Tag 32 bis 38 – Bewegung und Beschenkung

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bis Tag 38 – Stolzenau, Lahde, Petershagen, Minden, Bad Oeynhausen…

Es ist Sonntag, der Nachmittag des 12. Juli….Auf dem Weg nach Bad Oeynhausen. Es regnet sich ein. Ich sitze unter einem Busch, esse die Brötchen, die ich als Proviant von meiner Gastgeberin Ingrid mitbekommen habe. Gerade ist alles so traurig. Regen außen und innen…
Unter diesem Baum werde ich versuchen von den letzten Tagen zu erzählen.
Annelie ist dann also vollgepakt mit meinen aussortieren Survival Artikeln zurück zum Lebensgarten gegangen und ich, begleitet von meinen Filmteam per Automobil in die Welt. Ich habe erzählen müssen, Fragen beantworten, wurde von vorne, hinten, von unten und oben und allen Seiten gefilmt und befragt.
Es war sehr schnell klar, dass ich es an dem Tag nicht weit bringen würde. Ich erinnerte mich einer Adresse, die Annelie mir gab und ging nach Holzhausen zu zwei Lebensgärtnern, die mit ihrem Permakulturellen Garten dort leben. Heidi und Dirk.
Heidi ist als Reit-Therapeutin im Lebensgarten aktiv.
Dirk fertigt in seiner Werkstatt Holzspielzeug für Kinder und Erwachsene mit hohem ökologischen Anspruch. Er ist ausserdem ein großer Baumfreund und weiß, daß die Wälder, insbesondere die Regenwälder der Welt, unsere grüne Lunge,für uns und unsere Kinder unschätzbar lebenswichtig sind.
Große Teile, jährlich eine Fläche in der Größe von Griechenland, fallen der Gier des Menschen zum Opfer.

https://www.abenteuer-regenwald.de/wissen/abholzung

Dirk pflanzt unermüdlich Bäume auf seinem Grundstück und überall, wo es möglich ist. Das zu sehen, hat mich tief berührt.
Ihm und allen Menschen, die sich so einsetzen, haben meinen größten Respekt.
Nachdem sich bei Heidi und Dirk der Erste Schock gelegt hatte, vier Menschen standen plötzlich unerwartet vor ihnen, Axel mit Kamera auf den Schultern, Wolfram mit Puschelmikrophon, eine hübsche Frau und ein komischer Wanderer mit Strohhut – der Erste Schock war wirklich groß – luden sie mich dennoch ein, in ihrer Gartenhütte, bei der Pferdewiese die Nacht zu verbringen.
Nachdem ich die Hütte gefegt hatte, war es ein kuscheliges Plätzchen, offen zur Obstwiese.

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Am nächsten Morgen Abschied. Dirk gab mir noch ein Geduldspuzzle mit auf den Weg, daß ich schnell lösen konnte und gleich in Minden weiter verschenkt habe, an Marlo. (Ich habe ihm und seinen Eltern Martina und Mark vorgelesen, was eine schöne Einladung zum Bierchen mit gutem Gespräch zur Folge hatte. Von Mark habe ich eine Einladung zum Segeln auf dem Steinhuder Meer bekommen. Ich freu mich drauf in einigen Monaten.)

Meine Filmfreunde haben mich dann irgendwann nach vielen Interviewfragen, an Strassenrändern, verlassen, nicht ohne mich zum Abschied zu beschenken, mit Knusperriegeln und Tabak und anderen Schätzen. Ich geniesse alles und fühle Leichtigkeit.

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Ich habe dann am Montag abend bei Anna und Hans geklingelt, Freunde von Dirk, die nicht mit mir gerechnet haben. Die Einladung in ihr Haus war herzlich. Hans ist Glasbläser und lebt von seiner Kunst. Anna kocht und backt den ganzen Tag die schönsten Köstlichkeiten. Beide sind Russlanddeutsche, bekennende Christen und lange Jahre in Deutschland.
Auch hier gab es zum Abschied selbstgebackenes Brot, Russische Kekse und andere Leckereien. Von Herzen Dank.

Über die Weser kam ich nach Petershagen, wo ich Annette und Peter in ihrer Buchhandlung besuchte. Sie sind ebenfalls Mitglieder in der Genossenschaft e-Buch, ein Zusammenschluß ca. 700 individueller Buchhandlungen, die Gemeinsam gegen die Marktmacht der großen Konzerne bestehen. Viele Engagierte Mitglieder und ein starker Vorstand sind unermüdlich tätig und stärken so die kleinsten Buchhandlungen.
Ich habe unsere Informations- und Einkaufsgenossenschaft in der Vergangenheit hoch schätzen gelernt, und manches mal kamen gute Anregungen, Angebote und Unterstützung, die mir immer sehr wichtige Bereicherung war und ohne die es oft sehr schwierig geworden wäre.

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Bei Annette und Peter konnte ich übernachten, und gleich haben Sie mich nach Minden, an Ingrid, eine Freundin von ihnen, weitervermittelt.
Das Gehen wird mir immer leichter und angenehmer.
In Minden würde ich von Ingrid erwartet. Zwei Tage durfte ich dort, in ihrem Haus, im Zentrum der Altstadt verbringen und die Zeit dafür nutzen, in Minden meine ersten Lesungen zu halten.
Sehr schnell merkte ich, daß es unmöglich ist, in der Stadt, im Menschen- und Einkaufsgetümmel eine Leseveranstaltung an die Menschen zu bringen.
Also begann ich auf Menschen zuzugehen und einfach zu lesen.
Die Mindener sind im allgemeinen sehr schwer zugänglich. Da kommt schon der Ostwestfahle durch.
Einige könnte ich erreichen, und die kamen dann auch in den Genuss von Joseph Beuys “Lass Dich fallen…..”. Ein wunderbares Stück Poesie, das jeden an verloren gegangenen erinnert.
Ich bekam für das Lesen dieses wundervollen Gedichtes viele glückliche und nachfühlende Blicke, Eis, Pizza, Kaffee, schönste Gefühle und beste Resonanz. Ich werde überhaupt so unglaublich reich beschenkt, durch wunderschöne, intensive Augenblicke, tiefe Gespräche, schönstes Wohlwollen, liebevollste Aufnahme, größtes Vertrauen, Leckereien und Essen. Alles was ich brauche habe ich. Nichts fehlt.
Und ich treffe wundervolle Menschen.

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Einen kleinen Zwischenfall gab es jedoch auch! Als ich draußen, an einem Straßencafe’ einer Gruppe Menschen vorlas, erregte sich eine Frau am Nebentisch so sehr, laut, unangenehm, und barsch. Sie rief eine Bedienung, um mir das Lesen verbieten zu lassen. Das tat der herbeigerufene junge Mann dann auch. Zwei junge Männer, einige Tische weiter, haben diese Situation beobachtet und luden mich ein, an ihren Tischn zu einem Kaffee. Beide stammen aus Kurdistan. Sehhesat und Kazim.Wir hatten ein gutes Gespräch, und beide versicherten, mich irgendwo unterwegs besuchen zu wollen.
Der Kellner schenkte mir sogar noch einige, in eine Serviette verpackte, leckerste Butterwaffelkeksröllchen, die ich so sehr mochte, und erklärte entschuldigend, daß er so handeln mußte.
Die Frau indessen hat schnell das Cafe’ verlassen, ohne wunderbare Begegnung, ohne Leckere Butterwaffelkeksröllchen. Ohne Geschenk.
Die Arme!

Am Sonntag dann der zweite Abschied von Ingrid, meiner Liebevollen Gastgeberin in Minden.
Ich habe mich hier sehr gut aufgehoben gefühlt. Danke!

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Dann ein schöner Lauf mit vielen Regenfällen, vorbei an der Porta Westfahlica.

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In Bad Oeynhausen bin ich verschwitzt angekommen und von Wolfram und Maike, Bekannte um zwei Ecken von Ingrid, herzlich mit kaltem Bier und einem strammen Max empfangen worden. Das tat gut.
Dann, am nächsten Tag, nach einem schönen Frühstück mit Wolfram, einige Kilometer Wanderung. In mich gehen, heraustreten, Atmen, gehen, viel Regen immer wieder, weitergehen…Schritt für Schritt…..