Bis zum Bodensee

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Am 154. Tag meiner Reise brachen Boris und ich in Heidelberg auf.
Wir wanderten über Hockenheim und Oberhausen-Rheinhausen zur Autobahnraststätte Bruchsal. Von dort wollten wir die restliche Strecke zum Bodensee per Anhalter zurücklegen.
Ich hatte Elke, einer Bekannten, die für zwei Wochen in Deutschland verschiedene Seminare gab, zugesagt ihr Acht Monate altes Hundemädchen Mira zu versorgen. Ich wollte die Zeit nutzen, um einfach mal etwas ähnliches, wie eine kleine Inventur meiner Reise machen. Es war zeitlich die Hälfte meiner Reise und auch der Bodensee markierte Geographisch meine Wendemarke. Ich nutzte die Zeit in Limpach für lange, mehrere Stunden währende Spaziergängen mit Mira.
Jetzt, im Winter ist es für mich unumgänglich, öfter Quartier zu haben, schöne und herzliche Einladungen anzunehmen. Einige Gegenden habe ich auf meiner Wanderung auslassen müssen. Die werde ich bis Februar bereisen, Menschen besuchen, zwischendurch immer wieder auch Wandern und mich dem Leben unterwegs hingeben. Räume schaffen, in denen alles möglich sein kann. Ab Februar werde ich im Süden wieder ansetzen und gen Heimat wandern, ausschließlich zu Fuß.
Am Bodensee um Limpach herum war es einfach schön.
Als Boris und ich Heidelberg verließen, begann eine besondere Zeit.
Von Anfang an gingen wir gemeinsam in unsere Aufgaben und Situationen heran, tauschten uns darüber auf einer verständigen Ebene aus, reflektierten und berieten, bei großer Nähe und objektiven Abstand. Wunderbar. Auf unserem Weg zum Bodensee sind uns viele Menschen in unterschiedlichen Situationen begegnet, Momente, die uns tief berührt, oder froh gemacht haben.

Zum Beispiel übernachteten wir in einer Garage, die zur XXL-Taverne gehörte, in der wir am Abend vorher nach Wasser für unsere Flaschen gefragt haben. Magda und Denise haben uns sofort aufgenommen und uns so liebevoll ver- und umsorgt. Am nächsten Morgen lud uns Tadäusz, ein Bauarbeiter aus Polen und Dauerbewohner einer kleinen Wohnung in der XXL-Taverne auf einen Kaffee ein. Er arbeitet schon einige Jahre in einer Baufirma in Deutschland und vermisst die Familie ganz schrecklich. Bei einem guten Cowboykaffee, meinem Lieblingskaffee, erzählte er bis ihm die Tränen kamen. Es war ein sehr berührender und naher Moment. Ein trauriges, unendlich gutes Herz.
Oder in einer Autobahnraststätte, in der wir zwei Frauen mitten in der Nacht nach etwas Essbaren fragten. Sie erklärten uns, es ginge nicht, das sei verboten, die Kameras würden alles aufzeichnen… Wir verstanden und wollten, um niemanden in Bedrängnis zu bringen, sofort gehen, als sie zwei belegte Brötchen vor uns auf den Tresen legten und uns darum baten, sie zu nehmen. Einen neuen Job würden sie immer finden, versicherten uns alle beide. Es war der Wunsch, uns etwas Gutes zu tun und ein wenig Widerstand gegen die Verhältnisse. Es entstand eine Situation, in der wir nicht mehr wußten, was wir tun sollten. Sie hatten sich auf jeden Fall entschieden, uns zu beschenken und so nahmen wir die Brötchen an.
Wir haben viel über diese Situation gesprochen und waren uns hinterher klar darüber, daß wir solch ein Opfer in Zukunft nicht mehr annehmen werden.
Es gab viele gute Momente, in denen wir herzlich aufgenommen wurden.
Boris hat in den Tagen unseres Unterwegsseins die Aufgabe des Chronisten genommen.
Er berichtet sehr viel detaillierter als ich, kommt oft sehr schön direkt auf den Punkt, greift meine Gedanken, unsere Gespräche sehr gut auf.
Ein paar seiner Blogs aus unseren zwei gemeinsamen Tagen folgen unten und sind mit Namen in Klammer markiert……..

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Irgendwann war der Moment, an dem wir beide spürten, daß ein Brötchen, von Herzen bekommen so viel besser schmeckt, als große Speisen, die nicht von Herzen kommen….

(Boris) Angekommen in Oberhausen-Rheinhausen konnten wir unser heute morgen besprochenes Prinzip gleich umsetzen, als wir in einem Restaurant eher hektisch empfangen wurden und ebenso schnell wieder das Weite suchten. Danach haben wir uns beim Italiener herrliche Zaubertricks beibringen lassen und im Ciao Bella Erhan und David (komischer Name für einen Mann mit indischen Wurzeln ) kennengelernt. Hier wurden wir gleich herzlich empfangen, der Laden befindet sich noch im Aufbau, dennoch ließ es sich David nicht nehmen die folgende Stunde nur bei uns zu verbringen und uns eine sehr ordentlich belegte Gemüse Pizza zubereiten zu lassen (köstlicher Gaumenschmaus!).
Erhan wirkte sehr interessiert an unserer Reise. Ein höflicher und anscheinend sehr fleißiger junger Mann, der unter der Woche in einer Fabrik arbeitet und am Wochenende noch in der Pizzeria aushilft. Sein Chef David lobte ihn über den Klee.
David selbst teilte unsere Weltsicht und konnte uns einige interessante Sichtweisen liefern. Wir sprachen über Religionen, alle verschiedenen und dass sie doch dennoch das gleiche meinen. Über die eine Kraft, die alles regelt. Er nahm das Beispiel mit den acht Milliarden Menschen, von denen jeder einzelne völlig verschiedene Fingerabdrücke habe. Gleiches sieht man tatsächlich auch in der Natur und Tierwelt überall, wo Ordnung und Chaos in schierer Harmonie zu funktionieren scheinen. Keine Delfinflosse, kein Leopardenmuster gleicht dem anderen. Wer leitet diese “Ordnung”?
Wir sprachen über die schwierigen Situationen weltweit. Er berichtete von Armut, fehlendem Zugang zu Trinkwasser und Menschen – die nichts verändern wollen – aus Indien. Er sei Deutschland sehr dankbar für alles, was er hier lernen durfte. Lernen über das Leben, nicht das, was man in Schulen “lernt”, meint er.
Aber das Miteinander und Fürsorge vermisse er hier vor allem, das fehle den Menschen.
Nachdem wir uns mehrfach bei ihm für alles bedankten, intensivierte sich der Wille meinerseits nun nur Herzensessen anzunehmen.
Was Karma so alles drauf hat, sollte sich dann noch am gleichen Abend herausstellen.

Wir folgten dem Rat des Italieners, der uns von einer Halle erzählte, die wir zur Übernachtung nutzen könnten. Der Straße folgen und auf der linken Seite, nichts leichter als das.
Nach einer kurzen Odyssee wollten wir in der XXL Taverne nochmal nach dem Weg fragen. Denise, die uns am Eingang empfing und zunächst fragte, ob wir ein Zimmer gemietet hätten, kommt allerdings nicht aus der Gegend, wusste es also nicht. Auch Magdalena, die Besitzerin, kannte keinen Rat. Scheinbar gab es keine Halle zur Nutzung. Die letzten Kunden waren noch da, im Inbegriff zu gehen.
Wir kamen ins Gespräch, Denise blühte immer weiter auf und beschenkte uns mit ihrem Lachen von Herzen und sehr viel Aufmerksamkeit. Magdalena gesellte sich immer wieder dazu, bereitete uns unglaublich leckeren und großen bunten Salat vor. Brot. Wasser. Rippchen für Jens. Liebe. Zeit. Empathie. Ein Dach über den Köpfen. Frühstück für morgen. Herzlichkeit. Alles, was unser Herz begehrt. Wir sind binnen weniger Momente überflutet worden mit unvorhersehbaren Gesten und Emotionen. Wie schön und unkompliziert es doch laufen kann. 🙂
Denise fand richtig Gefallen an unserem Vorhaben, sie und Magdalena werden wir morgen Mittag Wiedersehen und uns mit einem sehr guten Gefühl und tiefer Dankbarkeit verabschieden.

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Wie machen wir den Menschen bewusst, möglichst ohne zu viel ihrer Zeit zu beanspruchen, dass unsere Reise eine selbstbestimmte Entscheidung ist, wir in keiner Not sind und durch unsere Kontaktaufnahmen doch eigentlich auf Frieden und ein solidarisches Miteinander aufmerksam machen möchten?
Mit dieser Frage im Hinterkopf und einer guten Portion Achtsamkeit betraten wir später ein China Lokal. Eine Gruppe junger Leute war noch anwesend, wir stellten uns beim Personal vor und fragten nach einer Möglichkeit Wasser aufzufüllen. Diese wurde uns genehmigt und Daniele, der erste der Gruppe sprach uns auf unsere Reise an. Wir kamen direkt ins Gespräch, Jeremias, Ashley und Mona gesellten sich dazu. Wir verabschiedeten uns wieder voneinander, da die Gruppe bereits zwei Stunden im Lokal war und jetzt nach Hause wollte. Doch ihr Interesse schien geweckt, denn umgehend kam Ashley wieder ins Lokal und bot uns Kaugummis an. Diese Abwechslung nahmen wir an, vor allem, weil Jens und ich beide von Anfang an ein sehr gutes Gefühl bei der Gruppe hatten. Das waren herzliche Menschen vom Feinsten, was ich aus meiner Altersklasse nicht unbedingt gewohnt bin.
Kurz darauf kam Ashley erneut mit Daniele rein, sie bestanden darauf uns eine Mahlzeit auszugeben, wir ließen sie jedoch entscheiden. So machen wir es immer, da wir bewusst keine Ansprüche stellen möchten. Wer unser Vorhaben in welcher Form auch immer unterstützen möchte, soll es bitte von sich heraus machen. Was aus einem selbst kommt, und sei es nur eine Idee, überzeugt und fruchtet viel besser.
Als die beiden bestellen wollten ergänzte die Verkäuferin gleich, dass das Lokal die Kosten übernehmen wird. Keiner brauchte zu zahlen. Karma hatte zugeschlagen, dank Daniele und Ashley. Wir machten noch ein gemeinsames Bild, unterhielten uns kurz und hoffen innig, mindestens einen von ihnen wiederzusehen oder vielleicht sogar auf dieser Seite zu finden. Vielen Dank euch, bleibt so wahrhaftig und offen, wie ihr auf uns gewirkt habt! Das ist die next generation.

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(Boris) Mittwoch Abend trafen wir Wilfried und Eva, die sehr interessiert an den Beweggründen der Reise waren und was in Jens an Veränderungen stattgefunden haben, ehe der Wunsch geldfrei ein Jahr durch Deutschland zu wandern aus seinem Herzen entsprang.
Jens berichtete vom Wandel innerer Werte und Einstellungen. Vom Loslassen so vieler Ängste, die ihn das Leben lang beschränkt haben, aufhielten etwas zu verwirklichen oder der Ursprung dafür waren, dass er sich selbst klein redet. Auch darüber, wie dieser innere Wandel nun den eigenen und den Gesellschaftlichen Wandel im Außen bewirkt und beeinflusst (wobei wir gesellschaftlich betrachtet nicht auf einen völligen inneren Wandel beim Großteil der Bevölkerung warten dürfen, sondern eben parallel bereits die Außenwelt durch Ideen, eigenes Verhalten, Projekte und Gemeinschaften versuchen müssen durch das eigene Beispiel zu inspirieren und von anderen/neuen Möglichkeiten zu begeistern – die für alle besser sind. Für einen selbst, für den anderen und die Umwelt. Win-Win-Win). Von innen nach außen. Nicht andersrum.
[ Ich sehe die Veränderung in der Gesellschaft, raus aus der Maschine der Angst und Bedrohung, hin zu einer Gesellschaft im Vertrauen auf allen Ebenen, allen Bereichen, als eine feine Mechanik, die nicht nur an einer Stelle entsteht und in Gang gesetzt wird, sondern an allen Punkten gleichzeitig.]

Jens erzählte mir von einem ehemaligen Psychose Patienten, der ihm vermittelte, dass sein Leben doch nicht besser werden könnte, wenn sich die Umstände nicht bessern würde. Was sich ändert, liegt in unserer Hand. Wofür wir unsere Gedanken investieren, wieviel Gewichtung wir Gefühlen und Situationen beimessen, welche Entscheidungen wir täglich treffen und wie wir mit “Rückschlägen” umgehen.
[Das oberste Thema Frieden zum Beispiel… jeder Mensch hat eine andere Meinung dazu, wo der Friede beginnt. Viele Menschen sagen mir, der Friede beginnt in uns selbst. Und das sehe ich genauso. Und ein Prozess, welcher nicht aufzuhalten ist, wird langsam aber sicher auch alle anderen Bereiche durchziehen. Das sehe ich genau so. Dieser Junge Mann aber fragte, wie er inneren Frieden finden könne, in dem Wissen, daß um ihn herum nur Kampf ist. Auch das ist etwas, was mich sehr bewegt. Ich bin überzeugt, daß der Weg in eine friedliche und lebenswerte Welt auf allen Ebenen gleichzeitig gegangen werden muss. Viele sind in ihren Bereichen sehr aktiv und erfolgreich. Wir haben alle Zutaten für die Zukunft, wie sie nur sein kann.
Viele Menschen, die ich treffe, haben einen Teil zur Lösung.
Und wenn wir unsere Schätze zusammen auf den Tisch legen, werden wir Erfolg haben, und unsere Nachfahren einen Grund zur Freude.]

Eva entschied sich uns zu sich nach Hause einzuladen, was wir nicht nur angesichts der kühlen Temperaturen am Bodensee liebend gerne annahmen. Denn die Begegnung mit ihr entwickelte sich zu einer Fügung, wahrscheinlich für uns alle drei.
Am nächsten Morgen beim Frühstück setzten wir beim Thema innerer Wandel erneut an.
Eva erinnerte uns wieder daran, dass selbst dieses Verbundenheitsgefühl – was uns derzeit intensiv begleitet – weiterhin geprägt sein wird und ist von persönlichen Wünschen und Erfahrungen. Dass es sich weiter entwickeln wird, noch ausbaufähig bleibt und der Weg noch längst nicht abgeschlossen ist, auch nicht der gedankliche Prozess auf diesem Lauf – was uns manchmal die Fantasie sprengen lässt, denn wir können uns kaum noch ausmalen, wie die einzelnen Situationen, die wir erleben, noch besser zusammen gefügt sein könnten. Gefühlt erfüllt sich jeder unserer Wünsche umgehend nach einer wieder mal begeisternden Begegnung mit einem wundervollen Menschen.

[Jens] Ich hatte ein sehr tiefes Gefühl dazu, wie sich alles auf meiner Reise wundersam zu fügen scheint. Ein Bild hatte ich.
Wir alle sitzen im Käfig. Wie ein Vogel, der von Natur aus fliegen will. Aber sich nicht traut. Der zwar von der Luft gehört hat, die ihn tragen würde, sobald er den Käfig verlässt, aber ja gar keine richtige Vorstellung davon hat wie es funktionieren soll. Das kann er ja in seinem Käfig nicht ausprobieren. Das kann ihm jemand erzählen und er muß vertrauen. Es ist der mutige, vertrauensvolle Schritt aus der Tür nötig um zu fliegen. Und die Tür geht nur von innen auf.
So sind wir Vögel in unserem System.]

Eva erinnerte uns auch wieder daran, dringend für den Winter vorsorgen zu müssen. Es werde kalt, die Nächte draußen sind ohne bester Ausrüstung schwierig zu überstehen. Es zehrt zumindest an den Kräften.
Solange wir uns hier auf Erden bewegen, ist unser Körper das heiligste Gut. Eine Voraussetzung für ein wohlbefindliches Leben.
[Jens] Mir ging es körperlich nie besser! Aber ich werde Evas Rat beherzigen und die zwei kommenden Ruhewochen auch dafür nutzen, Unterkünfte für Dezember und Januar zu finden, für die möglich kalte und zehrende Zeit, auf dem Weg in den Norden, nach Berlin!]

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Später im Wald bezeugte Jens Feierlich vor versammelter Mannschaft, also vor mir und allen anwesenden Bäumen, dass er ab heute wieder vegetarisch leben werde. Auf dem Weg zum Veganer.
[Jens]Ich weiß, daß es die Nahrungsaufnahme eher etwas schwieriger gestaltet, denn der Süden des Landes scheint sehr Fleisch- und Wurstlastig.
Ich mache dennoch kleine Schritte, und nehme unterwegs auf jeden Fall noch Butter -sonst müsst ich bestrichene Brötchen ablehnen-, Milch und Eier – Kekse und Kuchen liebe ich-……Und mein Daunenschlafsack ist momentan alternativlos und unersetzlich. Obwohl ich doch weiß, daß auch all diese Produkte Leid und Elend produzieren. Ich sehe auch, daß es als Zwickmühle erscheint. Aber das scheint nur so. Ich mache meine Schritte, alleine darum geht es.
Ich ertrage nicht mehr weiter die Vergewaltigung des Lebens.
Aber ich mache damit einen weiteren persönlichen wichtigen Schritt in die Welt, wie ich sie mir vorstelle.]

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Auf der Autobahn:

[Boris] Francesco, aus Albanien stammend, ein vom ersten Moment an offener, authentischer und herzlicher Mensch war auf der Durchfahrt nach Zürich. Leider nicht unsere Richtung, obwohl er uns sehr gerne mitnehmen wollte. Er gesellte sich jedoch lange Zeit zu uns, lange genug, um einen bleibenden Eindruck bei uns zu hinterlassen.
Wir sprachen darüber, dass viele der Leute, die wir angesprochen hatten, ängstlich wirkten und erst gar keinen Kontakt zuließen. Wir sprachen darüber, wie wichtig es sei eben auch jenen Menschen wohlwollend gegenüber zu treten, von denen man etwas befürchtet. Nicht selten provoziert diese ängstliche, vermeidende, in jedem Fall negative Einstellung und Denkweise genau diese Situationen, die man nicht erleben wollte.
Er erzählte uns eine Geschichte, die ihm selbst 1995 passiert sei. In Kroatien hätten zwei mit einer Kalaschnikow bewaffnete Männer ihn angehalten und Geld verlangt. Er habe ihnen erzählt, dass er 800DM dabei habe, das Geld für die Einreise in seine Heimat bräuchte. Er sei selber nicht wohlhabend, arbeite sehr viel für sein Geld.
Er antwortete Ihnen “Ich gebe euch das Geld, aber lasst uns doch erstmal ein Bier trinken.” Daraufhin entstand tatsächlich eine ruhige Atmosphäre, in der man sich austauschte und gemeinsam das Bier genießen konnte. Im weiteren Verlauf habe er ihnen jeweils 100DM angeboten, beide hätten das Geld abgelehnt und ihn gebeten weiter zu fahren. Es sei nichts geschehen.

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[Boris] Auf der Raststätte “im Hegau” trafen wir nach einigem Warten auf Tabea. Ein Engel unter ihresgleichen. Sozialpädagogin von Beruf, arbeitet mit Menschen, die meist als geistig behindert bezeichnet werden, ist – was mich sehr freute – eine Veganerin und absolut auf unserer Wellenlänge. Sie kannte Probleme beim Trampen, zeigte ein großes Herz und viel Offenheit. Eigens für uns machte sie einen Umweg, damit wir besser weiterreisen können und gab uns sogar noch köstlichste Hafermilch und das leckerste Brot – Dinkelbrot – meines Lebens mit. Natürlich ist es Tabea, über deren gemeinsames Foto wir uns heute besonders freuten. Auf ein Wiedersehen, du Schutzengel!

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Boris hat mich bis nach Limpach begleitet und ist noch zwei Tage geblieben. Dann ist er gefahren um einige Freunde zu besuchen.
Danke für die schöne gemeinsame Zeit….See you

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…Ich hab mein Hut in Heidelberg verloren…Frei nach Fred Raymond

Heidelberg.

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In Heidelberg ist viel passiert.
Schon auf dem Weg dahin entwickelte sich alles wunderbar. Eine schöne Wanderung war es, teilweise am Neckar entlang, mit Übernachtung in Ladenburg. Ladenburg blickt auf eine höchst interessante Geschichte zurück, hin und her gerissen zwischen Kriegen und Frieden. Spannend nachzulesen bei Wikipedia. (Ich kann es leider auf meinem Tablet nicht verlinken) zu Anfang heißt es:
“Ladenburg bezeichnet sich selbst als älteste Stadt Deutschlands rechts des Rheins.[4] Die Erstbesiedlung des Ortes erfolgte irgendwann zwischen 3000 und 200 v. Chr. Ladenburg bestand zunächst als keltische Siedlung Lokudunom (= „Seeburg“).[5] 200 v. Chr. wurde der keltische aumittelpunkt vom Heiligenberg bei Heidelberg nach Ladenburg verlegt.
Im Jahr 40 wurden suebische Elbgermanen von den Römern als Bauernmiliz angesiedelt. In den römischen Quellen werden sie Suebi Nicrenses („Neckarsueben“) genannt. 74 n. Chr. gründeten die Römer dort Auxiliarkastelle mit einem Lagerdorf (vicus), die Keimzelle der späteren Stadt. Zur Garnison zählte eine Auxilien-Reiterabteilung der Cananefaten.”
Jeder kann sich ausmalen, wie es weiterging. Die Allemannen kamen, Bischöfe, Kurfürsten, ein Dom würde gebaut, Kämpfe, Kriege…..
Schönes Städtchen, mit einem guten Gasthaus. Anna lud mich hier im Gasthaus zu Essen und trinken ein. Ein Selfie zu machen hat etwas gedauert, irgendwer hat jedes mal komisch geschaut.

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Am Samstag Abend, in Heidelberg angekommen, habe ich mich unter eine große Trauerweide auf den Neckarwiesen gelegt. Hier war ich mit Janice Jakait verabredet. Janice ist vor wenigen Jahren mit einem Ruderboot über den Atlantik und hat ihre Erfahrungen in ihrem Buch “Tosende Stille” verarbeitet. Was für ein Abenteuer!

https://m.facebook.com/janicejakait/

Und so trafen sich zwei alte Seelen auf ihrem Weg unter einer Trauerweide am Neckar in Heidelberg, tranken roten Wein, aßen Lübecker Marzipan, daß sie zufällig dabei hatte und rauchten Zigaretten in tiefem Gespräch, unter ihren Schlafsäcken, bis in den Morgen. Die Nacht war kalt, der Morgen sehr neblig, als ein Polizeiboot direkt an meinem Nachtlager anlegte und ein freundlicher Wasserschützer meine Identität erfragte.

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Am nächsten Tag lud mich Lorenz Borsche, Vorstand der Genossenschaft eBuch bei der wir als Buchhandlung schon lange Mitglied sind, ein, einige Tage bei ihm zu wohnen. Das nahm ich sehr gerne an, um auf Boris zu warten, mit dem ich einige Zeit zusammen gehen wollte. Boris hatte ich Anfang August auf dem utopival, in Lindlar, bei Köln kennengelernt… Ich habe berichtet.
Ich holte Boris am Montag vom Heidelberger Bahnhof ab. Wir konnten noch ein paar Tage bei Lorenz in der Heidelberger Altstadt genießen bevor es weiterging.
Die Heidelberger Altstadt ist wunderschön.
Irgendwie mutet sie jedoch wie eine Puppenstube an, durch die Trauben von Japanischen Touristen brodeln. Nichts hat so recht mit etwas anderem eine Verbindung. Alles ist irgendwie unverbindlich, war mein Gefühl.
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Was ist noch passiert in Heidelberg?
Der Sonntag Abend endete in der Notfallambulanz. Dorthin würde ich von der Snoopys Frauchen Sabine gebracht. Snoopys biss mir beim Verlassen der Kneipe, ZKB (ZimmerKücheBar)in die Hand. Ich hatte unbedachterweise beim beschnuppern, die Hand nach vorne genommen, direkt an Snoopys Nase. Zusammen mit meinem schweren Rucksack, den Stöcken und dem Hut hat das wohl den armen Snoopys so erschreckt, daß er nur noch schnappen konnte. Sabine hat auf mich gewartet, bis ich verbunden und Tetanus gespritzt war. Auch die Rechnung der Behandlung hat sie liebenswerter Weise getragen. Ein schöner Abend in der Klinik wäre mit Sabine, im besten Gespräch… Und lustig wars.

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Besuch hatte ich am Montag von Andrea, einer Freundin aus alten Tagen, die jetzt in Karlsruhe lebt.
Dann besuchte ich die eBuch-Zentrale in der Falkengasse in Heidelberg.
Julian und Tommy erzählten mir beim Kaffee einiges zum aktuellen Stand des jüngsten eBuch-Projektes “Geniallokal”.

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Geniallokal ist ein gemeinsamer Shop für alle Siebenhundert Genossenschaftsbuchhandlungen und soll nach und nach auch für Nichtmitglieder und andere Handelssegmente geöffnet werden.
Ein wunderbares Beispiel von Solidarität unabhängiger, individueller, oftmals kleiner Buchhandlungen, die Branchenriesen, wie in diesem Beispiel “Amazon” ein Gewicht entgegen stellen und einen gesamt nachhaltigeren Weg gehen. Leider ist es wie alle Systeme innerhalb des wirkenden Wirtschafts- und Gesellschaftssystems eher begrenzt durch die sehr ins System eingebundenen Mitglieder.
Alleine der Vorstand und ein nicht unbeachtlicher Teil der Mitglieder bringen die Entwicklung rasant in Gang.

https://www.genialokal.de/

Dann kam Boris…

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Wir haben uns vom ersten Moment an gut verstanden.
Er hat gleich die alte Heidelberger Brücke im Herbst Ansichtskartentauglich abgelichtet.

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Abschied am Donnerstag von Lorenz und Heidelberg. Es war schön bei und mit Euch! Die Gespräche habe ich sehr genossen. Lorenz ist ein Visionär mit anderem Blick. Einer, für den kaum etwas unmöglich scheint.

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Und ich hab meinen Hut in Heidelberg vergessen. Glücklicherweise war es nicht das Herz, das ich in Heidelberg verloren habe….

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Mannheim

Meiner Meinung nach wäre alles besser wenn alle meiner Meinung wären
Da dem jedoch nicht so ist kann ich weiterhin der Meinung sein
Das alles besser wäre wenn alle meiner meiner Meinung wären

Wenn alle wollen würden was ich will könnt ich vielleicht etwas erreichen
Oder wir könnten wenn wir wollten gemeinsam Mauern einreißen
Aber wir wollen nicht
Wir würden nur wollen wenn wir könnten
Aber wir können nicht
Aber gut daß wir würden sobald wir können sollten
Besser als nichts

“Yassin – Besser als nichts”

DSC_0091 Der Weg auf dem Deich

Drei Tage vor Mannheim überkommen mich wieder starke Zweifel. Zweifel an meiner Fähigkeit, so etwas wie den tiefen Wunsch nach Weltfrieden vor mir herzutragen und selber in einigen wenigen Bereichen noch so weit vom Frieden entfernt zu sein. Auch grundsätzliche Zweifel daran, ob all das, was ich sehen konnte nicht doch nur einzig eine Gaukelei meiner Wünsche war.
Kurz vor Mannheim kam wieder ein tiefes Gefühl, daß ich seit meiner Jugend gut kenne. Das Gefühl Ideen zu haben, die niemand wirklich ernst nehmen kann, Fantastereien. Große Ideen. Visionen…Da muß man ja bekanntlich zum Arzt, sind doch diese Visionen von der “Realität” sehr weit entfernt. Und dann stehe ich schnell alleine da. Vertraue nicht in mich, nicht in die Durchführbarkeit eines Ausbruchs des Weltfriedens. Es gibt Augenblicke des Verlassenseins, der Hilflosigkeit.
Da heraus gehe ich meistens mit größerer Kraft und Entschlossenheit.
So hatte ich zwei Tage Wanderung aus der Mutlosigkeit heraus und rein nach Mannheim….

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Seit dem Anfang meiner Vorbereitungen war ich davon überzeugt Xavier Naidoo zu treffen. Ich wußte, da gibt es viel gemeinsames, eine Verbindung, eine gewiße Synchronizität, gleiche Motive. Bis vor kurzem könnte ich mit dieser Musik nichts anfangen. Das war mir alles zu weichgespült. Bis ich genau hinhörte…Und jedes Wort spricht zu mir.
Ich habe in der Vorbereitung nur wenigen Freunden erzählt, daß ich sicher war, daß Xavier und ich uns in jedem Fall begegnen werden.
Andreja, die ich vor ziemlich genau zwei Jahren kennenlernte, hat mir seine Musik, seine Texte, von denen mich jedes Wort sehr tief berührt und geweckt hat, in mein Leben gebracht.
Seither war mir klar, daß eine Station meines Laufes auch Mannheim sein würde.
Wie ich es machen würde, ihn zu treffen, wußte ich nicht. Der einzige Anhaltspunkt war die Pop-Akademie, eine Musikschule, die Xavier und einige andere Söhne Mannheims mit begründet haben.
Das war mein einziger Anhaltspunkt, als ich Mannheim betrat.

DSC_0143 Die Pop-akademie

Abends um halb sechs setzte ich mich vor die Pop-Akademie auf eine Bank. Ich wußte inzwischen, daß Xavier schon lange nicht mehr in Mannheim lebt und nur selten dort ist und auch schon ein Jahr, seit dem Auftritt auf den Mahnwachen vor sogenannten Reichsbürgern, nicht mehr in der Pop-Akademie erwünscht. Ich hatte ungefähr eine Stunde dort gesessen, als ich beschloß zu gehen, um einen Schlafplatz und etwas zu Essen zu finden. Am nächsten Tag wollte ich die Menschen hier nach einem direkten Mailkontakt fragen. Vielleicht könnte mir jemand weiter helfen.
Ich schaute gerade auf mein Tablet, um zu entscheiden, wohin ich gehen könnte, als Xavier, zusammen mit Freund und Sangesfreund Rolf Stahlhofen und Steffi, vor mir stand und mir einen Übernachtungsplatz anbot.
Steffi (Xaviers Rechte Hand) hatte wohl am Tag vorher eine Mail entdeckt, die Birgit geschickt hatte um mich anzukündigen, und mich so erkannt.  Und wir haben es auch noch geschafft, die fünf Minuten in einem Jahr zu erwischen, die überhaupt nur möglich waren uns über den Weg zu laufen. Durch verschiedene Umstände mußten er und Helene Fischer einen musikalischen Filmbeitrag für eine Weihnachtsshow drehen und es wurde entschieden, das ausnahmsweise in der Popakademie zu machen.
Steffi kam fünf Minuten später und alleine, weshalb sie überhaupt auf mich aufmerksam wurde. Da passte alles.
Am Abend saßen wir zusammen, haben uns kaum darüber eingekriegt und waren uns einig, daß es schon ein kleines Wunder ist, wenn so etwas scheinbar unmögliches dann doch passiert.

DSC_0154 Mit Xavier Naidoo

Nach einem Essen im Studio folgte ein langes gemeinsames Gespräch zwischen Xavier, Rolf, Stefan, Andreas und mir. Ich konnte von meiner Reise und meinen Plänen erzählen. Für die zugesagte Unterstützung danke ich von ganzem Herzen.

FB_IMG_1449864232471 Mit Rolf Stahlhofen

Die Ereignisse um den Auftritt bei den “Reichsbürgern” war ein kurzes Thema, und Xavier erzählte mir, wie es sich verhalten hat. Es bestätigte sich, was ich vermutet habe. Zwei Menschen mit Reichsbürgerfahne waren auf dieser offenen Demonstration auch anwesend. Und daraus wurde einmal mehr eine Vorverurteilungssuppe mit den typischen Zutaten gekocht.

“Was wir alleine nicht schaffen, das schaffen wir dann zusammen…Dazu brauchen wir keinerlei Waffen, unsere Waffe nennt sich unser Verstand.”

Auch ich weiß, daß ein weltweiter Frieden unter uns Menschen, nur wir alle gemeinsam schaffen können. Und es gehören alle dazu. Dazu müssen wir zusammenfinden. Und wer nicht zusammenfindet, den müssen wir geduldig dazuholen. Anders wird es keinen Frieden geben. Dazu gehören die Gierigen, die Machthungrigen, die Nazis und Reichsbürger, die Verstockten….. Alle!
Zwei Nächte war ich zu Gast im Studio der Söhne Mannheims. Zwei Tage, die ich in dieser Familie sein durfte. Die Proben für die Jubiläumstour in der weitläufigen Kelleranlage in den vielen Proberäumen. Buntes, kreatives, inspirierendes Treiben. Den ganzen Tag beste Livemusik zum Spülmaschine ausräumen. Zwischendurch fährt die Haushilfe Kinderklamotten in ein Wohnheim von Menschen auf der Flucht. Verbundenheit zwischen allen. Herzliche, offene Atmosphäre.

DSC_0150 Die Studioküche der Söhne Mannheims
DSC_0144 Ein Probenraum, von meinem Riesen Schlafsofa aus gesehen.

Peter, ein alter Freund aus Harpstedt, der schon länger in der Mannheimer Gegend lebt, besuchte mich am zweiten Tag. Ein Kaffee in der Studioküche, ein Harpstedter Präsent, ein Ausflug zu seinem Arbeitsplatz…Ihm, den ich seit fast dreißig Jahren kenne, von meinem Abenteuer zu erzählen, war sehr schön. Und wieder ein bisschen erhellend.

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Zu berichten bleibt von einer wunderbaren Begegnung kurz vor Mannheim.
Rast machte ich im Class Döner. Und traf dort auf den Inhaber Ibrahim und seinen Mitarbeiter Muzaffer. Muzaffer hörte meiner kurzen Geschichte gespannt zu und übersetzte Ibrahim, der ebenso gebannt zuhörte, ins Türkische.

Muzaffer......Ibrahim lässt sich nie fotografieren.
Muzaffer……Ibrahim lässt sich nie fotografieren.

Dann luden sie mich zum Essen ein, es folgten…. Heißer Tee aus dem Samovar…. dann Aşure, ein islamischer Nachtisch, den sich Freunde gegenseitig zum Ende der Fastenzeit schenken, unter anderem mit frischen Maulbeeren und Feigen, Rosinen. Während meiner Anwesenheit im Class Döner, kam eine alte Frau und schenkte Ibrahim eine Schüssel Aşure.

DSC_0098_1 Aşure

Nach dem wundervoll leckeren Nachtisch gab es wieder Tee mit Zucker und Ibrahim erzählte etwas von den Schrecken des Krieges vor dem er geflohen ist. Ich sah ihm das Trauma an, aber auch das große, dankbare Herz in seinen Augen.
Der Abschied war lang und herzlich. So wurde auch meiner Thermoskanne Liebe in Form von heißem Tee zuteil.
Glück und Gesundheit wünsche ich Euch!

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Ab Tag 138…… Spaziergänge im Schnee

 

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Liebe Freunde,

ich melde mich jetzt ganz aktuell aus Mainz. Mit Birgit sitze ich in Annas wunderschönsten Küche der Welt und knabbere mitgeschickte Schokolade meiner Mutter. Heute am 5. Dezember ist es genau ein halbes Jahr her, daß ich in Harpstedt zu meinem Friedenslauf aufgebrochen bin.

HALBZEIT!

Mehrfach habe ich in den letzten Wochen versucht, den Reiseblog weiter zu führen…was mir nicht gelungen ist. Einige Notizen führe ich hier zusammen, um Euch von den vergangenen Ereignissen einen kleinen Einblick zu geben. Ich danke Euch für Eure Geduld.

Und hier geht es los.

Spricht der Großvater am Feuer zum Enkel
“Es existieren zwei Wölfe in uns.
Der eine Wolf ist böse.      Er kämpft mit Ärger, Neid, Eifersucht, Sorgen, Gier Arroganz, Selbstmitleid, Lügen, Überheblichkeit, Egoismus, und Missgunst.

Der andere Wolf ist gut.         Er kämpft mit Liebe, Freude, Hoffnung, Güte, Mitgefühl, Grosszügigkeit, Vertrauen und Wahrheit.
Fragt der Enkel “Welcher der beiden Wölfe gewinnt?”
“Der, den Du fütterst.”

Heute ist der 171. Tag meiner Reise. Es ist Sonntag, der 22. November.
Es hat in der Nacht geschneit. Heute Morgen habe ich meinen zweistündigen Spaziergang mit dem 7 Monate alten Hundemädchen Mira gemacht. Ich genieße die täglichen Spaziergänge in dieser wunderschönen Umgebung der Bodenseeregion.

 

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Ich habe die Anfrage einer Bekannten angenommen und hüte nun für zwei Wochen ihr Haus und versorge und betreue Mira. Ich komme zur Ruhe, versuche mich an einer Bestandsaufnahme und überlege, wie es für mich jetzt weitergeht.
Der Bodensee ist der südlichste Punkt meines Laufes und die erste Hälfte des Jahres ist fast rum.

Schnee ist gefallen. Es geht für mich im Winter weiter. Es wird völlig anders werden, das ist mir bewußt.

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Mich bewegt ein Thema, eine Idee eines anderen Lebens miteinander.
Und es ist so, als wäre jetzt eine Zeit des kollektiven Aufwachens angebrochen. Überall begegnen mir Menschen, die ihrem tiefen Wunsch nach Gemeinschaft nachgehen, das ist so gut zu spüren.
Seit meiner frühesten Jugend bin ich auf der Suche danach, habe irgendwann die Hoffnung aufgegeben und mich eingereiht. Oder besser, ich habe versucht mich irgendwie einzureihen, was mir aber nie wirklich gut gelungen ist.
Es macht mich gerade unglaublich zuversichtlich und glücklich, daran Teil haben zu können.
Jedoch hatten zwei Ereignisse in den letzten Tagen schon einen sehr großen und herunterziehenden Einfluß auf mich. Die Ereignisse in Paris und die Reaktionen der Menschen darauf und die Entnominierung Xavier Naidoos zum ESC in Oslo 2016. Auch in dem Fall haben mich die Reaktionen zum Teil sehr entmutigt und verzagen lassen. Auf der anderen Seite hat beides eine schöne Welle der friedlichen Solidarität losgelöst, Herzenssolidarität. Einige Berichte habe ich auf meiner Facebookseite gesammelt. (Mehr zu meiner persönlichen Begegnung mit Xavier Naidoo, sowie Berichte über meine Wanderwochen  mit Boris und die Zeit zwischen Mainz und Bodensee folgen in den nächsten Tagen.)
Vieles hat mich wieder, wie so oft, in die Welt der Kämpfe gezogen.
Und ich danke von Herzen allen, die mich darauf aufmerksam gemacht haben.
Also noch einmal für mich…. es ist meine Entscheidung welcher Wolf der stärkere wird oder welcher gewinnt. Mir obliegt es, welche Seite ich nähre.
Und ich entscheide mich für den guten Wolf ab jetzt, in jedem Augenblick neu. Und wenn ich schwach werden sollte, hoffe ich, daß ein Engel mich sanft in die Spur stubst. So, wie es mir heute und in den letzten Tagen immer wieder passiert ist.

Zusammen mit Mira durchstreife ich die bewaldeten Hügel und Tobel dieser wunderschön sanft geschwungenen Gegend.
Zwei Beinahe-Wölfe auf ihren Streifzügen.

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Ich genieße das sehr.

Ich freue mich aber auch auf die kommende Zeit mit Boris, wenn es denn weitergeht.Boris habe ich, wie viele andere aktive und motivierte Menschen, auf dem UTOPIVAL  in Lindlar, Anfang August kennengelernt. Er ist aus seinem Beruf ausgestiegen, um sich für unbestimmte Zeit in Gemeinschaften und Projekten umzuschauen. Es ergab sich, daß wir wieder in Kontakt gekommen sind und beschloßen haben, einige Zeit gemeinsam zu gehen. Das haben wir zwei Wochen gemacht und beide schnell festgestellt, daß es sehr stimmig ist, wir gut harmonieren und uns super ergänzen. Wir hören aufeinander, reflektieren uns in Situationen, sprechen offen, und lachen viel, manchmal bis der Bauch weh tut. Wir genießen es sehr. Zwei Wochen war ich mit Boris unterwegs. In dieser Zeit hat Boris täglich kleine Situationen, in die wir gerieten, in treffenden Artikeln aufgeschrieben und auf der Lebenslauf-Facebook-Seite veröffentlicht.DSC_0267

Es ist eine wunderbare, leichte Zeit für uns, jedoch in dem Bewußtsein, das rings um uns herum gerade das Chaos ausbricht. Alles entwickelt sich ungehemmt rasant und scheint bald zu entgleisen. Wir müssen jetzt hinsehen.

Wir haben die Wahl. Wenn jetzt unser aller Bewegung zu einer wird, dann geht es. Dann ist es möglich, daß wir Zeugen des Ausbruchs des Weltfriedens sind. Was für ein wunderschöner Gedanke!

Das ist das Motiv, welches mich bewegt.

Ich nutze die Zeit am Bodensee im Moment für lange Spaziergänge im Innen und Außen. Mira und ich streifen stundenlang durch die Wälder und Tobel. Ich werfe Stöckchen und Mira flitzt unglaublich schnell die um die 20 Meter tiefen und teilweise senkrecht abfallenden Böschungen runter und wieder rauf. Tobel sind mehrere hundert Meter lange, über Jahrhunderte von Bächen in den Lehmigen Boden eingegrabe Schluchten. Mira liebt es hoch und runter zu flitzen, durchs Laub hinein in den Bach. Ich genieße es zuzuschauen. Meistens findet sie den Stock; ich freue mich dann richtig.

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Die Wälder sind diesig, neblig, sonnig trocken, regennass, momentan von weißem Schnee bedeckt. Jeden Tag ist es besonders, immer anders. Wir gehen oftmals in der Dunkelheit, die auch jeden Tag anders ist, im Wald.
Neulich machte Mira einen tollen Fund, einen großen Knochen den sie ebenso, wie ihren gestrigen Fund, den blanken Schädel eines größeren Tieres… er war außen etwas glitschig und ich hatte das Gefühl, er war noch gefüllt, zwischen den Zähnen durch die Wälder trägt. Mira kann sich nur schwer von ihm trennen, schleppt ihn mehrere Kilometer mit und knuspert ab und an mal an ihm.
Gestern Abend hat sie ihn dann irgendwo abgelegt, um ihn heute glücklich wieder zu finden und ihn eineinhalb Stunden durch den Wald zu tragen. Sie hat ihn dann kurz vor Ende des Spazierganges, aus eigenem Impuls irgendwo im Wald abgelegt, um ihn dann morgen früh wieder zu entdecken.

Die inneren Spaziergänge führen mich durch Gärten.
Sie führen mich in Gegenden wo die Vielfalt der Menschen mit der Vielfalt an Pflanzen und Tieren, gemeinsam mit einander, durch einander existiert. Wo alles seinen Platz hat. Nicht Monokultur sondern permakulturell.In Achtsamkeit und Wertschätzung. Kampffrei, solidarisch….keine Notwendigkeit mehr für Geld oder Grenzen. Um Geld und an Grenzen gibt’s das meiste Gekloppe.

Jeder fragt sich wohl jetzt….aber wie ging es weiter zum Bodensee…..? Wen hast Du getroffen, was hast Du erlebt?

Tag 137 -….. Mainz bis Zum Bodensee

Nach der Zeit mit Doreen (voriger Blog) bin ich in Mainz gelandet, in der WG bei Olli, Jenni und Phillip.

Gestern erlebte ich folgendes, als ich Rast neben einem Supermarkt machte:
Ich saß da und ließ mir ein Croissant schmecken, daß ich am Tage vorher bei Willis Kiosk bekommen hatte. Er packte mir am frühen Nachmittag zwei Tüten mit vier Croissants und mehreren Laugenstangen und -Brötchen, mit den Worten…”Die hätte ich wahrscheinlich heute abend weggeworfen”.
Eines davon ließ ich mir auf einer kleinen Rast unter einem Supermarkt Dachüberstand schmecken, als eine Dame mir zehn Euro zustecken wollte.
Auf meine Erwiderung, ich danke ihr von Herzen, aber nehme grundsätzlich kein Geld an, war sie fast betrübt und fragte dann, ob sie mir etwas zu Essen schenken dürfe. Ich sagte, ich würde sehr gerne zwei Brötchen annehmen, für die nächste Mahlzeit. Eine andere Dame gesellte sich dazu und sagte: “Aber ich möchte Ihnen auch etwas schenken!”
Beide kamen sehr schnell überein, daß die eine Brötchen holt und die andere ein Stück Käse. Ich hatte am Ende Brötchen, Kuchen, vier Pakete Käse, fünf Bananen, ein Sechserpack Äpfel. Mein Rucksack konnte all das nicht fassen. Ich hatte auch selber noch vier, am Straßenrand gepflückt Äpfel im Beutel.
Da ich die letzten Tage sehr Rückenprobleme hatte, und an dem Abend noch mehr als zehn Kilometer zu meiner Übernachtungseinladung in Lorsch vor mir lagen, ging ich zur Bäckerin, die alles freudig beobachtet hatte und schenkte ihr die Äpfel.
Sie freute sich und sagte, sie wolle mir auch gerne etwas schenken, und gab mir aus ihrer Tasche zwei Becher mit einem Kaffeegetränk, für mich eine wundervolle Abwechslung.
So waren vier Menschen durch schenken und verschenken sehr erfüllt.

Ein prächtiges Geschenkefest!

Ich beobachte oft in letzter Zeit, wie Menschen, wenn sie Gelegenheit zum schenken bekommen, regelrecht aufblühen und sichtlich Freude daran haben. Das ist so schön zu sehen und freut mich als Beschenkter um so mehr.

Gerade seit Mainz ist das Thema Ernährung ein größeres Thema für mich geworden. Ich habe in Mainz von den Menschen im Liebermenschhaus, das sind Tobi, Pia, Lotte und alle anderen  von ” living utopia”, Brot geschenkt bekommen, und fragte am nächsten Tag in einem Supermarkt nach altem, nicht mehr verkäuflichem Belag für das trockene Brot, das auch schon vor dem Wegwerfen gerettet wurde. Man sagte mir….. “Nein, man könne mir nichts geben. Der Chef sagt, alles wird weggeworfen. Grundsätzlich! Und die Angestellten seien da, um das zu tun was der Chef sagt…”
Ist das der Preis für eine klägliche Arbeitsstelle? Oder ist das sogar die alleinige Aufgabe, bekommt man dort genau dafür sein Geld?  —Wie traurig!
Oftmals aber begegne ich Menschen, denen es Freude macht, mir ein kleines Lunchpaket mitzugeben, oder die mich einfach bewirten wollen, obwohl ich nur ein Stückchen Brot, oder Wasser für meine Flasche brauche, oder zur Toilette muß.
Und selber merke ich, wenn ich etwas verschenke – was auch vorkommt, daß es mich freut, wenn sich der oder die Beschenkte freut. Und es wird nicht weniger dadurch in meinem Beutel, sondern eher mehr…..!
Und ich ahne, wie die Welt wäre, wenn wir uns alle gegenseitig einfach nur beschenken würden, mit dem was wir benötigen….. Dann würde niemandem etwas fehlen. Das Gegenteil dessen, wozu unsere Ängste und Sorgen uns anhalten, ist der Fall.  —-Lets try it!!!
In Lorsch habe ich zwei Tage bei Silke, Christian und Elea verbracht.
Sie haben mich wunderbar aufgenommen. Der Kontakt mit Silke ist über Facebook entstanden, wie einige andere Kontakte auch. Facebook kann sehr verbindend sein. Das gefällt mir!!
Dann bin ich irgendwann abends in Worms angekommen und von dem Wirt Andreas, seiner Frau und Anna im “Saloon” gut aufgenommen worden. Die Frage nach Wasser für meine Flasche führte zu einer Schlemmerei ohne Gleichen

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Großherzig hat mir Andreas angeboten im Garten zu übernachten. Da kein Regen zu erwarten war, schlug ich mein Lager dort auf und bin am Morgen von zwei Pitbulls geweckt worden, die sich vor mir sehr laut drohend aufbauten und mich unter lautem Bellen und Knurren vertreiben wollten.
Glück sei Dank habe ich meine große Furcht vor Hunden verloren. Sie hatten weitaus mehr Angst als ich und schienen kampfbereit. Nach geraumer Zeit sind sie dann doch der Stimme aus dem Fenster gefolgt und haben sich zur Tür geschlichen.
So konnte ich in meinem Morgenlager die mit Rosinenquark gefüllten Pfannkuchen genießen, die Anna mir mitgegeben hatte.
Drei Menschen mit großem Herzen habe ich im Saloon getroffen.

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Fortsetzung folgt………

 

 

Tag 107 bis 137 – Fluß und Überfluß

Tag 107 bis 137 Koblenz-Bingen-Mainz-Boos-Kreuznach-Bingen-Wiesbaden-Mainz…… Rhein und Nahe

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Nach einigen schönen Tagen in Koblenz bei Lara, und dem Besuch meines Sohnes Yaro, ging es dann erstmal am Rhein weiter.

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Seit Köln Folge ich nun dem Rhein Flußaufwärts.
Dieser alte, ruhige und lange Fluß hat auch meine Gedanken sehr fließen lassen.

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An der Nahe war es anders, ich konnte besser fokussieren. Die Nahe hat mir ein tieferes und näheres Gefühl gegeben. So nah an der Natur, war auch ich näher an den Punkten, die mich bewegen. Der Rhein war wie ein Pfannkuchengericht, die Nahe eines mit Natürlichen Zutaten, Gemüse und Reis oder Hirse, ein frisches und nahrhaftes. Eines daß alles bereit hielt, was ich brauchte.
Wo ich die Zutaten gut erkennen konnte, das mir Appetit bescherte und mich mehr zu Frieden kommen ließ.
Ich konnte schöne klare Details erkennen, in der Nahetur um mich herum, in meinen Bildern fügte sich einiges zusammen. Neue Fragen tauchten auf.
Wie kann es einen Bewußtseinsschub geben, der alle Menschen auf einen friedlichen Weg bringt? Was ist der mögliche Funke, der all das, was an wandelnden, transformatorischen und heilenden Energien vorhanden ist, bei vielen Menschen, in verschiedenen Bereichen, zur Explosion bringt?
Wie kann der Weltfriede mit einem Mal ausbrechen und sich ausbreiten.
Was ist die Initialzündung?
Muß es wirklich so werden, wie mir viele Menschen ernsthaft überzeugt versichern? Muß sich die Menschheit erst in eine Situation bringen, die so katastrophal ist, daß sie nur wenige überleben und von vorne beginnen können? Ist das ein Naturgesetz, ein Gottesgesetz?
Wie können wir es besser machen?
An den Ufern der Flüsse komme ich an Brücken vorbei, die ein Ufer mit dem anderen verbinden. Eine solche Brücke braucht es. Eine Verbindung.
Eine Friedensbrücke.
Ein Anstoß.
Etwas das beginnt und in kürzester Zeit eine große Energie entwickelt und freisetzt, nicht mehr aufzuhalten ist und alles mit sich zieht.
Vielleicht eine Gemeinschaft, die plötzlich entsteht und sich in unvorstellbarer Geschwindigkeit ausbreitet. Etwas, das niemanden unberührt läßt.
Etwas, das aufdeckt ohne zu zerstören.
Eine Explosion des Lebens. Die Brücke in eine lebenswerte, gerechte und nachhaltige Welt.
Viele Bilder hat mir die Nahe-Natur gegeben….

Den Rhein herauf habe ich soviel herzliche Menschen getroffen, sie haben mich den ganzen Weg hierher gestützt und beflügelt und manchmal getragen. So Dumm stelle ich mich manchmal an, im Umgang, so unbeholfen. Es ist ein auf und ab.
Der Grund jedoch ist immer noch ein klarer, stabiler, immer wieder stärkend aus sich heraus.

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Olaf, Koch in St.Goar, hat mich aufgenommen. Mit großem Herzen. Dort konnte ich kurz auftanken. Schöne kleine Orte direkt am Fluß.
Rhens, Boppard, St.Goar, Bad Salzig, Oberwesel, Bacharat….

Viele schöne Begegnungen, gute Gespräche, großherzige Essensgeschenke….Zustimmung immer wieder…
In Mainz war ich Gast in einer WG, Floh hatte ich in Lindlar kennengelernt. Er war dort Helfer des Mitmachkongreßes “utopival”, an dem ich Anfang August teilgenommen hatte.
Flo ist aktiver Lebensmittelretter. Hier in Mainz gibt es eine aktive Food-sharing-Szene, einige organisierte Menschen, die auf Wochenmärkten und in Supermärkten Lebensmittel einsammeln, die nicht mehr Verkaufsfähig sind. Lebensmittel werden auch aus den Supermarkt-Abfallcontainern gefischt. Oftmals ist das Mindesthaltbarkeitsdatum kurz vor dem Ablauf. Ich selber frage inzwischen immer nach Lebensmitteln, die kurz vor dem Wegwerfen sind. Ich ernähre mich teilweise gut von Essen, daß niemand mehr kaufen möchte.
Seit mir bewußt geworden ist, das in unserem Land alleine 50% aller Lebensmittel vernichtet werden, fällt es mir nicht schwer, nach solchen zu fragen. Ich habe nicht das Gefühl dabei, ich würde “Schmarotzen”, “Auf Kosten anderer Leben”, wie ich auch schon gehört habe. Weniger sogar, als ich jetzt in der Rückschau meines früheren Verhaltens das Gefühl habe. Im Gegenteil.
Immer öfter ergeben sich daraus gute Gespräche zum Thema. Und es geht manchmal auch in Richtung Frieden und Flucht. Und es gibt viele, die Aktion anerkennende Zustimmung. Ich kann hier und da vielleicht Impulse geben.
Auch einige Aktive Menschen von “living utopia” leben in Mainz. Dort haben sieben Menschen ein Haus bezogen und nutzen diesen Ort als Basis, sinnvolle und nachhaltige Zukunftsprojekte zu entwickeln und auf den Weg zu bringen.
www.livingutopia.org

Anschließend ging es für mich zurück nach Bingen, wo ich in naher Umgebung für einige Tage bei Freunden wohnen konnte. Sara und Peter sind Heilpraktiker mit eigener wunderschönen Praxis in Bingen. Hier wird zugehört und mit Herz geheilt.
Peter ist sehr praktisch veranlagt. Er hat sogar Überlegt, ob es nicht gut wäre, mich mit einem kleinen schiebbaren Wägelchen auszustatten, ihn zu bauen, der mir hilft, mich vor Kälte zu schützen und mir den Weg erleichtert. Danke für diese Fürsorge.
Einige wunderbare und schöne Tage habe ich bei Ihnen verbracht, geborgen und aufgehoben.
Und dann folgte ich dem Ruf die Nahe hinauf. Dieser schöne Fluß hat mich angezogen, eingesogen. Viele klare Gedanken hat er mir gegeben.
Die Gegend um die Nahe und ihre Ufer sind sehr Natürlich belassen und ich konnte mehrmals Eisvögel, einen Gartenschläfer, mehrere große Rote Eichhörnchen beim ausdauernden Spiele, viele Arten freilebender Enten und Gänse und sogar einen Pirol beobachten….

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Mehrere Tage habe ich dort auf Saras Grundstück, dem Gärtchen, unter meinem Tarp verbracht. Ich habe an einer Treppe gebaut, die vom Garten an den Fluß führt.
Eine Feuerstelle habe ich gebaut, und oft genossen in der Zeit…..

Ich habe viele Gedanken weiterführen können. Neue Bilder haben sich dazu gesellt.
Am Dienstag ist Doreen zu mir ins Gärtchen gekommen. Auch wir haben uns auf dem utopival kennengelernt und beschlossen, ein wenig zusammen zu gehen.
Wir sind eine Woche zusammen gegangen, für mich eine neue Erfahrung.

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Eigentlich wollte sie mich in Richtung Mannheim, Heidelberg begleiten.
Stattdessen hat es uns nach Wiesbaden geleitet. Ich kuriere hier meinen verrissenen Rücken, und versuche meine Isomatte zu reparieren, was mir nicht gelingen will. Eine Nacht unter Robinien hat ihr leider ein paar Löcher beschert. Eines habe ich inzwischen gefunden, sie verliert jedoch weiterhin Luft. Mehrere Nächte mußte ich so auf dem nackten Boden verbringen. Das hat meinem Rücken nicht gut getan.
Doreen und ich sind an der Nahe wieder Richtung Bad Kreuznach gegangen. Hier konnte ich ihr das “Lebensläufer-Freigehege zeigen, einen meiner Nachtplätze, diesmal mitten in der Stadt. Ich bin hier mit den Worten begrüßt worden “verschwinden sie sofort!!!”

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Was ich nicht als so dringlich empfand. Mich hat ja das Schild gelockt, das in diesem Rasenstück gepflanzt war, das mich einlud mit den Worten….”Historisch, Gemütlich, Romantisch, Menschlich”.
Am Morgen überraschte mich der Besitzer des Eiscafe’ Emilia mit einem Richtig guten Kaffee, den er mir mit den Worten…”Hier mein Freund” überreichte und mich beglückte. Der Apfelkuchen, den er mir auch noch brachte, war mir ein gutes Frühstück, für Magen und Herz!
Die beste Mahlzeit ist die, die den Magen füllt UND das Herz streichelt.
Eine solche Herzensnahrung bekomme ich des öfteren. Auch gemeinsam mit Doreen gab es einige dieser Essensherzlichkeiten.
Zum Beispiel in Bad Münster, wo wir in einem Kurhotel die Flaschen füllen wollten und nach etwas, nicht mehr verkäuflich Essen fragten. Wir würden mit leckeren Toasts, Getränken und einem Obstbeutel für die Wanderung bedacht.
Oder in Bad Kreuznach, wo uns Lisa in der kleinen Kneipe in der Kreuzstraße mit einer guten Mahlzeit verwöhnt hat, uns eine Tüte mit viel Proviant überreichte und uns außerdem am nächsten Morgen zum Kaffee einlud.

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Den Frühstückskaffee haben wir zusammen mit Olli, einem gemeinsamen Freund aus Mainz genossen, der am Sonntag nach Bad Kreuznach zu Besuch gekommen ist. Wir sind zu dritt über Deiche, bei Sonne und vorwinterlicher Kälte, die Nahe entlang nach Gensingen gewandert.
Abends hat Olli den Zug nach Mainz bestiegen und Doreen und ich haben uns einen Platz auf der Bahnhofsrückseite am Feld gesucht.

Die Nächte werden kälter…..
Wieder in Bingen kamen wir zufällig an der Unterkunft für Obdachlose vorbei, wo uns Kai ansprach und uns zu einer warmen Kartoffelsuppe mit Brot einlud. Übernachten lassen könne er uns nicht, ließ er uns gleich wissen, da wir keine OfW’s sind….”Ohne festen Wohnsitz”, sondern nur auf Platte!
Das Heim ist gemütlich. Drei Männer spielten Karten als wir eintraten und nahmen kaum Notiz von.
In dieser gepflegten und sauberen Unterkunft ist Raum für sechs Männer und drei Frauen.

Wir lernten dort auch Lars kennen, der uns viele Tipps zur Essensbereitung und zu anderen Thematiken zum Leben auf der Straße geben konnte. Lars stand nach eigenen Angaben des öfteren in der Bildzeitung. Er ist einer von vier bekennenden Hobos in Deutschland.
HOBO heißt: Landstreicher, Abenteurer und Gelegenheitsarbeiter in einem. Ein Jahr macht er das jetzt, wie viele hat er damit angefangen, weil ihn das Leben aus seiner Bahn geworfen hat.
Er scheint es aber zu genießen, und ist alles andere als bedauernswert.

Angesichts meines sehr schmerzenden Rückens, meiner kaputten Luftmatratze und der Ankündigung einer kalten und sehr nassen Nacht mit Schneefall, haben wir die letzten Kilometer nach Wiesbaden per Anhalter zurück gelegt. Ich hatte die Gelegenheit bei Doreen und Nils zwei Tage zu bleiben, und meinen Rücken mit ein paar Übungen und viel Wärme, auch von meinen Gastgebern, zu kurieren.
Und jetzt ein Restverschnauf in Mainz, bei Olli. Und Morgen geht es weiter Richtung Mannheim. Ich werde die Rheinseite wechseln.
Mal sehen, was mich erwartet…….

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Tag 90 bis 106 – Schneewittchen und Sozialschmarotzer

90 – 106  Mi – Do  2.9 – 18.9

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Liebe Lebenslauf -Freunde, -Sympathiesanten, -Interessierte, -Fans, -Verfolger……

In Koblenz bin ich gelandet. Bei Lara wohne ich seit Mittwoch. Ich habe sie um die Mittagszeit herum in Karins Bioladen getroffen, als ich Lebensmittel retten wollte. Wir wohnen seither in der perfekten, schönsten WG.

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Die letzten Tage waren für mich sehr inspirierend, einige meiner Bilder haben sich sehr schön zusammen fügen können….durch den Feien Raum, den ich hier gefunden habe.
Ich treffe unterwegs unglaublich viele Menschen, bekomme so viele Informationen, Anregungen, Spiegelungen, Reflexionen, Inspiration, daß mir manchmal ganz schwindelig wird.
Ich werde beschenkt mit Essen, mit Unterkunft, Vertrauen, schönsten Momenten…. Ich Danke allen Menschen, die mich so wunderbar aufnehmen, verwöhnen und unterstützen von ganzem Herzen, es bewegt mich weiter und macht mir den Weg sehr schön und meine Schritte leicht. Danke!!!
Natalie und Martin haben mich drei Nächte beherbergt. Eine, für mich sehr schöne und kräftigende Zeit in Bad Honnef.

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Ein Wandertag im Siebengebirge, hier liegt der Ursprung einiger Geschichten der Brüder Grimm, das Schloß Drachenboot soll das Original Schneewittchenschloß sein,

 

Das Auge Gottes
mit meditativer Pause am “Auge Gottes”  führte mich, gegen Abend, zu zwei Menschen, deren Adresse ich in Bonn bekam. So landete ich bei Ute und Uwe in Kasbach. Uwe ist Parfümentwickler und vielleicht derjenige, der irgendwann ein Parfüm findet, das einen Friedensprozess in den Menschen loslöst. Wer weiß? Ein schöner Gedanke…. Ich bestelle schon mal eine große Flasche.

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Ute hat eine kleine Yogaschule im Haus, und gibt dort Unterricht.

In einer Geldfreien Gesellschafft wird es überall, jederzeit und für jeden möglich sein, Yogalehrer ,Heilpraktiker, Therapeuten, Masseure, all die Menschen aufzusuchen, die für unser persönliches Wohlbefinden, für unser Wachstum so wichtig und unentbehrlich sind. Gemeinsames Weiterführen wird an einer der obersten Stellen stehen, weil jede_r spüren kann, daß niemand ohne alle anderen weitergehen kann.

Auf dem Weg nach Koblenz übernachtete ich drei Nächte in Folge draussen am Rheinstrand. Ich liebe es, mir dort am Abend einen schönen Platz zu suchen und auf meiner Matte, in den Schlafsack gekuschelt, den großen Rheinschiffen zuzuschauen, die Essensgeschenke zu geniessen, an die Menschen des Tages zu denken, Mundharmonika zu spielen, ich habe sie vor langer Zeit geschenkt bekommen und fange gerade an die Töne zu entdecken.

 

Manch ein Schiff bringt ein Wort des Tages.

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Am Sonntag, den 94. Tag meiner Reise, fragte ich auf einem Wanderweg Uwe nach dem Weg. Wir kamen ins Gespräch und er bot mir an, die Nacht in seinem großen, schönen Haus zu verbringen. Mit schönem Essen verwöhnt und mit seinen beiden Hundedamen Nandy und Scheila befreundet ging es mir sehr gut dort. Und nach der ersten, ersehnten Dusche nach vier Tagen, fühlte ich mich wieder sauber und duftig. Großartig!
Was gab es noch bis Koblenz?
in Linz hatte ich mehrere schöne Gespräche und Begegnungen. Mit drei Männern auf Fahrradtour in einem Biergarten, die mich zum Essen einluden; mit einem Spazieren gehenden Ehepaar, die mir ihre Emailadresse  gaben , falls ich mal Hilfe brauche. In einem Geschäft wurde ich mit Essen reich beschenkt.
Unterwegs, an einem schönen Aussichtspunkt am Rhein, traf ich ein Paar, die diesen Platz oft aufsuchen, ein schöner Nachmittag mit gutem Gespräch und liebevoller Verpflegung war die Folge.
In Neuwied rezitierte ich und kam irgendwo an einer offenen Hofgallerie vorüber, in die ich eintrat. Ich traf dort auf eine Künstlergemeinschaft, die dort einmal im Jahr eine gemeinsame Ausstellung mit Live-Musik veranstaltet.
Alle waren sehr offen und interessiert. Bei Kaffee und leckerstem Kuchen, der vom Fest übriggeblieben ist, konnte ich meinen Hut kleben, der sehr gelitten hat, in den letzten Wochen. Ein Gruppenbild mit Selbstauslöser hat etwas gedauert, weil ich versehentlich erst mal ein Video gemacht habe…….

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Mein Hut und ich erleben auch sehr viel und jedes Erlebnis hinterlässt Spuren.
Am Morgen bin ich, nach einer sehr windigen und Nieselregnerischen Nacht erwacht und hatte zum ersten Mal das Gefühl von Herbst. Und die Frage, wie wird es werden im Herbst und Winter. Und ich merkte Morgens, daß meine Jacke an ihre Grenzen kommt. Mein Windblocker ist für regnerische und stürmische Tage nicht ausreichend.
Und dann taucht am gleichen Tag im Atelier eine liegengebliebene Jacke auf, die ich erst mal nehmen konnte. Sie wird bei Minusgraden auch nicht ausreichen, aber erstmal hilft sie sehr. Was für ein toller “Zufall”!
Und am nächsten Tag schenkt mir Uwe sogar noch eine Regenjacke!
Ich bekomme wirklich, was ich brauche, oder mir Wünsche, ohne es auch nur ansatzweise zu Fordern. Ich meine damit ein inneres “Haben Wollen”. Das steht der Erfüllung immer sehr im Wege.
Es gäbe noch von einigen schönen Begegnungen und Geschenken zu berichten.
Ich möchte einfach allen von Herzen danken, die mir diesen Weg so wertvoll, schön und die Schritte leicht machen.

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Am Montag in Koblenz angekommen, gab es auf einer Demo des BUND für mich die Gelegenheit ein paar Worte zu sagen. Es hatten sich ca. 25 Menschen um drei Männer mit Mikrofon versammelt, und lauschten den politischen Reden und Anschuldigungen zum Thema “Flüchtlinge”.
Es sind mir alle Menschen sehr wichtig und machen mir Hoffnung, welche in Beispielhaften Hilfsaktionen, im Kleinen wie im Großen, einfach praktisch helfen, ohne viel zu Diskutieren.

Es gab dort eine Situation, wo konkret Hilfe von jemandem gebraucht wurde, aber alle in Diskussionen verfangen, unfähig waren, dieses zu registrieren. Darauf von mir angesprochen, sagte sogar jemand, es gäbe bei den Flüchtlingen viele Sozialschmarotzer. Da müsse man erst mal  sehen, ob der jenige nicht sogar einerr wäre! Es war alles in allem ein sehr erschütterndes Erlebnis, da der Hilfesuchende keines deutschen Wortes mächtig war und seinen zehnjährigen Sohn vermisste, der von Polizisten irgendwo hingebracht wurde. … Es fand sich noch, ohne Zutun der Demomenschen ein Übersetzer, der dem Mann helfen konnte.
Ich lernte an diesem Abend glücklicherweise, auf der klitzekleinen aber feinen Montagsdemo noch ein paar andere Menschen kennen. Niko und Oliver zum Beispiel. Bei Oliver konnte ich übernachten. Wir stellten fest, das wir, außer den grauen Haaren, noch einige weitere Ähnlichkeiten haben. Zum Beispiel den gleichen 60 Jahre alten Rasierer.

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Die Nacht zu Mittwoch habe ich dann wieder am Rheinstrand verbracht. Am Mittwoch Morgen trieb mich der Hunger in Karins Bioladen. Ich wollte fragen, ob es etwas zum Essen für mich da wäre, etwas, was sich in nicht mehr verkaufsfähigem Zustand befindet.  Ich wurde von Anne, Lara, Hanna so herzlich empfangen. Sie fragten mich, was ich brauche. Ich bekam ein lecker geschmiertes Käsebrötchen, ein großer Genuß. Ich konnte wirklich eine fast noch gute Paprika, Äpfel mit kleiner Stelle und anderes Gemüse aus der Verschenkkiste nehmen. Und meine derzeitige LieblingsSchokolade, Vegan, Nougat, Crisp, bekam ich geschenkt. Für die Seele!
In diesem Bioladen ist eine schöne, Freudige Stimmung. Neuen Kunden stellen sich die Mitarbeiterinnen persönlich mit Namen vor.
Lara hat mich dann eingeladen.
Es ist ein Segen für mich, daß es so einfach möglich ist, daß ich ausgerechnet sie getroffen habe, daß ich einfach hier sein und mich wieder etwas sortieren kann.                           Die Tage mit Yaro waren angefüllt mit Gesprächen, Spaziergängen, Kochen, Genuss, Spaß, mit Beisammensein…. Kaffee im Bett. Das war mal richtig schön. Es hat geregnet, wir sind nicht gewandert.

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Morgen werde ich weitergehen, aus Koblenz, in die Welt. Alles ist offen. Ein großer Raum, der bald bespielt werden möchte.

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Es beginnt mit einem “Ja”!

Das Beste, was wir jemals getan haben, war die Grenzen, die wir hoch errichtet hatten, aufzulösen. Die Grenzen in uns. Zwischen uns. Zwischen Völkern, Nationen, Religionen. Wir wurden wieder zur Gemeinschaft, kleinere Gemeinschaften in größeren Verbindungen.
Das Patriachat hatte viele Jahre Zeit, etwas aus sich zu machen, und hat zu keinem guten Ergebnis geführt. Nach Matriachat und Patriachat, betraten wir eine dritte Weltzeit. Wie können wir sie nennen? Das Wiriachat? Übersetzt es gerne! Denkt Euch was aus.
Wir haben den gemeinsamen Schritt aus der Dualität getan, hinein in die Trinität, in die Gemeinschaft. Aus der “Gesellschaft” in die Gemeinschaft.
Die dritte Weltzeit. Die Vollendung. Nach dem ersten, dem alten Testament und dem darauf folgenden neuen Testament, beginnt gerade das dritte, das letzte Testament. Und es gibt darin nicht einen Erlöser, sondern Unzählige. Uns alle. Und wir alle gemeinsam haben es geschrieben.
Noch unsere Enkelsenkel und deren Enkel werden sich mit Freude und Glück an jeden unserer Namen erinnern.
Wir schafften die Grenzen ab und arbeiteten zusammen an unserem Wohlbefinden, wir schafften das Geld ab, weil wir es nicht mehr benötigten. Wir mussten immer weniger Zeit in Esatzbefriedigungen und -handlungen stecken, weil wir schnell spürten, das die Erfüllung, die uns daraus entstand, gemeinsam für uns zu sorgen, uns und das Leben, die Welt zu geniessen, zu schützen und zu pflegen, all das war, was uns fehlte. Immer gefehlt hat.
Wir schafften die Grenzen ab und plötzlich ging alles ganz einfach. Wir gingen auf uns zu. Und wir halfen uns dabei diesen ersten Schritt zu gehen. Und alle weiteren. Und wir ließen uns helfen. Wir bekammen plötzlich eine große Freude und erfüllende Zufriedenheit an unseren gemeinsamen Schritten.
Sofort schafften wir das Geld ab.
Wir organisierten die faire Verteilung von allem Nötigen auf der ganzen Welt.
Wir legten alle Kraft darein in eine Gemeinsame, für Alle schöne und lebenswerte Welt zu finden. Wir waren überrascht, daß wir mit unserem gemeinsamen “Ja” eine solche Energie und Kraft entfalten konnten. Plötzlich war alles ganz einfach. Wir bekamen Freude daran die Welt zu retten, Und sie und unser Leben wieder zu dem zu machen was es ist. Das schönste Wunder der Welt, und mit ihr alle Lebewesen.
Ein Geschenk. Schenken wurde für uns alle zur wiederentdeckten Natur. Und plötzlich brauchte keiner mehr nehmen, alles war da.
Wir hatten die Armut damit abgeschafft.
Heute kennen wir keine Verbrechen mehr, es gibt für Niemanden einen Grund für ein Verbrechen. Alle haben ihren Platz gefunden. Alle sind dabei.
Wir mussten am Anfang einige Dinge ändern. Wir machten als erstes eine Bestandsaufnahme und teilten verschiedene Arbeitsgruppen ein, die aus Theoretischen, Praktischen, Visionierenden, Unterstützenden und vielen anderen Beitragenden bestand. Diese Beiträger einer Aufgabengruppe bekamen alle mögliche Unterstützung von der Gemeinschaft. Sehr schnell wurden die ehemaligen Probleme als gemeinsam zu bewältigende Aufgabe begriffen. Heute ist die Welt wieder ein lebender, gesunder Organismus, der uns alle ernährt und reich beschenkt.
Alles ist heute voller Gärten. Eine Pracht.
In vielen Mythologien und heiligen Büchern war viel die Sprache von Gärten. Gärten sind eine wichtige Schnittstelle zu unserer Natur, zu unserem Leben. Nun ist die ganze Welt ein Garten. Wir bekommen aus ihm was wir brauchen. Das Land und die Pflanzen bekommen von uns, was sie brauchen. Das Land gibt uns Kraft. Die Bäume geben Atem. Das Wasser, Leben. Und wir geben das unsere.
Jeder kann es genießen.

Wir trennten uns vom Kampf und und fühlten uns mit allen und allem in Einheit.
Jeder kann Künstler sein. Jeder kann Handwerker oder Gärtner sein. Oder Erfinder möglicher Dinge, zur Beglückung.
Wie gesagt, fand jeder. jede, jedes seinen Platz und war sicher und geschützt.
Das Leben ist die beste Schule, es gibt Schulen als Erlebnis- und Erfahrungsraum. Umgekehrt ist jeder Raum, jeder Moment dafür, Erkenntnisse und Wissen zu empfangen und zu vergeben.
Lernen und Entwicklung finden in jedem Moment statt.
Alles Wissen und alle Erkenntnisse stehen jedem jederzeit zur Verfügung. Jeder nimmt sich davon, soviel er oder sie will.

Ich könnte viel mehr erzählen, ich könnte ins Detail gehen, tief eintauchen… Das werde ich langsam.
Schaut einfach selber mal, was ihr seht.

Das alles klingt wie ein Märchen. Und es ist so einfach zu erreichen. So unglaublich einfach. Es beginnt mit einem JA.

Tag 68 bis 89 – Brötchenrettung und Besuch

68 – 89 Di – Sa. 11.8. – 01.9. DSC_0382

Nachdem ich Dawnie und Patrick verlassen habe, besuchte ich Christoffer in der Nähe von Overath. Ihn habe ich auf dem Utopival kennengelernt. Ein Junger, und sehr engagierter Mensch. Christopher traf ich, als ich aus dem Wald trat. Er war dabei, Steinplatten zwischen Brombeersträucher zu legen, auf einem großen, an einen Wald angrenzendem, mit Brombeeren bewachsenen, wilden Grundstück. Er möchte dieses Eck, zusammen mit Gleichgesinnten in einen Permakulturellen Ort verwandeln. Ich bin sehr froh über solche Menschen, die sich so sehr einsetzen, ihren Teil dafür zu tun, etwas besser zu machen, die Welt zu einem besseren Ort. Die nicht den Kopf in den Sand stecken und sich ergeben, sondern ihre Ideen und Überzeugungen, ihre Energie und Zeit hingeben, um aktiv mit zu gestalten.

Köln habe ich am frühen Morgen des 68. Lebenslauf-Tages erreicht, nach einer nächtlichen Wanderung durch lange, hell erleuchtete Vorortstraßen. Meine Schritte, die ich durchs Land mache sind auch Schritte zu Ruhe, Klarheit und Frieden in mir. Je mehr ich loslasse, desto mehr Raum ist da, in dem
alles zusammen kommt.
Ich traf, nach einem Vormittag am Rheinufer, zwei wunderbare Menschen, Linda und Metin, die mich einluden einige Tage in ihrem Ferienapartment zu wohnen. Wie habe ich das genossen, was für ein Luxus……Das war ein großes Geschenk zweier offenherzigen Menschen.
In Köln hatte ich so wunderbare Lesungen und Begegnungen…
Ein schöner Austausch mit Max, dem Maler und Liedermacher…. mit einer Künstlerin in ihrem Atelier… Mit Sabine, die schon von einer Freundin auf mich aufmerksam gemacht wurde und mir ihr Pausenbrötchen an einer Ampel schenkte.
Gelesen habe ich für ein Paar Menschen, zum Beispiel Lea, Onno, Neomi, Ben und ihre Freunde, denen ich im Park begegnete. Lea und Neomi haben mir eine Tüte mit dem leckerstes Essen geschenkt, Danke ihr Tollen, wunderbaren…Es war ein schöner Abend im Park.

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Markus, ich hoffe ich erinnere den Namen richtig, in seiner Galerie, dessen Bilder mich im Vorbeigehen angesprochen und angezogen haben.Er betreibt sie gemeinsam mit seiner Freundin, neben ihren Jobs, aus purer Freude. Sie verkaufen dort auch Kaffe und andere Getränke und er erzählte mir von schönen Begegnungen und Begebenheiten, aufgrund ihres Engagements in ihrer kleinen Galerie.

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Auf eine größere Gruppe von Aktivisten von “Sea Shepherd” traf ich in der Innenstadt. Sie protestierten gegen das traditionelle Abschlachten hunderter Wale auf der Färöer Insel. Seit langen Jahren werden dort einmal jährlich Wale an den Strand getrieben und von Männern auf brutalste Art und Weise hingerichtet, getötet….
Ein Männerritual, ein großes Fest des Todes, sinnlos, roh und dumm.
Die Gruppe der Aktivisten….kraftvoll, entschlossen….Die Begrüßung…herzlich, freundlich….Fotos, Gespräche, Essen! Toll, vielen Dank nochmal….

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Ein paar Jungs auf einer Bank bei der alten Feuerwache, haben meinen Naidoo-Text mit “starke Worte” goutiert und mich mit Saft und Jumbo-Knusperriegel beschenkt. Aus kühler, aber freundlicher Abweisung wurde innerhalb von Minuten warmes Interesse und herzlicher, anerkennender Abschied.

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Viele solcher kurzen aber nachhaltigen Moment begegnen mir täglich.
Inzwischen bekomme ich ein sehr viel besseres Gespür, und habe keine Probleme damit an alle Menschen, egal wer, heranzutreten und ihnen meine Stücke vorzutragen. Ich habe da keine Angst mehr, keine Sorgen,
Und es geschehen nur wundervolle Begegnungen, mehr oder weniger intensiv.
Ein Erlebnis anderer Art, das mich sehr nachhaltig berührt hat, ist folgendes…..
Ich kopiere im Folgenden einfach den Facebook-Post vom Tag, als mein Sohn Tarik zu Besuch kam:

“”Rettung eines Brötchens bei Einfahrt des Regio.

Heute Morgen! Nach der halben Nacht im Flur, ich hatte mich ausgesperrt :-),
ein verspäteter Gang zum Bahnhof, um meinen Sohn Tarik am Zug zu empfangen… Willkommen in Köln!
Am Bahnhof habe ich einigen Obdachlosen ein Stück von Naidoo rezitiert. Unter anderem Textpassagen wie….. # sei wie ein Krieger, mann, nimm wieder am Leben Teil und peil Deine Ziele an……. Oder……. Zeigt Dir den Weg zurück nach Haus, Du kennst ihn auch, erinnere Dich, an das was Du längst weißt, was eigentlich keine Frage ist, Du bist nicht schwach, Du weißt wie stark Du bist……..#
Sie haben aufmerksam zugehört und zustimmend geknickt und “Ja, das stimmt” gebrummelt. Das hat mich sehr tief berührt und ich konnte sie sehen, ihre Sehnsucht und auch wie sie sich und ihre Träume aufgegeben haben. Das ist so traurig.
Kurz danach auf dem Bahnsteig, ich stehe wartend am Müllsortierbehälter, tritt eine junge, hübsche Business-Frau neben mich, lässt ihr halbes, wundervoll belegtes Brötchen in die Brötchentüte fallen und die Tüte in die Tonne…..
Ich war völlig schockiert! Das ist doch unfassbar!!
Ich fragte sie direkt, ob sie das wirklich wegwerfen würde, das sind doch Lebensmittel!! Das könne sie doch nicht einfach so tun…
Sie sah mich an und fragte beiläufig im vorbeigehen, wieso nicht? Sie hat überhaupt nicht verstehen können, was ich von ihr wollte.
Ich habe nicht anders können, als dieses Brötchen zu retten.
Ich bekomme so viel zu essen, von vielen Menschen! Trotzdem ändert sich mein Gefühl zu Nahrung gerade komplett. Ich lerne ein solches, in den Müll geworfenes Essen so sehr zu schätzen.
Und ich hatte die Jungs auf der Strasse noch im Kopf.
Ich habe heute das erste Mal essen aus einer Mülltonne genommen, und obwohl schon jemand davon gegessen hat, habe ich es unglaublich genossen. Soetwas habe ich nicht jeden Tag auf meiner Reise.
Wie mag es aber sein, wenn man nicht soviel zu essen hat. Milliarden Menschen werden nicht satt. Für die Frau war es scheinbar ganz normal, das wegzuwerfen, was sie nicht essen konnte. Diese Beiläufigkeit, die Selbstverständlichkeit war es, die mich am meisten aufgewühlt hat. Ich war so schockiert!!

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Jetzt ist aber Tarik da, und das fühlt sich richtig gut an. Wir werden morgen zusammen Köln verlassen.
Und diese Nacht können wir, Glück sei Dank, und größter Herzensdank an Metin, Linda und ihre Söhne, noch in ihrem Ferienapartment verbringen. Und das haben wir genossen und genießen es noch, nach einem schönen Spaßfreudigen Gang durch Köln im Nieselregenregen.””

Tarik und ich verließen Köln am 75. Tag meiner Reise, am Dienstag.
Unser Weg führte zunächst durch ein altes Hafengebiet, in dem Moderne Riesenhäuser zwischen alten, restaurierten Hafengebäuden stehen. Hier wohnt auch Lukas Podolski.

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Die Nacht verbrachten wir bei Grete und Heiner in Rodenkirchen, herzlich empfangen und toll aufgenommen. Heiner lud uns Gleich zum Essen in die amtliche Eckkneipe ein. Herzensdank auch an Euch. Auch für euren Rheinischen Frohsinn, der war sehr erfrischend.
Die nächsten zwei Nächte haben wir am Rhein verbracht ohne viel Laufen, aber wunderschön. Birgit kam am zweiten Abend mit an unser Lagerfeuer am Rheinufer. Sie wollte Tarik abholen und blieb spontan.
Es war Wunderbar.
Am Freitag bin ich dann wieder alleine losgegangen, Richtung Bonn.
Nach einem langen Gang, durch ein Kilometerlanges, nicht so anmutig wirkendes Industriegebiet, bei brütender Hitze, bin ich hinter Wesseling in eine Nachbarschaftsfeier gestolpert, wurde gleich von Einigen Feiernden empfangen und durfte essen, trinken (Kölsch) und erzählen. Iris und Stefan luden mich auch gleich auf ihr Grundstück ein, und ich durfte dort eine Nacht unterm Sternenhimmel in bester Gesellschaft beider verbringen.

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Nach einem schönen Gang am Rhein entlang betrat ich Bonn.
Und noch am Anfang, als ich einen Platz suchte für meine erste Rezitation, hat sich am letzten Bissen meines Apfels, den ich mit Kerngehüuse esse, scheinbar eine Wespe festgekrallt und mich im Rachenraum in die linke Mandel gestochen, bevor ich sie als Proteinzugabe meinem Magen zur weiteren Verwendung übergeben konnte.
Das hatte einen Aufenthalt in der Notaufnahme eines Krankenhauses in Bahnhofsnähe zur Folge. Die Diensthabende Schwester verwies mich an die Uniklinik, weil die sich besser mit solchen Dingen auskennen. Man könnte, in dort nicht helfen. Währenddessen schwoll die Mandel. Ich dachte mir, falls mir alles so anschwillt, daß ich zur Erstickung neige, bleibe ich lieber im Wartezimmer. Zur Uniklinik sind es von dort vier Kilometer. Zu Fuß wohl eine Stunde.
Dort holte mich dann Judith ab, in deren Haus ich eine Einladung für die Nacht hatte. Judith hatte ich auf dem Utopival kennengelernt. Zwei Tage mit guten, interessanten Gesprächen folgten. Das war sehr schön!
Am Montag besuchte ich Patrick und Johanna. Dort konnte ich ein paar Tage verbringen, um etwas in Bonn zu lesen. Johanna habe ich in Steyerberg kennengelernt. Sie hat mir das atmen ind gehen im Zen-Buddhismus gezeigt. Patrick betreut das Zen-zentrum in Bonn und hat einen kleinen Laden dort, für Meditationszubehör.
Dort, im Zentrum würde ich von ihm eingeladen das Sitzen im Zen kennenzulernen. Das sind für mich schöne Geschenke, die mir auf meiner Wanderung sehr von Nutzen sind.
Gehen, Atmen, Sitzen, Atmen…. Mehr braucht es nicht.

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Jeder gibt etwas in meinen Rucksack, was ihn jedoch immer leichter werden läßt. Das ist wunderbar.
Mit Patrick habe ich in seinem Laden ein Mittagessen für zwölf Menschen gekocht. Also…. ich habe Gemüse geschnitten!
Seit drei Jahren treffen sich an seiner Tafel jeden Dienstag zwölf Menschen, die gemeinsam zu Mittag essen. Das Gemüse dafür bekommt er umsonst von einem BioHof. Nicht mehr verkäuflich…kleine Stellen, die herausgeschnitten werden können.
Ein wunderbar freier Raum, eine schöne, Gemeinschaft bildende Aktion.

Gelesen habe ich auf dem Platz vor dem Frankenbad. Seit drei Jahren belebt eines von mehreren Bonner Dreirädrigen Cafe’-Mobilen diesen Platz. Nachmittags sind alle Bänke besetzt. Ein beliebter Treffpunkt.
Dort habe ich einige Male gelesenen und wunderbare Menschen kennengelernt, Ferhard zum Beispiel ist Ende der Achtziger aus dem Iran geflohen. Er hat es heute noch nicht Verwunden. Seine Erlebnisse sitzen tief und berauben ihn noch heute seines Schlafes.
Und Rebecca habe ich getroffen, mit ihrer Freundin Miriam. Rebecca kommt aus Harpstedt, ist ungefähr im Alter meines Sohnes und studiert hier in Bonn. Darüber habe ich mich sehr gefreut.
Die Tage in Bonn waren wunderschön. Nicht zuletzt versüßt durch einen schönen Besuch.
Am Samstag, den 86. Tag meiner Wanderung sagte ich Johanna und Patrick Tschüß, um Bonn zu verlassen und am Rhein auf dem Rheinsteig weiter Richtung Süden zu gehen
Ich sitze jetzt auf einem Balkon in Bad Honnef, am Morgen des 89.Tages meiner Reise. Es regnet.
Ich konnte jetzt zwei Nächte bei Martin und Natalie verbringen, junge Eltern einer süßen, fünf Monate alten Tochter. Sie haben ein offenes Haus und bieten couch-surfing an. Sie haben jederzeit einen Couch-platz für Menschen, die unterwegs sind. Es gibt inzwischen sehr viele Menschen, die Soetwas anbieten und annehmen.
Martin lernte ich am Samstag kennen. Ich wollte Bonn über die Südfrüchte verlassen, als ich über den Karmapa stolperte. Er ging an mir auf der anderen Straßenseite vorüber, als ich an einer Ampel stand.
Der Karmapa ist neben dem Dalai Lama, das zweite Buddhistische Oberhaupt Tibets. Kurz danach traf ich drei Apfelpflückende Frauen kurz vor der Südbrücke. Ich bekletterte nach vielen Jahren mal wieder einen Baum und pflückte für sie die rotesten, am höchsten hängenden Äpfel… Ein schönes Zusammen sitzen und Apfel genießen war es, eine wundervolle Begegnung.
Und als die drei gingen, kam Martin. Wir saßen und redeten gut. Er lud mich zum Essen ein, und bot mir für die nächste Nacht einen Schlafplatz an.

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Ich habe jetzt bei ihm und seiner Familie die Ruhe, die Geborgenheit genutzt, um mein Tagebuch aufzuholen.
Martin hat viele Ecken hier in der Gegend und überall auf der Welt bewandert. Indien, Afrika….. Er ist Shaolin-Schüler…Wir haben uns einiges zu erzählen.
Ich fühle mich auch hier so wohl, genieße wieder mal….Und weiß doch, daß es der Moment ist, der den Genuß so wertvoll macht…..Oder ist es der Genuß, welcher den Moment so wertvoll macht?
Und das es endlich ist und ich bald schon wieder gehen muß…….

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Oft werde ich gefragt, wie ich mich ernähre……
Ich werde gut ernährt. Ich wiege zwar nur noch 73 Kilo, vor zwei Jahren genau, waren es noch 94!!!
Ich bin gesund und fühle meinen Körper, und mich in ihm, sehr gut, besser denn je!
Ich bekomme alles Essen geschenkt, im richtigen Moment habe ich immer zu essen.
Und das Geheimnis, welches ich entdecken darf, ist, je mehr ich loslassen kann, meine Erwartungen, meine Bedürfnisse, desto einfacher ist es. Plötzlich ist all das da, was ich wirklich brauche.
Je mehr Anspruchshaltung bei mir auftaucht, desto schwieriger wird es, und ich fange wieder an um meine Mahlzeiten zu kämpfen. Und im Kampf gibt es keinen Gewinner.
Wenn ich einfach spüre und wünsche, geschehen wundersame Dinge.
Ich habe mir einmal von Herzen einen Kaffee gewünscht. Eine halbe Stunde später wurde ich einfach so dazu eingeladen.
So ist es mit allem.
Wenn ich all das loslasse und wünsche, Ohne Ansprüche und Erwartungen, dann kommt alles zur richtigen Zeit. Es fließt dann sozusagen. Der schönste Weg ist das Schenken.
Und es ist jedesmal eine Freude, für den Schenkenden, und mir Freude und Genuß. Ich werde reich beschenkt, nicht nur mit Nahrung, auch kleinste Erkenntnisse und Erhellungen bekomme ich immer zur richtigen Zeit gereicht. Immer genau das, was ich gerade brauche.
Eine Erkenntnis, die umzusetzen mir in manchen anderen Lebensbereichen noch schwer fällt, in der Liebe beispielsweise, aber langsam doch hier und dort Einzug hält.
Hier beginnt das Glück….Hier beginnt der nächste Schritt, die Möglichkeit weiter zu schreiten. Hier beginnt der Frieden! Im grenzenlosen Vertrauen.

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Tag 60 bis 67 – Energie und Enkeltauglichkeit

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60 – 67 MO – MO 3 – 10. 8

Gestern habe ich, nachdem ich nach der Veranstaltung noch weitere zwei Tage dort herumlungern durfte, zwei Tage, die ich etwas mit aufräumte und mir auch viel Zeit für mich nahm, diese ganze Fülle, diese wunderbare Energie dieser Tage auf dem Utopival, sacken zu lassen, nachzufühlen….Gestern habe ich endlich wieder meinen physischen Weg fortgesetzt.
Olli hat mich noch begleitet bis Engelskirchen, oder ich ihn zum Bahnhof. Zehn Kilometer durch kleine Orte und Wälder. Das Bergische Land gefällt mir sehr gut bisher, ich fühle mich hier wohl. Es ist leicht bergig, schön gewellt. Und etwas bewaldet. Ein schöner, stellenweise eiliger Gang, mit seinen Steigungen und Gefällen. Wir müssten ja Ollis Zug erwischen.
Für ein kleines Picknick im Walde, mit Kaffee aus der Thermoskanne war aber noch Zeit.

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Olli hat dann auch glatt den Zug nicht mehr erwischt und mußte einen späteren nehmen. Wir haben die Zeit und uns mit einem leckerstes Rhababereis gefüllt, gemeinsam mit Bernd, einem der Findhof – Betreiber, den wir in Engelskirchen getroffen haben.

Hier im Bergischen sind die Menschen recht offen, jedenfalls alle, die ich getroffen habe. Alles ist etwas leichter.
Ich gehe inzwischen oft von größtem Vertrauen getragen, und alles ergibt sich wunderbar, so wie gestern……
Ich habe Engelskirchen verlassen, entlang des Flüßchens Agger, das sogar links und rechts bedeicht ist, mit dem Gefühl, einfach zu gehen und zu sehen, was geschieht. An einem Restaurant, mitten in der Botanik an der L55, dachte ich daran, meine Wasserflasche aufzufüllen. Diesem Impuls bin ich gefolgt, ging die Treppe hoch auf die Außenterasse und wurde von zwei Menschen mit Hallo begrüßt. Ob ich Hunger hätte, fragte Patrik mich und ich wurde von ihm und seiner Frau Dawnie zum Abendessen eingeladen. Es hat sofort alles gepasst. Ich sitze jetzt in Patricks Wohnwagen, für zwei Nächte haben sie mich eingeladen. Und es ist wunderbar stimmig.
Ich bin eine Stunde vor dieser Begegnung auf einem Wochenendhaus-Campingplatz gelandet, wo ich meinen Ausweis zum Kopieren abgeben mußte und der Schwiegersohn-Polizist von meinem Auftauchen telefonisch benachrichtigt wurde. Als man sich entschieden hatte, mit äußerstem Mißtrauen, mir einen Baumplatz für meine Plane anzubieten, wurde mit Schlüßeln geklappert. Ich dachte, wo jemand aufschließt, schließt auch jemand zu. Und wenn ich drin bin, bin ich irgendwo drin. Ich hatte ein beklemmendes Gefühl, zumal der Schlüsselmann mehrfach betonte, er wäre schon oft enttäuscht worden und er hoffe für mich, ich würde ihn nicht enttäuschen. Als ich fragte, was er meint, sagte er “Keine Fragen”.
Ich habe mich dann höflich verabschiedet und bin so bei zwei ganz wundervollen Menschen gelandet, Dawnie und Patrik.

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Sie leben beide momentan in zwei kleinen Campingwagen und in zwei größeren Zelten. Eines habe ich für zwei Nächte beziehen dürfen.
Vertrauen ist ein soviel besserer Weg als Angst…..Für mich ist das relativ neu!
Aber Wegweisend!!
Dawnie und Patrik arbeiten viel, und genießen sich und das Leben.
Und Leben! Auf eine schöne offene und achtsame Art.

Diese Begegnung fügt sich wunderschön an die Tage des Utopivals.
Fünf Tage lang verbrachten Einundertzwanzig Menschen zusammen auf dem Findhof am Flüsschen Sülze in Frielingsdorf bei Lindlar zum Geldfreien Mitmachkongreß utopival. Von Distopie war hier nichts zu spüren. Spürbar hingegen waren Aufbruch, Optimismus, Kreativität und Freude an der Gemeinschaft. Unter den teilnehmenden Teilgebern gab es eine hohe Aufmerksamkeit und Achtsamkeit, eine unbändige Gestaltungsfreude und größte Selbstachtung.

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Teilgeber waren alle, jeder hat seine Talente, sein Herz hier hereingegeben und das utopival zu etwas sehr Besonderem werden lassen.
Fünfundzwanzig Workshops, allsamt hochwertig und bereichernd, wurden angeboten.

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Faszinierend war für mich die Mitmachwerkstatt, in der jeder seine Idee zu einem eigenen nachhaltigen und “Enkeltauglichen” Projekt vorstellen konnte, um Mitentwickler zu finden.
In Gruppen wurden diese dann etwas weiterentwickelt und am Ende allen im “open space” präsentiert. Mit größtem Interesse verfolgten alle gemeinsam die Vorstellung von open source Lösungen zum Beispiel zur Ermittlung der Nachhaltigkeit von Lebensmitteln. Wenn ich es richtig verstanden habe, geht es dabei um ein Computerprogramm, mit dessen Hilfe beim Einkauf ermittelt werden kann, woher die Lebensmittel kommen, wieviel Energie und Wasser Herstellung und Transport kostet, ob Arbeiter fair entlohnt und beschäftigt werden…..Und vieles mehr. Im Vordergrund aller Ideen und Gedanken, aber auch aller Handlungen stehen hier das Schonen von Ressourcen, der Umwelt, Menschen- und Tierwertes Leben, eben “Enkeltauglichkeit”.

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Ernährt haben wir 120 Menschen uns von “geretteten Lebensmitteln”, von rein veganen Produkten, bei denen des Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen war, die falsch Etikettiert oder an der Verpackung einfach nur beschädigt waren und somit nicht mehr Verkaufsfähig.

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Alles was wir gegessen und genossen haben, wurde so vor dem Wegwerfen gerettet. Der ganze Kongreß wurde von den Acht Initiatoren und den Zehn Helfern vollkommen Geldfrei ausgerichtet.
Die Workshops wurden kostenfrei gegeben, die ganze Woche kostete keinen Teilgebenden Teilnehmer auch nur einen Groschen, nicht für die Seminare, das Essen oder die Unterkunft. Eine großartige Leistung.

Hier noch ein paar Impressionen der Woche…..

Am Morgen weckte uns Lisa, in unseren Zelten mit ihrer wunderschönen Stimme. Ich höre sie jetzt morgens noch….
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In der Morgenbegrüßung, zu der wir nach dem Frühstück zusammenkommen, durfte ich zweimal den Morgenimpuls setzen. Eine Kurzgeschichte von Jorge Bucai und “über die Geduld” von Rilke habe ich gelesen.
Die Minuten hinterher….hundertzwanzig schweigende und in sich führende Menschen….Haben mich sehr beeindruckt und bewegt.
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Tinka auf der Friedensbrücke

Das Abschlußfest. Diese Gruppe war großartig. Sie haben sich in den Tagen erst zusammengefunden. Wir haben uns gefeiert und wild und schön getanzt. Ein wundervoller letzter Abend.

Der Findhof, geleitet von drei herzlichen Geschwistern Irmi, Bernd und Achim, war, bevor er Seminarbetrieb wurde ein bewirtschafteter Hof.
Die Betreiber haben ihn mit Herz und Gefühl umgebaut zu einem Wunderschönen Lehr- und Versammlungsort. Die Seminarräume tragen Namen, wie Lichtwerkstatt und Sternenhimmel……
Auch die Findhof-Familie war von der Idee des Utopival so sehr begeistert, daß sie Räumlichkeiten und Gelände ohne eine Gegenleistung zur Verfügung stellte. Großherzig und absolut wundervoll.
Für mich war es eine beeindruckende, bewegende und sehr nachhaltige wundervolle Woche, mit soviel Inspiration und Gelerntem.
Lange Jahre habe ich mich danach gesehnt, solche Menschen mit diesen Visionen und einer solchen Energie zu finden.
Mein größter Dank gilt allen Beteiligten.
Gerade habe ich erfahren, daß am 31.August die Ergebnishomepage des Utopival freigegeben wird. Da finden wir dann alles, rund ums diesjährige Treffen….Filme, Interviews, Impressionen.
Ich werde sie dann hier für alle zur Verfügung stellen, damit sich jede_r inspirieren lassen kann.

Tag 56 bis 59 – Bienenstich und Brückenbau

Tag 56 bis 59 Halver/Kreuzberg bis Lindlar
30.7. Bis 2.8.

Am Donnerstag, dem 56.Tag meiner Reise, verließ ich die Epscheider Mühle in Richtung Lindlar. Meine Wanderung führte anfänglich durch landschaftlich schönes Gebiet, Wiesen am Hang und bergige Wälder.Ich erreichte gegen Abend Kreuzberg, einen kleinen Ort. An einer Kneipe, vor dessen Eingangsbereich sich einige Menschen zum Rauchen versammelt hatten, machte ich Pause auf einer Bank. Ich würde auch sofort angesprochen und nach meiner Wanderung gefragt. Mein Schild am Rucksack läßt sehr schnell Gespräche entstehen. Rainer lud mich zu einem Kölsch in der “Penne”, der örtlichen Kneipe ein, und beschloß schnell, mir einen Schlafplatz auf dem Sofa seines Wintergartens anzubieten.

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Ein Segen. Auch hier war ich an Morgen alleine, weil er und seine Partnerin Angelika arbeiten mußten. Ich bekomme unglaublich viel Vertrauen von den Menschen. Das macht mich sehr dankbar.
Ich bin dann am späten Freitag Vormittag nach Wipperfürth gegangen, wo ich mit einem Freund zum Mittagessen verabredet war. Heiko betreut die Warenwirtschaft der Buchhandlung, die ich 16 Jahre betrieben habe.
Ein tolles Treffen, ein superleckeres Bratkartoffel Essen, dazu noch ein Kölsch, das ich am Abend vorher zum ersten mal genießen durfte.
Eine Biene, die es genauso lecker fand wie ich, habe ich nicht gesehen. Die Folge war eine Lippe, wie aufgespritzt.

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Ich machte mich dann Nachmittags auf den Weg, Richtung utopival, wieder durch Wälder und schönste Landschaft.
Den Findhof erreichte ich dann schließlich gegen Abend und wurde von ca. 10 Jungen Menschen, den Organisatoren des Mitmachkongreßes, die gerade beim Abendessen saßen, begrüßt.
Alle legen Wert darauf, beim utopival von einem MITMACH-Kongreß zu sprechen, denn die Menschen, die hier zusammen kommen, sind nicht Konsumenten und Teilnehmer.
Jeder hier gibt seine Talente, seine Kraft für die Gruppe, nicht nur als Teilnehmer, sondern in erster Linie als Teilgeber.
Ich spüre hier deutlich, wie schwer es mir fällt, mit meiner Vergangenheit als Unternehmer, Chef und Einzelkämpfer, Teil einer Gemeinschaft zu werden. Wenn es aber dann gelingt und ich einen Platz zum Mitwirken finde, ist es ein erfüllendes Gefühl und stärkt ungemein.

Nach der Wanderung tat das Abendessen ungemein gut und ich konnte anschließen das, mir wundervoller Weise angebotene Zelt aufschlagen und mich auf die Tage dieser Veranstaltung freuen.

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Am Samstag und Sonntag wurden Komposttoiletten, Außenduschen und eine Brücke gebaut. Ungefähr 20 Organisatoren und Helfer errichteten Zelte und Pavillons, eine Außenküche, schleppten Lebensmittel, bereiteten die Seminarräume vor, erstellten Pläne, dekorierten, schippelten, kochten…. Eine Badestelle am Bach entstand und ein Raum der Ruhe, mit Heu gepolstert und mit Decken belegt.
Ein lebendiges, frohes und sehr achtsames Treiben, in liebevoller Umgebung.

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………Bis am Montag dann die Einhundert Menschen eintreffen konnten, die aus vielen Hundert Bewerbungen ausgelost wurden.

Tag 48 bis 55 – Wandertage und Wiesennächte

Tag 48 bis 55, Ahlen bis Breckerfelde…..21.-28.7.2015

Ich bin viel gewandert, habe in mich gefühlt. In den letzten Tagen könnte ich viel sehen, meinen Unfrieden spüren, meinen Kämpfen nachspüren…… Die immer noch zu bestimmten Dingen und Situationen in mir toben. Ich lasse langsam immer mehr los, Erwartungen, Verletzungen, Bedürfnisse, alles von dem ich weiß, daß es mir nicht gut tut, was ich aber immer als gegeben empfand, und nie hinterfragt habe. Ich begebe mich aus Der Opferrolle….Endlich!…. Und erkenne, wie ich auch hier immer wieder meine Realität selber gestaltet habe.
Wenn mich jemand belügt, verletzt er sich nur selber. Ich habe mich auch immer verletzt, wenn ich meine Verbitterung, mein nicht annehmen in Kampf gewandelt habe. Wer kämpft, bekämpft sich letztlich selber.
Ich sehe alle meine Kämpfe und ich bitte aufrichtig um Vergebung.
Oft kann ich es garnicht glauben, wie ich dazu komme, eine Friedenswanderung zu machen.
Ins Wandern komme ich sehr gut. In jedem Moment neue Begegnungen, neue Augenblicke, ohne wenn und aber. Je klarer ich mit mir sein kann, desto offener sind die Begegnungen mit den Menschen, und der Raum öffnet sich für manchen wunderschönen Austausch. Es ist sehr inspirierend, und einzelne Begegnungen bleiben nicht als solche stehen, sondern wandern mit und werden zu Bewegung. Bewegen mich! Immer weiter und weiter auf meinem inneren und äußeren Pfad.

Hier meine Stationen….
Am 48. Tag habe ich bei einem Haus geklopft, und gefragt, ob ich auf der Wiese am Wäldchen dort liegen kann. Nach einem Schnittchenteller und einer Flasche Bier habe ich auf der Wiese genächtigt.
Am nächsten Tag bin ich aufgebrochen zu Hammer Kommune, die aber leider nicht mehr existiert. Nach einem Abend mit Drei Söhnen des Hauses, auch dort auf der Wiese im Garten übernachtet.
Malte hat auf seiner Gitarre eine Hammermusik gemacht. Wunderschön. Ich hätte diese Lieder gerne mit genommen.
Am 50. Tag bis Bönen, dort am Einkaufsmarkt habe ich zwei, mir sympathische Menschen angesprochen, und konnte dort meine Nacht verbringen. Katy und David….Vielen Dank. Es war schön und sehr anregend. Gute Gespräche und rührende Umsorgung. Danke Euch!
Am nächsten Tag eine Wanderung bei Orkanböen und Regen.
Am Abend traf ich Birgit, die Christina Auto geliehen hatte, um mich zu besuchen. Es war wunderschön, vertraute Gespräche, gute Momente.
Ein wunderschöner, wertvoller Besuch.

 

Am Abend des 52. Tages erreichte ich Schwerte.
Dort wollte ich die Gemeinschaft “Beginenhof” besuchen und hoffte auf einen Platz für meine Matte. Das Projekt entpuppte sich als Apartmenthaus ohne sichtbares Gemeinschaftsarbeit und niemand konnte mir weiterhelfen.
In einem Gemeinschaftscarport der restlichen Siedlung fand ich ein trockenes Plätzchen für den Moment. Der Besitzer des Carportplatzes wollte einparken, sah mich, parkte sein Auto woanders, und schenkte mir die Möglichkeit meine Matte dort auszurollen zu können.

 

Es regnete die ganze Zeit, kaum jemand war unterwegs.
Ich war trotzdem sehr guter Dinge und beschloß erst einmal zu Abend zu Essen. Ich bemerke, daß ich eigentlich ohne die ganzen Sorgen, die ich mir ständig gemacht habe, viel besser leben kann. Alle Sorgen sind abgefallen, und ich weiß in jedem Moment, daß schon etwas geschehen wird, auf das ich dann gelassen reagieren kann, wenn der Augenblick da ist. Das macht ganz schön frei! Das kann ich sagen.
Und dann geschah auch schnell das Wunder……
Ein Mann kam vorbei, an dieser Stelle, wo zu solcher Zeit, kurz vorm Dunkel werden eigentlich niemand mehr geht, Armin, mit Bernhardiner, welcher mich gleich entdeckte.
Armin nahm mich mit nach Hause und stellte mich seiner Frau Helga und den Jungs, Hannes, Jonas und Luca vor. Hannes organisierte ein Zelt von Freunden aus der Nachbarschaft, zu fünft bauten wir es auf und Armin legte sogar Strom. Ich bin begeistert von dieser Hilfe, die sie mir zu Teil werden ließen. Hannes danke ich für den großartigen Einsatz, um das Zelt zu besorgen. Der ganzen Familie danke ich von Herzen, die mich so schön aufgenommen hat.

 

Nach einem schönem Gespräch mit Helga am Morgen, mit Proviant bestückt ging ich weiter. Das Wetter immer noch nass und windig.
Am Ende des 53. Tages, ging ich die Landstraße Richtung Breckerfelde..
Rechts und links von der Strasse ging es steil bergauf, und ich fand eine Wiese, hinter Hagen, die ich als Schlafstätte akzeptabel fand.

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Als die Pläne aufgespannt war, setzte auch schon der Regen ein.
Ich habe ganz schön geschlafen dort, obwohl alles schräg war, und ich immer ein wenig nach hinten rutschte. Alles ist trotz der Plane nass geworden.
Was gab es noch an täglichem Vergnügen?
In Breckerfeld würde ich spontan von vier Damen auf Ausflug zum Cappuccino und leckerstes Waffel eingeladen, mit anregenden Gespräch. Es ging ans Eingepackt, innerer Frieden und loslassen der Sorgen und Ausreden war das Thema…….Und nicht mal von mir ausgehend. Eine lustige schöne Runde!
Ich gehe zur Toilette in einer Bäckerei und finde bei der Rückkehr zu meinem Rucksack eine hingezauberte Brötchen- und Kuchentüte.
Mir begegnen soviel Herzensmenschen, daß ich garnicht verstehe, daß die Welt nicht ein schöner Ort für alle sein kann.
Wo ist die Herzensrevolution?

Ach ja, und in Breckerfelde wird auch auf den Papagoy geschossen!!!!!
Harpstedt und Breckerfelde könnten Partnerstädte werden. Wenn ich richtig erinnere ist Breckerfelde eine Hansestadt!!!! Ich schaue morgen mal aufs Ortschild.

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Ich habe jetzt hier, in der Epscheider Mühle mal einen Tag Auszeit genossen und konnte wieder Tagebuch schreiben.
Die Epscheider Mühle ist eine ehemalige Gemeinschaft, in der nur noch drei Menschen leben, mit einem Seminarbetrieb. Petra und Kalli betreuen hier noch einen Jugendlichen, Tobias.
Alle sind herzlich. Die Katzen fangen Mäuse, der Wind weht, es regnet dann und wann…. Und ich genieße……

Tag 39 bis 48 – Friedensdemo und Feldarbeit

Tag 39 bis 48. Bielefeld….Beckum
13 – 21. Juli 2015

Von Bad Oeynhausen nach Bielefeld, mit kurzer Station in Herford, wo ich in eine Montagsdemo, in eine Mahnwache für den Frieden gestolpert bin. Die Anwesenden, Erinnerer an eine Friedliche Welt, die Mahner, die vor einem Weitergehen auf dem Weg des Kampfes warnen, hatten leider nicht viel Aufmerksamkeit für Ihre Themen. Dabei ist jeder Mensch, der erreicht wird vom Wunsch für eine friedliche Welt, ein großer Gewinn.

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Der Friede beginnt in uns selbst, den ersten Frieden mache ich mit mir. Das fällt mir bei einigen Dingen heute noch schwer. Aber einmal mehr merke ich, wo ich dieses schreibe, wie wichtig es mir ist. Der Frieden ist es auch, dem ich mit jedem Schritt näher komme.
Kämpfe gibt es viele in mir seit Monaten. Erwartungen, Zweifel, Wollen, Verletzungen, Ungeduld, oftmals nicht mehr vorhanden geglaubt, sind sie dennoch bereit im Richtigen Moment herauszukommen um mich aus Der Bahn zu schleudern.
Ich hoffe, ich finde eine größere Kraft in mir, als die des kämpfens und gewinnen wollens, die Kraft nämlich diesen Kämpfen zu widerstehen, sie einfach sein zu lassen.
Das scheint so leicht.

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In Bielefeld bin ich von Sarah herzlich aufgenommen worden, nur meine Socken mußten draußen bleiben. Die hatten ein paar Tage kein Wasser gesehen. Jetzt gewöhne ich mir an, sie nach zwei Tagen tragen zu waschen. Ich wasche meine Wäsche meistens beim Duschen einmal aus, und hänge ein, zwei Teile an den Rucksack. Dort trocknet sie ziemlich schnell, wenn es nicht regnet, wie in den letzten Tagen häufiger.
Eine Nacht bei Sarah, und zwei Nächte auf dem offiziellen und wunderbar heimeligen Wagenplatz habe ich in Bielefeld verbracht. Und dann noch einmal zwei Nächte in Sarahs Wohnung, die sie mir in den Tagen ihrer Abwesenheit zur Verfügung gestellt hat.
In den Tagen habe ich ein Gedicht auswendig gelernt und es in der Stadt rezitiert.
Ich habe einige Menschen erreicht, ich merke es an den Blicken, am zuhören, an meiner Intensität, es ist ein miteinander.
Ich habe Gedichte verschenkt, ich bin an einem Tag satt geworden, am nächsten nicht. Ich wurde reich mit Gefühl belohnt, ich wurde zwei mal des Cafe’s verwiesen…..Viele wollten aber gar kein Gedicht hören. Auch das abgewiesen werden lerne ich gerade mit Gleichmut zu nehmen, nicht meine Stärke in der Vergangenheit.

In einem Park traf ich eine Gruppe angehende Wirtschaftspsychologen, ich habe rezitiert und es entspann sich ein schönes kleines Gespräch. Das Interesse an meinem Lauf war groß.

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Als ich für ein Paar las, beide etwas älter als ich, mit dem Fahrrad im Biergarten, wir saßen zusammen am Tisch im Gespräch, hörte ich wie jemand laut überrascht meinen Namen sagte. Sehhesat ( gesprochen: Shesat) den ich in Minden kennengelernt hatte, kam um die Ecke. Wir haben uns beide sehr gefreut, meine Gastgeber am Tisch waren überrascht und tauten sehr auf, ein Kellner kam und wollte mit mir fotografiert werden, mit seinem Handy und schenkte mir Zigaretten.
Ein schöner Moment, ein toller Tag.
Der nächste Tag war eher ernüchternd anders. Keiner wollte Gedichte hören, zweimal hat man mich in Straßencafe’s aufgefordert nicht zu lesen. Ich habe immer gefragt und nur rezitiert, wenn es jemand wirklich hören wollte. Ich hatte nichts zu essen. Aber glücklicherweise hat es mich nicht ansatzweise demotivieren können.
Das ist ein gutes Gefühl.
Sarah, die ich erst in Bielefeld kennenlernte, der Kontakt ist durch Birgit entstanden, überließ mir für zwei Tage ihre Wohnung, da sie einen Kurzurlaub in Frankreich machte.
Danke für das große Vertrauen.
Am 44.Tag, Samstag den 17. Juli, verließ ich Bielefeld Richtung Dortmund und legte einen ordentlichen Wandertag ein. Hinter Isselhorst fand ich ein schönes Plätzchen, an einem Wald, um erstmalig in der freien Natur zu übernachten.

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Gegen sechs würde ich vom Regen überrascht, in dessen Folge mein Schlafsack, meine Isomatte und ich total durchregneten. Einen halben Kilometer weiter gab es einen Bauernhof mit einer offnen, aber überdachten Lagerfläche. Dorthin schleppte ich meine durchgeweichten Sachen, hängte sie au und fragte natürlich, ob das in Ordnung sei.
Ich wurde dort geduldet, und konnte das Wasser in den folgenden Stunden abtropfen lassen.

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Als es dann gegen Mittag aufhörte zu regnen, ging ich weiter bis Rheda- Widennbrück. In einer Sonntags geöffneten Bäckerei fragte ich nach einem Brötchen, und bekam von zwei freundlichen jungen Türkischen Männern gleich zwei Käsebrötchen geschenkt. Völlig spontan. Sie erkundigen sich nach meiner Wanderung und ich gab ihnen meine Antworten. In dieser Zeit haben mir die Verkäuferinnen ein zerbrochenen und nicht mehr verkaufbares Olivenbaguette in einer Tüte geschenkt.
Eine große Freude, ein Fest! Ich hatte seit zwei Tagen nicht viel, habe mich aber gut bewegt. Ein paar körperliche Kilo sind seit meinem Start vor eineinhalb Monaten verflossen.
In Wiedenbrück wurde ich in einer Gaststätte, in der ich nach Wasser für meine Flasche fragte zu einer leckeren Torte und von einem Gast zu einem Bierchen eingeladen. Das tat gut. Für mich war gesorgt…..Und ich sollte auch lesen. Toll. In der Nacht, gut geschlafen auf dem Bundesgartenschaugelände in Wiedenbrück, vielen Dank an die Stadt Wiedenbrück, unter einem Blauregenpavillon.

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Am Montag dann ein langer Lauf, nach Neu Beckum.Ich wußte dort von einer Kommune, die Gemeinsam einen Bioland-Hof betreibt, den Laakenhof…. Ich würde dort einfach mal nach einem Platz für meinen Schlafsack fragen, dachte ich.
Der Weg führte mich kurz nach Wiedenbrück, vorbei am ” Verstärkeramt” Museum und Kunst und Kultur stand auf dem Schild. Dort wollte ich eine kurze Trinkpause einlegen, um mir das mal anzusehen.
“In den 20er Jahren entwickelte sich Wiedenbrück zu einem Fernmelde-Knotenpunkt für das Telefon- und Fernschreibwesen. Im Zuge der Kriegsvorbereitungen begann man 1938 mit dem Bau des neuen Verstärkeramtes.”… Von der Homepage www.cafe-verstärkeramt.de
Auf den Bunker hatte man zur Tarnung ein altes Bauernhaus gestellt.
Heute ist in der unterirdischen Anlage ein Radio- und Rundfunkmuseeum untergebracht und im Haus ein Restauratoionsbetrieb. Dort erfreute man mich mit der allerleckersten StachelbeerTorte. Ein königliches Frühstück!

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Am Abend des 46. Tages meiner Wanderung erreichte ich den Laakenhof, eine Kommune, die Gemeinsam einen Bioland-Hof betreibt: 11 Milchkühe, 200 Hühner, Einige Schweine, Getreide, Gemüse, Obst. In einer Käserei stellen einige der Kommunarden besten Käse her, Hartkäse und Weichkäse. Verkauft werden alle Produkte im eigenen Hofladen und in Gemüsekisten, die einmal wöchentlich ausgeliefert werden.
Eine sehr verbundene Stimmung empfängt mich hier, und ich habe die Möglichkeit im Bauwagen, hinten im Garten, nach schwereren Tagen, zwei Tage zu trocknen, mich zu ordnen und zu sammeln.
Es ist eine schöne entspannte Stimmung, die selbst die vielen Besucher im Moment nicht stören. Jede_r hat hier seine Aufgaben: Milchkühe, Gemüse, Käserei…. Das kochen für alle zu Mittag wird immer reihum erledigt. Alle Einnahmen aus dem Betrieb gehen in eine gemeinsame Kasse, aus der alles finanziert wird. Ein schönes, entspanntes Miteinander.
Heute, am Mittwoch den 21.Juli, werde ich schön verabschiedet, und bekomme als Wegproviant ein großes Stück Bochshornkleekäse, mein Lieblingskäses und ein Stück Weichkäse geschenkt. Vielen Dank von Herzen für das hier sein dürfen.

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Ich habe wieder ein paar Erkenntnisstückchen in Bezug auf Gemeinschaft mitbekommen. Ich werde, wenn es alles etwas sortiert ist sicher davon berichten. Noch ist alles im entstehen.

Und jetzt geht es weiter…….Schritt für Schritt für Schritt……..

Tag 32 bis 38 – Bewegung und Beschenkung

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bis Tag 38 – Stolzenau, Lahde, Petershagen, Minden, Bad Oeynhausen…

Es ist Sonntag, der Nachmittag des 12. Juli….Auf dem Weg nach Bad Oeynhausen. Es regnet sich ein. Ich sitze unter einem Busch, esse die Brötchen, die ich als Proviant von meiner Gastgeberin Ingrid mitbekommen habe. Gerade ist alles so traurig. Regen außen und innen…
Unter diesem Baum werde ich versuchen von den letzten Tagen zu erzählen.
Annelie ist dann also vollgepakt mit meinen aussortieren Survival Artikeln zurück zum Lebensgarten gegangen und ich, begleitet von meinen Filmteam per Automobil in die Welt. Ich habe erzählen müssen, Fragen beantworten, wurde von vorne, hinten, von unten und oben und allen Seiten gefilmt und befragt.
Es war sehr schnell klar, dass ich es an dem Tag nicht weit bringen würde. Ich erinnerte mich einer Adresse, die Annelie mir gab und ging nach Holzhausen zu zwei Lebensgärtnern, die mit ihrem Permakulturellen Garten dort leben. Heidi und Dirk.
Heidi ist als Reit-Therapeutin im Lebensgarten aktiv.
Dirk fertigt in seiner Werkstatt Holzspielzeug für Kinder und Erwachsene mit hohem ökologischen Anspruch. Er ist ausserdem ein großer Baumfreund und weiß, daß die Wälder, insbesondere die Regenwälder der Welt, unsere grüne Lunge,für uns und unsere Kinder unschätzbar lebenswichtig sind.
Große Teile, jährlich eine Fläche in der Größe von Griechenland, fallen der Gier des Menschen zum Opfer.

https://www.abenteuer-regenwald.de/wissen/abholzung

Dirk pflanzt unermüdlich Bäume auf seinem Grundstück und überall, wo es möglich ist. Das zu sehen, hat mich tief berührt.
Ihm und allen Menschen, die sich so einsetzen, haben meinen größten Respekt.
Nachdem sich bei Heidi und Dirk der Erste Schock gelegt hatte, vier Menschen standen plötzlich unerwartet vor ihnen, Axel mit Kamera auf den Schultern, Wolfram mit Puschelmikrophon, eine hübsche Frau und ein komischer Wanderer mit Strohhut – der Erste Schock war wirklich groß – luden sie mich dennoch ein, in ihrer Gartenhütte, bei der Pferdewiese die Nacht zu verbringen.
Nachdem ich die Hütte gefegt hatte, war es ein kuscheliges Plätzchen, offen zur Obstwiese.

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Am nächsten Morgen Abschied. Dirk gab mir noch ein Geduldspuzzle mit auf den Weg, daß ich schnell lösen konnte und gleich in Minden weiter verschenkt habe, an Marlo. (Ich habe ihm und seinen Eltern Martina und Mark vorgelesen, was eine schöne Einladung zum Bierchen mit gutem Gespräch zur Folge hatte. Von Mark habe ich eine Einladung zum Segeln auf dem Steinhuder Meer bekommen. Ich freu mich drauf in einigen Monaten.)

Meine Filmfreunde haben mich dann irgendwann nach vielen Interviewfragen, an Strassenrändern, verlassen, nicht ohne mich zum Abschied zu beschenken, mit Knusperriegeln und Tabak und anderen Schätzen. Ich geniesse alles und fühle Leichtigkeit.

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Ich habe dann am Montag abend bei Anna und Hans geklingelt, Freunde von Dirk, die nicht mit mir gerechnet haben. Die Einladung in ihr Haus war herzlich. Hans ist Glasbläser und lebt von seiner Kunst. Anna kocht und backt den ganzen Tag die schönsten Köstlichkeiten. Beide sind Russlanddeutsche, bekennende Christen und lange Jahre in Deutschland.
Auch hier gab es zum Abschied selbstgebackenes Brot, Russische Kekse und andere Leckereien. Von Herzen Dank.

Über die Weser kam ich nach Petershagen, wo ich Annette und Peter in ihrer Buchhandlung besuchte. Sie sind ebenfalls Mitglieder in der Genossenschaft e-Buch, ein Zusammenschluß ca. 700 individueller Buchhandlungen, die Gemeinsam gegen die Marktmacht der großen Konzerne bestehen. Viele Engagierte Mitglieder und ein starker Vorstand sind unermüdlich tätig und stärken so die kleinsten Buchhandlungen.
Ich habe unsere Informations- und Einkaufsgenossenschaft in der Vergangenheit hoch schätzen gelernt, und manches mal kamen gute Anregungen, Angebote und Unterstützung, die mir immer sehr wichtige Bereicherung war und ohne die es oft sehr schwierig geworden wäre.

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Bei Annette und Peter konnte ich übernachten, und gleich haben Sie mich nach Minden, an Ingrid, eine Freundin von ihnen, weitervermittelt.
Das Gehen wird mir immer leichter und angenehmer.
In Minden würde ich von Ingrid erwartet. Zwei Tage durfte ich dort, in ihrem Haus, im Zentrum der Altstadt verbringen und die Zeit dafür nutzen, in Minden meine ersten Lesungen zu halten.
Sehr schnell merkte ich, daß es unmöglich ist, in der Stadt, im Menschen- und Einkaufsgetümmel eine Leseveranstaltung an die Menschen zu bringen.
Also begann ich auf Menschen zuzugehen und einfach zu lesen.
Die Mindener sind im allgemeinen sehr schwer zugänglich. Da kommt schon der Ostwestfahle durch.
Einige könnte ich erreichen, und die kamen dann auch in den Genuss von Joseph Beuys “Lass Dich fallen…..”. Ein wunderbares Stück Poesie, das jeden an verloren gegangenen erinnert.
Ich bekam für das Lesen dieses wundervollen Gedichtes viele glückliche und nachfühlende Blicke, Eis, Pizza, Kaffee, schönste Gefühle und beste Resonanz. Ich werde überhaupt so unglaublich reich beschenkt, durch wunderschöne, intensive Augenblicke, tiefe Gespräche, schönstes Wohlwollen, liebevollste Aufnahme, größtes Vertrauen, Leckereien und Essen. Alles was ich brauche habe ich. Nichts fehlt.
Und ich treffe wundervolle Menschen.

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Einen kleinen Zwischenfall gab es jedoch auch! Als ich draußen, an einem Straßencafe’ einer Gruppe Menschen vorlas, erregte sich eine Frau am Nebentisch so sehr, laut, unangenehm, und barsch. Sie rief eine Bedienung, um mir das Lesen verbieten zu lassen. Das tat der herbeigerufene junge Mann dann auch. Zwei junge Männer, einige Tische weiter, haben diese Situation beobachtet und luden mich ein, an ihren Tischn zu einem Kaffee. Beide stammen aus Kurdistan. Sehhesat und Kazim.Wir hatten ein gutes Gespräch, und beide versicherten, mich irgendwo unterwegs besuchen zu wollen.
Der Kellner schenkte mir sogar noch einige, in eine Serviette verpackte, leckerste Butterwaffelkeksröllchen, die ich so sehr mochte, und erklärte entschuldigend, daß er so handeln mußte.
Die Frau indessen hat schnell das Cafe’ verlassen, ohne wunderbare Begegnung, ohne Leckere Butterwaffelkeksröllchen. Ohne Geschenk.
Die Arme!

Am Sonntag dann der zweite Abschied von Ingrid, meiner Liebevollen Gastgeberin in Minden.
Ich habe mich hier sehr gut aufgehoben gefühlt. Danke!

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Dann ein schöner Lauf mit vielen Regenfällen, vorbei an der Porta Westfahlica.

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In Bad Oeynhausen bin ich verschwitzt angekommen und von Wolfram und Maike, Bekannte um zwei Ecken von Ingrid, herzlich mit kaltem Bier und einem strammen Max empfangen worden. Das tat gut.
Dann, am nächsten Tag, nach einem schönen Frühstück mit Wolfram, einige Kilometer Wanderung. In mich gehen, heraustreten, Atmen, gehen, viel Regen immer wieder, weitergehen…Schritt für Schritt…..

Tag 28 bis 32 – Fußball und Frieden

Bis Tag 32- Lebensgarten Steyerberg

Am Freitag, dem 28. Tag meines Lebenslaufes begegnete ich, hier im Lebensgarten Steyerberg Annelie Tacke.
Annelie hat sich vor ca. 2 Jahren dem Friedenspilger Thomas Schmöckel angeschlossen und ihn 3 Monate auf seiner Friedenstour durch Rumänien begleitet.
Peace Walker Thomas Schmöckel ist seit April 2012 unterwegs. Er startete in Deutschland und sein Weg führt nach Indien, Tibet, Burma.
Im Moment lebt Annelie mit ihrem kleinen Sohn Lovis hier im Lebensgarten in Steyerberg. In ihrem Buch “In den Fußspuren des Buddha – Auf Pilgerreise für den Frieden” erzählt sie von ihren Erfahrungen, ihren Gedanken, Gefühlen, zitiert Zen Meister Thich Nhat Hanh, und bringt dem Leser die vielen Facetten des Themas “Frieden” nahe.
https://m.facebook.com/profile.php?id=381107495417745

Der Frieden fängt im eigenen Herzen an, bei jedem selber.

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Zum Abschied für meinen weiteren Weg schenkte sie mir ein kleines Büchlein von Peace Pilgrim, einer Friedenspilgerin, die von 1953 bis 1981 durch die Staaten gegangen ist, zu Fuß, ohne Geld.
Ich zitiere einen Satz vom Klappentext: “Ihre Pilgerreise umfaßt das gesamte Friedensspektrum: Frieden zwischen Nationen, Völkern, Individuen und den äußerst wichtigen inneren Frieden – weil da nämlich der Frieden für die Welt beginnt.”

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Dieses kleine Büchlein ist mir schon jetzt ein Schatz, aus dem ich sicherlich viel vorlesen werde. Herzensdank, Annelie.

Samstag, Sonntag und Montag verbrachte ich noch mit vielen wertvollen Begegnungen und Gesprächen im Lebensgarten. Eine wundervolle Zeit mit gutem, ungewöhnlich offenem Austausch in der Obhut meines Gastgebers Peter Walter. Aus dieser Begegnung ist eine besondere und schöne Freundschaft entstanden.

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Sind wir nicht süss?

Mit Annelie besuchte ich am Sonntag noch das vormittägliche Fußballspiel, zu dem sich jeden Sonntagvormittag 20 bis 25 begeisterte Bolzer treffen. Es spielen Kinder mit Alten, Lebensgärtner mit Menschen aus dem Ort, Frauen, Männer, verschiedene Nationalitäten….
Es ist sehr verbindet und ausgelassen. Alle werden befeuert, es gibt spannende Spiele…. Wunderbar.

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Eines der verschiedenen Projekte, die ich mir hier kurz ansehen konnte, ist das Peacelab. Bis zu 10 junge Menschen leben 6 bis 12 Monate zusammen, organisieren sich und können beliebig in den verschiedenen Bereichen im Lebensgarten arbeiten, neue, eigene Projekte entwickeln und auf die Beine stellen, an mehreren Seminaren zu Friedensthemen teilnehmen, friedvollen Umgang im zusammen leben kennenlernen, eigene Orientierung und Frieden im Inneren finden.
Begleitet werden sie von 2-3 Vorjahresteilnehmern, in diesem Jahr Silke und Tina.
Die ganze Lebensgartengemeinschaft trägt dieses Projekt. Auch zwei Häuser werden dafür bereitgestellt.
Es war sehr spürbar für mich, daß diese jungen erwachsenen Menschen hier wertvolle Erfahrungen und Erkenntnisse vermittelt bekommen. Auf einer Wert schätzenden und bejahenden Ebene.
www.peacelab.de

Mit Annelie Tacke folgten viele Gespräche über das Pilgern, über Frieden, über innere Erfahrungen.
Am Dienstag verließ ich, unendlich schön beschenkt, gemeinsam mit Annelie gegen Mittag den Lebensgarten.
Sie begleitete mich aus Steyerberg hinaus, wo wir auf meine Begleiter, Tanja, Axel und Wolfram trafen, mein liebstes Filmteam.

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Als erstes habe ich mit Annelie gemeinsam den Rucksack und dessen Inhalt auseinandergenommen. Aus 20 Kilo sind 15 Kilo geworden. Tarp und Hängematte, sowie Kochgeschirr und Sandalen sind rausgeflogen…. Mit etwas gemischten Gefühlen. Aber jetzt fühle ich mich wieder etwas mehr leicht. Ich bin sicher, daß ich in nächster Zeit auf 12 Kilo kommen werde. Ich achte schon jetzt darauf, was ich wirklich brauche, oder was nur dem irrationalen Gefühl von Sicherheit geschuldet ist.
Letztendlich wird wahrscheinlich dabei herauskommen, daß einzig und alleine der Moment zählt, der Augenblick, der alles bereithält, was es braucht.
Ich ahne es.

Diese eineinhalb Wochen in Steyerberg waren wunderbar und sehr wertvoll für mich. Ich danke Allen dort für diese Zeit, diesen Raum.

Tag 21 bis 27 – Zen und Sonnenschein

Tag 21 bis 27

Ich sitze nun im Garten von Regine und Peter-Walter, meinen Gastgebern, in einer lauen, leicht sommerwindigen Nacht, am frühen Morgen des 28. Tages meines Laufes. Ich habe heute geschrieben, gesungen, gefilmt, gefotot, gefühlt und gespült. Ich bin herumspaziert, habe Blumen gegossen, Beeren gegessen und vermisst…..
Hier hat alles seinen Raum.
Ich war hier schon 1986 einmal, bin aber heute erstaunt darüber, wie sich hier alles verändert hat.

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Der Lebensgarten in Steyerberg entstand vor 30 Jahren auf dem Gelände einer Wohnsiedlung für Arbeiter einer Pulverfrabrik. Die Fabrik befand sich in einem riesigen angrenzenden und abgegrenzten Waldstück und war schon in der zweiten Hälfte der Dreißiger Jahre für einen Eroberungskrieg ausgelegt. Nach damals modernsten Maßstäben gebaut, lagen Grosse Teile der Anlage unterirdisch. So hatte diese Fabrik zum Beispiel, Technisch ausgeklügelt, einfahrbare Schornsteine….
Für Kriegszeiten konzipiert ist die angrenzende Siedlung eher zum Gegenteil dessen geworden, wofür sie einst gedient hat; ein Ort des Friedens. Die Intention der Gründer, eine Transformation des Ortes herbeizuwirken, ist in den Jahren hier lebendig und kreativ umgesetzt worden.

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Es liegt nicht sehr weit entfernt vom kleinen Paradies.
Über 100 Menschen leben hier zusammen auf einem Traumhaften Flecken in waldreicher Natur.
Im Laufe der Jahre ist aus dem Projekt eine Gemeinschaft gewachsen, mit ökologischer und spiritueller Ausrichtung.
Ich möchte hier gerade garnicht weg.
Peter-Walter war der Erste, dem ich bei meiner Ankunft begegnet bin.
Nach einem kurzen Ankunfts-verweilen luden mich er und seine Frau Regine in ihr Haus ein. Dieses große Vertrauen genieße ich sehr bewußt
und nicht selbstverständlich. Überhaupt finde ich hier tiefes Vertrauen und eine Wohltuende Ruhe.
Als ich ankam spielte jemand sehr schön Gitarre auf dem Dorfplatz in der Mitte des Lebensgartens, mitten im Herzen der Siedlung, einige sangen und ein junger Mann jonglierte mit 7 oder sogar 9 Bällen, seine kleinen Kinder spielten mit anderen ihre Spiele, einer übte in Windeln gerade den aufrechten Gang.

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Vom ersten Moment hier war ich ziemlich berührt.
Hier gibt es einiges für mich zu sehen und zu lernen.
Ein sehr vielschichtiges Projekt.

Pals Acker ist ein schätzungsweise 3 ha Grosser Permakultureller Garten in dem einige Menschen arbeiten. Mehrere Kleine Hütten und größere Schuppen, ein überdachter Platz Gewächshäuser, Jurte und Tipi wurden aufgebaut. Im Tipi finden Veranstaltungen im Kräutergarten statt. Annette gibt hier ihre profunde Kenntnisse an Interessierte weiter. In diesem Garten wächst Friede aus jeder Rabatte.
… Permakultur! Wunderbar!

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Ernährung ist ein tragendes Thema bei den Lebensgärtnern. Nicht nur die Qualität und Reinheit, auch die Bereitstellung. So wird von Allen gemeinsam der kleine Laden geführt, der nicht gewinnorientiert funktioniert, sondern auf FoodCoop-Basis genutzt wird.
Ebenso das kleine Kneipen-Cafe’, das Ehrenamtlich am Mittwoch Abend, nach der Vollversammlung und am Wochenende geöffnet hat.
Auf der Rückseite des grossen Dorfhauses, befinden sich das Heilhaus, in dem verschiedene Möglichkeiten der Heilung zu finden sind und die Carsharing-Station und die erste Niedersächsische Elektromobil-Tankstelle.
Die Atmosphäre ist bejahend Zukunftsorientiert und sehr offen.

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Pals Acker und die Siedlung sind auf ganzer Länge verbunden durch eine Strasse, die laut eines Geomanten in südlicher Richtung absolut genau auf die Externsteine zeigt und in Nördlicher Richtung zu einem, einige Kilometer entfernten Friedhof führt. Dort sind ehemalige Bewohner aus eben jener Zeit bestattet. Diese Strasse liegt genau auf einer Kraftlinie, wie sie über die ganze Welt verteilt sind. Geomanten können viel darüber berichten! Gerade Die Nazis waren sehr darauf bedacht, ihre wichtigen Schaltstellen, ihre Gebäude und Vernichtungslager auf solchen Kraftpunkten zu errichten, um so die dort herrschende (In diesem Fall….Drachenenergie) für Ihre Zwecke zu nutzen.

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In Nördlicher Richtung am Rande des Dorfes, wird diese Strasse zum Feldweg, auf dem man an einem kleinen Wäldchen an die Pferdewiesen kommt, wo zur Zeit vier Pferde zu Hause sind. Neben einigen Katzen und wenigen Hunden, sind diese Pferde wohl die einzigen Vierbeiner hier im Dorf.

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Am Tag meines Ankommens im Lebensgarten, folgte ich dem Weg weiter in den Wald hinein und stand irgendwann vor einer Holzpforte inmitten der Forst.

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Dahinter zeigte sich ein schöner Permakultureller Zen Garten, in dem gerade ein Zen Kloster entsteht. Eine junge Frau, die ich dort traf und deren Namen ich nicht weiß, führte mich ein wenig herum und zeigte mir einiges. Das Kloster ist ein großer Holzbau und sehr schön innen.

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Auf einem WandelGang, der um und durch das Kloster läuft, bekam ich eine kleine Einführung in das langsame Gehen und Atmen in den Bauch, das ich seither versuche. Und es gelingt schon besser und tut mir gut.
Ich danke Dir und habe, wie Du gesagt hast, schon jetzt das Gefühl, daß es mir unterwegs gut nutzen wird.

So, ihr Lieben, ich bemühe mich in nächster Zeit in kürzeren Abständen zu berichten. Sollte ich noch ein oder zwei Tage bleiben, was sich in der Hitze der nächsten Tage durchaus anbietet, gibt es noch mehr zu berichten, aus dem Lebensgarten. Zum Beispiel vom Peace-lab. Aber das morgen……
Ich wünsche Euch nicht zu heiße Nächte.
Trinkt viel!
Euer Jens,
Lebensläufer im Lebensgarten

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LINKS wird es in den nächsten Tagen auch zu allen Themen geben…..
Ich nehme noch Anlauf. Dinge entwickeln sich in ihrer jeweiligen eigenen Geschwindigkeit.
Danke

Bis Tag 20 – Brücken und Bierbank

Bis Tag 20 –
Am Freitag ging es nach Stedorf. Es gibt dort eine WG, eher eine Gemeinschaft, getragen auf einer politisch-aktiven Ebene. Menschen, die sich wirklich noch um die Grundrechte Gedanken machen und darauf wirken, dass sie möglichst umgesetzt werden. Engagierte Menschen bei Atac, Campact und in anderen Zusammenhängen. Die Meisten waren leider gerade in Berlin, zum Marsch der Entschlossenen.
Ich bin dort einfach am Freitag Abend aufgekreuzt, niemand hat mit mir gerechnet, und bin wunderschön empfangen worden von Karin, Katharina und Andreas. Der Abend mit Lesen und Gesang, lecker Essen und Gesprächen war schön und sehr inspirierend. Bis Sonntag dürfte ich in dem schönen Wagen von Jutta verbringen. Dank von Herzen.
Ca. 20 Menschen leben hier auf einem grossen, wunderbaren Grundstück, leben, arbeiten und gestalten zusammen. Mehr Wohnraum soll geschaffen werden. Getragen wird das Objekt von der Genossenschaft “Aller Leben”.
Die Bewohner sind allesamt Mieter. Eine gute Idee. LINKS werden folgen.

Unter dem Eichenbusch mit Hut.
Unter dem Eichenbusch mit Hut.

Am Sonntag weiter nach Rethem, über Hülsen, mit Regenguss und Verlaufen. Eine Einladung zum Kaffee bei Gina und Christian wurde zu einer Übernachtung. Vielen Dank fürs leckere Essen und Bierchen. Danke auch für die Blumen und das Gespräch, das mich lange noch beschäftigt hat.
In Rethem waren es Herzensmenschen, die mich aufgenommen und verwöhnt haben. Das bleibt mir in allerschönsten Erinnerung. Dank für den Tabak, Jens. So konnte ich wieder meine Rauchgebete in die Welt senden…Rauchzeichen! Charis und Alexandra, ich habe mich sehr wohl bei Euch gefühlt, und das Nachtlager, auf dem höchsten Punkt der Geborgenheit… :-).
Das Abschied nehmen mußten wir gleich zweimal üben, weils so schön war. Ich kam nach ca. 300 Metern in einen Wolkenbruch, so dass ich von Jonas gerettet werden musste. Mein Retter!
Von Rethem aus führte der Weg Richtung Steyerberg. Den Lebensgarten wollte ich mir ansehen.
Mein Tagesziel sollte Nienburg sein. Immerhin 25 Kilometer bis dort ( es waren dann eher noch ein paar Kilometer mehr, weil ich mich mal wieder verlaufen mußte). Ich hatte dort keine Einladung, keine Übernachtungsidee. Ich war aber sicher, daß alles schon irgendwie sein wird. Ein schöner Wandertag, der wegen des wechselhaften und eher nassen Wetters wenige Begegnungen brachte. Alle Menschen hatten sich scheinbar zurückgezogen. Einen heftigen Regenschauer auf offenem Feld habe ich trocken überstehen können, mit Hilfe eines Hurricane-Festival-Regencapes, das mir Charis und Jonas beim Abschied geschenkt haben. Das kam gerade richtig!

Gegen Abend kam ich in einem, gefühlt…Menschenleeren Nienburg an. Überdachte Schlafmöglichkeiten habe ich aus den Augenwinkeln begutachtet, Regenwolken waren bereit zum absegnen. Die erste Brücke über die Weser, über die ich Lemke auf kurzem Weg erreicht hätte, hatte ich verpasst, die zweite war unpassierbar, die dritte, die ich nahm, hat den Weg nach Steyerberg um einige Kilometer verlängert. So erreichte ich Lemke bei Dunkelheit. Ich hatte mich inzwischen entschlossen, in Ermangelung einer überdachten Schlafmöglichkeit, bis Steyerberg zu Wandern. Und Mit vielen Pausen, dort am Morgen anzukommen. Ich konnte das mit einem guten Gefühl und auch Freude an der Unausweichlichkeit, ganz wunderbar annehmen. Mein Grundgefühl ist jetzt eher: Ich bin so gespannt, was als nächstes kommt.
Im Lemke kam es dann auch…..Meine Schlafstätte.

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An einer Tankstelle, überdacht mit Bierbank. Ein Geschenk, das ich dankbar annehmen konnte. Meinen Rucksack habe ich an die Bank gestellt, er diente als Kopfkissen. In meinen Schlafsack eingekuschelt habe ich einige gute Stunden schlafen können. Auf der Bierbank!
Noch vor zwei Jahren wäre spätestens an dieser Stelle ein Besuch in der Nachtambulanz angesagt gewesen, ich hatte über viele Jahre schlimmste Rückenprobleme, die nun alle komplett verschwunden sind.
Noch ein Zeichen dafür, daß ich auf dem richtigen Weg bin.
So konnte ich nach dieser Nacht die letzten 18 Kilometer bis zum Lebensgarten frisch und frei angehen. Am Mittwoch, den 24. Juni kam ich dort an. Am 20. Tag meines Laufs. Am frühen Nachmittag.

Tag 13/14 – Heidelbeeren und Gesellschaftsspiele

Am Mittwoch Morgen bekam ich überraschend Besuch von einem Freund aus Wildeshauser, der mit Zug und Fahrrad einen Ausflug unternahm, der ihn, zu meiner Freude, nach Westen führte. Wir haben zwei Stündchen die Füße in die Aller gehalten, schöne Gespräche gehabt, und Zigaretten gequalmt.

Hier bei Thomas und Anne, die in einer Gemeinschaft mit ihren Kindern und einigen anderen Menschen leben, finde ich ein schönes Beispiel für gemeinschaftlich organisiertes Alltagsleben und gegenseitige Unterstützung im Dorf und darüber hinaus.

Im Garten bei Thomas und Anne
Im Garten bei Thomas und Anne

Hier begegnet mir viel uneigennützige Aktivität. Füreinander sorgen und in gewisser Weise verwöhnen.
Thomas kümmert sich um ein Heidelbeerfeld mit ca. 80 größeren Büschen.
Der Besitzer hat es ihm dafür überlassen.
Für ihn ist es selbstverständlich sie zu pflegen und zu hegen, so daß im Sommer hauptsächlich Spaziergänger und Fahrradtouristen die leckeren Beeren pflücken und geniessen können. Auch eine Obstallee mit vielen alten Obstsorten bewahren und pflegen einige Westener gemeinsam.

Anne und Ihr Sohn Jari waren heute Nachmittag zum “Cafe’ der Kulturen im Amtshaus Westen. Dort treffen sich seit Anfang des Jahres Westener Bürger und Flüchtlinge, zumeist junge Männer aus Eritrea und Somalia.
Eine verbindende, Freundschaftliche Atmosphäre bei Kaffee und Gesellschaftsspielen.

Hier, im "Cafe' der Kulturen", nähern sich auch alle sprachlich an, ganz nebenbei, spielend.
Hier, im “Cafe’ der Kulturen”, nähern sich auch alle sprachlich an, ganz nebenbei, spielend.

Das Cafe’ wird im Amtshaus von einigen Bürgerinnen und Bürgern selbst organisiert, genauso wie die Volksküche, in gleicher Räumlichkeit, einmal die Woche geöffnet ist. 2 – 3 Bürger_innen bekochen abwechselnd jede Woche 30-40 Menschen. Gekocht wird leckerste vegetarische Landkost. Für viele ein wichtiger Treffpunkt und eine gute vernetzende und verbindende Veranstaltung.

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Sowieso ist in der Verdener, Dörverden Gegend in Sachen Vernetzung und Bürgergemeinschaft einiges im Gang. Die “Kneipe Westen wurde von einer Gruppe Westener gepachtet und ist jetzt wieder an einem Tag in der Woche belebt. Ein Dorfladen der nicht mehr rentabel war, ebenso. Biohöfe, das Ökozentrum Verden, überall gibt es hier und entstehen Netzwerke und lebenswerte, solidarische Systeme.

Für Mittwoch Abend hatte Anne spontan meine erste Lesung organisiert.
Am Tag vorher hat sie Plakate geklebt und über verschiedene email-verteiler informiert. Beeindruckend toll!
Den ganzen Tag habe ich versucht auf meinem Tablet an verschieben Speicherorten Texte wieder zu finden, zu sichten, zu ordnen (einige sind bis heute irgendwo in den Tiefen des Gerätes verschollen).
Thomas konnte mir mit etwas Geduld weiterhelfen, so daß ich nun in der Lage bin, die Texte auf meine SD-Karte zu kopieren. Endlich Übersicht!

"Kneipe Westen" in Bürgerhaus.
“Kneipe Westen” in Bürgerhand.

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Ein paar Texte habe ich dann an den knapp zehn, spontan erschienenen Zuhörern vorlesen können. Es gab viele Fragen, die ich versucht habe befriedigend zu beantworten. Diskussionen schlossen sich an, mit einigen kleinen Erkenntnissen für mich.
Wie schön und leicht ist es, sich der gewohnten Angewohnheit hinzugeben, der Gemütlichkeit. Innerhalb des Systems ist schwer Friede zu finden, gibt es doch auf allen Ebene Kämpfe um Grenzbefestigungen, um zu sichern. Feste Glaubenssätze ebenso wie Besitz.
Hier begegnet mir etwas anderes….Eher das auflösen behindernder Grenzen.

Jetzt werde ich wohl gleich Westen verlassen und gehen. Ich habe noch keine wirkliche Idee wohin. Einige Einladungen gibt es hier in der Gegend, die fast alle von hier aus in zwei, drei Stunden erreichbar sind. Ich bin gespannt.

Ich wünsche Euch allen einen schönen Wochenendanfang.
Euer Jens Fröhlke,
Lebensläufer

Tag 11/12 – Picknick und Bohnensuppe

Tag 11/12 – Verden an der Aller

Erst einmal ein warmer Abschied vom Paradies, von Freunden…..

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Dann weiter Richtung Verden. Langsam finde ich im Gehen meinen Rhythmus und merke, was und wieviel ich mir zutrauen kann. Es tut gut einfach einen Fuß vor den anderen zu setzen, in diesen Takt zu kommen. Ich kann jetzt meine Schuhe so schnüren wie es angenehm ist, ich spüre wie sie sitzen müssen. Ich lerne meinen Körper kennen, meinen Rucksack. Ich schaffe eine Ordnung in meinen paar Dingen, die ich auf dem Rücken trage. Ich weiss wo meine Brille sein muss, mein Taschenmesser…. Beginne mich bewusster zu organisieren.

Dann vor Verden, an der Aller gab es ein Familienpicknick. Das hat mich sehr gefreut und es war schön! Ein bisschen Kuchen und Kaffee, Geburtstagsgirlande (Nicht mein Geburtstag), viel Spaß, ein wenig Tabak, gutes Gefühl…..Noch bin ich ja in der Nähe!

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Im Ökozentrum Verden wurde ich wundervoll aufgenommen von Sissi. Die Bohnensuppe von Ulli, ihrem Lebenspartner, war ein Genuss. Vielen Dank.
Über unser Gespräch habe ich lange noch nachdenken müssen.
Da kommt dann auch mal wieder die Frage hoch, danach, was ich hier eigentlich tue. Ohne Zweifel, sondern ganz sachlich stelle ich mir diese Frage….. Was hast Du eigentlich vor?
Es gibt so viele schöne Gründe für Gemütlichkeit. Dafür, nicht aufstehen zu müssen, sehr fundiert auch, und absolut verständlich auch. Und Wahr. JaJa

Im Ökozentrum sind verschiedene Firmen und Organisationen untergebracht, ein ökologischer Baustoffhandel, das Campact-Büro, ein Bio-Restaurant……. Und es gibt eine Ökosiedlung dort.
Bei Campact würde ich von Anne empfangen mit einem leckeren Kaffee am Morgen. Die Kaffeemaschine ist wohl wie in vielen Büros das Herzstück und beliebtester Treffpunkt, an dem es manchmal zu Staubildung kommt. Ist aber auch richtig gut, der Kaffee.

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Auch die Requisite ist sehr ansehnlich und wartet auf neue Einsätze, die, den politischen Entwicklungen entsprechend, sehr spontan umgesetzt werden. Und bei allem, was an politischem Unfug getrieben wird, ist es gut, die politischen Entscheidungsträger schnell griffbereit zu haben….

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Interessant war für mich das 5-stöckige Strohballenhaus. In einer Halle wurden die Elemente zusammen gebaut, vorverputzt und dann, vor Feuchtigkeit geschützt, am zukünftigen Standort zusammengesetzt.
Während die Heizkosten für einen Altbau bei 15-20 € pro qm/Jahr liegen, braucht das Strohballenhaus 50 Cent pro qm/lm Jahr!!!
Das ist ein Unterschied!

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So, an dieser Stelle höre ich jetzt auf, ich bin Müde.
Ich wünsche Euch eine gute Nacht.
Euer Jens,
Lebensläufer

Tag 9/10 – Schießerei und BioDanza

Tag 9/10 – Martfeld
Am Samstag dann, auf nach Martfeld. Die ca. 7 Kilometer lange Forststraße von Beppen nach Martfeld, führt durch ein langes Waldstück, das ich durchqueren mußte. Von weitem hörte ich viele und laute Schüsse. Da war der besondere Moment. Keine Angst, aber der Gedanke “Was mache ich jetzt?”.
Ich bin weiter gegangen….Und kam, in der Mitte des Waldes, auf eine kleine Gaststätte. Einen Bretterzaun pirschte ich entlang, wenn das Gehen mit 20 Kilo Gepäck so genannt werden kann, und tat mutig einen Blick hinter den Zaun, wo mehrere Männer ihre Feuerwaffen abfeuerten.
Die Kneipe, so erfuhr ich später, heisst “Jerusalem”, und bietet hinter dem Haus einen Tontauben-Schießplatz.
Nachdem man mich, trotz auffälligem Kopfnicken und freundlichem Lächeln meinerseits ausgiebig ignoriert hatte, konnte ich doch über mein Schild ihre Aufmerksamkeit auf mich und meinen Lauf lenken. Ein kurzes freundliches und interessiertes Gespräch über meine Friedenswerbeaktion begann und endete abrupt mit der Aufnahmewilligkeit der Schützen nach 3 Minuten.
In Martfeld beschloss ich, zum Zwecke weiterer Überlegungen wie ich mit der Frage des Nachtquartiers umgehen sollte, erst einmal unter einem Baum zu rasten und das Vesperpaket von Tina zu geniessen.
Ich saß nur kurz, als sich Traute mit ihrer Hundedame Lotte zu mir gesellte. Traute war sich sicher, ich müsste Bettina, ihre Freundin kennen lernen und stellte mich dort vor. Es wurden schnell alle Pläne für den Abend umgeworfen und wir kochten,aßen, spielten Doppelkopf und tanzten in der Küche. Ein wunderschöner lustiger Abend an den sich ein zweiter Tag anschloss, in diesem kleinen Paradies mit wunderbaren Menschen, die mich vom ersten Moment an integriert hatten.

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Bettinas Garten ist ein wundervoller Ort des Lebens und des Friedens.
Wir haben jongliert, Neomi wunderbar mit Keulen, mir haben die Keulen zweimal empfindlich auf die Nase gegeben. Camillo balanciert fast alles auf der Nase.
Ich durfte einige neue Erfahrungen machen….BioDanza. Bis dahin hatte ich wie viele andere, auch meine feste Meinung dazu: so etwas mache ich nicht, das ist nichts für mich, bisschen albern, etwas für Weichkekse…..etc, was man so für Gründe findet, wenn man eigentlich nur Schiss davor hat. Heute bin ich froh Biogedanzt zu haben. Das war eine großartige und neue Erfahrung mit tollen Menschen.
Auch für einen Cowboy wie mich!

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Das waren wundervolle zwei Tage, voller Vertrauen, Spaß, guter Gespräche, Inspiration, Leckerschmeckerkaffeemaschine Kaffee (Tzänks Fillippo) Vielen Dank Traute, Bettina, Fillippo, Camillo, Josh, Brigitte und allen Danzern.

Tag 8 – Kraft und Thunfisch

Tag 8 – Holunderhof in Morsum

Gestern – Abschied von alten Freunden aus Jugendzeiten. Aus den Tagen, als wir auf der Sitzbank unserer 50 ccm Kreidler im Zweitakt die Welt erobern wollten. Reinhard und Gudrun, schön war’s. Zu dritt haben wir auf fünf Zappa-Konzerten gerockt. Damals!
Gestern haben wir die Dachziegel wieder artig in die Reihe gekümmert. Eine lag ziemlich kritisch auf Kante. Als ich so richtig warm gearbeitet war, wollte ich eigentlich noch zwei Zwanzig Meter hohe Birken umlegen, die sich vor unsere Feierabendsonne gestellt hatten…..Lieber Scholle….. Ich habe es dann aber doch nicht gemacht.

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Zum Abschied Umarmungen und ein Fläschchen Bier.
Und dann habe ich unerfahren und unerschrocken den Weg Richtung Thedinghausen/Morsum genommen. Dann nach wenigen Kilometern eine ungeplante Pause am Wegesrand. Freund Käse ist Follower der Lebenslaufseite und hat das Wort “Follower” wohl etwas wörtlich genommen. Aber schön war’s…..

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Und dann bin ich ungefähr 20 Kilometer gewandert, einfach einen Fuß vor den anderen, beinahe Schmerzfrei. Wenn ich bedenke, dass ich bis vor einer Woche nicht einmal mit Rucksack gewandert bin……Ich bin ganz erstaunt, zu was ich fähig bin. Noch vor zwei Jahren hätte ich jeden Menschen Spinner genannt, der behauptet hätte ich würde Wandern….Ohne Geld….Ohne Zelt…. Ohne Ziel.
Der Rücken fühlt sich gut entspannt an. Dort wo die Schultergurte aufliegen, auf dem Delta, da tut es Abends schon ziemlich weh. Und die Hüften haben einen Riesen Muskelkater.
Inzwischenbgehtves alles besser.
Viele Kilometer an der Eiter, bei strahlender Sonne, wunderschön. Ich wusste garnicht, wie viele verschiedene Sorten Enten es gibt. Pekingente kennt ja jeder….
Meine Vesper am Fluss, am Nachmittag habe ich genossen.
Und am Abend bin ich dann angekommen am Holunderhof, und wurde dort sehr freundlich aufgenommen.
Tina und Birthe waren sehr herzlich und sorgsam. Grosser Dank an Euch und auch annNejan und Martin, und alle anderen. Ich konnte mich sehr frei bewegen. Das war ein gutes Gefühl. Ich habe es genossen, genauso wie den, von Birthe angelegten Fünf- Elemente-Garten. Die Pflanzen, die dort wachsen, sind einem von fünf Elementen zugeordnet. Birthe hält Vorträge und erklärt ihren Garten.

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Ja, und nach einem schönen Feuer mit den Holunderhofjungens fallen mir nun langsam, nach einem erfüllten Tag die Augen zu.
Morgen geht es weiter Richtung Martfeld.
Ich bin gespannt, was mich da erwartet.

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Ach ja, zum Abendessen gab’s etwas vom Groß Hennstedter Knäckebrot und eine Dose Tunfisch, Krafttee von Alke, Bierchen aus Schnepke. Und zum krönenden Finale ein Baci von Danni und Marcello, das ist eine italienische Praline mit kleinem Zettel, auf dem ein Zitat steht. Der vorletzte Baci war’s leider.
“” To me, I shall always be a boy, and you a girl. “”
Häh???
Gute Nacht
Euer Jens
Lebensläufer mit zwei Blasen am Fuß.
( Nicht schlimm)