Tag 194 bis 204…Weihnachtsmarkt und Wiedersehen

“Wüßte ich alle Geheimnisse
Und hätte ich alle Erkenntnisse
Und hätte ich die Liebe nicht
So wäre ich nichts”

-Auf einer Mauer in München-

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Die Zeit mit Martina und Martin endete am Dienstag. Wir verließen sie, nicht ohne vorher noch meine Federgeschmückte Mütze zu suchen, die schließlich wieder auftauchte. Glück sei Dank! Mir hätte meine Krone sehr gefehlt.

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Wir gingen am Abend Richtung Autobahn um Moers in Richtung Essen zu verlassen. Nach einiger Zeit an einer ungünstigen Autobahnauffahrt beschlossen wir auf einer Wiese unser Lager für die Nacht aufzuschlagen. Es regnete in der Nacht, wir hatten das Tarp notdürftig über uns aufgespannt. Morgens war alles sehr feucht geworden, weil das Dach nicht alles abzudecken vermochte.
So fand uns am Morgen das Filmteam… Tanja, die Regisseurin kam aus München in Begleitung des Kameramannes Thomas und des Tonmannes Stefan, die ich noch nicht kannte…Es passte von Anfang an sehr gut zusammen.

Kameramann Thomas, Tonmann Stefan, Aktivist Boris
Kameramann Thomas,
Tonmann Stefan,
Aktivist Boris

Wir wurden beim Trampen gefilmt, was den natürlichen Verlauf der Dinge, den Flow, wie wir es nennen, ersteinmal völlig aushebelt.
Wenn wir im Flow sind, fügen sich die Dinge von selbst. Die Dreharbeiten besetzen den freien Raum, den es braucht, damit sich Situationen einstellen können. Aber die Situationen sollen in dem Film eingefangen werden… Eine Unmöglichkeit! Schwierig!
Glücklicherweise hielt in dem Moment, in dem wir gerade beschlossen hatten eine andere Auffahrt zu nutzen, die drei Kilometer weiter mehr Erfolg versprach. David, ein junger Mann, der uns bis nach Essen zum Weihnachtsmarkt mitnahm.

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Dort trafen wir im Verlauf der Dreharbeiten auf dem Mittelaltermarkt auf Markus, den Töpferbaron. Es ging auf den Abend zu und da Boris und ich einen Schlafplatz suchten, vermittelte er uns an Rolf den Schmied, der uns auch gleich einen Schlafplatz in seinem Kinderschmiedestand anbot.

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Er schmiedet dort an einer kleinen Esse, zusammen mit den Kindern kleine Hufeisen und wer möchte darf sich einen Lederbeutel herstellen.
Er verlangt kein Geld dafür. Jeder darf geben, was er möchte, oder auch nichts. Das hat uns sehr beeindruckt. Er schenkt und wird belohnt. Manche Menschen geben nichts, manche mehr. Er kann davon leben.
Am Donnerstag drehten wir einige InterviewSequenzen im Park.
Da der Tag mit den Dreharbeiten sehr schnell vorbei ging, beschlossen Boris und ich noch eine Nacht in Essen zu verbringen und wurden von Rolf eine weitere Nacht herzlich aufgenommen. Er brachte uns ein neues Spiel bei… “AltWerkWeh”. Es erinnert etwas an Mühle, Dame, Halma….

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Am Freitag besuchte mich meine Familie in Essen. Ich habe zwar alle während meines Laufes mal gesehen, aber einen gemeinsamen Tag hatten wir seit genau sechs Monaten nicht. Ich bin mit meiner Aufgabe, meinem Lebenslauf und allem, was mir begegnet, innen und außen so sehr herausgefordert, daß ich selten gewahr bin, wie sehr die Menschen die ich einfach verlassen habe erst einmal von dieser neuen Situation gefordert sind. An diesem Tag in Essen hatte ich das Gefühl, daß jeder seine Schritte gegangen ist, und die Situation, wie sie ist, immer besser annehmen und mir vielleicht auch eines Tages meine kompromisslose Entscheidung vergeben kann.
Ich habe meine Liebsten genossen und konnte sie am Abend glücklich und etwas wehmütig verabschieden.

Boris ist irgendwann am Tag nach Köln gefahren, zu Freunden.
Ich bin abends hinterhergetrampt.
Ich habe nicht lange an der Autobahn gewartet, da hielt Rebecca und hat mich direkt pünktlich zum grandiosen Konzert von “Bermooda” in Köln direkt vor die Tür gebracht. <3 Rebecca versucht, wie so viele Menschen, die Aufgaben, die das Leben ihr als Alleinerziehende Frau stellt, zu bestehen. Sie hat ihre Mitte etwas verloren und wirkt sehr getrieben. Viele Menschen geben soviel ihrer Energie in die Erhaltung des Systems. Es ist komisch für mich, das zu sehen. Und gleichzeitig macht es mich traurig. Ich stelle mir vor, niemand müßte mehr Energie in den Kampf, in diesem System nicht unterzugehen, stecken. Was könnten wir mit der Energie alles schaffen....Und besser und lebenswerter gestalten.... Sie fuhr unkonzentriert und sehr riskant. Als sie mich kurz vor dem Ziel absetzten, hatten wir noch eine Zigarettenlänge für etwas Gespräch und damit sie sich kurz entspannen konnte. Ich zeigte ihr das Atmen, tief in den Bauch, wie ich sie auf meiner Reise in Steyerberg von Johanna gelernt hatte. Mir hat es in vielen Situationen schon sehr gut getan. Ich kann inzwischen selbst Schmerzen durch die Atmung lindern. Der Eintritt zu dem Konzert war frei! Boris traf ich am Eingang wieder. Was für ein Tanzabend! Die Band gibt es erst ein Jahr. Georg, den Sänger habe ich kennengelernt... Was für ein Fest! Bei Boris Freundin, Rovanna, bin ich in der kurzen Nacht untergekommen. Boris hat am nächsten Tag den Bus nach Passau genommen, um an einem Gemeinschaftsgründungstreffen teilzunehmen und ich bin hinterhergetrampt. Ich habe mich am Samstagabend an die Auffahrt der A3 gestellt, die direkt nach Passau führt, um erst einmal auf die erste Raststätte zu kommen. Ziemlich schnell hat mich eine freundliche Frau Richtung Frankfurt mitgenommen. Da sie ein Telefonat mit einer Freundin nicht abbrach, konnten wir nicht richtig darüber reden, wie weit sie mich mitnehmen kann. Als ich merkte, daß sie Richtung Frankfurt-Hahn zum Flughafen wollte, um einen Freund vom Flieger zu holen, war es leider zu spät. Ich war auf einer anderen Autobahn gelandet. Es war die nach Mainz, Mannheim..... So hatte ich Gelegenheit noch liebste Freunde in der Nähe von Bingen zu besuchen. Ich schlief ein paar Stunden auf einer Wiese auf der Raststätte "Mosel", wo mich morgens Saskia einlud und direkt an die Abfahrt Rümmelsheim brachte. So kam ich überraschend und pünktlich zum Frühstück bei Peter und Sara an. Am Abend, nach einem wunderschönen Tag in liebevoller Atmosphäre, inmitten von Weihnachtsvorbereitungen, ich war Zeuge des entstehens einer Flottille samt Kapitän und der historischen Entdeckung eines Schachspiels aus dem 12. Jahrhundert, brachte mich Sara wieder auf meinen Weg auf die A3. Das war noch ein schönes Wiedersehen. Und noch eine Flasche Wein, von meinem Lieblingsfluß, der Nahe begleitete mich. Ich wurde nach einiger Zeit dann von einem freundlichen und interessierten Paar aus Belgien, in einem älteren sportlichen Volvo mitgenommen. Bis Nürnberg wollten sie mich bringen. Bei Aschaffenburg, gegen Mitternacht, machte das Auto komische Geräusche und qualmte plötzlich heftig. Der Zahnriemen war gerissen und wie wir später vom Abschleppdienst erfuhren, war der Motor nicht mehr zu retten. Sie nahmen ein Zimmer in Aschaffenburg, und ich mußte nun ein weiteres Mal versuchen, wieder auf die A3 zu kommen. Da es regnete und ungemütlich würde, habe ich mich Schlafsackumschlungen unter das Eingangsdach eines Mercedes-Autohauses gesetzt und drei Stunden im Sitzen geschlafen. Um Acht weckte mich ein junger Mitarbeiter, und scheuchte mich nicht etwa weg, wie ich erwartete, sondern schenkte mir eine Tüte Weihnachtskekse und wünschte mir einen guten Morgen! <3 Wenn ich denn noch mal ab und an Erwartungen habe, werden die nicht mal mehr erfüllt! Wie schön. Ein freundlicher Mann brachte mich von dieser schwierigen Auffahrt weg zur nächsten Raststätte, wo ich mich gegen Mittag mit einem Stuhl vor den Eingang setzte und gespannt wartete, was wohl als nächstes passieren würde. Ich fragte die Reisenden, nach einem Platz im Auto... Ich hatte tolle Gespräche an der Raststätte, bekam mehrere belegte Brötchen geschenkt, viele Getränke, Geldscheine wollte man mir zustecken, insgesamt 60 Euro, die ich alle ablehnte, worauf ich noch mehr zu Essen bekam... Soviel Freundlichkeit. Das wärmt das Herz. Oft werde ich nach negativen Erfahrungen gefragt, und immer antworte ich, daß ich noch keine schlechten Erfahrungen auf meiner Tour gemacht habe. Und das stimmt. Jedoch gibt es Reaktionen, die ich ganz fürchterlich und Traurig finde. Wenn ich Menschen auf dem Weg zu ihrem Auto freundlich und achtsam frage, ob sie in meine Richtung fahren und sich vorstellen können, mich mitzunehmen, und sie gehen einfach weiter und tun, als ob sie mich nicht wahrnehmen würden, was wohl ihrer Unsicherheit oder Angst geschuldet ist. Darin liegt eine so starke Verachtung, daß es mich erschüttert. Absagen auf Augenhöhe, wie von zwei Frauen, die beide freundlich erwiderten, nachdem sie mich angehört hatten, sie möchten niemanden mitnehmen, nehme ich dankbar ohne Hadern an. Aber Luft für jemanden zu sein, trifft tief! In diesen Stunden auf der Autobahnraststätte hatte ich beide Extreme reichlich. Bis dann Julia und Thomas kamen und mich direkt nach Ruhstorf bei Passau brachten. Julia Übernahm nach kurzer Zeit das Steuer, damit Thomas und ich vieles besprechen konnten. Was für eine wunderbare, inspirierende Begegnung und kurzweilige Fahrt. Wieder eine Begegnung, die für alle ein Segen war, mich glücklich macht, und sich im Nachhinein unausweichlich anfühlt. Danke für diese guten Momente. Sie brachten mich bis auf den Seminarhof, den Ginas und Sandys Eltern betreiben und lernten noch alle kennen, die mich erwarteten: Die Gastgeberinnen Gina und Sandy, Nadine, Karl und Boris. Gemeinsam wollten wir zwei Tage über Gemeinschaftsgründung sprechen. Auch das war ein schönes Wiedersehen. Ich hatte alle Fünf und auch Sandra, die am Mittwoch mit ihrem Freund dazukam schon auf dem utopival im August kennengelernt. Gemeinsame Spaziergänge, Yoga- und Turnübungen, kochen, essen, Gespräche über Grenzen, Toleranz, Erwartungen im Leben in Gemeinschaft... Schöne Tage! Danke! Über vieles konnten wir wunderschön und offen reden und alle haben ihre Positionen anschauen und überdenken können. Einiges hat sich bei jedem bewegt. FB_IMG_1450918455460

Am Mittwoch Abend standen dann Boris und ich wieder an der Autobahn bei Passau, an einer Auffahrt, die unbeleuchtet und sehr schwierig war. Von allen Vorbeifahrenden wurden wir ignoriert. Die einzigen, die uns zuwinkten waren Menschen auf der Flucht, die in Bussen vom Auffanglager zu irgendwelchen Unterkünften in Sporthallen gebracht wurden.
Wir alle unterwegs zu Frieden und Freiheit.
Felix, ein junger Student der Staatswissenschaft, nahm uns schließlich mit nach München. Eine Fahrt mit dem Rucksack zwischen den Beinen in einem vollen Auto, mit interessantesten Gesprächen, bis an die Münchener Innenstadt.
Wir kamen hier in der Nacht vor Heiligabend bei Tanja, einer Freundin, unter. Am nächsten Tag verließ mich Boris erneut, um einige Dinge zu regeln, seine Mutter zu besuchen und Silvester bei Freunden in Leipzig zu feiern.

So verbrachte ich die Weihnachtstage wunderschön, mit mir, in der Capoeiraschule von Tanjas Mann Saguin.

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Und mit einer Einladung zum Abendessen am ersten Weihnachtstag bei einem eBuch-Kollegen und Buchhändler, Sebastian Otter und seiner Freundin Tanja. Dort lernte ich Claudia kennen, die zehn Jahre schon den Christkindlmarkt in München organisiert.
Es war ein schönes, trautes Weihnachtsmal.
Ich habe dieser Tage hier in München zu Ruhe und Frieden gefunden und bin gerade sehr dankbar und glücklich!

Und all das wünsche ich Euch Allen! Danke für die vielen wunderbaren Mails und Grüße zu Weihnachten. Ich hatte ein sehr glückliches Fest, mit besten Gefühlen und Gedanken, für alle Menschen, die sich so nahe anfühlen. Danke!

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