Mit Boris unterwegs zum Bodensee… Teil 2

Mit Boris unterwegs zum Bodensee… Teil 2

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(Boris) Mittwoch Abend trafen wir Wilfried und Eva, die sehr interessiert an den Beweggründen der Reise waren und was in Jens an Veränderungen stattgefunden haben, ehe der Wunsch geldfrei ein Jahr durch Deutschland zu wandern aus seinem Herzen entsprang.
Jens berichtete vom Wandel innerer Werte und Einstellungen. Vom Loslassen so vieler Ängste, die ihn das Leben lang beschränkt haben, aufhielten etwas zu verwirklichen oder der Ursprung dafür waren, dass er sich selbst klein redet. Auch darüber, wie dieser innere Wandel nun den eigenen und den Gesellschaftlichen Wandel im Außen bewirkt und beeinflusst (wobei wir gesellschaftlich betrachtet nicht auf einen völligen inneren Wandel beim Großteil der Bevölkerung warten dürfen, sondern eben parallel bereits die Außenwelt durch Ideen, eigenes Verhalten, Projekte und Gemeinschaften versuchen müssen durch das eigene Beispiel zu inspirieren und von anderen/neuen Möglichkeiten zu begeistern – die für alle besser sind. Für einen selbst, für den anderen und die Umwelt. Win-Win-Win). Von innen nach außen. Nicht andersrum.
[ Ich sehe die Veränderung in der Gesellschaft, raus aus der Maschine der Angst und Bedrohung, hin zu einer Gesellschaft im Vertrauen auf allen Ebenen, allen Bereichen, als eine feine Mechanik, die nicht nur an einer Stelle entsteht und in Gang gesetzt wird, sondern an allen Punkten gleichzeitig.]

Jens erzählte mir von einem ehemaligen Psychose Patienten, der ihm vermittelte, dass sein Leben doch nicht besser werden könnte, wenn sich die Umstände nicht bessern würde. Was sich ändert, liegt in unserer Hand. Wofür wir unsere Gedanken investieren, wieviel Gewichtung wir Gefühlen und Situationen beimessen, welche Entscheidungen wir täglich treffen und wie wir mit “Rückschlägen” umgehen.
[Das oberste Thema Frieden zum Beispiel… jeder Mensch hat eine andere Meinung dazu, wo der Friede beginnt. Viele Menschen sagen mir, der Friede beginnt in uns selbst. Und das sehe ich genauso. Und ein Prozess, welcher nicht aufzuhalten ist, wird langsam aber sicher auch alle anderen Bereiche durchziehen. Das sehe ich genau so. Dieser Junge Mann aber fragte, wie er inneren Frieden finden könne, in dem Wissen, daß um ihn herum nur Kampf ist. Auch das ist etwas, was mich sehr bewegt. Ich bin überzeugt, daß der Weg in eine friedliche und lebenswerte Welt auf allen Ebenen gleichzeitig gegangen werden muss. Viele sind in ihren Bereichen sehr aktiv und erfolgreich. Wir haben alle Zutaten für die Zukunft, wie sie nur sein kann.
Viele Menschen, die ich treffe, haben einen Teil zur Lösung.
Und wenn wir unsere Schätze zusammen auf den Tisch legen, werden wir Erfolg haben, und unsere Nachfahren einen Grund zur Freude.]

Eva entschied sich uns zu sich nach Hause einzuladen, was wir nicht nur angesichts der kühlen Temperaturen am Bodensee liebend gerne annahmen. Denn die Begegnung mit ihr entwickelte sich zu einer Fügung, wahrscheinlich für uns alle drei.
Am nächsten Morgen beim Frühstück setzten wir beim Thema innerer Wandel erneut an.
Eva erinnerte uns wieder daran, dass selbst dieses Verbundenheitsgefühl – was uns derzeit intensiv begleitet – weiterhin geprägt sein wird und ist von persönlichen Wünschen und Erfahrungen. Dass es sich weiter entwickeln wird, noch ausbaufähig bleibt und der Weg noch längst nicht abgeschlossen ist, auch nicht der gedankliche Prozess auf diesem Lauf – was uns manchmal die Fantasie sprengen lässt, denn wir können uns kaum noch ausmalen, wie die einzelnen Situationen, die wir erleben, noch besser zusammen gefügt sein könnten. Gefühlt erfüllt sich jeder unserer Wünsche umgehend nach einer wieder mal begeisternden Begegnung mit einem wundervollen Menschen.

[Jens] Ich hatte ein sehr tiefes Gefühl dazu, wie sich alles auf meiner Reise wundersam zu fügen scheint. Ein Bild hatte ich.
Wir alle sitzen im Käfig. Wie ein Vogel, der von Natur aus fliegen will. Aber sich nicht traut. Der zwar von der Luft gehört hat, die ihn tragen würde, sobald er den Käfig verlässt, aber ja gar keine richtige Vorstellung davon hat wie es funktionieren soll. Das kann er ja in seinem Käfig nicht ausprobieren. Das kann ihm jemand erzählen und er muß vertrauen. Es ist der mutige, vertrauensvolle Schritt aus der Tür nötig um zu fliegen. Und die Tür geht nur von innen auf.
So sind wir Vögel in unserem System.]

Eva erinnerte uns auch wieder daran, dringend für den Winter vorsorgen zu müssen. Es werde kalt, die Nächte draußen sind ohne bester Ausrüstung schwierig zu überstehen. Es zehrt zumindest an den Kräften.
Solange wir uns hier auf Erden bewegen, ist unser Körper das heiligste Gut. Eine Voraussetzung für ein wohlbefindliches Leben.
[Jens] Mir ging es körperlich nie besser! Aber ich werde Evas Rat beherzigen und die zwei kommenden Ruhewochen auch dafür nutzen, Unterkünfte für Dezember und Januar zu finden, für die möglich kalte und zehrende Zeit, auf dem Weg in den Norden, nach Berlin!]

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Später im Wald bezeugte Jens Feierlich vor versammelter Mannschaft, also vor mir und allen anwesenden Bäumen, dass er ab heute wieder vegetarisch leben werde. Auf dem Weg zum Veganer.
[Jens]Ich weiß, daß es die Nahrungsaufnahme eher etwas schwieriger gestaltet, denn der Süden des Landes scheint sehr Fleisch- und Wurstlastig.
Ich mache dennoch kleine Schritte, und nehme unterwegs auf jeden Fall noch Butter -sonst müsst ich bestrichene Brötchen ablehnen-, Milch und Eier – Kekse und Kuchen liebe ich-……Und mein Daunenschlafsack ist momentan alternativlos und unersetzlich. Obwohl ich doch weiß, daß auch all diese Produkte Leid und Elend produzieren. Ich sehe auch, daß es als Zwickmühle erscheint. Aber das scheint nur so. Ich mache meine Schritte, alleine darum geht es.
Ich ertrage nicht mehr weiter die Vergewaltigung des Lebens.
Aber ich mache damit einen weiteren persönlichen wichtigen Schritt in die Welt, wie ich sie mir vorstelle.]

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Auf der Autobahn:

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[Boris] Francesco, aus Albanien stammend, ein vom ersten Moment an offener, authentischer und herzlicher Mensch war auf der Durchfahrt nach Zürich. Leider nicht unsere Richtung, obwohl er uns sehr gerne mitnehmen wollte. Er gesellte sich jedoch lange Zeit zu uns, lange genug, um einen bleibenden Eindruck bei uns zu hinterlassen.
Wir sprachen darüber, dass viele der Leute, die wir angesprochen hatten, ängstlich wirkten und erst gar keinen Kontakt zuließen. Wir sprachen darüber, wie wichtig es sei eben auch jenen Menschen wohlwollend gegenüber zu treten, von denen man etwas befürchtet. Nicht selten provoziert diese ängstliche, vermeidende, in jedem Fall negative Einstellung und Denkweise genau diese Situationen, die man nicht erleben wollte.
Er erzählte uns eine Geschichte, die ihm selbst 1995 passiert sei. In Kroatien hätten zwei mit einer Kalaschnikow bewaffnete Männer ihn angehalten und Geld verlangt. Er habe ihnen erzählt, dass er 800DM dabei habe, das Geld für die Einreise in seine Heimat bräuchte. Er sei selber nicht wohlhabend, arbeite sehr viel für sein Geld.
Er antwortete Ihnen “Ich gebe euch das Geld, aber lasst uns doch erstmal ein Bier trinken.” Daraufhin entstand tatsächlich eine ruhige Atmosphäre, in der man sich austauschte und gemeinsam das Bier genießen konnte. Im weiteren Verlauf habe er ihnen jeweils 100DM angeboten, beide hätten das Geld abgelehnt und ihn gebeten weiter zu fahren. Es sei nichts geschehen.

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[Boris] Auf der Raststätte “im Hegau” trafen wir nach einigem Warten auf Tabea. Ein Engel unter ihresgleichen. Sozialpädagogin von Beruf, arbeitet mit Menschen, die meist als geistig behindert bezeichnet werden, ist – was mich sehr freute – eine Veganerin und absolut auf unserer Wellenlänge. Sie kannte Probleme beim Trampen, zeigte ein großes Herz und viel Offenheit. Eigens für uns machte sie einen Umweg, damit wir besser weiterreisen können und gab uns sogar noch köstlichste Hafermilch und das leckerste Brot – Dinkelbrot – meines Lebens mit. Natürlich ist es Tabea, über deren gemeinsames Foto wir uns heute besonders freuten. Auf ein Wiedersehen, du Schutzengel!

Tabea aus der Schwietz.
Tabea aus der Schwietz.

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Boris hat mich bis nach Limpach begleitet und ist noch zwei Tage geblieben. Dann ist er gefahren um einige Freunde zu besuchen.
Danke für die schöne gemeinsame Zeit….See you!

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