Mannheim

Meiner Meinung nach wäre alles besser wenn alle meiner Meinung wären
Da dem jedoch nicht so ist kann ich weiterhin der Meinung sein
Das alles besser wäre wenn alle meiner meiner Meinung wären

Wenn alle wollen würden was ich will könnt ich vielleicht etwas erreichen
Oder wir könnten wenn wir wollten gemeinsam Mauern einreißen
Aber wir wollen nicht
Wir würden nur wollen wenn wir könnten
Aber wir können nicht
Aber gut daß wir würden sobald wir können sollten
Besser als nichts

“Yassin – Besser als nichts”

DSC_0091 Der Weg auf dem Deich

Drei Tage vor Mannheim überkommen mich wieder starke Zweifel. Zweifel an meiner Fähigkeit, so etwas wie den tiefen Wunsch nach Weltfrieden vor mir herzutragen und selber in einigen wenigen Bereichen noch so weit vom Frieden entfernt zu sein. Auch grundsätzliche Zweifel daran, ob all das, was ich sehen konnte nicht doch nur einzig eine Gaukelei meiner Wünsche war.
Kurz vor Mannheim kam wieder ein tiefes Gefühl, daß ich seit meiner Jugend gut kenne. Das Gefühl Ideen zu haben, die niemand wirklich ernst nehmen kann, Fantastereien. Große Ideen. Visionen…Da muß man ja bekanntlich zum Arzt, sind doch diese Visionen von der “Realität” sehr weit entfernt. Und dann stehe ich schnell alleine da. Vertraue nicht in mich, nicht in die Durchführbarkeit eines Ausbruchs des Weltfriedens. Es gibt Augenblicke des Verlassenseins, der Hilflosigkeit.
Da heraus gehe ich meistens mit größerer Kraft und Entschlossenheit.
So hatte ich zwei Tage Wanderung aus der Mutlosigkeit heraus und rein nach Mannheim….

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Seit dem Anfang meiner Vorbereitungen war ich davon überzeugt Xavier Naidoo zu treffen. Ich wußte, da gibt es viel gemeinsames, eine Verbindung, eine gewiße Synchronizität, gleiche Motive. Bis vor kurzem könnte ich mit dieser Musik nichts anfangen. Das war mir alles zu weichgespült. Bis ich genau hinhörte…Und jedes Wort spricht zu mir.
Ich habe in der Vorbereitung nur wenigen Freunden erzählt, daß ich sicher war, daß Xavier und ich uns in jedem Fall begegnen werden.
Andreja, die ich vor ziemlich genau zwei Jahren kennenlernte, hat mir seine Musik, seine Texte, von denen mich jedes Wort sehr tief berührt und geweckt hat, in mein Leben gebracht.
Seither war mir klar, daß eine Station meines Laufes auch Mannheim sein würde.
Wie ich es machen würde, ihn zu treffen, wußte ich nicht. Der einzige Anhaltspunkt war die Pop-Akademie, eine Musikschule, die Xavier und einige andere Söhne Mannheims mit begründet haben.
Das war mein einziger Anhaltspunkt, als ich Mannheim betrat.

DSC_0143 Die Pop-akademie

Abends um halb sechs setzte ich mich vor die Pop-Akademie auf eine Bank. Ich wußte inzwischen, daß Xavier schon lange nicht mehr in Mannheim lebt und nur selten dort ist und auch schon ein Jahr, seit dem Auftritt auf den Mahnwachen vor sogenannten Reichsbürgern, nicht mehr in der Pop-Akademie erwünscht. Ich hatte ungefähr eine Stunde dort gesessen, als ich beschloß zu gehen, um einen Schlafplatz und etwas zu Essen zu finden. Am nächsten Tag wollte ich die Menschen hier nach einem direkten Mailkontakt fragen. Vielleicht könnte mir jemand weiter helfen.
Ich schaute gerade auf mein Tablet, um zu entscheiden, wohin ich gehen könnte, als Xavier, zusammen mit Freund und Sangesfreund Rolf Stahlhofen und Steffi, vor mir stand und mir einen Übernachtungsplatz anbot.
Steffi (Xaviers Rechte Hand) hatte wohl am Tag vorher eine Mail entdeckt, die Birgit geschickt hatte um mich anzukündigen, und mich so erkannt.  Und wir haben es auch noch geschafft, die fünf Minuten in einem Jahr zu erwischen, die überhaupt nur möglich waren uns über den Weg zu laufen. Durch verschiedene Umstände mußten er und Helene Fischer einen musikalischen Filmbeitrag für eine Weihnachtsshow drehen und es wurde entschieden, das ausnahmsweise in der Popakademie zu machen.
Steffi kam fünf Minuten später und alleine, weshalb sie überhaupt auf mich aufmerksam wurde. Da passte alles.
Am Abend saßen wir zusammen, haben uns kaum darüber eingekriegt und waren uns einig, daß es schon ein kleines Wunder ist, wenn so etwas scheinbar unmögliches dann doch passiert.

DSC_0154 Mit Xavier Naidoo

Nach einem Essen im Studio folgte ein langes gemeinsames Gespräch zwischen Xavier, Rolf, Stefan, Andreas und mir. Ich konnte von meiner Reise und meinen Plänen erzählen. Für die zugesagte Unterstützung danke ich von ganzem Herzen.

FB_IMG_1449864232471 Mit Rolf Stahlhofen

Die Ereignisse um den Auftritt bei den “Reichsbürgern” war ein kurzes Thema, und Xavier erzählte mir, wie es sich verhalten hat. Es bestätigte sich, was ich vermutet habe. Zwei Menschen mit Reichsbürgerfahne waren auf dieser offenen Demonstration auch anwesend. Und daraus wurde einmal mehr eine Vorverurteilungssuppe mit den typischen Zutaten gekocht.

“Was wir alleine nicht schaffen, das schaffen wir dann zusammen…Dazu brauchen wir keinerlei Waffen, unsere Waffe nennt sich unser Verstand.”

Auch ich weiß, daß ein weltweiter Frieden unter uns Menschen, nur wir alle gemeinsam schaffen können. Und es gehören alle dazu. Dazu müssen wir zusammenfinden. Und wer nicht zusammenfindet, den müssen wir geduldig dazuholen. Anders wird es keinen Frieden geben. Dazu gehören die Gierigen, die Machthungrigen, die Nazis und Reichsbürger, die Verstockten….. Alle!
Zwei Nächte war ich zu Gast im Studio der Söhne Mannheims. Zwei Tage, die ich in dieser Familie sein durfte. Die Proben für die Jubiläumstour in der weitläufigen Kelleranlage in den vielen Proberäumen. Buntes, kreatives, inspirierendes Treiben. Den ganzen Tag beste Livemusik zum Spülmaschine ausräumen. Zwischendurch fährt die Haushilfe Kinderklamotten in ein Wohnheim von Menschen auf der Flucht. Verbundenheit zwischen allen. Herzliche, offene Atmosphäre.

DSC_0150 Die Studioküche der Söhne Mannheims
DSC_0144 Ein Probenraum, von meinem Riesen Schlafsofa aus gesehen.

Peter, ein alter Freund aus Harpstedt, der schon länger in der Mannheimer Gegend lebt, besuchte mich am zweiten Tag. Ein Kaffee in der Studioküche, ein Harpstedter Präsent, ein Ausflug zu seinem Arbeitsplatz…Ihm, den ich seit fast dreißig Jahren kenne, von meinem Abenteuer zu erzählen, war sehr schön. Und wieder ein bisschen erhellend.

DSC_0167 Mit Peter aus Harpstedt

Zu berichten bleibt von einer wunderbaren Begegnung kurz vor Mannheim.
Rast machte ich im Class Döner. Und traf dort auf den Inhaber Ibrahim und seinen Mitarbeiter Muzaffer. Muzaffer hörte meiner kurzen Geschichte gespannt zu und übersetzte Ibrahim, der ebenso gebannt zuhörte, ins Türkische.

Muzaffer......Ibrahim lässt sich nie fotografieren.
Muzaffer……Ibrahim lässt sich nie fotografieren.

Dann luden sie mich zum Essen ein, es folgten…. Heißer Tee aus dem Samovar…. dann Aşure, ein islamischer Nachtisch, den sich Freunde gegenseitig zum Ende der Fastenzeit schenken, unter anderem mit frischen Maulbeeren und Feigen, Rosinen. Während meiner Anwesenheit im Class Döner, kam eine alte Frau und schenkte Ibrahim eine Schüssel Aşure.

DSC_0098_1 Aşure

Nach dem wundervoll leckeren Nachtisch gab es wieder Tee mit Zucker und Ibrahim erzählte etwas von den Schrecken des Krieges vor dem er geflohen ist. Ich sah ihm das Trauma an, aber auch das große, dankbare Herz in seinen Augen.
Der Abschied war lang und herzlich. So wurde auch meiner Thermoskanne Liebe in Form von heißem Tee zuteil.
Glück und Gesundheit wünsche ich Euch!

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