Tag 13/14 – Heidelbeeren und Gesellschaftsspiele

Am Mittwoch Morgen bekam ich überraschend Besuch von einem Freund aus Wildeshauser, der mit Zug und Fahrrad einen Ausflug unternahm, der ihn, zu meiner Freude, nach Westen führte. Wir haben zwei Stündchen die Füße in die Aller gehalten, schöne Gespräche gehabt, und Zigaretten gequalmt.

Hier bei Thomas und Anne, die in einer Gemeinschaft mit ihren Kindern und einigen anderen Menschen leben, finde ich ein schönes Beispiel für gemeinschaftlich organisiertes Alltagsleben und gegenseitige Unterstützung im Dorf und darüber hinaus.

Im Garten bei Thomas und Anne
Im Garten bei Thomas und Anne

Hier begegnet mir viel uneigennützige Aktivität. Füreinander sorgen und in gewisser Weise verwöhnen.
Thomas kümmert sich um ein Heidelbeerfeld mit ca. 80 größeren Büschen.
Der Besitzer hat es ihm dafür überlassen.
Für ihn ist es selbstverständlich sie zu pflegen und zu hegen, so daß im Sommer hauptsächlich Spaziergänger und Fahrradtouristen die leckeren Beeren pflücken und geniessen können. Auch eine Obstallee mit vielen alten Obstsorten bewahren und pflegen einige Westener gemeinsam.

Anne und Ihr Sohn Jari waren heute Nachmittag zum “Cafe’ der Kulturen im Amtshaus Westen. Dort treffen sich seit Anfang des Jahres Westener Bürger und Flüchtlinge, zumeist junge Männer aus Eritrea und Somalia.
Eine verbindende, Freundschaftliche Atmosphäre bei Kaffee und Gesellschaftsspielen.

Hier, im "Cafe' der Kulturen", nähern sich auch alle sprachlich an, ganz nebenbei, spielend.
Hier, im “Cafe’ der Kulturen”, nähern sich auch alle sprachlich an, ganz nebenbei, spielend.

Das Cafe’ wird im Amtshaus von einigen Bürgerinnen und Bürgern selbst organisiert, genauso wie die Volksküche, in gleicher Räumlichkeit, einmal die Woche geöffnet ist. 2 – 3 Bürger_innen bekochen abwechselnd jede Woche 30-40 Menschen. Gekocht wird leckerste vegetarische Landkost. Für viele ein wichtiger Treffpunkt und eine gute vernetzende und verbindende Veranstaltung.

tmp_4364-DSC_01421075137975

Sowieso ist in der Verdener, Dörverden Gegend in Sachen Vernetzung und Bürgergemeinschaft einiges im Gang. Die “Kneipe Westen wurde von einer Gruppe Westener gepachtet und ist jetzt wieder an einem Tag in der Woche belebt. Ein Dorfladen der nicht mehr rentabel war, ebenso. Biohöfe, das Ökozentrum Verden, überall gibt es hier und entstehen Netzwerke und lebenswerte, solidarische Systeme.

Für Mittwoch Abend hatte Anne spontan meine erste Lesung organisiert.
Am Tag vorher hat sie Plakate geklebt und über verschiedene email-verteiler informiert. Beeindruckend toll!
Den ganzen Tag habe ich versucht auf meinem Tablet an verschieben Speicherorten Texte wieder zu finden, zu sichten, zu ordnen (einige sind bis heute irgendwo in den Tiefen des Gerätes verschollen).
Thomas konnte mir mit etwas Geduld weiterhelfen, so daß ich nun in der Lage bin, die Texte auf meine SD-Karte zu kopieren. Endlich Übersicht!

"Kneipe Westen" in Bürgerhaus.
“Kneipe Westen” in Bürgerhand.

DSC_0138

Ein paar Texte habe ich dann an den knapp zehn, spontan erschienenen Zuhörern vorlesen können. Es gab viele Fragen, die ich versucht habe befriedigend zu beantworten. Diskussionen schlossen sich an, mit einigen kleinen Erkenntnissen für mich.
Wie schön und leicht ist es, sich der gewohnten Angewohnheit hinzugeben, der Gemütlichkeit. Innerhalb des Systems ist schwer Friede zu finden, gibt es doch auf allen Ebene Kämpfe um Grenzbefestigungen, um zu sichern. Feste Glaubenssätze ebenso wie Besitz.
Hier begegnet mir etwas anderes….Eher das auflösen behindernder Grenzen.

Jetzt werde ich wohl gleich Westen verlassen und gehen. Ich habe noch keine wirkliche Idee wohin. Einige Einladungen gibt es hier in der Gegend, die fast alle von hier aus in zwei, drei Stunden erreichbar sind. Ich bin gespannt.

Ich wünsche Euch allen einen schönen Wochenendanfang.
Euer Jens Fröhlke,
Lebensläufer