöffnet für Baumwollbarone ind Ölmilliardäre, für Menschenjagd und Sklavenhaltung, für Entmündigung und Verarmung,für Leid, Not, Elend, Tod….

Diese Dose besteht aus ca. 20% Hanf Teil und 80%Naturharzen, enthält kein Erdöl und ist stabil wie Plastik. Kompostierung und nahezu 100% Abbaubar.
Diese Dose besteht aus ca. 20% aus Hanf und 80% Naturharzen, enthält kein Erdöl und ist stabil wie Plastik.
Kompostierbar und nahezu 100% Abbaubar.

 

Die Fahrt mit Pit war im übrigen sehr lustig und über alle Maßen bereichernd für mich, und er brachte mich an die Autobahnausfahrt zehn Kilometer vor Schloß Tempelhof.
Sofort hielt der zweite Engel, Renate, als ich vergeblich an einer verschloßenen Gasthaustür zog, um dort nach einem Brötchen zum Abendessen zu fragen, fragte wohin ich wolle und bot an mich dort abzuliefern. Was für ein großes Glück ich habe! Wie ich verwöhnt werde. Und ich genieße es, in diesem Vertrauen alles zu finden und zu bekommen, was ich brauche. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

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So erreichte ich Schloß Tempelhof am Abend des 277.sten Lebenslauf-Tages bei Dunkelheit.
Niemand erwartete mich.
Am Ende des Anwesens sah ich ein Feuer und fand mich schnell in geselliger Runde von zehn jungen Menschen, die um das Feuer herum saßen.
Alle arbeiteten freiwillig mit am Bau des “earthship”, eines Gemeinschaftshauses für die ca. 25 Bauwagenplatzbewohner auf dem Gelände des Schloßes.
Bei Benni konnte ich die erste Nacht verbringen. In den nächsten Nächten hatte ich mein Lager auf der Baustelle, in der zukünftigen Wohnküche des earthship ausgelegt.

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Schloß Tempelhof bietet seit 2010 einer Gemeinschaft von derzeit ca. 150 Menschen, einen Ort um eine andere Form von Zusammenleben zu ermöglichen.
Die Gemeinschaft fußt auf einem sehr soliden finanziellen Fundament und ist sehr strukturiert.
Ich schnappe dort jedoch Worte auf, wie….männliche Strukturen, Verantwortung, besorgt, Geld, Druck, Sicherheit….
An vielen Strukturen wird ständig gearbeitet… An Kommunikations- und Entscheidungsstrukturen, Mitbestimmung, an Gemeinschaftsbildungsprozessen, “Wir-Prozess”. Menschen, die in diese Gemeinschaft ziehen wollen, durchlaufen eine “Annäherungsphase von einem Jahr. Nach dieser Annäherung, die jederzeit von beiden Seiten beendet werden kann, ist dann eine finanzielle Einlage von 30 000 Euro erforderlich, um dort Heimisch werden zu können.
So kommt es schon mal dazu, daß Jemand, der das Geld nicht hat, auch dort nicht leben kann.
Der Wagenplatz hat eine andere Energie. Lustvoll Experimentell, entspannt, spielerisch.

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Trotz der Diskrepanz ist diese Gemeinschaft Tempelhof ein guter Rahmen um Menschen, die außerhalb der Gesellschaftlichen Strukturen Raum suchen, diese Möglichkeit zu erschließen. Das ist ein Glücksfall. Der Wagenplatz, ein kleines Dorf neben und in dem großen Dorf Schloß Tempelhof ist eine gegenseitige Bereicherung, die größtenteils auch so von allen empfunden wird. Die 25 Bewohner des Wagenplatzes, eine Minderheit in der Gruppe der 150 Schloßbewohner, sind maßgebliche Initiatoren des Baus eines Earthship.

Die Süddeutsche schreibt über das Earthship :

“Das Earthship ist ein Haus aus alten Autoreifen, Fliesen und Glasflaschen, hässlich ist es deswegen nicht. Eher erinnert es an die Bauten von Friedensreich Hundertwasser in Wien oder Antoni Gaudí in Barcelona, die ebenfalls mit Bruchsteinen und bunter Keramik spielten. Und es ist autark. “Stellt Euch ein Haus vor, das sich selbst heizt, sein Wasser liefert, Essen produziert. Es braucht keine teure Technologie, recycelt seinen eigenen Abfall, hat seine eigenen Energiequellen. Es kann überall und von jedem gebaut werden, aus Dingen, die unsere Gesellschaft wegwirft.” So beschreibt der US-Amerikaner Michael Reynolds, der das Earthship vor 40 Jahren erfunden hat, sein Konzept, das er inzwischen tausendmal weltweit umgesetzt hat.”

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Max, der den Bau des Schiffes leitet und seine Frau Sarah haben sich in den Tagen meiner rührend angenommen. Ich schlief auf der Baustelle und konnte einige Tage mit einigen anderen Freiwilligen am Bau des
earthship mitarbeiten.

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Es gibt noch einiges mehr im Zukunftsdorf Tempelhof zu entdecken:

Die Schule für freie Entfaltung Schloss Tempelhof
Private Grund- und Werkrealschule
Die Freie Schule Tempelhof mit ca. 50 Schülern von fünf bis sechzehn Jahren wurde vor Zweieinhalb Jahren gegründet. Im letzten Jahr ist eine Jurte dazugekommen, als Ergänzung der Schulräume. Sie bietet Raum für die Jüngeren und für Kinder im Übergang vom Kindergarten in die Schule.

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Die Kinder entscheiden hier selber, wann sie vom Kiga in die Schule wechseln.
Ich habe auf meinem Weg auch Familien kennengelernt, die ihre Kinder nicht in Schulen geben, sogenannte Freilerner. Auch Zuhause bekommen Sie nur hier und da etwas Unterricht, wenn sie etwas explizit lernen möchten. Ansonsten scheinen diese Kinder sehr gut in der Lage, sich selber alles zu erarbeiten, auf natürlichem Weg. Taucht etwas auf, das sie interessiert, stürzen sie sich auf diese Themen und dringen tief ein. Der natürliche Lernimpuls, den jedes Kleinkind von Geburt an hat, wird nicht durch die Einschulung unterbrochen, sondern erfährt eine gelassene, sich entwickelnde Dynamik.

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Diejenigen “Schulverweigerer”, die ich getroffen habe, waren Schülern im gleichen Alter um Längen voraus. Leider ist es in Deutschland nicht erlaubt, seine Kinder selbst lernen zu lassen. In Belgien zum Beispiel, geht das unproblematisch.
Die Freie Schule Tempelhof begreift sich als vorübergehend, und visiert “das Dorf als Schule im gegebenen Umfeld” an.
Ich habe drei Tage am earthship mitarbeiten dürfen. Ein gutes Gefühl, mich in dieses wunderbare, zukunftsweisende Projekt einbringen und in gewisser Weise “verewigen” zu dürfen. Viele Reisende kommen, um daran Teil zu nehmen und zu geben.

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Am 282. Tag, am Samstag dann Abschied von Max, Sarah und allen, mit denen ich hier arbeiten, essen, saunen, reden… Sein durfte.
Eckhard nahm mich mit auf die Autobahn und bestand darauf, mich bis Regensburg zu fahren, wo ich Clemens in seiner “Schloßwirtschaft Heitzenhofen” besuchen wollte. Clemens und ich haben uns 22 Jahre nicht gesehen. Wir haben damals im Kafé Lagerhaus zusammengearbeitet.
Er betreibt heute die urige Schloßwirtschaft mit ausgezeichneter Regionaler Küche.

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Eckhard kam noch in den Genuß eines Cappuccino, bevor er sich nach Hause auf den Weg machte.
Die Tage in Heitzenhofen waren sehr angenehm. Abende in der Gaststube, Abwaschdienst während der Sonntagsschicht, Spaziergänge mit Tyson, der gar kein Boxer ist, Gespräche…

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Danke an Sara, Peter, Thomas, Pit, Renate, Max, Sarah, die earthshipler, Eckhard, Clemens, Micha, Tyson…

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Tag 259 bis 266 Rohrhotel und Rumorturm

Die Tage in Sommerhausen waren wunderschön. Ich habe meinen Geburtstag still, mit einigen schriftlichen Kontakten verbracht. Viele Wünsche habe ich bekommen und es war eine Freude, alle persönlich zu beantworten. Das war wie eine große Feier!
Mein Gastgeber Lutz hat mich am Morgen mit frischen Croissants und einem Strauß Tulpen empfangen bevor er am Nachmittag nach Hamburg aufgebrochen war und ich das Haus für mich hatte.
Sommerhausen habe ich auf Spaziergängen genossen. Die schöne schlichte Kirche (riesig für eine Stadt mit 1600 Einwohnern), Das Schloß mitten im Ort, und das bombastische Rathaus prägen das Bild dieses, von Wehrmauern umgebenen Städtchens. Viele Türme sichern die Tore die rund um Sommerhausen an die Mauer gestellt sind. Einer davon ist der Rumor-Knecht-Turm, in dem der Rumor-Knecht wohnte und die Ordnung im Ort aufrecht erhielt. Hier wurde mancher Störenfried auch schon mal eingesperrt!

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Dort wurde in der Vergangenheit von einem Mönchskloster als Weinlieferrant genutzt. Das Kloster verlangte von den Bürgern den Zehnten ihres Weinvorrates. Wenige Jahre vor der Reformation, leisteten die Bürger Widerstand gegen diese Form von Teilhabe. Die Mönche wurden verjagt. Einiges Ortsprägende haben sie jedoch zurück gelassen. Zum Beispiel findet man noch Gewölbehallen unter den Häusern, die so genannten Zehntelkeller. Die verschiedenen Räume sollen durch geheime Gänge miteinander verbunden sein, trotz teils aufwändiger Suchen hat aber noch niemand einen Zugang entdeckt.
In diesem Haus könnte ich einfach in liebevollster und freundschaftlicher Atmosphäre sein. Das tat so gut.
Eine Freundin, ein wunderschöner Nachgeburtstagsbesuch am Sonntag nahm mich am Abend weg von Sommerhausen in die unwirtliche Nacht der Raststätte Würzburg. Ich war auf der Seite Richtung Mannheim, hatte mir aber inzwischen als nächste Stationen die Gemeinschaft Tempelhof, den Besuch eines Freundes in der Nähe von Regensburg und einer Schamanin im Nürnberger Raum, von der ich gehört hatte, überlegt. Also mußte ich in jedem Fall auf die andere Seite der Autobahn. Würde ich es mit meinem mehr als zwanzig Kilo schweren Rucksack über die Autobahn versuchen, über die Leitplanken hinweg, würde es mir sicherlich mindestens einen Sendeplatz in den Verkehrsmeldungen bescheren. Also beschloß ich, wie es einem 54-jährigen Wanderer zusteht, die Fußgängerunterführung zu nehmen. In der Dunkelheit mit Taschenlampe mußte ich erkennen, daß der Durchgang in der Hälfte durch Bauarbeiten verschüttet war.

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Eine nächtliche Odyssee, mehrere Kilometer weit, bis zur nächstmöglichen Unterführung führte mich quer über die Großbaustelle.
Kräne, eine neugebaute, noch nicht im Betrieb befindliche Unterführung, mehrspurig, Beleuchtet habe ich mir von innen angesehen. Das war schon eine spezielle Atmosphäre. Auf dieser Baustelle fand ich dann große Eisenrohre liegen. Ein Rohr war vorne, zur Baustelle, mit einem großen Flansch verstellt, so daß ich darin einen, vor Nieselregen und Wind geschützten Schlafplatz fand. So eine Unterkunft hatte ich bis dahin noch nicht.

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Am nächsten Morgen stand ich mit einem geschenkten Käsebrötchen, daß mir ein überaus freundlich gewonnener Tankwart geschenkt hatte, am Raststätteneingang. Lorand, aus Frankfurt auf dem Weg nach Ungarn, kam zu mir und bot an, mich bis Nürnberg mitzunehmen.
Ich schaffe es inzwischen oftmals sehr bewußt, Einfach nur Räume zu öffnen, in denen ich mich erwartungsvoll aufhalte und abwarte, daß etwas geschieht. Und immer geschieht viel!
Lorand war plötzlich einfach da und sehr schnell war mir klar, daß er ähnlich wie ich, alle seine Träume, die er einst hatte, zurückgestellt hat. Die Geburt seiner Kinder und aufgrund dessen das sichern der Existenz, in der Selbstständigkeit haben ihn seinen Weg zurückstellen lassen. Er hat alles im Griff, aber er wirkt nicht glücklich. Er ist zufrieden damit, wie es läuft, aber weit entfernt von Erfüllung.
Ich habe mich in der Vergangenheit sehen können.
Er konstruiert Lastenfahrräder ind läßt sie in Ungarn bauen. Dort zählt er 20 bis 30 Prozent der Löhne, die er hier in Deutschland zahlen müßte. Anders geht es nicht, bekräftigt er.
Bei Nürnberg, in Schwaig, bin ich dann 6 Kilometer zu einer Adresse gewandert, eine Schamanin, deren Adresse ich von einer Freundin bekommen habe, und die auf einem Riesengelände einer
Graphitfabrik.

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Die Pförtnerin hat sie informiert, aber leider wollte sie mich nicht empfangen. Das alles lief telefonisch und ich hatte keine Gelegenheit vorzusprechen. Schade!

Es folgte ein sehr freundliches Gespräch mit der Pförtnerin. Irgendwann kam ein Mitarbeiter der Firma, ein sehr freundlicher, noch junger Mann, ich glaube Arabischer Herkunft und wollte mir vier große Flaschen Wasser schenken. Mein Wasser war alle und ich nahm dankend eine der angebotenen Flaschen. Er hätte mir gerne alle gegeben, was ich aufgrund des Gewichts freundlich ablehnte, nicht ohne zu versuchen, es ihm zu erklären. Als ich das Gespräch mit der Pförtnerin fortsetzte kam ein Anruf. Es war der Mann, der mir ausrichten ließ, ich möge warten, seine Frau würde mir zu Essen bringen.
Sie kam dann und brachte mir eine Tasche mit leckerstem Essen.
Ihr Sohn war ausgestiegen, es mir zu geben, und ich schüttelte ihm dankbar die Hand, er strahlte!
Seine Mutter hatte etwas ähnliches wie eine Burka an, ihr Gesicht war frei… (ich weiß nicht wie das heißt, ich weiß auch nicht, ob Burka mit h geschrieben wird!)
Ich wollte der Frau in der Burka, aus Dank für die Essenstüte, die Hand reichen, sie gab mir jedoch den kleinen Finger und lächelte warm.
Was weiß ich denn schon von Sitten, Gebräuchen, von Anstand in anderen Kulturkreisen?
Garnichts! Wie begrüßt man Gäste? In dem man ihnen vorschreibt, wie sie sich zu verhalten haben? Das ist mir nirgends begegnet, wo ich zu Gast war! Fast immer höre ich: Feel Free…. Fühle Dich Frei!

Es ging zum Abend und ich war durchgefroren und erschöpft.
Auf dem Rückweg zur Autobahn fragte ich in einem Italienischen Restaurant, ob ich mich aufwärmen dürfte. Ich durfte!
Die freundliche Bedienung brachte mir ein Wasser und Bruschetta, daß ich gerne aß.
Und kurz darauf setzte sich ihr Freund zu mir, der mir von seinem Plan erzählte, einen Motor zu bauen, der ohne den fossilen Brennstoff laufen wird. Er ist Mechatroniker und hat ein monumentalen Detailwissen in dem Bereich. Ich hoffe, er baut es bald! Sie boten mir einen Schlafplatz an und ich hatte eine warme gemütliche Nacht.
Am nächsten Tag Schnee, Regen, ich bin von einer hoffnungslosen Autobahnauffahrt zur nächsten gerutscht, in entgegengesetzte Richtung, bin schließlich in Lauf, nördlich von Nürnberg gelandet. Dort habe ich auf der Suche nach Essen, in einem Biosupermarkt Zwei Baguette geschenkt bekommen, die ich dort an einem Tisch genüßlich verspeiste.
Heiner sprach mich an und bot mir das Gästezimmer in seiner Gemeinschaft an. Die Simmelknödel, so nennen Sie sich, sind 12 Menschen, die im Projekt für gemeinsames Leben das Experiment der Selbstversorgung versuchen. Momentan leben sie in einer alten Gaststätte in Simmelsdorf.

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Einen großen Hof suchen sie gemeinsam, um weitere wichtige Schritte in einen Selbstversorger-Garten zu versuchen. Der Verein, den sie zu diesem Zweck gegründet haben, versucht mit Hilfe des Mietsyndikat ein geeignetes Objekt zu finanzieren. Das Mietsyndikat ist ein Zusammenschluß von Privatinvestoren, die ihr Geld in sinnvollen Projekten anlegen wollen. In ganz Deutschland werden so mehr als Einhundert Projekte und viele Objekte finanziert. Das ermöglicht Projekten kleine Mieten.

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Ich genieße die Wärme und das Leben.

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Tag 211 bis 258… Reflexion und Renaissance

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Donnerstag 11. Februar

Viel gäbe es zu erzählen, vieles ist bei dieser Vollbremsung mitten im Lauf geschehen. In Icking, an der Isar, habe ich im Wald gesessen und geschaut, wie ich mit der Information, meine Mutter liege im Krankenhaus, umgehen sollte. Ich bekam unter der Kiefer das klare Gefühl meinen Lauf zu unterbrechen und nach Bassum zu fahren. Ich habe mich in Icking am Donnerstagmorgen von meinen Gastgebern Mona und Andreas verabschiedet den Zug bestiegen und bin, leider zu spät in Bassum am Abend angekommen.

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Es folgten Tage im Kreis der Familie, Begegnungen mit alten vertrauten Nachbarn und Freunden, intensive Gespräche, Erinnerungen…

Mehr als einen Monat habe ich hier verbracht, im Haus meiner Kindheit und Jugend, daß ich einen Tag vor meiner Einschulung 1968, mit meinen Eltern und meinem Bruder bezogen und mit Neunzehneinhalb Jahren mit zwei Plastiktüten und dreiunddreißig Mark in der Tasche verlassen habe.
Und jetzt gehe ich ein zweites Mal, fast 35 Jahre später.
Ein letztes mal!
Die Zeit der letzten Wochen, die nach eigener Gesetzmäßigkeit lief, verstrichen, ein langes stöbern, in den Bildern der Kindheit, nicht um mich darin zu verlieren, sondern zu entdecken. Ich sehe auf ein Leben, daß den Anfang in den übriggebliebenen Bildern einer nicht nur schönen Vergangenheit nahm. Nicht in die Schubladen und Fächer der Schränke habe ich geschaut, es haben sich meine innersten Fächer der Vergangenheit in die Gegenwart geöffnet.
Vieles, das ich mir immer wieder in den Weg stelle, ist für mich begreifbar geworden, hat alte Bilder ausgelöst, von denen ich einige, nun schon mal gelockert dann auch auspacken, ansehen und gehen lassen konnte.
Auslöser war die Liebe, wie immer. So ist das bei mir.
So war meine Wanderung in den letzten Wochen eher eine innere. Und der Rucksack ist nun hoffentlich wieder etwas leichter.
Aus diesen Erkenntnissen heraus, kann ich wieder ein wenig mehr zum Schöpfer meiner Realität werden.
Der Schritt, sich seinen Schatten zu stellen, ist dabei meiner Ansicht nach ein unverzichtbarer.
Meine Entwicklung kann ich ebenso im Außen beobachten.
Auch in der Gesellschaftlichen Konstruktion wird diese Entwicklung sichtbar. Durch jetzt mögliche Verbindung von Menschen fließen Informationen allen zu. Das wahre Gesicht unserer Ordnung, die Hinfälligkeit unseres Systems steht allen vor Augen.
Anstatt wieder Schuldige zu suchen, ist es jetzt wichtig es uns anzusehen, wertfrei, uns gegenseitig Unterstützung auf unserem Weg von der Gesellschaft zur Gemeinschaft zu geben.
Es sind die Themen, die alle Menschen wohl mit sich schleppen, wie zum Beispiel nicht gewollt zu sein, albern zu sein, den richtigen Platz in dieser Welt nicht zu finden, Anerkennung, die Ängste und vieles mehr, was unsere Realität täglich bestimmt. Es mischt und gewichtet sich bei jedermensch anders.
Es ist meine Wahl, die Richtung zu ändern, andere Gewichtung zu schaffen, das Positive zu fokussieren. Davor steht aber auch die Erkenntnis der Brüchigkeit und das heraustreten aus dem, was uns lebenslang als gemütlich eingerichtete, aber viel zu enge Stube zur Verfügung stand.
Eng und eingegrenzt. Glück und Liebe oftmals ausgegrenzt.
Die Beschauen schaffen Platz.
Und je mehr Platz ist desto tiefer kann ich schöpfen, wieder zum Schöpfer werden, meine Realität werden lassen, wie sie tief in mir gründet.
Es ist meine Bestimmung!
Jedermenschs Eigene Bestimmung.
Wir bestimmen, denn wir haben alle eine eigene Stimme.

So geh ich nun bald weiter, mit hoffentlich leichteren Gepäck.
Obwohl ich in den letzten Tagen an dem Punkt war, aufgeben zu wollen, nach einigen Tiefpunkten, werde ich meinen Weg weitergehen, mit klaren Bildern, mit guter Führung.
Ich bin sehr gespannt, auf alles, was auf dem Weg wartet.

Dienstag 16. Februar

Göttingen. Ich sitze hier im ICE, Richtung Würzburg auf dem Boden zwischen den Wagen und versuche das Tagebuch auf Stand zu bringen.
Göttingen!!….ungefähr auf dieser Höhe habe ich am 7. Januar erfahren, daß ich zu spät komme.
In Hannover bin ich umgestiegen. Mit Verabschiedung von Thomas, einem Mann, vielleicht in meinem Alter, Doktor mit Lehramt an einem Forschungsinstitut in Berlin. Er arbeitet mit seinen Studenten an Lösungen zur Problematik der Kalieinleitung in die Werra mit nicht guten Folgen für Umwelt und Tierbestände, und für die Fischerei in der Weser.
Nach Antje der zweite an zwei Tagen, der sich mit der Forschung an Fischen beschäftigt.
Er hat außetdem von seinen letzten Jahren in der DDR erzählt. Er war Zugführer und wollte gerade eine kleine Karriere in der Volksarmee starten, als die Grenze fiel. Als die Armee 1990 aufgelöst würde, würde er, wie viele andere, die gerne Volksarmisten waren, arbeitslos. Unser Thema war auch das nicht hinterfragen und anpassen ans System ….Und über vieles in die Richtung, was natürlich mich mit meinem Thema bewegt hat. Ich selber habe ja viele Dinge in unserem System einfach gemacht, weil es irgendwie alle so gemacht haben.
Und jeder von uns muß, um in diesem System vermeintlich einen Platz zu erhalten, eine über sich selbst hinaus gehende Verantwortlichkeit ausblenden, sogar von sich weisen. Wir sind aber in hohem Maße verantwortlich, nicht nur für das, was wir tun, sondern auch für die unterlassene Hilfeleistung, auf welcher Ebene, mit welcher Begründung auch immer!

Im Zug lesen einige Menschen das Schild auf meinem Rucksack. Ich beantworte Fragen, habe gute inhaltliche Gespräche, werde beschenkt, mit Kaffee und Keksen, und von einem älteren, sehr freundlichen Paar mit selbstgebackenem Topfkuchen. Die Menschen gehen an mir vorbei und beschenken mich und immer wieder bedanken sich einige bei mir, für das, was ich da mache! Das bestärkt mich sehr.

Von Bassum bin ich am Donnerstag aufgebrochen, zu Fuß nach Bremen, um dort den Zug nach Würzburg zu besteigen. Bis Erichshof hat mich Roman aus Harpstedt begleitet, den ich vorher nur mal am Rande wahrgenommen hatte. Wir haben aber nie miteinander gesprochen.

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Es war ein großartiger, bereichernd Gang. Ich habe einen kleinen Exkurs in die Welt der Heilpflanzen und Pilze bekommen.
Roman hat ein ungeheures Wissen und Verständnis auf dem Gebiet.
Ich freue mich schon jetzt auf die Kräuter- und Pilzexkursionen, zu denen wir nach meinem Lauf verabredet sind.
Die erste Station nach Bassum war Erichshof, wo meine Cousine Tania mit ihrer Familie, mit ihrem Partner Marcus und ihren Töchtern Celine und Emilia lebt.
Emilia ist Acht Jahre alt und verfolgt meinen Lauf zusammen mit Tania von Anfang an mit großem Interesse. Sie hat mir zu Beginn ein Bild gemalt, das mich erst jetzt erreicht hat. Das hat mich sehr glücklich gemacht und mir Hoffnung gegeben. Emilia macht sich viele Gedanken über die Rettung unserer Erde als Lebensraum und sagte:
” Das Gedicht möchte ich gerne Jens mit auf den Weg geben. Denn wir müssen mehr auf die Natur achten, sonst geht es uns bald nicht mehr gut. Er kann es vorlesen und dann verstehen die Leute vielleicht, dass die Indianer recht haben.”
Das hat mich sehr berührt. Wenn ich mutlos bin, erinnere ich mich daran und es ist für mich keine Frage mehr, ob ich weitergehe….
Alleine dafür hat sich mein Lauf gelohnt!

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Freitag ging es dann weiter nach Bremen. Marcus hat mich von Erichshof nach Bremen-walle begleitet wo ich bei meiner urältesten Freundin Ulli zwei Tage in wunderbarstem Dauergespräch in Verbundenheit verbracht habe.
Eine Nacht bei Yaro und Merle folgte. Bis mein Zug am Dienstag ablegen sollte, bin ich einer noch einer Einladung von Antje gefolgt, die ich bis dato nicht persönlich kannte, und habe in ihrer WG mit Blick auf die Weser genächtigt. Sie ist Doktorin in maritimer Mikrobiologie und entwickelt ein Verfahren, ohne die Anwendung von Gen-tests, die Art und Herkunft von Speisefischen zu bestimmen.
Antje hatte einige Fragen zu meinem Lebenslauf, zu Motiven und zu Modellen, die ich unterwegs kennengelernt habe.

Ich hatte eine intensive, innere Zeit in Bassum.
Ich habe in meinem Elternhaus unten im Wohnzimmer auf dem Sofa geschlafen und nicht im Gästezimmer, das mir Kinderzimmer war.
Ich habe einen großen Bogen um Harpstedt gemacht, um das Gefühl zu haben, ich bin noch unterwegs und auch diese Phase ist Teil meines Lebenslaufes.
Der Weg von Bassum nach Erichshof mit Roman, der schöne Aufenthalt bei meiner Cousine Tania und ihrer Familie, Emilia und Celine, Markus, der mich nach Bremen begleitet hat und abends noch ganz nach Erichshof zurückgehen wollte, die Tage mit Ulli, die Treffen auf der Straße, erst Tanja und Ingo aus Harpstedt, dann Michael und Maike, dann der Besuch bei Antje und die Zeit mit Yaro und Merle…..Waren ein wunderbarer stimmiger Übergang und sehr belebend und bereichernd und einfach total schön.
Jetzt bin ich seit gestern Abend in Sommerhausen, bei Lutz und Moni, alten Freunden und Reform-Pädagogen.
Moni war viele Jahre Leiterin des
Freinet-Kindergartens in PrinzHöfte, den unsere Söhne, Yaro und Tarik besucht und in dem sie ein gutes Fundament für Ihr Leben bekommen haben. Einer der Kernsätze der Freinet-Pädagogik heißt:
“Adler steigen keine Treppen”

Die vier Grundsätze der Freinet-Pädagogik sind:
1.Freie Entfaltung der Persönlichkeit
2.Kritische Auseinandersetzung mit der Umwelt
3.Selbstverantwortlichkeit des Kindes
4.Zusammenarbeit und gegenseitige Verantwortlichkeit.

Lutz war einer von zwei Freinet-Pädagogen, mit denen zusammen wir und acht andere Eltern vor zwanzig Jahren die Freie PrinzHöfteSchule gegründet haben, die unsere Jungs glücklicherweise beide ein paar Jahre besuchen konnten.
Lutz und Moni haben sich vor sieben Jahren ein wunderschönes Haus in Sommerhausen zugelegt, das sie seitdem restaurieren und seit einigen Wochen ganz bewohnen. Es stammt aus dem zwölften Jahrhundert, ist im Laufe der fast tausend Jahre durch sämtliche Epochen gegangen und immer ist einiges hängen geblieben, ein Wahnsinns-Gewölbekeller von Elfhundertund…,viele Wände und Türen aus dem Mittelalter, Decken aus der Renaissance, Elemente aus Barock, Rokoko und Historismus…

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Die sehr ausführliche Hausführung war eine wunderbare, informative Zeitreise.
Und ich habe hier ein schnuckeliges Zimmer für die nächsten Tage, in denen ich mich um mein Tablet kümmern muss.
Das Display hat Risse. Es wird wohl so nicht lange halten. Am oberen Rand splittert es schon.
Aber auch so wird es irgendwie weitergehen.
Erstmal ein kleiner Spaziergang um das Haus herum… Sommerhausen hat keine zweitausend Einwohner, mehrere Theater und Ateliers, Dicke Schutzmauern,Türme, nur alte Häuser, eine prächtige Kirche, ein noch prächtigeres Schloß und ein sehr prächtiges Rathaus. Man hat sich hier nichts geschenkt!
Auf einen Sohn Sommerhausens bin ich hier gestoßen, bei meinen Gastgebern um die Ecke, auf der Schaufensterscheibe der Vinothek des fränkischen Weinbaupräsidenten Arthur Steinmann:
Francis Daniell Pastorius.
Pastorius war der Erste Deutsche Einwanderer in Amerika. Er war Quäker und dementsprechend lehnte er die Herrschaft von Menschen über Menschen ab. Und tat es kund!

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“1688 initiierte Pastorius den ersten Protest gegen die Sklaverei in Amerika. Wie sind doch viele auf See voller Angst und verzagt, wenn sie ein fremdes Schiff sichten.
WIR SOLLTEN ALLEN MENSCHEN GLEICHES TUN, WAS WIR ERWARTEN DASS UNS GETAN WIRD.
OHNE UNTERSCHIED DES GESCHLECHTES, DER HERKUNFT ODER DER FARBE.
WAS AUF DER WELT KANN UNS SCHLIMMERES ANGETAN WERDEN, ALS DAS UNS MENSCHEN RAUBEN UND ENTFÜHREN. Und dann als Sklaven im Ausland verkaufen und dabei Gatten und Ehefrauen und Kinder voneinander trennen. Wenn es bis heute nicht so geschah, kann es uns noch so ergehen.
DAHER PROTESTIEREN WIR und sind gegen diesen Menschenhandel.
Jeder Mensch sollte aus den Händen der Räuber befreit werden. Falls sich diese Sklaven einmal zusammenschließen sollten, UND UM IHRE FREIHEIT KÄMPFEN, und ihre Herren und Herrinnen so behandeln, wie diese vorher mit ihnen verfuhren, werden dann diese Herren und Herrinnen das Schwert ergreifen und gegen jene armen Sklaven mit Waffengewalt vorgehen?
Oder haben diese nicht das gleiche Recht , um ihre Freiheit zu kämpfen, wie ihr es habt, um sie als Sklaven zu halten? ÜBERLEGT NUN DIESE SACHE GRÜNDLICH, OB SIE GUT ODER SCHLECHT IST!”

Ich schließe mich ihm an!

Tag 205 bis 210 … Ingwer und Olympia

“Jeder Augenblick kann ein denkwürdiger Augenblick sein!”
CS.

München…

Nach den glücklichen Tagen im Studio, folgte ich am Samstag, dem zweiten Weihnachtstag, einer Einladung vzon Rut und Andreas, ein paar Tage bei Ihnen und Ihrer Familie in der Gegend von Schwabing zu bleiben. Andreas ist Komponist und komponiert Filmmusik.
Am Abend nahmen mich beide mit auf ein kleines Fest von Freunden.
Fünf Musiker, die seit Jahren zusammenspielen und zehn weitere sangesfreudige Gäste machten diesen Abend zu einer wundervollen Session. Lieder aus vollen Herzen!
Boat on the river ebenso wie Pink Floyd-Stücke und sogar circle songs, mit Piano, zwei Gitarren und Saxophon.
Andreas erzählte mir, Hardy, der Saxophonist, besitzt fast einhundert Saxophone. Und er versteht sie zu spielen.
Ein sehr schönes Buch über Saxophone hat er geschrieben………

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Hardy ist Kulturdezernent außerhalb Münchens. Im Moment proben Hardy und Andreas hier im Wohnzimmer für ein LeseinformationsMusiktheaterstück über Saxophone, das in den nächsten Tagen zur Aufführung kommt. Sie arrangieren Musikstücke neu für die Ausführung. So bin ich mal wieder in den Genuß von einigen Passagen von Ravels Bolero gekommen, in einer schönen Version für Saxofon und Klavier.
Seit dem Abend des Ersten Weihnachtstages versucht sich eine Erkältung in mir breitzumachen. Hals-Rachen-Nase.
Ich habe vielleicht nicht ganz so gut auf meinen Körper geachtet, mich bei Frühlingstemperaturen zu luftig angekleidet, und die Tage auf der Autobahn hatten auch ihren Preis.
Ich habe hier, in dieser gechilten und tiefenentspannten Atmosphäre einen schönen Raum zum Genesen. Von Martina haben wir in Moers eine riesige Knolle Ingwer geschenkt bekommen, für viele Kannen Ingwertee.
Boris und ich haben unterwegs abends nach heißem Wasser für meine Termoskanne gefragt und dann einfach Ingwer hineingeschippelt.
Ein wunderbares Getränk! Am liebsten mag ich heißes Ingwerwasser ganz scharf.
Hier trinke ich mehrere Kannen am Tag. Das stärkt die Abwehrkräfte.
Am Sonntag machten wir einen schönen Spaziergang in den Olympiapark.

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Ein Bierchen in Picknickatmosphäre bei Sonnenschein, ein paar Fotos und Videos, und ein fantastischer Blick auf München und die gesamte Alpenkette, bis hin zur Zugspitze, die wie die Lok vor den Bergzug gespannt ist. Von dort oben beobachteten wir den Sonnenuntergang über München.

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Die Hügel des Olympiaparks sind aus den Trümmern des letzten Weltkrieges gebaut. Man hätte sie auch aufschütten können, ohne vorher Häuser daraus zu bauen und sie wieder zu zerstören. Was für ein Aufwand!
Die Tage bei Rut und Andreas, Mara und Jonas waren sehr behaglich und meine Erkältung ist schnell fast verschwunden.
Am Dienstag Morgen habe ich dann Abschied genommen, nicht ohne vorher noch für Maras Polaroidprojekt, für ihre Bewerbungsmappe für das Studium Bühnenbild, Modell zu stehen.
Und ich habe meinerseits die ersten zwei Steine an Rut und Mara überreicht, mit der Bitte um weiterreichen.

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Hintergrund:
Die Idee der HerzWanderSteine ist von meinem Sohn Yaro und sehr schön. Ich schreibe auf einen Stein die Adresse eines Empfängers und gebe ihn einem Menschen meines Vertrauens. Dieser gibt den Stein an jemand anderen weiter…… Bis er beim Empfänger ankommt. Jede Weitergabe kann auf der Lebenslauf-Facebookseite mit Foto kommentiert werden.
Verantwortung, Vertrauen, Verbindung…..
Die ersten beiden HerzWanderSteine gehen natürlich an Birgit und meine Söhne. Einige werden folgen, an Menschen, denen ich für Ihre Anteilnahme und Unterstützung von Herzen danke.

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Ich habe mich auf dem Weg zu meiner nächsten Einladung, dann mit Raphael, einem Freund aus dem heimatlichen Wildeshausen getroffen. Wir haben gemeinsam die Gegend im und um den Englischen Garten erkundet.
Raphael erzählte mir, daß er zusammen mit Freunden und Interessierten einen Permakultur-Garten direkt am Zentrum Wildeshausens anlegt. Ein Grundstück dafür wurde Ihnen überlassen.

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Als mich Raphael am Abend verließ, machte ich mich auf zu Sabine und Hans. Sie hatten mir angeboten bis Neujahr bei Ihnen zu Gast zu sein.
Sabine verfolgte mich über Facebook und schrieb mir, als sie gewahr wurde, daß ich mich in München aufhalte.
Sie wohnt in der ersten von fünf “Wagnis” Siedlungen. Nach Gründung einer Genossenschaft haben viele, wie Sabine und Hans, Grundstücksanteile erworben und damit auch das Anrecht auf eine Wohnung mit lebenslangem Wohnrecht auf Grundlage einer Mietumlage.
Das Konzept sieht vererbbaren Wohnraumbesitz nicht vor.

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Die Architektur setzt auf Gemeinschaft, Nachbarschaft und Kommunikation. So gibt es offene Treppenhäuser und auf allen Etagen Laubengänge von wo aus die Wohnungen zu betreten sind.
Auch ist das Wohnkonzept mehr auf Gemeinschaft ausgerichtet:

-Partizipation am Baugeschehen und darüberhinaus in der Genossenschaft
-Wohnungen für Singles, Paare, WG’s, Familien und Alleinerziehenden unter einem Dach.
-Nachbarschaftliches und quartiervernetztes Mehrgenerationen-Wohnen in partizipativen und selbstorganisatorischen Strukturen vom Beginn der Planung an.
-Resourcenschonendes, ökologisch verantwort- bares Bauen und Leben.
-gefördert und freifinanziert
-einen Gemeinschaftsgarten, Büros, Gästezimmer, Nachbarschaftsbörse und vieles mehr.
-Neben klassischen Wohnungen entstehen neuartige Wohngemeinschaften (Cluster) und die Künstler-Wohngruppe ARTrefugio, Ateliers und Werkstätten, Praxis- und Büroräume sowie ein Kunst-und Kulturcafé mit Veranstaltungsräumen.
www.wagnis.org

Es ist sehr viel Lebendigkeit in Wagnis 1 zu spüren.

Am Silvestertag hat Sabine mir eine besondere Freude gemacht. Sie ist Trommelbauerin, was mir gleich, als ich es gesehen habe, die Augen hat leuchten lassen. Sie hat einen Spontan-Trommelbauworkshop mit mir, ihrem Mann Hans und Nachbarin Andrea in ihrer Küche veranstaltet und ich durfte mir eine eigene Trommel bauen. Sie konnte nicht wissen, daß der Wunsch nach einer solchen Ritualtrommel seit einiger Zeit in mir schon sehr stark war. Was für ein großes Glück. Es war für mich ein sehr konzentrierter und intensiver Tag mit schönen Ritualen.

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Und meine neue Begleiterin war mir von Anfang an sehr vertraut.
Wir entlocken uns gegenseitig die schönsten Töne.
Ins neue Jahr habe ich mich getrommelt, mit einem Gläschen Wein auf das neue Jahr geschaut und an meine Liebsten gedacht.

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Ich bin sehr gespannt auf dieses kommende Jahr. Vieles wird passieren.

Tag 194 bis 204…Weihnachtsmarkt und Wiedersehen

“Wüßte ich alle Geheimnisse
Und hätte ich alle Erkenntnisse
Und hätte ich die Liebe nicht
So wäre ich nichts”

-Auf einer Mauer in München-

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Die Zeit mit Martina und Martin endete am Dienstag. Wir verließen sie, nicht ohne vorher noch meine Federgeschmückte Mütze zu suchen, die schließlich wieder auftauchte. Glück sei Dank! Mir hätte meine Krone sehr gefehlt.

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Wir gingen am Abend Richtung Autobahn um Moers in Richtung Essen zu verlassen. Nach einiger Zeit an einer ungünstigen Autobahnauffahrt beschlossen wir auf einer Wiese unser Lager für die Nacht aufzuschlagen. Es regnete in der Nacht, wir hatten das Tarp notdürftig über uns aufgespannt. Morgens war alles sehr feucht geworden, weil das Dach nicht alles abzudecken vermochte.
So fand uns am Morgen das Filmteam… Tanja, die Regisseurin kam aus München in Begleitung des Kameramannes Thomas und des Tonmannes Stefan, die ich noch nicht kannte…Es passte von Anfang an sehr gut zusammen.

Kameramann Thomas, Tonmann Stefan, Aktivist Boris
Kameramann Thomas,
Tonmann Stefan,
Aktivist Boris

Wir wurden beim Trampen gefilmt, was den natürlichen Verlauf der Dinge, den Flow, wie wir es nennen, ersteinmal völlig aushebelt.
Wenn wir im Flow sind, fügen sich die Dinge von selbst. Die Dreharbeiten besetzen den freien Raum, den es braucht, damit sich Situationen einstellen können. Aber die Situationen sollen in dem Film eingefangen werden… Eine Unmöglichkeit! Schwierig!
Glücklicherweise hielt in dem Moment, in dem wir gerade beschlossen hatten eine andere Auffahrt zu nutzen, die drei Kilometer weiter mehr Erfolg versprach. David, ein junger Mann, der uns bis nach Essen zum Weihnachtsmarkt mitnahm.

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Dort trafen wir im Verlauf der Dreharbeiten auf dem Mittelaltermarkt auf Markus, den Töpferbaron. Es ging auf den Abend zu und da Boris und ich einen Schlafplatz suchten, vermittelte er uns an Rolf den Schmied, der uns auch gleich einen Schlafplatz in seinem Kinderschmiedestand anbot.

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Er schmiedet dort an einer kleinen Esse, zusammen mit den Kindern kleine Hufeisen und wer möchte darf sich einen Lederbeutel herstellen.
Er verlangt kein Geld dafür. Jeder darf geben, was er möchte, oder auch nichts. Das hat uns sehr beeindruckt. Er schenkt und wird belohnt. Manche Menschen geben nichts, manche mehr. Er kann davon leben.
Am Donnerstag drehten wir einige InterviewSequenzen im Park.
Da der Tag mit den Dreharbeiten sehr schnell vorbei ging, beschlossen Boris und ich noch eine Nacht in Essen zu verbringen und wurden von Rolf eine weitere Nacht herzlich aufgenommen. Er brachte uns ein neues Spiel bei… “AltWerkWeh”. Es erinnert etwas an Mühle, Dame, Halma….

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Am Freitag besuchte mich meine Familie in Essen. Ich habe zwar alle während meines Laufes mal gesehen, aber einen gemeinsamen Tag hatten wir seit genau sechs Monaten nicht. Ich bin mit meiner Aufgabe, meinem Lebenslauf und allem, was mir begegnet, innen und außen so sehr herausgefordert, daß ich selten gewahr bin, wie sehr die Menschen die ich einfach verlassen habe erst einmal von dieser neuen Situation gefordert sind. An diesem Tag in Essen hatte ich das Gefühl, daß jeder seine Schritte gegangen ist, und die Situation, wie sie ist, immer besser annehmen und mir vielleicht auch eines Tages meine kompromisslose Entscheidung vergeben kann.
Ich habe meine Liebsten genossen und konnte sie am Abend glücklich und etwas wehmütig verabschieden.

Boris ist irgendwann am Tag nach Köln gefahren, zu Freunden.
Ich bin abends hinterhergetrampt.
Ich habe nicht lange an der Autobahn gewartet, da hielt Rebecca und hat mich direkt pünktlich zum grandiosen Konzert von “Bermooda” in Köln direkt vor die Tür gebracht. <3 Rebecca versucht, wie so viele Menschen, die Aufgaben, die das Leben ihr als Alleinerziehende Frau stellt, zu bestehen. Sie hat ihre Mitte etwas verloren und wirkt sehr getrieben. Viele Menschen geben soviel ihrer Energie in die Erhaltung des Systems. Es ist komisch für mich, das zu sehen. Und gleichzeitig macht es mich traurig. Ich stelle mir vor, niemand müßte mehr Energie in den Kampf, in diesem System nicht unterzugehen, stecken. Was könnten wir mit der Energie alles schaffen....Und besser und lebenswerter gestalten.... Sie fuhr unkonzentriert und sehr riskant. Als sie mich kurz vor dem Ziel absetzten, hatten wir noch eine Zigarettenlänge für etwas Gespräch und damit sie sich kurz entspannen konnte. Ich zeigte ihr das Atmen, tief in den Bauch, wie ich sie auf meiner Reise in Steyerberg von Johanna gelernt hatte. Mir hat es in vielen Situationen schon sehr gut getan. Ich kann inzwischen selbst Schmerzen durch die Atmung lindern. Der Eintritt zu dem Konzert war frei! Boris traf ich am Eingang wieder. Was für ein Tanzabend! Die Band gibt es erst ein Jahr. Georg, den Sänger habe ich kennengelernt... Was für ein Fest! Bei Boris Freundin, Rovanna, bin ich in der kurzen Nacht untergekommen. Boris hat am nächsten Tag den Bus nach Passau genommen, um an einem Gemeinschaftsgründungstreffen teilzunehmen und ich bin hinterhergetrampt. Ich habe mich am Samstagabend an die Auffahrt der A3 gestellt, die direkt nach Passau führt, um erst einmal auf die erste Raststätte zu kommen. Ziemlich schnell hat mich eine freundliche Frau Richtung Frankfurt mitgenommen. Da sie ein Telefonat mit einer Freundin nicht abbrach, konnten wir nicht richtig darüber reden, wie weit sie mich mitnehmen kann. Als ich merkte, daß sie Richtung Frankfurt-Hahn zum Flughafen wollte, um einen Freund vom Flieger zu holen, war es leider zu spät. Ich war auf einer anderen Autobahn gelandet. Es war die nach Mainz, Mannheim..... So hatte ich Gelegenheit noch liebste Freunde in der Nähe von Bingen zu besuchen. Ich schlief ein paar Stunden auf einer Wiese auf der Raststätte "Mosel", wo mich morgens Saskia einlud und direkt an die Abfahrt Rümmelsheim brachte. So kam ich überraschend und pünktlich zum Frühstück bei Peter und Sara an. Am Abend, nach einem wunderschönen Tag in liebevoller Atmosphäre, inmitten von Weihnachtsvorbereitungen, ich war Zeuge des entstehens einer Flottille samt Kapitän und der historischen Entdeckung eines Schachspiels aus dem 12. Jahrhundert, brachte mich Sara wieder auf meinen Weg auf die A3. Das war noch ein schönes Wiedersehen. Und noch eine Flasche Wein, von meinem Lieblingsfluß, der Nahe begleitete mich. Ich wurde nach einiger Zeit dann von einem freundlichen und interessierten Paar aus Belgien, in einem älteren sportlichen Volvo mitgenommen. Bis Nürnberg wollten sie mich bringen. Bei Aschaffenburg, gegen Mitternacht, machte das Auto komische Geräusche und qualmte plötzlich heftig. Der Zahnriemen war gerissen und wie wir später vom Abschleppdienst erfuhren, war der Motor nicht mehr zu retten. Sie nahmen ein Zimmer in Aschaffenburg, und ich mußte nun ein weiteres Mal versuchen, wieder auf die A3 zu kommen. Da es regnete und ungemütlich würde, habe ich mich Schlafsackumschlungen unter das Eingangsdach eines Mercedes-Autohauses gesetzt und drei Stunden im Sitzen geschlafen. Um Acht weckte mich ein junger Mitarbeiter, und scheuchte mich nicht etwa weg, wie ich erwartete, sondern schenkte mir eine Tüte Weihnachtskekse und wünschte mir einen guten Morgen! <3 Wenn ich denn noch mal ab und an Erwartungen habe, werden die nicht mal mehr erfüllt! Wie schön. Ein freundlicher Mann brachte mich von dieser schwierigen Auffahrt weg zur nächsten Raststätte, wo ich mich gegen Mittag mit einem Stuhl vor den Eingang setzte und gespannt wartete, was wohl als nächstes passieren würde. Ich fragte die Reisenden, nach einem Platz im Auto... Ich hatte tolle Gespräche an der Raststätte, bekam mehrere belegte Brötchen geschenkt, viele Getränke, Geldscheine wollte man mir zustecken, insgesamt 60 Euro, die ich alle ablehnte, worauf ich noch mehr zu Essen bekam... Soviel Freundlichkeit. Das wärmt das Herz. Oft werde ich nach negativen Erfahrungen gefragt, und immer antworte ich, daß ich noch keine schlechten Erfahrungen auf meiner Tour gemacht habe. Und das stimmt. Jedoch gibt es Reaktionen, die ich ganz fürchterlich und Traurig finde. Wenn ich Menschen auf dem Weg zu ihrem Auto freundlich und achtsam frage, ob sie in meine Richtung fahren und sich vorstellen können, mich mitzunehmen, und sie gehen einfach weiter und tun, als ob sie mich nicht wahrnehmen würden, was wohl ihrer Unsicherheit oder Angst geschuldet ist. Darin liegt eine so starke Verachtung, daß es mich erschüttert. Absagen auf Augenhöhe, wie von zwei Frauen, die beide freundlich erwiderten, nachdem sie mich angehört hatten, sie möchten niemanden mitnehmen, nehme ich dankbar ohne Hadern an. Aber Luft für jemanden zu sein, trifft tief! In diesen Stunden auf der Autobahnraststätte hatte ich beide Extreme reichlich. Bis dann Julia und Thomas kamen und mich direkt nach Ruhstorf bei Passau brachten. Julia Übernahm nach kurzer Zeit das Steuer, damit Thomas und ich vieles besprechen konnten. Was für eine wunderbare, inspirierende Begegnung und kurzweilige Fahrt. Wieder eine Begegnung, die für alle ein Segen war, mich glücklich macht, und sich im Nachhinein unausweichlich anfühlt. Danke für diese guten Momente. Sie brachten mich bis auf den Seminarhof, den Ginas und Sandys Eltern betreiben und lernten noch alle kennen, die mich erwarteten: Die Gastgeberinnen Gina und Sandy, Nadine, Karl und Boris. Gemeinsam wollten wir zwei Tage über Gemeinschaftsgründung sprechen. Auch das war ein schönes Wiedersehen. Ich hatte alle Fünf und auch Sandra, die am Mittwoch mit ihrem Freund dazukam schon auf dem utopival im August kennengelernt. Gemeinsame Spaziergänge, Yoga- und Turnübungen, kochen, essen, Gespräche über Grenzen, Toleranz, Erwartungen im Leben in Gemeinschaft... Schöne Tage! Danke! Über vieles konnten wir wunderschön und offen reden und alle haben ihre Positionen anschauen und überdenken können. Einiges hat sich bei jedem bewegt. FB_IMG_1450918455460

Am Mittwoch Abend standen dann Boris und ich wieder an der Autobahn bei Passau, an einer Auffahrt, die unbeleuchtet und sehr schwierig war. Von allen Vorbeifahrenden wurden wir ignoriert. Die einzigen, die uns zuwinkten waren Menschen auf der Flucht, die in Bussen vom Auffanglager zu irgendwelchen Unterkünften in Sporthallen gebracht wurden.
Wir alle unterwegs zu Frieden und Freiheit.
Felix, ein junger Student der Staatswissenschaft, nahm uns schließlich mit nach München. Eine Fahrt mit dem Rucksack zwischen den Beinen in einem vollen Auto, mit interessantesten Gesprächen, bis an die Münchener Innenstadt.
Wir kamen hier in der Nacht vor Heiligabend bei Tanja, einer Freundin, unter. Am nächsten Tag verließ mich Boris erneut, um einige Dinge zu regeln, seine Mutter zu besuchen und Silvester bei Freunden in Leipzig zu feiern.

So verbrachte ich die Weihnachtstage wunderschön, mit mir, in der Capoeiraschule von Tanjas Mann Saguin.

https://m.facebook.com/capoeira.unicar/

Und mit einer Einladung zum Abendessen am ersten Weihnachtstag bei einem eBuch-Kollegen und Buchhändler, Sebastian Otter und seiner Freundin Tanja. Dort lernte ich Claudia kennen, die zehn Jahre schon den Christkindlmarkt in München organisiert.
Es war ein schönes, trautes Weihnachtsmal.
Ich habe dieser Tage hier in München zu Ruhe und Frieden gefunden und bin gerade sehr dankbar und glücklich!

Und all das wünsche ich Euch Allen! Danke für die vielen wunderbaren Mails und Grüße zu Weihnachten. Ich hatte ein sehr glückliches Fest, mit besten Gefühlen und Gedanken, für alle Menschen, die sich so nahe anfühlen. Danke!

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Mit Boris unterwegs zum Bodensee… Teil 2

Mit Boris unterwegs zum Bodensee… Teil 2

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(Boris) Mittwoch Abend trafen wir Wilfried und Eva, die sehr interessiert an den Beweggründen der Reise waren und was in Jens an Veränderungen stattgefunden haben, ehe der Wunsch geldfrei ein Jahr durch Deutschland zu wandern aus seinem Herzen entsprang.
Jens berichtete vom Wandel innerer Werte und Einstellungen. Vom Loslassen so vieler Ängste, die ihn das Leben lang beschränkt haben, aufhielten etwas zu verwirklichen oder der Ursprung dafür waren, dass er sich selbst klein redet. Auch darüber, wie dieser innere Wandel nun den eigenen und den Gesellschaftlichen Wandel im Außen bewirkt und beeinflusst (wobei wir gesellschaftlich betrachtet nicht auf einen völligen inneren Wandel beim Großteil der Bevölkerung warten dürfen, sondern eben parallel bereits die Außenwelt durch Ideen, eigenes Verhalten, Projekte und Gemeinschaften versuchen müssen durch das eigene Beispiel zu inspirieren und von anderen/neuen Möglichkeiten zu begeistern – die für alle besser sind. Für einen selbst, für den anderen und die Umwelt. Win-Win-Win). Von innen nach außen. Nicht andersrum.
[ Ich sehe die Veränderung in der Gesellschaft, raus aus der Maschine der Angst und Bedrohung, hin zu einer Gesellschaft im Vertrauen auf allen Ebenen, allen Bereichen, als eine feine Mechanik, die nicht nur an einer Stelle entsteht und in Gang gesetzt wird, sondern an allen Punkten gleichzeitig.]

Jens erzählte mir von einem ehemaligen Psychose Patienten, der ihm vermittelte, dass sein Leben doch nicht besser werden könnte, wenn sich die Umstände nicht bessern würde. Was sich ändert, liegt in unserer Hand. Wofür wir unsere Gedanken investieren, wieviel Gewichtung wir Gefühlen und Situationen beimessen, welche Entscheidungen wir täglich treffen und wie wir mit “Rückschlägen” umgehen.
[Das oberste Thema Frieden zum Beispiel… jeder Mensch hat eine andere Meinung dazu, wo der Friede beginnt. Viele Menschen sagen mir, der Friede beginnt in uns selbst. Und das sehe ich genauso. Und ein Prozess, welcher nicht aufzuhalten ist, wird langsam aber sicher auch alle anderen Bereiche durchziehen. Das sehe ich genau so. Dieser Junge Mann aber fragte, wie er inneren Frieden finden könne, in dem Wissen, daß um ihn herum nur Kampf ist. Auch das ist etwas, was mich sehr bewegt. Ich bin überzeugt, daß der Weg in eine friedliche und lebenswerte Welt auf allen Ebenen gleichzeitig gegangen werden muss. Viele sind in ihren Bereichen sehr aktiv und erfolgreich. Wir haben alle Zutaten für die Zukunft, wie sie nur sein kann.
Viele Menschen, die ich treffe, haben einen Teil zur Lösung.
Und wenn wir unsere Schätze zusammen auf den Tisch legen, werden wir Erfolg haben, und unsere Nachfahren einen Grund zur Freude.]

Eva entschied sich uns zu sich nach Hause einzuladen, was wir nicht nur angesichts der kühlen Temperaturen am Bodensee liebend gerne annahmen. Denn die Begegnung mit ihr entwickelte sich zu einer Fügung, wahrscheinlich für uns alle drei.
Am nächsten Morgen beim Frühstück setzten wir beim Thema innerer Wandel erneut an.
Eva erinnerte uns wieder daran, dass selbst dieses Verbundenheitsgefühl – was uns derzeit intensiv begleitet – weiterhin geprägt sein wird und ist von persönlichen Wünschen und Erfahrungen. Dass es sich weiter entwickeln wird, noch ausbaufähig bleibt und der Weg noch längst nicht abgeschlossen ist, auch nicht der gedankliche Prozess auf diesem Lauf – was uns manchmal die Fantasie sprengen lässt, denn wir können uns kaum noch ausmalen, wie die einzelnen Situationen, die wir erleben, noch besser zusammen gefügt sein könnten. Gefühlt erfüllt sich jeder unserer Wünsche umgehend nach einer wieder mal begeisternden Begegnung mit einem wundervollen Menschen.

[Jens] Ich hatte ein sehr tiefes Gefühl dazu, wie sich alles auf meiner Reise wundersam zu fügen scheint. Ein Bild hatte ich.
Wir alle sitzen im Käfig. Wie ein Vogel, der von Natur aus fliegen will. Aber sich nicht traut. Der zwar von der Luft gehört hat, die ihn tragen würde, sobald er den Käfig verlässt, aber ja gar keine richtige Vorstellung davon hat wie es funktionieren soll. Das kann er ja in seinem Käfig nicht ausprobieren. Das kann ihm jemand erzählen und er muß vertrauen. Es ist der mutige, vertrauensvolle Schritt aus der Tür nötig um zu fliegen. Und die Tür geht nur von innen auf.
So sind wir Vögel in unserem System.]

Eva erinnerte uns auch wieder daran, dringend für den Winter vorsorgen zu müssen. Es werde kalt, die Nächte draußen sind ohne bester Ausrüstung schwierig zu überstehen. Es zehrt zumindest an den Kräften.
Solange wir uns hier auf Erden bewegen, ist unser Körper das heiligste Gut. Eine Voraussetzung für ein wohlbefindliches Leben.
[Jens] Mir ging es körperlich nie besser! Aber ich werde Evas Rat beherzigen und die zwei kommenden Ruhewochen auch dafür nutzen, Unterkünfte für Dezember und Januar zu finden, für die möglich kalte und zehrende Zeit, auf dem Weg in den Norden, nach Berlin!]

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Später im Wald bezeugte Jens Feierlich vor versammelter Mannschaft, also vor mir und allen anwesenden Bäumen, dass er ab heute wieder vegetarisch leben werde. Auf dem Weg zum Veganer.
[Jens]Ich weiß, daß es die Nahrungsaufnahme eher etwas schwieriger gestaltet, denn der Süden des Landes scheint sehr Fleisch- und Wurstlastig.
Ich mache dennoch kleine Schritte, und nehme unterwegs auf jeden Fall noch Butter -sonst müsst ich bestrichene Brötchen ablehnen-, Milch und Eier – Kekse und Kuchen liebe ich-……Und mein Daunenschlafsack ist momentan alternativlos und unersetzlich. Obwohl ich doch weiß, daß auch all diese Produkte Leid und Elend produzieren. Ich sehe auch, daß es als Zwickmühle erscheint. Aber das scheint nur so. Ich mache meine Schritte, alleine darum geht es.
Ich ertrage nicht mehr weiter die Vergewaltigung des Lebens.
Aber ich mache damit einen weiteren persönlichen wichtigen Schritt in die Welt, wie ich sie mir vorstelle.]

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Auf der Autobahn:

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[Boris] Francesco, aus Albanien stammend, ein vom ersten Moment an offener, authentischer und herzlicher Mensch war auf der Durchfahrt nach Zürich. Leider nicht unsere Richtung, obwohl er uns sehr gerne mitnehmen wollte. Er gesellte sich jedoch lange Zeit zu uns, lange genug, um einen bleibenden Eindruck bei uns zu hinterlassen.
Wir sprachen darüber, dass viele der Leute, die wir angesprochen hatten, ängstlich wirkten und erst gar keinen Kontakt zuließen. Wir sprachen darüber, wie wichtig es sei eben auch jenen Menschen wohlwollend gegenüber zu treten, von denen man etwas befürchtet. Nicht selten provoziert diese ängstliche, vermeidende, in jedem Fall negative Einstellung und Denkweise genau diese Situationen, die man nicht erleben wollte.
Er erzählte uns eine Geschichte, die ihm selbst 1995 passiert sei. In Kroatien hätten zwei mit einer Kalaschnikow bewaffnete Männer ihn angehalten und Geld verlangt. Er habe ihnen erzählt, dass er 800DM dabei habe, das Geld für die Einreise in seine Heimat bräuchte. Er sei selber nicht wohlhabend, arbeite sehr viel für sein Geld.
Er antwortete Ihnen “Ich gebe euch das Geld, aber lasst uns doch erstmal ein Bier trinken.” Daraufhin entstand tatsächlich eine ruhige Atmosphäre, in der man sich austauschte und gemeinsam das Bier genießen konnte. Im weiteren Verlauf habe er ihnen jeweils 100DM angeboten, beide hätten das Geld abgelehnt und ihn gebeten weiter zu fahren. Es sei nichts geschehen.

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[Boris] Auf der Raststätte “im Hegau” trafen wir nach einigem Warten auf Tabea. Ein Engel unter ihresgleichen. Sozialpädagogin von Beruf, arbeitet mit Menschen, die meist als geistig behindert bezeichnet werden, ist – was mich sehr freute – eine Veganerin und absolut auf unserer Wellenlänge. Sie kannte Probleme beim Trampen, zeigte ein großes Herz und viel Offenheit. Eigens für uns machte sie einen Umweg, damit wir besser weiterreisen können und gab uns sogar noch köstlichste Hafermilch und das leckerste Brot – Dinkelbrot – meines Lebens mit. Natürlich ist es Tabea, über deren gemeinsames Foto wir uns heute besonders freuten. Auf ein Wiedersehen, du Schutzengel!

Tabea aus der Schwietz.
Tabea aus der Schwietz.

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Boris hat mich bis nach Limpach begleitet und ist noch zwei Tage geblieben. Dann ist er gefahren um einige Freunde zu besuchen.
Danke für die schöne gemeinsame Zeit….See you!

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Mit Boris unterwegs zum Bodensee… Teil 1

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Am 154. Tag meiner Reise brachen Boris und ich in Heidelberg auf.
Wir wanderten über Hockenheim und Oberhausen-Rheinhausen zur Autobahnraststätte Bruchsal. Von dort wollten wir die restliche Strecke zum Bodensee per Anhalter zurücklegen.
Ich hatte Elke, einer Bekannten, die für zwei Wochen in Deutschland verschiedene Seminare gab, zugesagt ihr Acht Monate altes Hundemädchen Mira zu versorgen. Ich wollte die Zeit nutzen, um einfach mal etwas ähnliches, wie eine kleine Inventur meiner Reise machen. Es war zeitlich die Hälfte meiner Reise und auch der Bodensee markierte Geographisch meine Wendemarke. Ich nutzte die Zeit in Limpach für lange, mehrere Stunden währende Spaziergängen mit Mira.
Jetzt, im Winter ist es für mich unumgänglich, öfter Quartier zu haben, schöne und herzliche Einladungen anzunehmen. Einige Gegenden habe ich auf meiner Wanderung auslassen müssen. Die werde ich bis Februar bereisen, Menschen besuchen, zwischendurch immer wieder auch Wandern und mich dem Leben unterwegs hingeben. Räume schaffen, in denen alles möglich sein kann. Ab Februar werde ich im Süden wieder ansetzen und gen Heimat wandern, ausschließlich zu Fuß.
Am Bodensee um Limpach herum war es einfach schön.
Als Boris und ich Heidelberg verließen, begann eine besondere Zeit.
Von Anfang an gingen wir gemeinsam in unsere Aufgaben und Situationen heran, tauschten uns darüber auf einer verständigen Ebene aus, reflektierten und berieten, bei großer Nähe und objektiven Abstand. Wunderbar. Auf unserem Weg zum Bodensee sind uns viele Menschen in unterschiedlichen Situationen begegnet, Momente, die uns tief berührt, oder froh gemacht haben.

Zum Beispiel übernachteten wir in einer Garage, die zur XXL-Taverne gehörte, in der wir am Abend vorher nach Wasser für unsere Flaschen gefragt haben. Magda und Denise haben uns sofort aufgenommen und uns so liebevoll ver- und umsorgt. Am nächsten Morgen lud uns Tadäusz, ein Bauarbeiter aus Polen und Dauerbewohner einer kleinen Wohnung in der XXL-Taverne auf einen Kaffee ein. Er arbeitet schon einige Jahre in einer Baufirma in Deutschland und vermisst die Familie ganz schrecklich. Bei einem guten Cowboykaffee, meinem Lieblingskaffee, erzählte er bis ihm die Tränen kamen. Es war ein sehr berührender und naher Moment. Ein trauriges, unendlich gutes Herz.
Oder in einer Autobahnraststätte, in der wir zwei Frauen mitten in der Nacht nach etwas Essbaren fragten. Sie erklärten uns, es ginge nicht, das sei verboten, die Kameras würden alles aufzeichnen… Wir verstanden und wollten, um niemanden in Bedrängnis zu bringen, sofort gehen, als sie zwei belegte Brötchen vor uns auf den Tresen legten und uns darum baten, sie zu nehmen. Einen neuen Job würden sie immer finden, versicherten uns alle beide. Es war der Wunsch, uns etwas Gutes zu tun und ein wenig Widerstand gegen die Verhältnisse. Es entstand eine Situation, in der wir nicht mehr wußten, was wir tun sollten. Sie hatten sich auf jeden Fall entschieden, uns zu beschenken und so nahmen wir die Brötchen an.
Wir haben viel über diese Situation gesprochen und waren uns hinterher klar darüber, daß wir solch ein Opfer in Zukunft nicht mehr annehmen werden.
Es gab viele gute Momente, in denen wir herzlich aufgenommen wurden.
Boris hat in den Tagen unseres Unterwegsseins die Aufgabe des Chronisten genommen.
Er berichtet sehr viel detaillierter als ich, kommt oft sehr schön direkt auf den Punkt, greift meine Gedanken, unsere Gespräche sehr gut auf.
Ein paar seiner Blogs aus unseren zwei gemeinsamen Tagen folgen unten und sind mit Namen in Klammer markiert……..

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**************
Irgendwann war der Moment, an dem wir beide spürten, daß ein Brötchen, von Herzen bekommen so viel besser schmeckt, als große Speisen, die nicht von Herzen kommen….

(Boris) Angekommen in Oberhausen-Rheinhausen konnten wir unser heute morgen besprochenes Prinzip gleich umsetzen, als wir in einem Restaurant eher hektisch empfangen wurden und ebenso schnell wieder das Weite suchten. Danach haben wir uns beim Italiener herrliche Zaubertricks beibringen lassen und im Ciao Bella Erhan und David (komischer Name für einen Mann mit indischen Wurzeln ) kennengelernt. Hier wurden wir gleich herzlich empfangen, der Laden befindet sich noch im Aufbau, dennoch ließ es sich David nicht nehmen die folgende Stunde nur bei uns zu verbringen und uns eine sehr ordentlich belegte Gemüse Pizza zubereiten zu lassen (köstlicher Gaumenschmaus!).
Erhan wirkte sehr interessiert an unserer Reise. Ein höflicher und anscheinend sehr fleißiger junger Mann, der unter der Woche in einer Fabrik arbeitet und am Wochenende noch in der Pizzeria aushilft. Sein Chef David lobte ihn über den Klee.
David selbst teilte unsere Weltsicht und konnte uns einige interessante Sichtweisen liefern. Wir sprachen über Religionen, alle verschiedenen und dass sie doch dennoch das gleiche meinen. Über die eine Kraft, die alles regelt. Er nahm das Beispiel mit den acht Milliarden Menschen, von denen jeder einzelne völlig verschiedene Fingerabdrücke habe. Gleiches sieht man tatsächlich auch in der Natur und Tierwelt überall, wo Ordnung und Chaos in schierer Harmonie zu funktionieren scheinen. Keine Delfinflosse, kein Leopardenmuster gleicht dem anderen. Wer leitet diese “Ordnung”?
Wir sprachen über die schwierigen Situationen weltweit. Er berichtete von Armut, fehlendem Zugang zu Trinkwasser und Menschen – die nichts verändern wollen – aus Indien. Er sei Deutschland sehr dankbar für alles, was er hier lernen durfte. Lernen über das Leben, nicht das, was man in Schulen “lernt”, meint er.
Aber das Miteinander und Fürsorge vermisse er hier vor allem, das fehle den Menschen.
Nachdem wir uns mehrfach bei ihm für alles bedankten, intensivierte sich der Wille meinerseits nun nur Herzensessen anzunehmen.
Was Karma so alles drauf hat, sollte sich dann noch am gleichen Abend herausstellen.

Wir folgten dem Rat des Italieners, der uns von einer Halle erzählte, die wir zur Übernachtung nutzen könnten. Der Straße folgen und auf der linken Seite, nichts leichter als das.
Nach einer kurzen Odyssee wollten wir in der XXL Taverne nochmal nach dem Weg fragen. Denise, die uns am Eingang empfing und zunächst fragte, ob wir ein Zimmer gemietet hätten, kommt allerdings nicht aus der Gegend, wusste es also nicht. Auch Magdalena, die Besitzerin, kannte keinen Rat. Scheinbar gab es keine Halle zur Nutzung. Die letzten Kunden waren noch da, im Inbegriff zu gehen.
Wir kamen ins Gespräch, Denise blühte immer weiter auf und beschenkte uns mit ihrem Lachen von Herzen und sehr viel Aufmerksamkeit. Magdalena gesellte sich immer wieder dazu, bereitete uns unglaublich leckeren und großen bunten Salat vor. Brot. Wasser. Rippchen für Jens. Liebe. Zeit. Empathie. Ein Dach über den Köpfen. Frühstück für morgen. Herzlichkeit. Alles, was unser Herz begehrt. Wir sind binnen weniger Momente überflutet worden mit unvorhersehbaren Gesten und Emotionen. Wie schön und unkompliziert es doch laufen kann. :-)
Denise fand richtig Gefallen an unserem Vorhaben, sie und Magdalena werden wir morgen Mittag Wiedersehen und uns mit einem sehr guten Gefühl und tiefer Dankbarkeit verabschieden.

**************

Wie machen wir den Menschen bewusst, möglichst ohne zu viel ihrer Zeit zu beanspruchen, dass unsere Reise eine selbstbestimmte Entscheidung ist, wir in keiner Not sind und durch unsere Kontaktaufnahmen doch eigentlich auf Frieden und ein solidarisches Miteinander aufmerksam machen möchten?
Mit dieser Frage im Hinterkopf und einer guten Portion Achtsamkeit betraten wir später ein China Lokal. Eine Gruppe junger Leute war noch anwesend, wir stellten uns beim Personal vor und fragten nach einer Möglichkeit Wasser aufzufüllen. Diese wurde uns genehmigt und Daniele, der erste der Gruppe sprach uns auf unsere Reise an. Wir kamen direkt ins Gespräch, Jeremias, Ashley und Mona gesellten sich dazu. Wir verabschiedeten uns wieder voneinander, da die Gruppe bereits zwei Stunden im Lokal war und jetzt nach Hause wollte. Doch ihr Interesse schien geweckt, denn umgehend kam Ashley wieder ins Lokal und bot uns Kaugummis an. Diese Abwechslung nahmen wir an, vor allem, weil Jens und ich beide von Anfang an ein sehr gutes Gefühl bei der Gruppe hatten. Das waren herzliche Menschen vom Feinsten, was ich aus meiner Altersklasse nicht unbedingt gewohnt bin.
Kurz darauf kam Ashley erneut mit Daniele rein, sie bestanden darauf uns eine Mahlzeit auszugeben, wir ließen sie jedoch entscheiden. So machen wir es immer, da wir bewusst keine Ansprüche stellen möchten. Wer unser Vorhaben in welcher Form auch immer unterstützen möchte, soll es bitte von sich heraus machen. Was aus einem selbst kommt, und sei es nur eine Idee, überzeugt und fruchtet viel besser.
Als die beiden bestellen wollten ergänzte die Verkäuferin gleich, dass das Lokal die Kosten übernehmen wird. Keiner brauchte zu zahlen. Karma hatte zugeschlagen, dank Daniele und Ashley. Wir machten noch ein gemeinsames Bild, unterhielten uns kurz und hoffen innig, mindestens einen von ihnen wiederzusehen oder vielleicht sogar auf dieser Seite zu finden. Vielen Dank euch, bleibt so wahrhaftig und offen, wie ihr auf uns gewirkt habt! Das ist die next generation.

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Tag 182 bis 193…Glühwein und Gebete

Vom Bodensee bis nach Moers.

Am Mittwoch brachte mich Elke liebsterweise nach Singen, an die Autobahnraststätte “Im Hergau”. Ich hatte am Vormittag noch einen langen Spaziergang gemacht, das erste mal ohne Mira, also ganz alleine. Auf dem Spaziergang erwischte mich meine Zweifelmaschine wieder mit vollsten Wucht. Ich dachte das erste mal ernsthaft daran aufzugeben. Das war schlimm. Ich saß da im Wald, unfähig mich zu rühren, fühlte mich klein und hilflos, völlig überfordert in meiner Situation, keine Ahnung habend wie es weitergehen soll, was ich tun kann. Allein gelassen.

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Ich nahm mir Zeit alles zu fühlen und spürte, daß ich nicht alleine bin. Einer von vielen, die gemeinsam unterwegs sind.

Ein intensives Gebet an einer hohen Fichte brachte Klarheit und Stärke zurück.

Ich war später also auf der Raststätte Hergau, wo ich nur einige Minuten stand. Das dritte Auto brachte Holger zu mir, der sofort anhielt und mich eine Raststätte weiter bringen wollte.

Dort wollte er einen Abstecher nach Metzingen machen, wo er einen Anzug, im ersten Outlett Deutschlands bei Hugo Boss, suchte.
Das Gespräch war so interessant und Intensiv, daß er beschloß, mich bis nach Heilbronn, seinem Ziel, mitzunehmen.
Holger lebt seit kurzem in Zürich. Seine Frau macht dort eine Literatursendung im Schweizer Fernsehen. Er ist Anwalt mit großem sozialem Engagement.
Er sprach über seine Enttäuschung von Menschen, die nicht dankbar für die Kleinigkeiten sind und immer mehr wollen. Letztenendes hört das soziale Engagement, das Geben, Immer irgendwo auf, weil doch mehr verlangt, gebraucht wird.
Irgendwann endet es doch wieder bei Geld.
Ich sagte, das die schönen Erinnerungen an ganz andere Ereignisse geknüpft sind.
Wenn Menschen gemeinsam an eine große Aufgabe gehen,sie lösen , um sich miteinander einen Gefallen zu tun. Jeder dort seinen Platz hat.
Anerkennung, Aufmerksamkeit, Wärme, Geborgenheit, Liebe….Dort findet. Was wir alle so brauchen.
Er erzählte, das er sich die Welt auch so wünschen würde…Es sich aber nicht vorstellen könnte, daß soetwas möglich sei..
Ich fragte, ob er es gerne sehen würde und er schien angeregt begeistert.
Eine wunderbare Fahrt, die mich sehr inspiriert und belebt hat.

Auf der Raststätte Heilbronn angekommen, lernte ich Ibro und seine Frau Emi aus Mazedonien kennen. Ein langes wundervolles Gespräch, nachts an der Zapfsäule folgte.
Am nächsten Tag erreichte ich Mainz und traf mich für drei Tage mit Birgit. Wir wohnten bei Anna und ich lernte Ferdi, ihren Freund kennen.
Anna und Ferdi kennenzulernen war ein großes Glück. Wir hatten wunderbarsten Gedankenaustausch, Ideenfeuerwerke….. Und Glühwein! Auf dem kleinsten Weihnachtsmarkt in Mainz.
Und da traf ich auch Alex und seine Chefin Magda. Und da traf ich auch Alex und seine Chefin Magda.

tmp_4861-DSC_0026356155802Huttausch mit Alex. Ich durfte sein Juristenhütchen probieren und er konnte einmal meine Krone tragen. :-)

Alex ist angehender Jurist. Wir trafen uns zweimal und sprachen viel über den Ausbruch des Weltfriedens. Ein sehr spannendes Thema.
Die Tage mit Birgit waren wundervoll entspannt, sehr nah und verbunden, und endlich konnten wir nach dem ersten halben Jahr mit viel Zeit vieles klären. Letztlich war es doch zu wenig Zeit….
Am Sonntag ist dann Birgit nach der schönen Zeit nach Hause gefahren.
Bis Montag könnte ich noch bei Anna bleiben und ihren Liebsten Ferdi kennenlernen. Diese beiden kennenzulernen war eine ganz besondere Freude.

tmp_4861-DSC_00361535390452Beim Abschiedsfrühstück…Frisurenberatung von Anna!

Am Montag Abend habe ich Mainz zum wiederholten mal verlassen und bin ohne nennenswerte Ereignisse nach Moers getrampt.

Hier genieße ich die große Gastfreundschaft von Martin, Martina und deren Tochter Merle. Martin ist ein alter Schulfreund meines jüngeren Bruders Heiko. Er ist sehr früh auf mein Vorhaben aufmerksam geworden und hat mich eingeladen. Nach Lindlar bin ich am Ruhrgebiet vorbeigegangen, obwohl ich einige Tage hier verbringen wollte.
Jetzt, in der Winterzeit bietet es sich an, den einen oder anderen nachträglichen Besuch zu machen.
Und gestern Abend ist auch Boris wieder aufgetaucht.
Und gestern Abend ist auch Boris wieder aufgetaut.
DSC_0011 Der Abend des dritten Advent in trauter, herzlicher Runde am schönsten Ofen.
Und morgen geht es weiter, Richtung Dortmund, wo mich Birgit und meine Kinder zum Kaffee am Freitag besuchen kommen.

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Also rein in den Pott….

 

Bis zum Bodensee

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Am 154. Tag meiner Reise brachen Boris und ich in Heidelberg auf.
Wir wanderten über Hockenheim und Oberhausen-Rheinhausen zur Autobahnraststätte Bruchsal. Von dort wollten wir die restliche Strecke zum Bodensee per Anhalter zurücklegen.
Ich hatte Elke, einer Bekannten, die für zwei Wochen in Deutschland verschiedene Seminare gab, zugesagt ihr Acht Monate altes Hundemädchen Mira zu versorgen. Ich wollte die Zeit nutzen, um einfach mal etwas ähnliches, wie eine kleine Inventur meiner Reise machen. Es war zeitlich die Hälfte meiner Reise und auch der Bodensee markierte Geographisch meine Wendemarke. Ich nutzte die Zeit in Limpach für lange, mehrere Stunden währende Spaziergängen mit Mira.
Jetzt, im Winter ist es für mich unumgänglich, öfter Quartier zu haben, schöne und herzliche Einladungen anzunehmen. Einige Gegenden habe ich auf meiner Wanderung auslassen müssen. Die werde ich bis Februar bereisen, Menschen besuchen, zwischendurch immer wieder auch Wandern und mich dem Leben unterwegs hingeben. Räume schaffen, in denen alles möglich sein kann. Ab Februar werde ich im Süden wieder ansetzen und gen Heimat wandern, ausschließlich zu Fuß.
Am Bodensee um Limpach herum war es einfach schön.
Als Boris und ich Heidelberg verließen, begann eine besondere Zeit.
Von Anfang an gingen wir gemeinsam in unsere Aufgaben und Situationen heran, tauschten uns darüber auf einer verständigen Ebene aus, reflektierten und berieten, bei großer Nähe und objektiven Abstand. Wunderbar. Auf unserem Weg zum Bodensee sind uns viele Menschen in unterschiedlichen Situationen begegnet, Momente, die uns tief berührt, oder froh gemacht haben.

Zum Beispiel übernachteten wir in einer Garage, die zur XXL-Taverne gehörte, in der wir am Abend vorher nach Wasser für unsere Flaschen gefragt haben. Magda und Denise haben uns sofort aufgenommen und uns so liebevoll ver- und umsorgt. Am nächsten Morgen lud uns Tadäusz, ein Bauarbeiter aus Polen und Dauerbewohner einer kleinen Wohnung in der XXL-Taverne auf einen Kaffee ein. Er arbeitet schon einige Jahre in einer Baufirma in Deutschland und vermisst die Familie ganz schrecklich. Bei einem guten Cowboykaffee, meinem Lieblingskaffee, erzählte er bis ihm die Tränen kamen. Es war ein sehr berührender und naher Moment. Ein trauriges, unendlich gutes Herz.
Oder in einer Autobahnraststätte, in der wir zwei Frauen mitten in der Nacht nach etwas Essbaren fragten. Sie erklärten uns, es ginge nicht, das sei verboten, die Kameras würden alles aufzeichnen… Wir verstanden und wollten, um niemanden in Bedrängnis zu bringen, sofort gehen, als sie zwei belegte Brötchen vor uns auf den Tresen legten und uns darum baten, sie zu nehmen. Einen neuen Job würden sie immer finden, versicherten uns alle beide. Es war der Wunsch, uns etwas Gutes zu tun und ein wenig Widerstand gegen die Verhältnisse. Es entstand eine Situation, in der wir nicht mehr wußten, was wir tun sollten. Sie hatten sich auf jeden Fall entschieden, uns zu beschenken und so nahmen wir die Brötchen an.
Wir haben viel über diese Situation gesprochen und waren uns hinterher klar darüber, daß wir solch ein Opfer in Zukunft nicht mehr annehmen werden.
Es gab viele gute Momente, in denen wir herzlich aufgenommen wurden.
Boris hat in den Tagen unseres Unterwegsseins die Aufgabe des Chronisten genommen.
Er berichtet sehr viel detaillierter als ich, kommt oft sehr schön direkt auf den Punkt, greift meine Gedanken, unsere Gespräche sehr gut auf.
Ein paar seiner Blogs aus unseren zwei gemeinsamen Tagen folgen unten und sind mit Namen in Klammer markiert……..

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Irgendwann war der Moment, an dem wir beide spürten, daß ein Brötchen, von Herzen bekommen so viel besser schmeckt, als große Speisen, die nicht von Herzen kommen….

(Boris) Angekommen in Oberhausen-Rheinhausen konnten wir unser heute morgen besprochenes Prinzip gleich umsetzen, als wir in einem Restaurant eher hektisch empfangen wurden und ebenso schnell wieder das Weite suchten. Danach haben wir uns beim Italiener herrliche Zaubertricks beibringen lassen und im Ciao Bella Erhan und David (komischer Name für einen Mann mit indischen Wurzeln ) kennengelernt. Hier wurden wir gleich herzlich empfangen, der Laden befindet sich noch im Aufbau, dennoch ließ es sich David nicht nehmen die folgende Stunde nur bei uns zu verbringen und uns eine sehr ordentlich belegte Gemüse Pizza zubereiten zu lassen (köstlicher Gaumenschmaus!).
Erhan wirkte sehr interessiert an unserer Reise. Ein höflicher und anscheinend sehr fleißiger junger Mann, der unter der Woche in einer Fabrik arbeitet und am Wochenende noch in der Pizzeria aushilft. Sein Chef David lobte ihn über den Klee.
David selbst teilte unsere Weltsicht und konnte uns einige interessante Sichtweisen liefern. Wir sprachen über Religionen, alle verschiedenen und dass sie doch dennoch das gleiche meinen. Über die eine Kraft, die alles regelt. Er nahm das Beispiel mit den acht Milliarden Menschen, von denen jeder einzelne völlig verschiedene Fingerabdrücke habe. Gleiches sieht man tatsächlich auch in der Natur und Tierwelt überall, wo Ordnung und Chaos in schierer Harmonie zu funktionieren scheinen. Keine Delfinflosse, kein Leopardenmuster gleicht dem anderen. Wer leitet diese “Ordnung”?
Wir sprachen über die schwierigen Situationen weltweit. Er berichtete von Armut, fehlendem Zugang zu Trinkwasser und Menschen – die nichts verändern wollen – aus Indien. Er sei Deutschland sehr dankbar für alles, was er hier lernen durfte. Lernen über das Leben, nicht das, was man in Schulen “lernt”, meint er.
Aber das Miteinander und Fürsorge vermisse er hier vor allem, das fehle den Menschen.
Nachdem wir uns mehrfach bei ihm für alles bedankten, intensivierte sich der Wille meinerseits nun nur Herzensessen anzunehmen.
Was Karma so alles drauf hat, sollte sich dann noch am gleichen Abend herausstellen.

Wir folgten dem Rat des Italieners, der uns von einer Halle erzählte, die wir zur Übernachtung nutzen könnten. Der Straße folgen und auf der linken Seite, nichts leichter als das.
Nach einer kurzen Odyssee wollten wir in der XXL Taverne nochmal nach dem Weg fragen. Denise, die uns am Eingang empfing und zunächst fragte, ob wir ein Zimmer gemietet hätten, kommt allerdings nicht aus der Gegend, wusste es also nicht. Auch Magdalena, die Besitzerin, kannte keinen Rat. Scheinbar gab es keine Halle zur Nutzung. Die letzten Kunden waren noch da, im Inbegriff zu gehen.
Wir kamen ins Gespräch, Denise blühte immer weiter auf und beschenkte uns mit ihrem Lachen von Herzen und sehr viel Aufmerksamkeit. Magdalena gesellte sich immer wieder dazu, bereitete uns unglaublich leckeren und großen bunten Salat vor. Brot. Wasser. Rippchen für Jens. Liebe. Zeit. Empathie. Ein Dach über den Köpfen. Frühstück für morgen. Herzlichkeit. Alles, was unser Herz begehrt. Wir sind binnen weniger Momente überflutet worden mit unvorhersehbaren Gesten und Emotionen. Wie schön und unkompliziert es doch laufen kann. :-)
Denise fand richtig Gefallen an unserem Vorhaben, sie und Magdalena werden wir morgen Mittag Wiedersehen und uns mit einem sehr guten Gefühl und tiefer Dankbarkeit verabschieden.

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Wie machen wir den Menschen bewusst, möglichst ohne zu viel ihrer Zeit zu beanspruchen, dass unsere Reise eine selbstbestimmte Entscheidung ist, wir in keiner Not sind und durch unsere Kontaktaufnahmen doch eigentlich auf Frieden und ein solidarisches Miteinander aufmerksam machen möchten?
Mit dieser Frage im Hinterkopf und einer guten Portion Achtsamkeit betraten wir später ein China Lokal. Eine Gruppe junger Leute war noch anwesend, wir stellten uns beim Personal vor und fragten nach einer Möglichkeit Wasser aufzufüllen. Diese wurde uns genehmigt und Daniele, der erste der Gruppe sprach uns auf unsere Reise an. Wir kamen direkt ins Gespräch, Jeremias, Ashley und Mona gesellten sich dazu. Wir verabschiedeten uns wieder voneinander, da die Gruppe bereits zwei Stunden im Lokal war und jetzt nach Hause wollte. Doch ihr Interesse schien geweckt, denn umgehend kam Ashley wieder ins Lokal und bot uns Kaugummis an. Diese Abwechslung nahmen wir an, vor allem, weil Jens und ich beide von Anfang an ein sehr gutes Gefühl bei der Gruppe hatten. Das waren herzliche Menschen vom Feinsten, was ich aus meiner Altersklasse nicht unbedingt gewohnt bin.
Kurz darauf kam Ashley erneut mit Daniele rein, sie bestanden darauf uns eine Mahlzeit auszugeben, wir ließen sie jedoch entscheiden. So machen wir es immer, da wir bewusst keine Ansprüche stellen möchten. Wer unser Vorhaben in welcher Form auch immer unterstützen möchte, soll es bitte von sich heraus machen. Was aus einem selbst kommt, und sei es nur eine Idee, überzeugt und fruchtet viel besser.
Als die beiden bestellen wollten ergänzte die Verkäuferin gleich, dass das Lokal die Kosten übernehmen wird. Keiner brauchte zu zahlen. Karma hatte zugeschlagen, dank Daniele und Ashley. Wir machten noch ein gemeinsames Bild, unterhielten uns kurz und hoffen innig, mindestens einen von ihnen wiederzusehen oder vielleicht sogar auf dieser Seite zu finden. Vielen Dank euch, bleibt so wahrhaftig und offen, wie ihr auf uns gewirkt habt! Das ist die next generation.

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(Boris) Mittwoch Abend trafen wir Wilfried und Eva, die sehr interessiert an den Beweggründen der Reise waren und was in Jens an Veränderungen stattgefunden haben, ehe der Wunsch geldfrei ein Jahr durch Deutschland zu wandern aus seinem Herzen entsprang.
Jens berichtete vom Wandel innerer Werte und Einstellungen. Vom Loslassen so vieler Ängste, die ihn das Leben lang beschränkt haben, aufhielten etwas zu verwirklichen oder der Ursprung dafür waren, dass er sich selbst klein redet. Auch darüber, wie dieser innere Wandel nun den eigenen und den Gesellschaftlichen Wandel im Außen bewirkt und beeinflusst (wobei wir gesellschaftlich betrachtet nicht auf einen völligen inneren Wandel beim Großteil der Bevölkerung warten dürfen, sondern eben parallel bereits die Außenwelt durch Ideen, eigenes Verhalten, Projekte und Gemeinschaften versuchen müssen durch das eigene Beispiel zu inspirieren und von anderen/neuen Möglichkeiten zu begeistern – die für alle besser sind. Für einen selbst, für den anderen und die Umwelt. Win-Win-Win). Von innen nach außen. Nicht andersrum.
[ Ich sehe die Veränderung in der Gesellschaft, raus aus der Maschine der Angst und Bedrohung, hin zu einer Gesellschaft im Vertrauen auf allen Ebenen, allen Bereichen, als eine feine Mechanik, die nicht nur an einer Stelle entsteht und in Gang gesetzt wird, sondern an allen Punkten gleichzeitig.]

Jens erzählte mir von einem ehemaligen Psychose Patienten, der ihm vermittelte, dass sein Leben doch nicht besser werden könnte, wenn sich die Umstände nicht bessern würde. Was sich ändert, liegt in unserer Hand. Wofür wir unsere Gedanken investieren, wieviel Gewichtung wir Gefühlen und Situationen beimessen, welche Entscheidungen wir täglich treffen und wie wir mit “Rückschlägen” umgehen.
[Das oberste Thema Frieden zum Beispiel… jeder Mensch hat eine andere Meinung dazu, wo der Friede beginnt. Viele Menschen sagen mir, der Friede beginnt in uns selbst. Und das sehe ich genauso. Und ein Prozess, welcher nicht aufzuhalten ist, wird langsam aber sicher auch alle anderen Bereiche durchziehen. Das sehe ich genau so. Dieser Junge Mann aber fragte, wie er inneren Frieden finden könne, in dem Wissen, daß um ihn herum nur Kampf ist. Auch das ist etwas, was mich sehr bewegt. Ich bin überzeugt, daß der Weg in eine friedliche und lebenswerte Welt auf allen Ebenen gleichzeitig gegangen werden muss. Viele sind in ihren Bereichen sehr aktiv und erfolgreich. Wir haben alle Zutaten für die Zukunft, wie sie nur sein kann.
Viele Menschen, die ich treffe, haben einen Teil zur Lösung.
Und wenn wir unsere Schätze zusammen auf den Tisch legen, werden wir Erfolg haben, und unsere Nachfahren einen Grund zur Freude.]

Eva entschied sich uns zu sich nach Hause einzuladen, was wir nicht nur angesichts der kühlen Temperaturen am Bodensee liebend gerne annahmen. Denn die Begegnung mit ihr entwickelte sich zu einer Fügung, wahrscheinlich für uns alle drei.
Am nächsten Morgen beim Frühstück setzten wir beim Thema innerer Wandel erneut an.
Eva erinnerte uns wieder daran, dass selbst dieses Verbundenheitsgefühl – was uns derzeit intensiv begleitet – weiterhin geprägt sein wird und ist von persönlichen Wünschen und Erfahrungen. Dass es sich weiter entwickeln wird, noch ausbaufähig bleibt und der Weg noch längst nicht abgeschlossen ist, auch nicht der gedankliche Prozess auf diesem Lauf – was uns manchmal die Fantasie sprengen lässt, denn wir können uns kaum noch ausmalen, wie die einzelnen Situationen, die wir erleben, noch besser zusammen gefügt sein könnten. Gefühlt erfüllt sich jeder unserer Wünsche umgehend nach einer wieder mal begeisternden Begegnung mit einem wundervollen Menschen.

[Jens] Ich hatte ein sehr tiefes Gefühl dazu, wie sich alles auf meiner Reise wundersam zu fügen scheint. Ein Bild hatte ich.
Wir alle sitzen im Käfig. Wie ein Vogel, der von Natur aus fliegen will. Aber sich nicht traut. Der zwar von der Luft gehört hat, die ihn tragen würde, sobald er den Käfig verlässt, aber ja gar keine richtige Vorstellung davon hat wie es funktionieren soll. Das kann er ja in seinem Käfig nicht ausprobieren. Das kann ihm jemand erzählen und er muß vertrauen. Es ist der mutige, vertrauensvolle Schritt aus der Tür nötig um zu fliegen. Und die Tür geht nur von innen auf.
So sind wir Vögel in unserem System.]

Eva erinnerte uns auch wieder daran, dringend für den Winter vorsorgen zu müssen. Es werde kalt, die Nächte draußen sind ohne bester Ausrüstung schwierig zu überstehen. Es zehrt zumindest an den Kräften.
Solange wir uns hier auf Erden bewegen, ist unser Körper das heiligste Gut. Eine Voraussetzung für ein wohlbefindliches Leben.
[Jens] Mir ging es körperlich nie besser! Aber ich werde Evas Rat beherzigen und die zwei kommenden Ruhewochen auch dafür nutzen, Unterkünfte für Dezember und Januar zu finden, für die möglich kalte und zehrende Zeit, auf dem Weg in den Norden, nach Berlin!]

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Später im Wald bezeugte Jens Feierlich vor versammelter Mannschaft, also vor mir und allen anwesenden Bäumen, dass er ab heute wieder vegetarisch leben werde. Auf dem Weg zum Veganer.
[Jens]Ich weiß, daß es die Nahrungsaufnahme eher etwas schwieriger gestaltet, denn der Süden des Landes scheint sehr Fleisch- und Wurstlastig.
Ich mache dennoch kleine Schritte, und nehme unterwegs auf jeden Fall noch Butter -sonst müsst ich bestrichene Brötchen ablehnen-, Milch und Eier – Kekse und Kuchen liebe ich-……Und mein Daunenschlafsack ist momentan alternativlos und unersetzlich. Obwohl ich doch weiß, daß auch all diese Produkte Leid und Elend produzieren. Ich sehe auch, daß es als Zwickmühle erscheint. Aber das scheint nur so. Ich mache meine Schritte, alleine darum geht es.
Ich ertrage nicht mehr weiter die Vergewaltigung des Lebens.
Aber ich mache damit einen weiteren persönlichen wichtigen Schritt in die Welt, wie ich sie mir vorstelle.]

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Auf der Autobahn:

[Boris] Francesco, aus Albanien stammend, ein vom ersten Moment an offener, authentischer und herzlicher Mensch war auf der Durchfahrt nach Zürich. Leider nicht unsere Richtung, obwohl er uns sehr gerne mitnehmen wollte. Er gesellte sich jedoch lange Zeit zu uns, lange genug, um einen bleibenden Eindruck bei uns zu hinterlassen.
Wir sprachen darüber, dass viele der Leute, die wir angesprochen hatten, ängstlich wirkten und erst gar keinen Kontakt zuließen. Wir sprachen darüber, wie wichtig es sei eben auch jenen Menschen wohlwollend gegenüber zu treten, von denen man etwas befürchtet. Nicht selten provoziert diese ängstliche, vermeidende, in jedem Fall negative Einstellung und Denkweise genau diese Situationen, die man nicht erleben wollte.
Er erzählte uns eine Geschichte, die ihm selbst 1995 passiert sei. In Kroatien hätten zwei mit einer Kalaschnikow bewaffnete Männer ihn angehalten und Geld verlangt. Er habe ihnen erzählt, dass er 800DM dabei habe, das Geld für die Einreise in seine Heimat bräuchte. Er sei selber nicht wohlhabend, arbeite sehr viel für sein Geld.
Er antwortete Ihnen “Ich gebe euch das Geld, aber lasst uns doch erstmal ein Bier trinken.” Daraufhin entstand tatsächlich eine ruhige Atmosphäre, in der man sich austauschte und gemeinsam das Bier genießen konnte. Im weiteren Verlauf habe er ihnen jeweils 100DM angeboten, beide hätten das Geld abgelehnt und ihn gebeten weiter zu fahren. Es sei nichts geschehen.

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[Boris] Auf der Raststätte “im Hegau” trafen wir nach einigem Warten auf Tabea. Ein Engel unter ihresgleichen. Sozialpädagogin von Beruf, arbeitet mit Menschen, die meist als geistig behindert bezeichnet werden, ist – was mich sehr freute – eine Veganerin und absolut auf unserer Wellenlänge. Sie kannte Probleme beim Trampen, zeigte ein großes Herz und viel Offenheit. Eigens für uns machte sie einen Umweg, damit wir besser weiterreisen können und gab uns sogar noch köstlichste Hafermilch und das leckerste Brot – Dinkelbrot – meines Lebens mit. Natürlich ist es Tabea, über deren gemeinsames Foto wir uns heute besonders freuten. Auf ein Wiedersehen, du Schutzengel!

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Boris hat mich bis nach Limpach begleitet und ist noch zwei Tage geblieben. Dann ist er gefahren um einige Freunde zu besuchen.
Danke für die schöne gemeinsame Zeit….See you

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…Ich hab mein Hut in Heidelberg verloren…Frei nach Fred Raymond

Heidelberg.

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In Heidelberg ist viel passiert.
Schon auf dem Weg dahin entwickelte sich alles wunderbar. Eine schöne Wanderung war es, teilweise am Neckar entlang, mit Übernachtung in Ladenburg. Ladenburg blickt auf eine höchst interessante Geschichte zurück, hin und her gerissen zwischen Kriegen und Frieden. Spannend nachzulesen bei Wikipedia. (Ich kann es leider auf meinem Tablet nicht verlinken) zu Anfang heißt es:
“Ladenburg bezeichnet sich selbst als älteste Stadt Deutschlands rechts des Rheins.[4] Die Erstbesiedlung des Ortes erfolgte irgendwann zwischen 3000 und 200 v. Chr. Ladenburg bestand zunächst als keltische Siedlung Lokudunom (= „Seeburg“).[5] 200 v. Chr. wurde der keltische aumittelpunkt vom Heiligenberg bei Heidelberg nach Ladenburg verlegt.
Im Jahr 40 wurden suebische Elbgermanen von den Römern als Bauernmiliz angesiedelt. In den römischen Quellen werden sie Suebi Nicrenses („Neckarsueben“) genannt. 74 n. Chr. gründeten die Römer dort Auxiliarkastelle mit einem Lagerdorf (vicus), die Keimzelle der späteren Stadt. Zur Garnison zählte eine Auxilien-Reiterabteilung der Cananefaten.”
Jeder kann sich ausmalen, wie es weiterging. Die Allemannen kamen, Bischöfe, Kurfürsten, ein Dom würde gebaut, Kämpfe, Kriege…..
Schönes Städtchen, mit einem guten Gasthaus. Anna lud mich hier im Gasthaus zu Essen und trinken ein. Ein Selfie zu machen hat etwas gedauert, irgendwer hat jedes mal komisch geschaut.

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Am Samstag Abend, in Heidelberg angekommen, habe ich mich unter eine große Trauerweide auf den Neckarwiesen gelegt. Hier war ich mit Janice Jakait verabredet. Janice ist vor wenigen Jahren mit einem Ruderboot über den Atlantik und hat ihre Erfahrungen in ihrem Buch “Tosende Stille” verarbeitet. Was für ein Abenteuer!

https://m.facebook.com/janicejakait/

Und so trafen sich zwei alte Seelen auf ihrem Weg unter einer Trauerweide am Neckar in Heidelberg, tranken roten Wein, aßen Lübecker Marzipan, daß sie zufällig dabei hatte und rauchten Zigaretten in tiefem Gespräch, unter ihren Schlafsäcken, bis in den Morgen. Die Nacht war kalt, der Morgen sehr neblig, als ein Polizeiboot direkt an meinem Nachtlager anlegte und ein freundlicher Wasserschützer meine Identität erfragte.

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Am nächsten Tag lud mich Lorenz Borsche, Vorstand der Genossenschaft eBuch bei der wir als Buchhandlung schon lange Mitglied sind, ein, einige Tage bei ihm zu wohnen. Das nahm ich sehr gerne an, um auf Boris zu warten, mit dem ich einige Zeit zusammen gehen wollte. Boris hatte ich Anfang August auf dem utopival, in Lindlar, bei Köln kennengelernt… Ich habe berichtet.
Ich holte Boris am Montag vom Heidelberger Bahnhof ab. Wir konnten noch ein paar Tage bei Lorenz in der Heidelberger Altstadt genießen bevor es weiterging.
Die Heidelberger Altstadt ist wunderschön.
Irgendwie mutet sie jedoch wie eine Puppenstube an, durch die Trauben von Japanischen Touristen brodeln. Nichts hat so recht mit etwas anderem eine Verbindung. Alles ist irgendwie unverbindlich, war mein Gefühl.
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Was ist noch passiert in Heidelberg?
Der Sonntag Abend endete in der Notfallambulanz. Dorthin würde ich von der Snoopys Frauchen Sabine gebracht. Snoopys biss mir beim Verlassen der Kneipe, ZKB (ZimmerKücheBar)in die Hand. Ich hatte unbedachterweise beim beschnuppern, die Hand nach vorne genommen, direkt an Snoopys Nase. Zusammen mit meinem schweren Rucksack, den Stöcken und dem Hut hat das wohl den armen Snoopys so erschreckt, daß er nur noch schnappen konnte. Sabine hat auf mich gewartet, bis ich verbunden und Tetanus gespritzt war. Auch die Rechnung der Behandlung hat sie liebenswerter Weise getragen. Ein schöner Abend in der Klinik wäre mit Sabine, im besten Gespräch… Und lustig wars.

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Besuch hatte ich am Montag von Andrea, einer Freundin aus alten Tagen, die jetzt in Karlsruhe lebt.
Dann besuchte ich die eBuch-Zentrale in der Falkengasse in Heidelberg.
Julian und Tommy erzählten mir beim Kaffee einiges zum aktuellen Stand des jüngsten eBuch-Projektes “Geniallokal”.

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Geniallokal ist ein gemeinsamer Shop für alle Siebenhundert Genossenschaftsbuchhandlungen und soll nach und nach auch für Nichtmitglieder und andere Handelssegmente geöffnet werden.
Ein wunderbares Beispiel von Solidarität unabhängiger, individueller, oftmals kleiner Buchhandlungen, die Branchenriesen, wie in diesem Beispiel “Amazon” ein Gewicht entgegen stellen und einen gesamt nachhaltigeren Weg gehen. Leider ist es wie alle Systeme innerhalb des wirkenden Wirtschafts- und Gesellschaftssystems eher begrenzt durch die sehr ins System eingebundenen Mitglieder.
Alleine der Vorstand und ein nicht unbeachtlicher Teil der Mitglieder bringen die Entwicklung rasant in Gang.

https://www.genialokal.de/

Dann kam Boris…

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Wir haben uns vom ersten Moment an gut verstanden.
Er hat gleich die alte Heidelberger Brücke im Herbst Ansichtskartentauglich abgelichtet.

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Abschied am Donnerstag von Lorenz und Heidelberg. Es war schön bei und mit Euch! Die Gespräche habe ich sehr genossen. Lorenz ist ein Visionär mit anderem Blick. Einer, für den kaum etwas unmöglich scheint.

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Und ich hab meinen Hut in Heidelberg vergessen. Glücklicherweise war es nicht das Herz, das ich in Heidelberg verloren habe….

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Mannheim

Meiner Meinung nach wäre alles besser wenn alle meiner Meinung wären
Da dem jedoch nicht so ist kann ich weiterhin der Meinung sein
Das alles besser wäre wenn alle meiner meiner Meinung wären

Wenn alle wollen würden was ich will könnt ich vielleicht etwas erreichen
Oder wir könnten wenn wir wollten gemeinsam Mauern einreißen
Aber wir wollen nicht
Wir würden nur wollen wenn wir könnten
Aber wir können nicht
Aber gut daß wir würden sobald wir können sollten
Besser als nichts

“Yassin – Besser als nichts”

DSC_0091 Der Weg auf dem Deich

Drei Tage vor Mannheim überkommen mich wieder starke Zweifel. Zweifel an meiner Fähigkeit, so etwas wie den tiefen Wunsch nach Weltfrieden vor mir herzutragen und selber in einigen wenigen Bereichen noch so weit vom Frieden entfernt zu sein. Auch grundsätzliche Zweifel daran, ob all das, was ich sehen konnte nicht doch nur einzig eine Gaukelei meiner Wünsche war.
Kurz vor Mannheim kam wieder ein tiefes Gefühl, daß ich seit meiner Jugend gut kenne. Das Gefühl Ideen zu haben, die niemand wirklich ernst nehmen kann, Fantastereien. Große Ideen. Visionen…Da muß man ja bekanntlich zum Arzt, sind doch diese Visionen von der “Realität” sehr weit entfernt. Und dann stehe ich schnell alleine da. Vertraue nicht in mich, nicht in die Durchführbarkeit eines Ausbruchs des Weltfriedens. Es gibt Augenblicke des Verlassenseins, der Hilflosigkeit.
Da heraus gehe ich meistens mit größerer Kraft und Entschlossenheit.
So hatte ich zwei Tage Wanderung aus der Mutlosigkeit heraus und rein nach Mannheim….

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Seit dem Anfang meiner Vorbereitungen war ich davon überzeugt Xavier Naidoo zu treffen. Ich wußte, da gibt es viel gemeinsames, eine Verbindung, eine gewiße Synchronizität, gleiche Motive. Bis vor kurzem könnte ich mit dieser Musik nichts anfangen. Das war mir alles zu weichgespült. Bis ich genau hinhörte…Und jedes Wort spricht zu mir.
Ich habe in der Vorbereitung nur wenigen Freunden erzählt, daß ich sicher war, daß Xavier und ich uns in jedem Fall begegnen werden.
Andreja, die ich vor ziemlich genau zwei Jahren kennenlernte, hat mir seine Musik, seine Texte, von denen mich jedes Wort sehr tief berührt und geweckt hat, in mein Leben gebracht.
Seither war mir klar, daß eine Station meines Laufes auch Mannheim sein würde.
Wie ich es machen würde, ihn zu treffen, wußte ich nicht. Der einzige Anhaltspunkt war die Pop-Akademie, eine Musikschule, die Xavier und einige andere Söhne Mannheims mit begründet haben.
Das war mein einziger Anhaltspunkt, als ich Mannheim betrat.

DSC_0143 Die Pop-akademie

Abends um halb sechs setzte ich mich vor die Pop-Akademie auf eine Bank. Ich wußte inzwischen, daß Xavier schon lange nicht mehr in Mannheim lebt und nur selten dort ist und auch schon ein Jahr, seit dem Auftritt auf den Mahnwachen vor sogenannten Reichsbürgern, nicht mehr in der Pop-Akademie erwünscht. Ich hatte ungefähr eine Stunde dort gesessen, als ich beschloß zu gehen, um einen Schlafplatz und etwas zu Essen zu finden. Am nächsten Tag wollte ich die Menschen hier nach einem direkten Mailkontakt fragen. Vielleicht könnte mir jemand weiter helfen.
Ich schaute gerade auf mein Tablet, um zu entscheiden, wohin ich gehen könnte, als Xavier, zusammen mit Freund und Sangesfreund Rolf Stahlhofen und Steffi, vor mir stand und mir einen Übernachtungsplatz anbot.
Steffi (Xaviers Rechte Hand) hatte wohl am Tag vorher eine Mail entdeckt, die Birgit geschickt hatte um mich anzukündigen, und mich so erkannt.  Und wir haben es auch noch geschafft, die fünf Minuten in einem Jahr zu erwischen, die überhaupt nur möglich waren uns über den Weg zu laufen. Durch verschiedene Umstände mußten er und Helene Fischer einen musikalischen Filmbeitrag für eine Weihnachtsshow drehen und es wurde entschieden, das ausnahmsweise in der Popakademie zu machen.
Steffi kam fünf Minuten später und alleine, weshalb sie überhaupt auf mich aufmerksam wurde. Da passte alles.
Am Abend saßen wir zusammen, haben uns kaum darüber eingekriegt und waren uns einig, daß es schon ein kleines Wunder ist, wenn so etwas scheinbar unmögliches dann doch passiert.

DSC_0154 Mit Xavier Naidoo

Nach einem Essen im Studio folgte ein langes gemeinsames Gespräch zwischen Xavier, Rolf, Stefan, Andreas und mir. Ich konnte von meiner Reise und meinen Plänen erzählen. Für die zugesagte Unterstützung danke ich von ganzem Herzen.

FB_IMG_1449864232471 Mit Rolf Stahlhofen

Die Ereignisse um den Auftritt bei den “Reichsbürgern” war ein kurzes Thema, und Xavier erzählte mir, wie es sich verhalten hat. Es bestätigte sich, was ich vermutet habe. Zwei Menschen mit Reichsbürgerfahne waren auf dieser offenen Demonstration auch anwesend. Und daraus wurde einmal mehr eine Vorverurteilungssuppe mit den typischen Zutaten gekocht.

“Was wir alleine nicht schaffen, das schaffen wir dann zusammen…Dazu brauchen wir keinerlei Waffen, unsere Waffe nennt sich unser Verstand.”

Auch ich weiß, daß ein weltweiter Frieden unter uns Menschen, nur wir alle gemeinsam schaffen können. Und es gehören alle dazu. Dazu müssen wir zusammenfinden. Und wer nicht zusammenfindet, den müssen wir geduldig dazuholen. Anders wird es keinen Frieden geben. Dazu gehören die Gierigen, die Machthungrigen, die Nazis und Reichsbürger, die Verstockten….. Alle!
Zwei Nächte war ich zu Gast im Studio der Söhne Mannheims. Zwei Tage, die ich in dieser Familie sein durfte. Die Proben für die Jubiläumstour in der weitläufigen Kelleranlage in den vielen Proberäumen. Buntes, kreatives, inspirierendes Treiben. Den ganzen Tag beste Livemusik zum Spülmaschine ausräumen. Zwischendurch fährt die Haushilfe Kinderklamotten in ein Wohnheim von Menschen auf der Flucht. Verbundenheit zwischen allen. Herzliche, offene Atmosphäre.

DSC_0150 Die Studioküche der Söhne Mannheims
DSC_0144 Ein Probenraum, von meinem Riesen Schlafsofa aus gesehen.

Peter, ein alter Freund aus Harpstedt, der schon länger in der Mannheimer Gegend lebt, besuchte mich am zweiten Tag. Ein Kaffee in der Studioküche, ein Harpstedter Präsent, ein Ausflug zu seinem Arbeitsplatz…Ihm, den ich seit fast dreißig Jahren kenne, von meinem Abenteuer zu erzählen, war sehr schön. Und wieder ein bisschen erhellend.

DSC_0167 Mit Peter aus Harpstedt

Zu berichten bleibt von einer wunderbaren Begegnung kurz vor Mannheim.
Rast machte ich im Class Döner. Und traf dort auf den Inhaber Ibrahim und seinen Mitarbeiter Muzaffer. Muzaffer hörte meiner kurzen Geschichte gespannt zu und übersetzte Ibrahim, der ebenso gebannt zuhörte, ins Türkische.

Muzaffer......Ibrahim lässt sich nie fotografieren.
Muzaffer……Ibrahim lässt sich nie fotografieren.

Dann luden sie mich zum Essen ein, es folgten…. Heißer Tee aus dem Samovar…. dann Aşure, ein islamischer Nachtisch, den sich Freunde gegenseitig zum Ende der Fastenzeit schenken, unter anderem mit frischen Maulbeeren und Feigen, Rosinen. Während meiner Anwesenheit im Class Döner, kam eine alte Frau und schenkte Ibrahim eine Schüssel Aşure.

DSC_0098_1 Aşure

Nach dem wundervoll leckeren Nachtisch gab es wieder Tee mit Zucker und Ibrahim erzählte etwas von den Schrecken des Krieges vor dem er geflohen ist. Ich sah ihm das Trauma an, aber auch das große, dankbare Herz in seinen Augen.
Der Abschied war lang und herzlich. So wurde auch meiner Thermoskanne Liebe in Form von heißem Tee zuteil.
Glück und Gesundheit wünsche ich Euch!

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Ab Tag 138…… Spaziergänge im Schnee

 

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Liebe Freunde,

ich melde mich jetzt ganz aktuell aus Mainz. Mit Birgit sitze ich in Annas wunderschönsten Küche der Welt und knabbere mitgeschickte Schokolade meiner Mutter. Heute am 5. Dezember ist es genau ein halbes Jahr her, daß ich in Harpstedt zu meinem Friedenslauf aufgebrochen bin.

HALBZEIT!

Mehrfach habe ich in den letzten Wochen versucht, den Reiseblog weiter zu führen…was mir nicht gelungen ist. Einige Notizen führe ich hier zusammen, um Euch von den vergangenen Ereignissen einen kleinen Einblick zu geben. Ich danke Euch für Eure Geduld.

Und hier geht es los.

Spricht der Großvater am Feuer zum Enkel
“Es existieren zwei Wölfe in uns.
Der eine Wolf ist böse.      Er kämpft mit Ärger, Neid, Eifersucht, Sorgen, Gier Arroganz, Selbstmitleid, Lügen, Überheblichkeit, Egoismus, und Missgunst.

Der andere Wolf ist gut.         Er kämpft mit Liebe, Freude, Hoffnung, Güte, Mitgefühl, Grosszügigkeit, Vertrauen und Wahrheit.
Fragt der Enkel “Welcher der beiden Wölfe gewinnt?”
“Der, den Du fütterst.”

Heute ist der 171. Tag meiner Reise. Es ist Sonntag, der 22. November.
Es hat in der Nacht geschneit. Heute Morgen habe ich meinen zweistündigen Spaziergang mit dem 7 Monate alten Hundemädchen Mira gemacht. Ich genieße die täglichen Spaziergänge in dieser wunderschönen Umgebung der Bodenseeregion.

 

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Ich habe die Anfrage einer Bekannten angenommen und hüte nun für zwei Wochen ihr Haus und versorge und betreue Mira. Ich komme zur Ruhe, versuche mich an einer Bestandsaufnahme und überlege, wie es für mich jetzt weitergeht.
Der Bodensee ist der südlichste Punkt meines Laufes und die erste Hälfte des Jahres ist fast rum.

Schnee ist gefallen. Es geht für mich im Winter weiter. Es wird völlig anders werden, das ist mir bewußt.

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Mich bewegt ein Thema, eine Idee eines anderen Lebens miteinander.
Und es ist so, als wäre jetzt eine Zeit des kollektiven Aufwachens angebrochen. Überall begegnen mir Menschen, die ihrem tiefen Wunsch nach Gemeinschaft nachgehen, das ist so gut zu spüren.
Seit meiner frühesten Jugend bin ich auf der Suche danach, habe irgendwann die Hoffnung aufgegeben und mich eingereiht. Oder besser, ich habe versucht mich irgendwie einzureihen, was mir aber nie wirklich gut gelungen ist.
Es macht mich gerade unglaublich zuversichtlich und glücklich, daran Teil haben zu können.
Jedoch hatten zwei Ereignisse in den letzten Tagen schon einen sehr großen und herunterziehenden Einfluß auf mich. Die Ereignisse in Paris und die Reaktionen der Menschen darauf und die Entnominierung Xavier Naidoos zum ESC in Oslo 2016. Auch in dem Fall haben mich die Reaktionen zum Teil sehr entmutigt und verzagen lassen. Auf der anderen Seite hat beides eine schöne Welle der friedlichen Solidarität losgelöst, Herzenssolidarität. Einige Berichte habe ich auf meiner Facebookseite gesammelt. (Mehr zu meiner persönlichen Begegnung mit Xavier Naidoo, sowie Berichte über meine Wanderwochen  mit Boris und die Zeit zwischen Mainz und Bodensee folgen in den nächsten Tagen.)
Vieles hat mich wieder, wie so oft, in die Welt der Kämpfe gezogen.
Und ich danke von Herzen allen, die mich darauf aufmerksam gemacht haben.
Also noch einmal für mich…. es ist meine Entscheidung welcher Wolf der stärkere wird oder welcher gewinnt. Mir obliegt es, welche Seite ich nähre.
Und ich entscheide mich für den guten Wolf ab jetzt, in jedem Augenblick neu. Und wenn ich schwach werden sollte, hoffe ich, daß ein Engel mich sanft in die Spur stubst. So, wie es mir heute und in den letzten Tagen immer wieder passiert ist.

Zusammen mit Mira durchstreife ich die bewaldeten Hügel und Tobel dieser wunderschön sanft geschwungenen Gegend.
Zwei Beinahe-Wölfe auf ihren Streifzügen.

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Ich genieße das sehr.

Ich freue mich aber auch auf die kommende Zeit mit Boris, wenn es denn weitergeht.Boris habe ich, wie viele andere aktive und motivierte Menschen, auf dem UTOPIVAL  in Lindlar, Anfang August kennengelernt. Er ist aus seinem Beruf ausgestiegen, um sich für unbestimmte Zeit in Gemeinschaften und Projekten umzuschauen. Es ergab sich, daß wir wieder in Kontakt gekommen sind und beschloßen haben, einige Zeit gemeinsam zu gehen. Das haben wir zwei Wochen gemacht und beide schnell festgestellt, daß es sehr stimmig ist, wir gut harmonieren und uns super ergänzen. Wir hören aufeinander, reflektieren uns in Situationen, sprechen offen, und lachen viel, manchmal bis der Bauch weh tut. Wir genießen es sehr. Zwei Wochen war ich mit Boris unterwegs. In dieser Zeit hat Boris täglich kleine Situationen, in die wir gerieten, in treffenden Artikeln aufgeschrieben und auf der Lebenslauf-Facebook-Seite veröffentlicht.DSC_0267

Es ist eine wunderbare, leichte Zeit für uns, jedoch in dem Bewußtsein, das rings um uns herum gerade das Chaos ausbricht. Alles entwickelt sich ungehemmt rasant und scheint bald zu entgleisen. Wir müssen jetzt hinsehen.

Wir haben die Wahl. Wenn jetzt unser aller Bewegung zu einer wird, dann geht es. Dann ist es möglich, daß wir Zeugen des Ausbruchs des Weltfriedens sind. Was für ein wunderschöner Gedanke!

Das ist das Motiv, welches mich bewegt.

Ich nutze die Zeit am Bodensee im Moment für lange Spaziergänge im Innen und Außen. Mira und ich streifen stundenlang durch die Wälder und Tobel. Ich werfe Stöckchen und Mira flitzt unglaublich schnell die um die 20 Meter tiefen und teilweise senkrecht abfallenden Böschungen runter und wieder rauf. Tobel sind mehrere hundert Meter lange, über Jahrhunderte von Bächen in den Lehmigen Boden eingegrabe Schluchten. Mira liebt es hoch und runter zu flitzen, durchs Laub hinein in den Bach. Ich genieße es zuzuschauen. Meistens findet sie den Stock; ich freue mich dann richtig.

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Die Wälder sind diesig, neblig, sonnig trocken, regennass, momentan von weißem Schnee bedeckt. Jeden Tag ist es besonders, immer anders. Wir gehen oftmals in der Dunkelheit, die auch jeden Tag anders ist, im Wald.
Neulich machte Mira einen tollen Fund, einen großen Knochen den sie ebenso, wie ihren gestrigen Fund, den blanken Schädel eines größeren Tieres… er war außen etwas glitschig und ich hatte das Gefühl, er war noch gefüllt, zwischen den Zähnen durch die Wälder trägt. Mira kann sich nur schwer von ihm trennen, schleppt ihn mehrere Kilometer mit und knuspert ab und an mal an ihm.
Gestern Abend hat sie ihn dann irgendwo abgelegt, um ihn heute glücklich wieder zu finden und ihn eineinhalb Stunden durch den Wald zu tragen. Sie hat ihn dann kurz vor Ende des Spazierganges, aus eigenem Impuls irgendwo im Wald abgelegt, um ihn dann morgen früh wieder zu entdecken.

Die inneren Spaziergänge führen mich durch Gärten.
Sie führen mich in Gegenden wo die Vielfalt der Menschen mit der Vielfalt an Pflanzen und Tieren, gemeinsam mit einander, durch einander existiert. Wo alles seinen Platz hat. Nicht Monokultur sondern permakulturell.In Achtsamkeit und Wertschätzung. Kampffrei, solidarisch….keine Notwendigkeit mehr für Geld oder Grenzen. Um Geld und an Grenzen gibt’s das meiste Gekloppe.

Jeder fragt sich wohl jetzt….aber wie ging es weiter zum Bodensee…..? Wen hast Du getroffen, was hast Du erlebt?

Tag 137 -….. Mainz bis Zum Bodensee

Nach der Zeit mit Doreen (voriger Blog) bin ich in Mainz gelandet, in der WG bei Olli, Jenni und Phillip.

Gestern erlebte ich folgendes, als ich Rast neben einem Supermarkt machte:
Ich saß da und ließ mir ein Croissant schmecken, daß ich am Tage vorher bei Willis Kiosk bekommen hatte. Er packte mir am frühen Nachmittag zwei Tüten mit vier Croissants und mehreren Laugenstangen und -Brötchen, mit den Worten…”Die hätte ich wahrscheinlich heute abend weggeworfen”.
Eines davon ließ ich mir auf einer kleinen Rast unter einem Supermarkt Dachüberstand schmecken, als eine Dame mir zehn Euro zustecken wollte.
Auf meine Erwiderung, ich danke ihr von Herzen, aber nehme grundsätzlich kein Geld an, war sie fast betrübt und fragte dann, ob sie mir etwas zu Essen schenken dürfe. Ich sagte, ich würde sehr gerne zwei Brötchen annehmen, für die nächste Mahlzeit. Eine andere Dame gesellte sich dazu und sagte: “Aber ich möchte Ihnen auch etwas schenken!”
Beide kamen sehr schnell überein, daß die eine Brötchen holt und die andere ein Stück Käse. Ich hatte am Ende Brötchen, Kuchen, vier Pakete Käse, fünf Bananen, ein Sechserpack Äpfel. Mein Rucksack konnte all das nicht fassen. Ich hatte auch selber noch vier, am Straßenrand gepflückt Äpfel im Beutel.
Da ich die letzten Tage sehr Rückenprobleme hatte, und an dem Abend noch mehr als zehn Kilometer zu meiner Übernachtungseinladung in Lorsch vor mir lagen, ging ich zur Bäckerin, die alles freudig beobachtet hatte und schenkte ihr die Äpfel.
Sie freute sich und sagte, sie wolle mir auch gerne etwas schenken, und gab mir aus ihrer Tasche zwei Becher mit einem Kaffeegetränk, für mich eine wundervolle Abwechslung.
So waren vier Menschen durch schenken und verschenken sehr erfüllt.

Ein prächtiges Geschenkefest!

Ich beobachte oft in letzter Zeit, wie Menschen, wenn sie Gelegenheit zum schenken bekommen, regelrecht aufblühen und sichtlich Freude daran haben. Das ist so schön zu sehen und freut mich als Beschenkter um so mehr.

Gerade seit Mainz ist das Thema Ernährung ein größeres Thema für mich geworden. Ich habe in Mainz von den Menschen im Liebermenschhaus, das sind Tobi, Pia, Lotte und alle anderen  von ” living utopia”, Brot geschenkt bekommen, und fragte am nächsten Tag in einem Supermarkt nach altem, nicht mehr verkäuflichem Belag für das trockene Brot, das auch schon vor dem Wegwerfen gerettet wurde. Man sagte mir….. “Nein, man könne mir nichts geben. Der Chef sagt, alles wird weggeworfen. Grundsätzlich! Und die Angestellten seien da, um das zu tun was der Chef sagt…”
Ist das der Preis für eine klägliche Arbeitsstelle? Oder ist das sogar die alleinige Aufgabe, bekommt man dort genau dafür sein Geld?  —Wie traurig!
Oftmals aber begegne ich Menschen, denen es Freude macht, mir ein kleines Lunchpaket mitzugeben, oder die mich einfach bewirten wollen, obwohl ich nur ein Stückchen Brot, oder Wasser für meine Flasche brauche, oder zur Toilette muß.
Und selber merke ich, wenn ich etwas verschenke – was auch vorkommt, daß es mich freut, wenn sich der oder die Beschenkte freut. Und es wird nicht weniger dadurch in meinem Beutel, sondern eher mehr…..!
Und ich ahne, wie die Welt wäre, wenn wir uns alle gegenseitig einfach nur beschenken würden, mit dem was wir benötigen….. Dann würde niemandem etwas fehlen. Das Gegenteil dessen, wozu unsere Ängste und Sorgen uns anhalten, ist der Fall.  —-Lets try it!!!
In Lorsch habe ich zwei Tage bei Silke, Christian und Elea verbracht.
Sie haben mich wunderbar aufgenommen. Der Kontakt mit Silke ist über Facebook entstanden, wie einige andere Kontakte auch. Facebook kann sehr verbindend sein. Das gefällt mir!!
Dann bin ich irgendwann abends in Worms angekommen und von dem Wirt Andreas, seiner Frau und Anna im “Saloon” gut aufgenommen worden. Die Frage nach Wasser für meine Flasche führte zu einer Schlemmerei ohne Gleichen

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Großherzig hat mir Andreas angeboten im Garten zu übernachten. Da kein Regen zu erwarten war, schlug ich mein Lager dort auf und bin am Morgen von zwei Pitbulls geweckt worden, die sich vor mir sehr laut drohend aufbauten und mich unter lautem Bellen und Knurren vertreiben wollten.
Glück sei Dank habe ich meine große Furcht vor Hunden verloren. Sie hatten weitaus mehr Angst als ich und schienen kampfbereit. Nach geraumer Zeit sind sie dann doch der Stimme aus dem Fenster gefolgt und haben sich zur Tür geschlichen.
So konnte ich in meinem Morgenlager die mit Rosinenquark gefüllten Pfannkuchen genießen, die Anna mir mitgegeben hatte.
Drei Menschen mit großem Herzen habe ich im Saloon getroffen.

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Fortsetzung folgt………

 

 

Tag 107 bis 137 – Fluß und Überfluß

Tag 107 bis 137 Koblenz-Bingen-Mainz-Boos-Kreuznach-Bingen-Wiesbaden-Mainz…… Rhein und Nahe

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Nach einigen schönen Tagen in Koblenz bei Lara, und dem Besuch meines Sohnes Yaro, ging es dann erstmal am Rhein weiter.

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Seit Köln Folge ich nun dem Rhein Flußaufwärts.
Dieser alte, ruhige und lange Fluß hat auch meine Gedanken sehr fließen lassen.

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An der Nahe war es anders, ich konnte besser fokussieren. Die Nahe hat mir ein tieferes und näheres Gefühl gegeben. So nah an der Natur, war auch ich näher an den Punkten, die mich bewegen. Der Rhein war wie ein Pfannkuchengericht, die Nahe eines mit Natürlichen Zutaten, Gemüse und Reis oder Hirse, ein frisches und nahrhaftes. Eines daß alles bereit hielt, was ich brauchte.
Wo ich die Zutaten gut erkennen konnte, das mir Appetit bescherte und mich mehr zu Frieden kommen ließ.
Ich konnte schöne klare Details erkennen, in der Nahetur um mich herum, in meinen Bildern fügte sich einiges zusammen. Neue Fragen tauchten auf.
Wie kann es einen Bewußtseinsschub geben, der alle Menschen auf einen friedlichen Weg bringt? Was ist der mögliche Funke, der all das, was an wandelnden, transformatorischen und heilenden Energien vorhanden ist, bei vielen Menschen, in verschiedenen Bereichen, zur Explosion bringt?
Wie kann der Weltfriede mit einem Mal ausbrechen und sich ausbreiten.
Was ist die Initialzündung?
Muß es wirklich so werden, wie mir viele Menschen ernsthaft überzeugt versichern? Muß sich die Menschheit erst in eine Situation bringen, die so katastrophal ist, daß sie nur wenige überleben und von vorne beginnen können? Ist das ein Naturgesetz, ein Gottesgesetz?
Wie können wir es besser machen?
An den Ufern der Flüsse komme ich an Brücken vorbei, die ein Ufer mit dem anderen verbinden. Eine solche Brücke braucht es. Eine Verbindung.
Eine Friedensbrücke.
Ein Anstoß.
Etwas das beginnt und in kürzester Zeit eine große Energie entwickelt und freisetzt, nicht mehr aufzuhalten ist und alles mit sich zieht.
Vielleicht eine Gemeinschaft, die plötzlich entsteht und sich in unvorstellbarer Geschwindigkeit ausbreitet. Etwas, das niemanden unberührt läßt.
Etwas, das aufdeckt ohne zu zerstören.
Eine Explosion des Lebens. Die Brücke in eine lebenswerte, gerechte und nachhaltige Welt.
Viele Bilder hat mir die Nahe-Natur gegeben….

Den Rhein herauf habe ich soviel herzliche Menschen getroffen, sie haben mich den ganzen Weg hierher gestützt und beflügelt und manchmal getragen. So Dumm stelle ich mich manchmal an, im Umgang, so unbeholfen. Es ist ein auf und ab.
Der Grund jedoch ist immer noch ein klarer, stabiler, immer wieder stärkend aus sich heraus.

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Olaf, Koch in St.Goar, hat mich aufgenommen. Mit großem Herzen. Dort konnte ich kurz auftanken. Schöne kleine Orte direkt am Fluß.
Rhens, Boppard, St.Goar, Bad Salzig, Oberwesel, Bacharat….

Viele schöne Begegnungen, gute Gespräche, großherzige Essensgeschenke….Zustimmung immer wieder…
In Mainz war ich Gast in einer WG, Floh hatte ich in Lindlar kennengelernt. Er war dort Helfer des Mitmachkongreßes “utopival”, an dem ich Anfang August teilgenommen hatte.
Flo ist aktiver Lebensmittelretter. Hier in Mainz gibt es eine aktive Food-sharing-Szene, einige organisierte Menschen, die auf Wochenmärkten und in Supermärkten Lebensmittel einsammeln, die nicht mehr Verkaufsfähig sind. Lebensmittel werden auch aus den Supermarkt-Abfallcontainern gefischt. Oftmals ist das Mindesthaltbarkeitsdatum kurz vor dem Ablauf. Ich selber frage inzwischen immer nach Lebensmitteln, die kurz vor dem Wegwerfen sind. Ich ernähre mich teilweise gut von Essen, daß niemand mehr kaufen möchte.
Seit mir bewußt geworden ist, das in unserem Land alleine 50% aller Lebensmittel vernichtet werden, fällt es mir nicht schwer, nach solchen zu fragen. Ich habe nicht das Gefühl dabei, ich würde “Schmarotzen”, “Auf Kosten anderer Leben”, wie ich auch schon gehört habe. Weniger sogar, als ich jetzt in der Rückschau meines früheren Verhaltens das Gefühl habe. Im Gegenteil.
Immer öfter ergeben sich daraus gute Gespräche zum Thema. Und es geht manchmal auch in Richtung Frieden und Flucht. Und es gibt viele, die Aktion anerkennende Zustimmung. Ich kann hier und da vielleicht Impulse geben.
Auch einige Aktive Menschen von “living utopia” leben in Mainz. Dort haben sieben Menschen ein Haus bezogen und nutzen diesen Ort als Basis, sinnvolle und nachhaltige Zukunftsprojekte zu entwickeln und auf den Weg zu bringen.
www.livingutopia.org

Anschließend ging es für mich zurück nach Bingen, wo ich in naher Umgebung für einige Tage bei Freunden wohnen konnte. Sara und Peter sind Heilpraktiker mit eigener wunderschönen Praxis in Bingen. Hier wird zugehört und mit Herz geheilt.
Peter ist sehr praktisch veranlagt. Er hat sogar Überlegt, ob es nicht gut wäre, mich mit einem kleinen schiebbaren Wägelchen auszustatten, ihn zu bauen, der mir hilft, mich vor Kälte zu schützen und mir den Weg erleichtert. Danke für diese Fürsorge.
Einige wunderbare und schöne Tage habe ich bei Ihnen verbracht, geborgen und aufgehoben.
Und dann folgte ich dem Ruf die Nahe hinauf. Dieser schöne Fluß hat mich angezogen, eingesogen. Viele klare Gedanken hat er mir gegeben.
Die Gegend um die Nahe und ihre Ufer sind sehr Natürlich belassen und ich konnte mehrmals Eisvögel, einen Gartenschläfer, mehrere große Rote Eichhörnchen beim ausdauernden Spiele, viele Arten freilebender Enten und Gänse und sogar einen Pirol beobachten….

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Mehrere Tage habe ich dort auf Saras Grundstück, dem Gärtchen, unter meinem Tarp verbracht. Ich habe an einer Treppe gebaut, die vom Garten an den Fluß führt.
Eine Feuerstelle habe ich gebaut, und oft genossen in der Zeit…..

Ich habe viele Gedanken weiterführen können. Neue Bilder haben sich dazu gesellt.
Am Dienstag ist Doreen zu mir ins Gärtchen gekommen. Auch wir haben uns auf dem utopival kennengelernt und beschlossen, ein wenig zusammen zu gehen.
Wir sind eine Woche zusammen gegangen, für mich eine neue Erfahrung.

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Eigentlich wollte sie mich in Richtung Mannheim, Heidelberg begleiten.
Stattdessen hat es uns nach Wiesbaden geleitet. Ich kuriere hier meinen verrissenen Rücken, und versuche meine Isomatte zu reparieren, was mir nicht gelingen will. Eine Nacht unter Robinien hat ihr leider ein paar Löcher beschert. Eines habe ich inzwischen gefunden, sie verliert jedoch weiterhin Luft. Mehrere Nächte mußte ich so auf dem nackten Boden verbringen. Das hat meinem Rücken nicht gut getan.
Doreen und ich sind an der Nahe wieder Richtung Bad Kreuznach gegangen. Hier konnte ich ihr das “Lebensläufer-Freigehege zeigen, einen meiner Nachtplätze, diesmal mitten in der Stadt. Ich bin hier mit den Worten begrüßt worden “verschwinden sie sofort!!!”

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Was ich nicht als so dringlich empfand. Mich hat ja das Schild gelockt, das in diesem Rasenstück gepflanzt war, das mich einlud mit den Worten….”Historisch, Gemütlich, Romantisch, Menschlich”.
Am Morgen überraschte mich der Besitzer des Eiscafe’ Emilia mit einem Richtig guten Kaffee, den er mir mit den Worten…”Hier mein Freund” überreichte und mich beglückte. Der Apfelkuchen, den er mir auch noch brachte, war mir ein gutes Frühstück, für Magen und Herz!
Die beste Mahlzeit ist die, die den Magen füllt UND das Herz streichelt.
Eine solche Herzensnahrung bekomme ich des öfteren. Auch gemeinsam mit Doreen gab es einige dieser Essensherzlichkeiten.
Zum Beispiel in Bad Münster, wo wir in einem Kurhotel die Flaschen füllen wollten und nach etwas, nicht mehr verkäuflich Essen fragten. Wir würden mit leckeren Toasts, Getränken und einem Obstbeutel für die Wanderung bedacht.
Oder in Bad Kreuznach, wo uns Lisa in der kleinen Kneipe in der Kreuzstraße mit einer guten Mahlzeit verwöhnt hat, uns eine Tüte mit viel Proviant überreichte und uns außerdem am nächsten Morgen zum Kaffee einlud.

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Den Frühstückskaffee haben wir zusammen mit Olli, einem gemeinsamen Freund aus Mainz genossen, der am Sonntag nach Bad Kreuznach zu Besuch gekommen ist. Wir sind zu dritt über Deiche, bei Sonne und vorwinterlicher Kälte, die Nahe entlang nach Gensingen gewandert.
Abends hat Olli den Zug nach Mainz bestiegen und Doreen und ich haben uns einen Platz auf der Bahnhofsrückseite am Feld gesucht.

Die Nächte werden kälter…..
Wieder in Bingen kamen wir zufällig an der Unterkunft für Obdachlose vorbei, wo uns Kai ansprach und uns zu einer warmen Kartoffelsuppe mit Brot einlud. Übernachten lassen könne er uns nicht, ließ er uns gleich wissen, da wir keine OfW’s sind….”Ohne festen Wohnsitz”, sondern nur auf Platte!
Das Heim ist gemütlich. Drei Männer spielten Karten als wir eintraten und nahmen kaum Notiz von.
In dieser gepflegten und sauberen Unterkunft ist Raum für sechs Männer und drei Frauen.

Wir lernten dort auch Lars kennen, der uns viele Tipps zur Essensbereitung und zu anderen Thematiken zum Leben auf der Straße geben konnte. Lars stand nach eigenen Angaben des öfteren in der Bildzeitung. Er ist einer von vier bekennenden Hobos in Deutschland.
HOBO heißt: Landstreicher, Abenteurer und Gelegenheitsarbeiter in einem. Ein Jahr macht er das jetzt, wie viele hat er damit angefangen, weil ihn das Leben aus seiner Bahn geworfen hat.
Er scheint es aber zu genießen, und ist alles andere als bedauernswert.

Angesichts meines sehr schmerzenden Rückens, meiner kaputten Luftmatratze und der Ankündigung einer kalten und sehr nassen Nacht mit Schneefall, haben wir die letzten Kilometer nach Wiesbaden per Anhalter zurück gelegt. Ich hatte die Gelegenheit bei Doreen und Nils zwei Tage zu bleiben, und meinen Rücken mit ein paar Übungen und viel Wärme, auch von meinen Gastgebern, zu kurieren.
Und jetzt ein Restverschnauf in Mainz, bei Olli. Und Morgen geht es weiter Richtung Mannheim. Ich werde die Rheinseite wechseln.
Mal sehen, was mich erwartet…….

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Tag 90 bis 106 – Schneewittchen und Sozialschmarotzer

90 – 106  Mi – Do  2.9 – 18.9

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Liebe Lebenslauf -Freunde, -Sympathiesanten, -Interessierte, -Fans, -Verfolger……

In Koblenz bin ich gelandet. Bei Lara wohne ich seit Mittwoch. Ich habe sie um die Mittagszeit herum in Karins Bioladen getroffen, als ich Lebensmittel retten wollte. Wir wohnen seither in der perfekten, schönsten WG.

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Die letzten Tage waren für mich sehr inspirierend, einige meiner Bilder haben sich sehr schön zusammen fügen können….durch den Feien Raum, den ich hier gefunden habe.
Ich treffe unterwegs unglaublich viele Menschen, bekomme so viele Informationen, Anregungen, Spiegelungen, Reflexionen, Inspiration, daß mir manchmal ganz schwindelig wird.
Ich werde beschenkt mit Essen, mit Unterkunft, Vertrauen, schönsten Momenten…. Ich Danke allen Menschen, die mich so wunderbar aufnehmen, verwöhnen und unterstützen von ganzem Herzen, es bewegt mich weiter und macht mir den Weg sehr schön und meine Schritte leicht. Danke!!!
Natalie und Martin haben mich drei Nächte beherbergt. Eine, für mich sehr schöne und kräftigende Zeit in Bad Honnef.

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Ein Wandertag im Siebengebirge, hier liegt der Ursprung einiger Geschichten der Brüder Grimm, das Schloß Drachenboot soll das Original Schneewittchenschloß sein,

 

Das Auge Gottes
mit meditativer Pause am “Auge Gottes”  führte mich, gegen Abend, zu zwei Menschen, deren Adresse ich in Bonn bekam. So landete ich bei Ute und Uwe in Kasbach. Uwe ist Parfümentwickler und vielleicht derjenige, der irgendwann ein Parfüm findet, das einen Friedensprozess in den Menschen loslöst. Wer weiß? Ein schöner Gedanke…. Ich bestelle schon mal eine große Flasche.

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Ute hat eine kleine Yogaschule im Haus, und gibt dort Unterricht.

In einer Geldfreien Gesellschafft wird es überall, jederzeit und für jeden möglich sein, Yogalehrer ,Heilpraktiker, Therapeuten, Masseure, all die Menschen aufzusuchen, die für unser persönliches Wohlbefinden, für unser Wachstum so wichtig und unentbehrlich sind. Gemeinsames Weiterführen wird an einer der obersten Stellen stehen, weil jede_r spüren kann, daß niemand ohne alle anderen weitergehen kann.

Auf dem Weg nach Koblenz übernachtete ich drei Nächte in Folge draussen am Rheinstrand. Ich liebe es, mir dort am Abend einen schönen Platz zu suchen und auf meiner Matte, in den Schlafsack gekuschelt, den großen Rheinschiffen zuzuschauen, die Essensgeschenke zu geniessen, an die Menschen des Tages zu denken, Mundharmonika zu spielen, ich habe sie vor langer Zeit geschenkt bekommen und fange gerade an die Töne zu entdecken.

 

Manch ein Schiff bringt ein Wort des Tages.

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Am Sonntag, den 94. Tag meiner Reise, fragte ich auf einem Wanderweg Uwe nach dem Weg. Wir kamen ins Gespräch und er bot mir an, die Nacht in seinem großen, schönen Haus zu verbringen. Mit schönem Essen verwöhnt und mit seinen beiden Hundedamen Nandy und Scheila befreundet ging es mir sehr gut dort. Und nach der ersten, ersehnten Dusche nach vier Tagen, fühlte ich mich wieder sauber und duftig. Großartig!
Was gab es noch bis Koblenz?
in Linz hatte ich mehrere schöne Gespräche und Begegnungen. Mit drei Männern auf Fahrradtour in einem Biergarten, die mich zum Essen einluden; mit einem Spazieren gehenden Ehepaar, die mir ihre Emailadresse  gaben , falls ich mal Hilfe brauche. In einem Geschäft wurde ich mit Essen reich beschenkt.
Unterwegs, an einem schönen Aussichtspunkt am Rhein, traf ich ein Paar, die diesen Platz oft aufsuchen, ein schöner Nachmittag mit gutem Gespräch und liebevoller Verpflegung war die Folge.
In Neuwied rezitierte ich und kam irgendwo an einer offenen Hofgallerie vorüber, in die ich eintrat. Ich traf dort auf eine Künstlergemeinschaft, die dort einmal im Jahr eine gemeinsame Ausstellung mit Live-Musik veranstaltet.
Alle waren sehr offen und interessiert. Bei Kaffee und leckerstem Kuchen, der vom Fest übriggeblieben ist, konnte ich meinen Hut kleben, der sehr gelitten hat, in den letzten Wochen. Ein Gruppenbild mit Selbstauslöser hat etwas gedauert, weil ich versehentlich erst mal ein Video gemacht habe…….

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Mein Hut und ich erleben auch sehr viel und jedes Erlebnis hinterlässt Spuren.
Am Morgen bin ich, nach einer sehr windigen und Nieselregnerischen Nacht erwacht und hatte zum ersten Mal das Gefühl von Herbst. Und die Frage, wie wird es werden im Herbst und Winter. Und ich merkte Morgens, daß meine Jacke an ihre Grenzen kommt. Mein Windblocker ist für regnerische und stürmische Tage nicht ausreichend.
Und dann taucht am gleichen Tag im Atelier eine liegengebliebene Jacke auf, die ich erst mal nehmen konnte. Sie wird bei Minusgraden auch nicht ausreichen, aber erstmal hilft sie sehr. Was für ein toller “Zufall”!
Und am nächsten Tag schenkt mir Uwe sogar noch eine Regenjacke!
Ich bekomme wirklich, was ich brauche, oder mir Wünsche, ohne es auch nur ansatzweise zu Fordern. Ich meine damit ein inneres “Haben Wollen”. Das steht der Erfüllung immer sehr im Wege.
Es gäbe noch von einigen schönen Begegnungen und Geschenken zu berichten.
Ich möchte einfach allen von Herzen danken, die mir diesen Weg so wertvoll, schön und die Schritte leicht machen.

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Am Montag in Koblenz angekommen, gab es auf einer Demo des BUND für mich die Gelegenheit ein paar Worte zu sagen. Es hatten sich ca. 25 Menschen um drei Männer mit Mikrofon versammelt, und lauschten den politischen Reden und Anschuldigungen zum Thema “Flüchtlinge”.
Es sind mir alle Menschen sehr wichtig und machen mir Hoffnung, welche in Beispielhaften Hilfsaktionen, im Kleinen wie im Großen, einfach praktisch helfen, ohne viel zu Diskutieren.

Es gab dort eine Situation, wo konkret Hilfe von jemandem gebraucht wurde, aber alle in Diskussionen verfangen, unfähig waren, dieses zu registrieren. Darauf von mir angesprochen, sagte sogar jemand, es gäbe bei den Flüchtlingen viele Sozialschmarotzer. Da müsse man erst mal  sehen, ob der jenige nicht sogar einerr wäre! Es war alles in allem ein sehr erschütterndes Erlebnis, da der Hilfesuchende keines deutschen Wortes mächtig war und seinen zehnjährigen Sohn vermisste, der von Polizisten irgendwo hingebracht wurde. … Es fand sich noch, ohne Zutun der Demomenschen ein Übersetzer, der dem Mann helfen konnte.
Ich lernte an diesem Abend glücklicherweise, auf der klitzekleinen aber feinen Montagsdemo noch ein paar andere Menschen kennen. Niko und Oliver zum Beispiel. Bei Oliver konnte ich übernachten. Wir stellten fest, das wir, außer den grauen Haaren, noch einige weitere Ähnlichkeiten haben. Zum Beispiel den gleichen 60 Jahre alten Rasierer.

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Die Nacht zu Mittwoch habe ich dann wieder am Rheinstrand verbracht. Am Mittwoch Morgen trieb mich der Hunger in Karins Bioladen. Ich wollte fragen, ob es etwas zum Essen für mich da wäre, etwas, was sich in nicht mehr verkaufsfähigem Zustand befindet.  Ich wurde von Anne, Lara, Hanna so herzlich empfangen. Sie fragten mich, was ich brauche. Ich bekam ein lecker geschmiertes Käsebrötchen, ein großer Genuß. Ich konnte wirklich eine fast noch gute Paprika, Äpfel mit kleiner Stelle und anderes Gemüse aus der Verschenkkiste nehmen. Und meine derzeitige LieblingsSchokolade, Vegan, Nougat, Crisp, bekam ich geschenkt. Für die Seele!
In diesem Bioladen ist eine schöne, Freudige Stimmung. Neuen Kunden stellen sich die Mitarbeiterinnen persönlich mit Namen vor.
Lara hat mich dann eingeladen.
Es ist ein Segen für mich, daß es so einfach möglich ist, daß ich ausgerechnet sie getroffen habe, daß ich einfach hier sein und mich wieder etwas sortieren kann.                           Die Tage mit Yaro waren angefüllt mit Gesprächen, Spaziergängen, Kochen, Genuss, Spaß, mit Beisammensein…. Kaffee im Bett. Das war mal richtig schön. Es hat geregnet, wir sind nicht gewandert.

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Morgen werde ich weitergehen, aus Koblenz, in die Welt. Alles ist offen. Ein großer Raum, der bald bespielt werden möchte.

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Es beginnt mit einem “Ja”!

Das Beste, was wir jemals getan haben, war die Grenzen, die wir hoch errichtet hatten, aufzulösen. Die Grenzen in uns. Zwischen uns. Zwischen Völkern, Nationen, Religionen. Wir wurden wieder zur Gemeinschaft, kleinere Gemeinschaften in größeren Verbindungen.
Das Patriachat hatte viele Jahre Zeit, etwas aus sich zu machen, und hat zu keinem guten Ergebnis geführt. Nach Matriachat und Patriachat, betraten wir eine dritte Weltzeit. Wie können wir sie nennen? Das Wiriachat? Übersetzt es gerne! Denkt Euch was aus.
Wir haben den gemeinsamen Schritt aus der Dualität getan, hinein in die Trinität, in die Gemeinschaft. Aus der “Gesellschaft” in die Gemeinschaft.
Die dritte Weltzeit. Die Vollendung. Nach dem ersten, dem alten Testament und dem darauf folgenden neuen Testament, beginnt gerade das dritte, das letzte Testament. Und es gibt darin nicht einen Erlöser, sondern Unzählige. Uns alle. Und wir alle gemeinsam haben es geschrieben.
Noch unsere Enkelsenkel und deren Enkel werden sich mit Freude und Glück an jeden unserer Namen erinnern.
Wir schafften die Grenzen ab und arbeiteten zusammen an unserem Wohlbefinden, wir schafften das Geld ab, weil wir es nicht mehr benötigten. Wir mussten immer weniger Zeit in Esatzbefriedigungen und -handlungen stecken, weil wir schnell spürten, das die Erfüllung, die uns daraus entstand, gemeinsam für uns zu sorgen, uns und das Leben, die Welt zu geniessen, zu schützen und zu pflegen, all das war, was uns fehlte. Immer gefehlt hat.
Wir schafften die Grenzen ab und plötzlich ging alles ganz einfach. Wir gingen auf uns zu. Und wir halfen uns dabei diesen ersten Schritt zu gehen. Und alle weiteren. Und wir ließen uns helfen. Wir bekammen plötzlich eine große Freude und erfüllende Zufriedenheit an unseren gemeinsamen Schritten.
Sofort schafften wir das Geld ab.
Wir organisierten die faire Verteilung von allem Nötigen auf der ganzen Welt.
Wir legten alle Kraft darein in eine Gemeinsame, für Alle schöne und lebenswerte Welt zu finden. Wir waren überrascht, daß wir mit unserem gemeinsamen “Ja” eine solche Energie und Kraft entfalten konnten. Plötzlich war alles ganz einfach. Wir bekamen Freude daran die Welt zu retten, Und sie und unser Leben wieder zu dem zu machen was es ist. Das schönste Wunder der Welt, und mit ihr alle Lebewesen.
Ein Geschenk. Schenken wurde für uns alle zur wiederentdeckten Natur. Und plötzlich brauchte keiner mehr nehmen, alles war da.
Wir hatten die Armut damit abgeschafft.
Heute kennen wir keine Verbrechen mehr, es gibt für Niemanden einen Grund für ein Verbrechen. Alle haben ihren Platz gefunden. Alle sind dabei.
Wir mussten am Anfang einige Dinge ändern. Wir machten als erstes eine Bestandsaufnahme und teilten verschiedene Arbeitsgruppen ein, die aus Theoretischen, Praktischen, Visionierenden, Unterstützenden und vielen anderen Beitragenden bestand. Diese Beiträger einer Aufgabengruppe bekamen alle mögliche Unterstützung von der Gemeinschaft. Sehr schnell wurden die ehemaligen Probleme als gemeinsam zu bewältigende Aufgabe begriffen. Heute ist die Welt wieder ein lebender, gesunder Organismus, der uns alle ernährt und reich beschenkt.
Alles ist heute voller Gärten. Eine Pracht.
In vielen Mythologien und heiligen Büchern war viel die Sprache von Gärten. Gärten sind eine wichtige Schnittstelle zu unserer Natur, zu unserem Leben. Nun ist die ganze Welt ein Garten. Wir bekommen aus ihm was wir brauchen. Das Land und die Pflanzen bekommen von uns, was sie brauchen. Das Land gibt uns Kraft. Die Bäume geben Atem. Das Wasser, Leben. Und wir geben das unsere.
Jeder kann es genießen.

Wir trennten uns vom Kampf und und fühlten uns mit allen und allem in Einheit.
Jeder kann Künstler sein. Jeder kann Handwerker oder Gärtner sein. Oder Erfinder möglicher Dinge, zur Beglückung.
Wie gesagt, fand jeder. jede, jedes seinen Platz und war sicher und geschützt.
Das Leben ist die beste Schule, es gibt Schulen als Erlebnis- und Erfahrungsraum. Umgekehrt ist jeder Raum, jeder Moment dafür, Erkenntnisse und Wissen zu empfangen und zu vergeben.
Lernen und Entwicklung finden in jedem Moment statt.
Alles Wissen und alle Erkenntnisse stehen jedem jederzeit zur Verfügung. Jeder nimmt sich davon, soviel er oder sie will.

Ich könnte viel mehr erzählen, ich könnte ins Detail gehen, tief eintauchen… Das werde ich langsam.
Schaut einfach selber mal, was ihr seht.

Das alles klingt wie ein Märchen. Und es ist so einfach zu erreichen. So unglaublich einfach. Es beginnt mit einem JA.