image

Tag 294 bis 330 – Teil 2 – Einhörner und Erwartungen

Als Ich In Berlin heute ankam, setzte ich mich erstmal auf eine Bank in der ufaFabrik, mitten in Berlin. Susi hat mich mitgenommen. Ich ließ mich von ihr noch zu einer veganen Linsensuppe einladen. Die schönen Tage in Schlalach sind Erinnerung, wie so vieles andere. Ich gehe weiter. Ich weiß noch nicht, wo ich die Nacht verbringe. Und auch nicht, wann und was ich heute esse. Und es fühlt sich unglaublich gut an.

image

Denn ich weiß, das es schon entsteht. Und wenn keine Sorgen meine Aufmerksamkeit belegen, kann ich es sogar spüren.
Und ich bin gespannt und freue mich jedes mal darauf, wenn es sich offenbart, es zu entdecken.
Inzwischen, Drei Stunden später liege ich auf meinem Nachtlager auf einer Turnmattein der Akrobatikschule von Peter.

image

Ich bin heute nach Berlin gekommen. Leider nicht hineingewandert, wie ich es eigentlich vorhatte, sondern im Auto meiner Gastgeberin der letzten Tage.
Angekommen, habe ich Peter getroffen, dem ich Grüße von Vanessa ausrichten sollte…
Peter lebt hier seit 37 Jahren und ist einer der Besetzer dieses Geländes und Gründer. Die Akrobatikschule betreibt er fast genauso lange.

image

Hier versuche ich also jetzt die wichtigen Stationen der letzten Wochen kurz anzuzeichnen, um dann endlich wieder auf aktuellem Stand zu sein.
….von Zeven nach Hilburghausen wo ich auf Schloß Weitersroda einige Tage zu Gast war. Dort habe ich Fabian kennengelernt. Er und Nadine haben mir einen schönen Wohnplatz umgeben von rosa Einhörnern in einem Prinzessinnenzimmer in Leipzig zur Verfügung gestellt.
Ungefähr zehn Menschen leben im Schloß Weitersroda, das Prinz Chaos, Florian Kircher vor fast zehn Jahren Erworben hat, in Gemeinschaft.

tmp_19186-DSC_03681385980210

tmp_19186-DSC_0285-1495548117

Daniel, Basti und Melanie legen einen Permakulturellen Garten an. Daniel stellt EM her und nährt und beschleunigt damit den Bokashi-Kompost. Der Prinz ist Sänger und Kabarettist, und moderiert wöchentlich eine Radiosendung bei Radio Lotte.

tmp_19186-DSC_0279-2021360458

293. Tag….Den Weg von Schloß Weitersroda nach Schloß Tondorf legte ich per Anhalter zurück. Nachdem ich auf einem Wall gesessen habe um die Trampstelle zu beschauen stand ich über eine Stunde in bester Stimmung an der Straße, aber niemand nahm mich war. Ich wünschte mir eine Mitfährt, aber wieder geschah nichts. Plötzlich bemerkte ich, daß ich mein Tablet nicht da hatte und erschrak. Es lag oben auf dem Damm. Ich bedankte mich, mit etwas Tabak, ging wieder an die Straße und sofort hielt Angela und nahm mich mit. Ich erzählte ihr diese wundersame Geschichte, sie freute sich mit und verstand, was da passiert war. Täglich erlebe ich so viele Wunder. Sie geschehen in den Zeiten eines klaren “Ja”, ganz natürlich und in einer Tour, aber auch in den Momenten, in denen ich völlig mutlos bin, wie um mir zu sagen, “mach Dir keine Sorgen, es ist alles da, lass los und vertraue. Und das tue ich. Nur “ich will jetzt aber unbedingt” funktioniert kein bisschen. Das bleibt unerfüllt. Von Schloß Tonndorf nach Weimar, Jena, Chemnitz, Leipzig.

Am 296. Tag kam ich nach Weimar, mit einer Adresse einer Frau in einer WG. Alle im Haus waren ausgeflogen und ich fand mich bald, es war schon angebrochene Nacht, im “Falken” wieder, einer Kneipe im gleichen Haus. Dort überdachte ich meine Möglichkeiten, als Nadja an meinen Tisch kam und mich zum Bier einlud.

tmp_19186-DSC_0480-751028128

tmp_19186-DSC_0482-1221643776

Ich war dann einige Tage als Gast in ihrem Bauwagen, auf ihrer Parzelle. Dort habe ich mich sehr wohl gefühlt, habe ab und zu Besuch bekommen, von Nadja und Ihren Kindern, Noah und Devi. Diese Begegnung hat in mir viele neue Gedanken ausgelöst. Die einsamen Tage in diesem Gärtchen konfrontierten mich mit alten Themen: meine Offenheit, meine Wahrnehmung, Sehnsüchte und Erwartungen. Immer wieder geht es zurück auf Vertrauen.
Wenn ich mir nicht vertraue, wie kann ich anderen dann Vertrauen?
Wie es in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.
Die kurzen, aber intensiven Gespräche mit Nadja haben mich sehr aufgerüttelt, wachgechüttelt.
Noah und Devi haben derweil immer mein leibliches Wohl im Auge gehabt und mich wunderschön umsorgt mit Smoothies und Schokolade! Lecker!
Die Tage in Jena habe ich bei Nadine und Boris verbracht. Hier habe ich Hannes kennengelernt, mit dem zusammen wir ein wenig an seinem Film fürs Geodome gewerkelt haben.
In Chemnitz habe ich Marlene besucht, eine Freundin meines Sohnes. Das waren auch interessante Tage in dieser WG. Mit ihrem Mitbewohner hatte ich ein Gespräch über “Prepper”, das ist abgeleitet vom englischen Wort prepare….vorbereiten. Die Prepper bereiten sich auf ein Leben nach einer Katastrophe vor, von der sie überzeugt sind, daß sie einsetzen wird.
Ich habe oft das Gefühl, ich bin der einzige, der an die Möglichkeit einer friedlichen Beendigung dieses Systems des Kampfes und der Angst glaubt. Ich bin sicher, daß wir es möglich machen könnten.
Diese Gespräche zeigen mir sehr viel. Ich sehe, wie weit die Hoffnungslosigkeit schon fortgeschritten ist. Wie gefangen jeder doch in dieser Hoffnungslosigkeit ist.
In Leipzig habe ich einige wunderbare Menschen kennenlernen dürfen.

DSC_0024

Neben dem Haus, in dem Fabian und Nadine mit ihren Kindern leben, ist ein Gemeinschaftsgarten entstanden.ein Kistengarten mit über 150 Kisten, in denen Gemüse und Kräuter wachsen. Bauhaus, Außenküche und schöne einladendende Ruheinseln locken viele Menschen an, die alle schnell dabei sind, die Setzlinge vor schnellwachsenden Wildkräutern zu Schützen. Das gezupfte Kraut, die Miere und Melde, und wie sie alle heißen, habe ich teilweise gleich gegessen. Der Verein betreibt auch Gewächshäuser, um damit die Mitglieder ausreichend versorgen zu können. Ein tolles Projekt.

DSC_0031

DSC_0035

Während meines Laufes ist in Wildeshausen ein Gemeinschaftsgarten entstanden. Einige Aktivisten haben ein Grundstück in Nähe des Zentrums gestellt bekommen und bebauen es nach permakulturellen Gesichtspunkten. Das zu besuchen und vielleicht dort mitwirken zu können, darauf freue ich mich schon jetzt.
Aus Leipzig bin ich herausgewandert, gegen Abend mitgefahren, bis Bad Düben, wo ich vor der Schlafplatzsuche kurz das “Hotel National” betrat, um nach etwas Brot zu fragen. Eine Einladung vom Seniorchef war die Folge. Er setzte mich zu Raphael und Stefan an den Tisch, mit denen ich gleich in gutem Gespräch war. Als ich gehen wollte, überredete mich der Senior, ein gutherziger Mann im Sakko, einen überdachten Platz im Hotelgebäude zu beziehen. Ich war glücklich darüber, weil es nach Regen aussah, und gerade hatte ich meine Isomatte aufgerüstet, da kam Stefan zu mir und sagte, er hätte mir ein Zimmer gebucht, mit Dusche und Frühstück! Was für ein Riesengeschenk! Jens im Glück! Unter solchen Menschen fühle ich mich gut aufgehoben und sicher.

DSC_0055

Am nächsten Tag, als ich Bad Düben verließ, ich war noch nicht aus dem Ort, las mich Annette auf und lud mich zu sich zum Kaffee ein. Auch die Gespräche und die Verbundenheit taten gut. Sie schenkte mir eine ordentliche leckere Wanderverpflegung und so kam ich gut gestärkt nach Wittenberg.
Dort angekommen am Schloß lernte ich sofort Kristina kennen, die mich zusammen mit ihren Freundinnen Tabea und Alina, und zwei Mitabiturientinnen, deren Namen ich leider vergessen habe, in ihre Lieblingskneipe einlud, und mit sehr interessierten Fragen ein schönes Gespräch in Gang setzte. Wieder so wundervolle junge Menschen, mit schönen Gedanken zu unserem Dasein und einer gemeinsamen glückliche Zukunft und lebenswerte Welt. Mit viel Hoffnung.

image

Ich spüre, ich möchte diesen jungen Menschen all meine Energie geben und dabei helfen, unterstützen.
Unsere Vorstellungen sind sehr nah beieinander. Es war ein wunderschöner und sehr überraschender Abend mit wundervollen Frauen.
Von Wittenberg zu Fuß zum Königreich Deutschland. Dort wurde ich empfangen und konnte zwei Nächte alleine in einem Krankenzimmer verbringen, auf einem verlassenen Gang. Der Sieben-Betten-Saal war fast identisch mit dem in Bassum, in dem ich die Wochen nach der Operation meines bereits durchbrochenen Blindarmes lag.
Das Königreich hat in der Organisation und Aktion einige sehr interessante Ansätze. Darüber werde ich noch genauer berichten, wie auch über alle andren Gemeinschaften, die ich auf meiner Tour besucht habe, nach Beendigung meines Laufes.

DSC_0185

DSC_0176

Von Wittenberg bin ich in eine weitere Gemeinschaft aufgebrochen, ins Zegg. Auch dort setzte ich mich erst einmal und ließ mich finden! Ich verbrachte dort eine Nacht und traf am nächsten Tag Hannes, der mich dort abholte um einige Tage mit mir zu gehen.

DSC_0266

Von Bad Belzig bis Brück und Schlalach zu Michelle und Susanne sind wir gemeinsam gewandert. Hannes fuhr nach fünf Tagen und ich blieb noch kurz und genoß das kleine Stückchen Heimat.

DSC_0300

Und dann kam Berlin….