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Tag 259 bis 266 Rohrhotel und Rumorturm

Die Tage in Sommerhausen waren wunderschön. Ich habe meinen Geburtstag still, mit einigen schriftlichen Kontakten verbracht. Viele Wünsche habe ich bekommen und es war eine Freude, alle persönlich zu beantworten. Das war wie eine große Feier!
Mein Gastgeber Lutz hat mich am Morgen mit frischen Croissants und einem Strauß Tulpen empfangen bevor er am Nachmittag nach Hamburg aufgebrochen war und ich das Haus für mich hatte.
Sommerhausen habe ich auf Spaziergängen genossen. Die schöne schlichte Kirche (riesig für eine Stadt mit 1600 Einwohnern), Das Schloß mitten im Ort, und das bombastische Rathaus prägen das Bild dieses, von Wehrmauern umgebenen Städtchens. Viele Türme sichern die Tore die rund um Sommerhausen an die Mauer gestellt sind. Einer davon ist der Rumor-Knecht-Turm, in dem der Rumor-Knecht wohnte und die Ordnung im Ort aufrecht erhielt. Hier wurde mancher Störenfried auch schon mal eingesperrt!

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Dort wurde in der Vergangenheit von einem Mönchskloster als Weinlieferrant genutzt. Das Kloster verlangte von den Bürgern den Zehnten ihres Weinvorrates. Wenige Jahre vor der Reformation, leisteten die Bürger Widerstand gegen diese Form von Teilhabe. Die Mönche wurden verjagt. Einiges Ortsprägende haben sie jedoch zurück gelassen. Zum Beispiel findet man noch Gewölbehallen unter den Häusern, die so genannten Zehntelkeller. Die verschiedenen Räume sollen durch geheime Gänge miteinander verbunden sein, trotz teils aufwändiger Suchen hat aber noch niemand einen Zugang entdeckt.
In diesem Haus könnte ich einfach in liebevollster und freundschaftlicher Atmosphäre sein. Das tat so gut.
Eine Freundin, ein wunderschöner Nachgeburtstagsbesuch am Sonntag nahm mich am Abend weg von Sommerhausen in die unwirtliche Nacht der Raststätte Würzburg. Ich war auf der Seite Richtung Mannheim, hatte mir aber inzwischen als nächste Stationen die Gemeinschaft Tempelhof, den Besuch eines Freundes in der Nähe von Regensburg und einer Schamanin im Nürnberger Raum, von der ich gehört hatte, überlegt. Also mußte ich in jedem Fall auf die andere Seite der Autobahn. Würde ich es mit meinem mehr als zwanzig Kilo schweren Rucksack über die Autobahn versuchen, über die Leitplanken hinweg, würde es mir sicherlich mindestens einen Sendeplatz in den Verkehrsmeldungen bescheren. Also beschloß ich, wie es einem 54-jährigen Wanderer zusteht, die Fußgängerunterführung zu nehmen. In der Dunkelheit mit Taschenlampe mußte ich erkennen, daß der Durchgang in der Hälfte durch Bauarbeiten verschüttet war.

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Eine nächtliche Odyssee, mehrere Kilometer weit, bis zur nächstmöglichen Unterführung führte mich quer über die Großbaustelle.
Kräne, eine neugebaute, noch nicht im Betrieb befindliche Unterführung, mehrspurig, Beleuchtet habe ich mir von innen angesehen. Das war schon eine spezielle Atmosphäre. Auf dieser Baustelle fand ich dann große Eisenrohre liegen. Ein Rohr war vorne, zur Baustelle, mit einem großen Flansch verstellt, so daß ich darin einen, vor Nieselregen und Wind geschützten Schlafplatz fand. So eine Unterkunft hatte ich bis dahin noch nicht.

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Am nächsten Morgen stand ich mit einem geschenkten Käsebrötchen, daß mir ein überaus freundlich gewonnener Tankwart geschenkt hatte, am Raststätteneingang. Lorand, aus Frankfurt auf dem Weg nach Ungarn, kam zu mir und bot an, mich bis Nürnberg mitzunehmen.
Ich schaffe es inzwischen oftmals sehr bewußt, Einfach nur Räume zu öffnen, in denen ich mich erwartungsvoll aufhalte und abwarte, daß etwas geschieht. Und immer geschieht viel!
Lorand war plötzlich einfach da und sehr schnell war mir klar, daß er ähnlich wie ich, alle seine Träume, die er einst hatte, zurückgestellt hat. Die Geburt seiner Kinder und aufgrund dessen das sichern der Existenz, in der Selbstständigkeit haben ihn seinen Weg zurückstellen lassen. Er hat alles im Griff, aber er wirkt nicht glücklich. Er ist zufrieden damit, wie es läuft, aber weit entfernt von Erfüllung.
Ich habe mich in der Vergangenheit sehen können.
Er konstruiert Lastenfahrräder ind läßt sie in Ungarn bauen. Dort zählt er 20 bis 30 Prozent der Löhne, die er hier in Deutschland zahlen müßte. Anders geht es nicht, bekräftigt er.
Bei Nürnberg, in Schwaig, bin ich dann 6 Kilometer zu einer Adresse gewandert, eine Schamanin, deren Adresse ich von einer Freundin bekommen habe, und die auf einem Riesengelände einer
Graphitfabrik.

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Die Pförtnerin hat sie informiert, aber leider wollte sie mich nicht empfangen. Das alles lief telefonisch und ich hatte keine Gelegenheit vorzusprechen. Schade!

Es folgte ein sehr freundliches Gespräch mit der Pförtnerin. Irgendwann kam ein Mitarbeiter der Firma, ein sehr freundlicher, noch junger Mann, ich glaube Arabischer Herkunft und wollte mir vier große Flaschen Wasser schenken. Mein Wasser war alle und ich nahm dankend eine der angebotenen Flaschen. Er hätte mir gerne alle gegeben, was ich aufgrund des Gewichts freundlich ablehnte, nicht ohne zu versuchen, es ihm zu erklären. Als ich das Gespräch mit der Pförtnerin fortsetzte kam ein Anruf. Es war der Mann, der mir ausrichten ließ, ich möge warten, seine Frau würde mir zu Essen bringen.
Sie kam dann und brachte mir eine Tasche mit leckerstem Essen.
Ihr Sohn war ausgestiegen, es mir zu geben, und ich schüttelte ihm dankbar die Hand, er strahlte!
Seine Mutter hatte etwas ähnliches wie eine Burka an, ihr Gesicht war frei… (ich weiß nicht wie das heißt, ich weiß auch nicht, ob Burka mit h geschrieben wird!)
Ich wollte der Frau in der Burka, aus Dank für die Essenstüte, die Hand reichen, sie gab mir jedoch den kleinen Finger und lächelte warm.
Was weiß ich denn schon von Sitten, Gebräuchen, von Anstand in anderen Kulturkreisen?
Garnichts! Wie begrüßt man Gäste? In dem man ihnen vorschreibt, wie sie sich zu verhalten haben? Das ist mir nirgends begegnet, wo ich zu Gast war! Fast immer höre ich: Feel Free…. Fühle Dich Frei!

Es ging zum Abend und ich war durchgefroren und erschöpft.
Auf dem Rückweg zur Autobahn fragte ich in einem Italienischen Restaurant, ob ich mich aufwärmen dürfte. Ich durfte!
Die freundliche Bedienung brachte mir ein Wasser und Bruschetta, daß ich gerne aß.
Und kurz darauf setzte sich ihr Freund zu mir, der mir von seinem Plan erzählte, einen Motor zu bauen, der ohne den fossilen Brennstoff laufen wird. Er ist Mechatroniker und hat ein monumentalen Detailwissen in dem Bereich. Ich hoffe, er baut es bald! Sie boten mir einen Schlafplatz an und ich hatte eine warme gemütliche Nacht.
Am nächsten Tag Schnee, Regen, ich bin von einer hoffnungslosen Autobahnauffahrt zur nächsten gerutscht, in entgegengesetzte Richtung, bin schließlich in Lauf, nördlich von Nürnberg gelandet. Dort habe ich auf der Suche nach Essen, in einem Biosupermarkt Zwei Baguette geschenkt bekommen, die ich dort an einem Tisch genüßlich verspeiste.
Heiner sprach mich an und bot mir das Gästezimmer in seiner Gemeinschaft an. Die Simmelknödel, so nennen Sie sich, sind 12 Menschen, die im Projekt für gemeinsames Leben das Experiment der Selbstversorgung versuchen. Momentan leben sie in einer alten Gaststätte in Simmelsdorf.

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Einen großen Hof suchen sie gemeinsam, um weitere wichtige Schritte in einen Selbstversorger-Garten zu versuchen. Der Verein, den sie zu diesem Zweck gegründet haben, versucht mit Hilfe des Mietsyndikat ein geeignetes Objekt zu finanzieren. Das Mietsyndikat ist ein Zusammenschluß von Privatinvestoren, die ihr Geld in sinnvollen Projekten anlegen wollen. In ganz Deutschland werden so mehr als Einhundert Projekte und viele Objekte finanziert. Das ermöglicht Projekten kleine Mieten.

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Ich genieße die Wärme und das Leben.

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