Bis Tag 20 – Brücken und Bierbank

Bis Tag 20 –
Am Freitag ging es nach Stedorf. Es gibt dort eine WG, eher eine Gemeinschaft, getragen auf einer politisch-aktiven Ebene. Menschen, die sich wirklich noch um die Grundrechte Gedanken machen und darauf wirken, dass sie möglichst umgesetzt werden. Engagierte Menschen bei Atac, Campact und in anderen Zusammenhängen. Die Meisten waren leider gerade in Berlin, zum Marsch der Entschlossenen.
Ich bin dort einfach am Freitag Abend aufgekreuzt, niemand hat mit mir gerechnet, und bin wunderschön empfangen worden von Karin, Katharina und Andreas. Der Abend mit Lesen und Gesang, lecker Essen und Gesprächen war schön und sehr inspirierend. Bis Sonntag dürfte ich in dem schönen Wagen von Jutta verbringen. Dank von Herzen.
Ca. 20 Menschen leben hier auf einem grossen, wunderbaren Grundstück, leben, arbeiten und gestalten zusammen. Mehr Wohnraum soll geschaffen werden. Getragen wird das Objekt von der Genossenschaft “Aller Leben”.
Die Bewohner sind allesamt Mieter. Eine gute Idee. LINKS werden folgen.

Unter dem Eichenbusch mit Hut.
Unter dem Eichenbusch mit Hut.

Am Sonntag weiter nach Rethem, über Hülsen, mit Regenguss und Verlaufen. Eine Einladung zum Kaffee bei Gina und Christian wurde zu einer Übernachtung. Vielen Dank fürs leckere Essen und Bierchen. Danke auch für die Blumen und das Gespräch, das mich lange noch beschäftigt hat.
In Rethem waren es Herzensmenschen, die mich aufgenommen und verwöhnt haben. Das bleibt mir in allerschönsten Erinnerung. Dank für den Tabak, Jens. So konnte ich wieder meine Rauchgebete in die Welt senden…Rauchzeichen! Charis und Alexandra, ich habe mich sehr wohl bei Euch gefühlt, und das Nachtlager, auf dem höchsten Punkt der Geborgenheit… :-).
Das Abschied nehmen mußten wir gleich zweimal üben, weils so schön war. Ich kam nach ca. 300 Metern in einen Wolkenbruch, so dass ich von Jonas gerettet werden musste. Mein Retter!
Von Rethem aus führte der Weg Richtung Steyerberg. Den Lebensgarten wollte ich mir ansehen.
Mein Tagesziel sollte Nienburg sein. Immerhin 25 Kilometer bis dort ( es waren dann eher noch ein paar Kilometer mehr, weil ich mich mal wieder verlaufen mußte). Ich hatte dort keine Einladung, keine Übernachtungsidee. Ich war aber sicher, daß alles schon irgendwie sein wird. Ein schöner Wandertag, der wegen des wechselhaften und eher nassen Wetters wenige Begegnungen brachte. Alle Menschen hatten sich scheinbar zurückgezogen. Einen heftigen Regenschauer auf offenem Feld habe ich trocken überstehen können, mit Hilfe eines Hurricane-Festival-Regencapes, das mir Charis und Jonas beim Abschied geschenkt haben. Das kam gerade richtig!

Gegen Abend kam ich in einem, gefühlt…Menschenleeren Nienburg an. Überdachte Schlafmöglichkeiten habe ich aus den Augenwinkeln begutachtet, Regenwolken waren bereit zum absegnen. Die erste Brücke über die Weser, über die ich Lemke auf kurzem Weg erreicht hätte, hatte ich verpasst, die zweite war unpassierbar, die dritte, die ich nahm, hat den Weg nach Steyerberg um einige Kilometer verlängert. So erreichte ich Lemke bei Dunkelheit. Ich hatte mich inzwischen entschlossen, in Ermangelung einer überdachten Schlafmöglichkeit, bis Steyerberg zu Wandern. Und Mit vielen Pausen, dort am Morgen anzukommen. Ich konnte das mit einem guten Gefühl und auch Freude an der Unausweichlichkeit, ganz wunderbar annehmen. Mein Grundgefühl ist jetzt eher: Ich bin so gespannt, was als nächstes kommt.
Im Lemke kam es dann auch…..Meine Schlafstätte.

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An einer Tankstelle, überdacht mit Bierbank. Ein Geschenk, das ich dankbar annehmen konnte. Meinen Rucksack habe ich an die Bank gestellt, er diente als Kopfkissen. In meinen Schlafsack eingekuschelt habe ich einige gute Stunden schlafen können. Auf der Bierbank!
Noch vor zwei Jahren wäre spätestens an dieser Stelle ein Besuch in der Nachtambulanz angesagt gewesen, ich hatte über viele Jahre schlimmste Rückenprobleme, die nun alle komplett verschwunden sind.
Noch ein Zeichen dafür, daß ich auf dem richtigen Weg bin.
So konnte ich nach dieser Nacht die letzten 18 Kilometer bis zum Lebensgarten frisch und frei angehen. Am Mittwoch, den 24. Juni kam ich dort an. Am 20. Tag meines Laufs. Am frühen Nachmittag.