Tag 39 bis 48 – Friedensdemo und Feldarbeit

Tag 39 bis 48. Bielefeld….Beckum
13 – 21. Juli 2015

Von Bad Oeynhausen nach Bielefeld, mit kurzer Station in Herford, wo ich in eine Montagsdemo, in eine Mahnwache für den Frieden gestolpert bin. Die Anwesenden, Erinnerer an eine Friedliche Welt, die Mahner, die vor einem Weitergehen auf dem Weg des Kampfes warnen, hatten leider nicht viel Aufmerksamkeit für Ihre Themen. Dabei ist jeder Mensch, der erreicht wird vom Wunsch für eine friedliche Welt, ein großer Gewinn.

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Der Friede beginnt in uns selbst, den ersten Frieden mache ich mit mir. Das fällt mir bei einigen Dingen heute noch schwer. Aber einmal mehr merke ich, wo ich dieses schreibe, wie wichtig es mir ist. Der Frieden ist es auch, dem ich mit jedem Schritt näher komme.
Kämpfe gibt es viele in mir seit Monaten. Erwartungen, Zweifel, Wollen, Verletzungen, Ungeduld, oftmals nicht mehr vorhanden geglaubt, sind sie dennoch bereit im Richtigen Moment herauszukommen um mich aus Der Bahn zu schleudern.
Ich hoffe, ich finde eine größere Kraft in mir, als die des kämpfens und gewinnen wollens, die Kraft nämlich diesen Kämpfen zu widerstehen, sie einfach sein zu lassen.
Das scheint so leicht.

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In Bielefeld bin ich von Sarah herzlich aufgenommen worden, nur meine Socken mußten draußen bleiben. Die hatten ein paar Tage kein Wasser gesehen. Jetzt gewöhne ich mir an, sie nach zwei Tagen tragen zu waschen. Ich wasche meine Wäsche meistens beim Duschen einmal aus, und hänge ein, zwei Teile an den Rucksack. Dort trocknet sie ziemlich schnell, wenn es nicht regnet, wie in den letzten Tagen häufiger.
Eine Nacht bei Sarah, und zwei Nächte auf dem offiziellen und wunderbar heimeligen Wagenplatz habe ich in Bielefeld verbracht. Und dann noch einmal zwei Nächte in Sarahs Wohnung, die sie mir in den Tagen ihrer Abwesenheit zur Verfügung gestellt hat.
In den Tagen habe ich ein Gedicht auswendig gelernt und es in der Stadt rezitiert.
Ich habe einige Menschen erreicht, ich merke es an den Blicken, am zuhören, an meiner Intensität, es ist ein miteinander.
Ich habe Gedichte verschenkt, ich bin an einem Tag satt geworden, am nächsten nicht. Ich wurde reich mit Gefühl belohnt, ich wurde zwei mal des Cafe’s verwiesen…..Viele wollten aber gar kein Gedicht hören. Auch das abgewiesen werden lerne ich gerade mit Gleichmut zu nehmen, nicht meine Stärke in der Vergangenheit.

In einem Park traf ich eine Gruppe angehende Wirtschaftspsychologen, ich habe rezitiert und es entspann sich ein schönes kleines Gespräch. Das Interesse an meinem Lauf war groß.

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Als ich für ein Paar las, beide etwas älter als ich, mit dem Fahrrad im Biergarten, wir saßen zusammen am Tisch im Gespräch, hörte ich wie jemand laut überrascht meinen Namen sagte. Sehhesat ( gesprochen: Shesat) den ich in Minden kennengelernt hatte, kam um die Ecke. Wir haben uns beide sehr gefreut, meine Gastgeber am Tisch waren überrascht und tauten sehr auf, ein Kellner kam und wollte mit mir fotografiert werden, mit seinem Handy und schenkte mir Zigaretten.
Ein schöner Moment, ein toller Tag.
Der nächste Tag war eher ernüchternd anders. Keiner wollte Gedichte hören, zweimal hat man mich in Straßencafe’s aufgefordert nicht zu lesen. Ich habe immer gefragt und nur rezitiert, wenn es jemand wirklich hören wollte. Ich hatte nichts zu essen. Aber glücklicherweise hat es mich nicht ansatzweise demotivieren können.
Das ist ein gutes Gefühl.
Sarah, die ich erst in Bielefeld kennenlernte, der Kontakt ist durch Birgit entstanden, überließ mir für zwei Tage ihre Wohnung, da sie einen Kurzurlaub in Frankreich machte.
Danke für das große Vertrauen.
Am 44.Tag, Samstag den 17. Juli, verließ ich Bielefeld Richtung Dortmund und legte einen ordentlichen Wandertag ein. Hinter Isselhorst fand ich ein schönes Plätzchen, an einem Wald, um erstmalig in der freien Natur zu übernachten.

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Gegen sechs würde ich vom Regen überrascht, in dessen Folge mein Schlafsack, meine Isomatte und ich total durchregneten. Einen halben Kilometer weiter gab es einen Bauernhof mit einer offnen, aber überdachten Lagerfläche. Dorthin schleppte ich meine durchgeweichten Sachen, hängte sie au und fragte natürlich, ob das in Ordnung sei.
Ich wurde dort geduldet, und konnte das Wasser in den folgenden Stunden abtropfen lassen.

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Als es dann gegen Mittag aufhörte zu regnen, ging ich weiter bis Rheda- Widennbrück. In einer Sonntags geöffneten Bäckerei fragte ich nach einem Brötchen, und bekam von zwei freundlichen jungen Türkischen Männern gleich zwei Käsebrötchen geschenkt. Völlig spontan. Sie erkundigen sich nach meiner Wanderung und ich gab ihnen meine Antworten. In dieser Zeit haben mir die Verkäuferinnen ein zerbrochenen und nicht mehr verkaufbares Olivenbaguette in einer Tüte geschenkt.
Eine große Freude, ein Fest! Ich hatte seit zwei Tagen nicht viel, habe mich aber gut bewegt. Ein paar körperliche Kilo sind seit meinem Start vor eineinhalb Monaten verflossen.
In Wiedenbrück wurde ich in einer Gaststätte, in der ich nach Wasser für meine Flasche fragte zu einer leckeren Torte und von einem Gast zu einem Bierchen eingeladen. Das tat gut. Für mich war gesorgt…..Und ich sollte auch lesen. Toll. In der Nacht, gut geschlafen auf dem Bundesgartenschaugelände in Wiedenbrück, vielen Dank an die Stadt Wiedenbrück, unter einem Blauregenpavillon.

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Am Montag dann ein langer Lauf, nach Neu Beckum.Ich wußte dort von einer Kommune, die Gemeinsam einen Bioland-Hof betreibt, den Laakenhof…. Ich würde dort einfach mal nach einem Platz für meinen Schlafsack fragen, dachte ich.
Der Weg führte mich kurz nach Wiedenbrück, vorbei am ” Verstärkeramt” Museum und Kunst und Kultur stand auf dem Schild. Dort wollte ich eine kurze Trinkpause einlegen, um mir das mal anzusehen.
“In den 20er Jahren entwickelte sich Wiedenbrück zu einem Fernmelde-Knotenpunkt für das Telefon- und Fernschreibwesen. Im Zuge der Kriegsvorbereitungen begann man 1938 mit dem Bau des neuen Verstärkeramtes.”… Von der Homepage www.cafe-verstärkeramt.de
Auf den Bunker hatte man zur Tarnung ein altes Bauernhaus gestellt.
Heute ist in der unterirdischen Anlage ein Radio- und Rundfunkmuseeum untergebracht und im Haus ein Restauratoionsbetrieb. Dort erfreute man mich mit der allerleckersten StachelbeerTorte. Ein königliches Frühstück!

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Am Abend des 46. Tages meiner Wanderung erreichte ich den Laakenhof, eine Kommune, die Gemeinsam einen Bioland-Hof betreibt: 11 Milchkühe, 200 Hühner, Einige Schweine, Getreide, Gemüse, Obst. In einer Käserei stellen einige der Kommunarden besten Käse her, Hartkäse und Weichkäse. Verkauft werden alle Produkte im eigenen Hofladen und in Gemüsekisten, die einmal wöchentlich ausgeliefert werden.
Eine sehr verbundene Stimmung empfängt mich hier, und ich habe die Möglichkeit im Bauwagen, hinten im Garten, nach schwereren Tagen, zwei Tage zu trocknen, mich zu ordnen und zu sammeln.
Es ist eine schöne entspannte Stimmung, die selbst die vielen Besucher im Moment nicht stören. Jede_r hat hier seine Aufgaben: Milchkühe, Gemüse, Käserei…. Das kochen für alle zu Mittag wird immer reihum erledigt. Alle Einnahmen aus dem Betrieb gehen in eine gemeinsame Kasse, aus der alles finanziert wird. Ein schönes, entspanntes Miteinander.
Heute, am Mittwoch den 21.Juli, werde ich schön verabschiedet, und bekomme als Wegproviant ein großes Stück Bochshornkleekäse, mein Lieblingskäses und ein Stück Weichkäse geschenkt. Vielen Dank von Herzen für das hier sein dürfen.

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Ich habe wieder ein paar Erkenntnisstückchen in Bezug auf Gemeinschaft mitbekommen. Ich werde, wenn es alles etwas sortiert ist sicher davon berichten. Noch ist alles im entstehen.

Und jetzt geht es weiter…….Schritt für Schritt für Schritt……..