Tag 48 bis 55 – Wandertage und Wiesennächte

Tag 48 bis 55, Ahlen bis Breckerfelde…..21.-28.7.2015

Ich bin viel gewandert, habe in mich gefühlt. In den letzten Tagen könnte ich viel sehen, meinen Unfrieden spüren, meinen Kämpfen nachspüren…… Die immer noch zu bestimmten Dingen und Situationen in mir toben. Ich lasse langsam immer mehr los, Erwartungen, Verletzungen, Bedürfnisse, alles von dem ich weiß, daß es mir nicht gut tut, was ich aber immer als gegeben empfand, und nie hinterfragt habe. Ich begebe mich aus Der Opferrolle….Endlich!…. Und erkenne, wie ich auch hier immer wieder meine Realität selber gestaltet habe.
Wenn mich jemand belügt, verletzt er sich nur selber. Ich habe mich auch immer verletzt, wenn ich meine Verbitterung, mein nicht annehmen in Kampf gewandelt habe. Wer kämpft, bekämpft sich letztlich selber.
Ich sehe alle meine Kämpfe und ich bitte aufrichtig um Vergebung.
Oft kann ich es garnicht glauben, wie ich dazu komme, eine Friedenswanderung zu machen.
Ins Wandern komme ich sehr gut. In jedem Moment neue Begegnungen, neue Augenblicke, ohne wenn und aber. Je klarer ich mit mir sein kann, desto offener sind die Begegnungen mit den Menschen, und der Raum öffnet sich für manchen wunderschönen Austausch. Es ist sehr inspirierend, und einzelne Begegnungen bleiben nicht als solche stehen, sondern wandern mit und werden zu Bewegung. Bewegen mich! Immer weiter und weiter auf meinem inneren und äußeren Pfad.

Hier meine Stationen….
Am 48. Tag habe ich bei einem Haus geklopft, und gefragt, ob ich auf der Wiese am Wäldchen dort liegen kann. Nach einem Schnittchenteller und einer Flasche Bier habe ich auf der Wiese genächtigt.
Am nächsten Tag bin ich aufgebrochen zu Hammer Kommune, die aber leider nicht mehr existiert. Nach einem Abend mit Drei Söhnen des Hauses, auch dort auf der Wiese im Garten übernachtet.
Malte hat auf seiner Gitarre eine Hammermusik gemacht. Wunderschön. Ich hätte diese Lieder gerne mit genommen.
Am 50. Tag bis Bönen, dort am Einkaufsmarkt habe ich zwei, mir sympathische Menschen angesprochen, und konnte dort meine Nacht verbringen. Katy und David….Vielen Dank. Es war schön und sehr anregend. Gute Gespräche und rührende Umsorgung. Danke Euch!
Am nächsten Tag eine Wanderung bei Orkanböen und Regen.
Am Abend traf ich Birgit, die Christina Auto geliehen hatte, um mich zu besuchen. Es war wunderschön, vertraute Gespräche, gute Momente.
Ein wunderschöner, wertvoller Besuch.

 

Am Abend des 52. Tages erreichte ich Schwerte.
Dort wollte ich die Gemeinschaft “Beginenhof” besuchen und hoffte auf einen Platz für meine Matte. Das Projekt entpuppte sich als Apartmenthaus ohne sichtbares Gemeinschaftsarbeit und niemand konnte mir weiterhelfen.
In einem Gemeinschaftscarport der restlichen Siedlung fand ich ein trockenes Plätzchen für den Moment. Der Besitzer des Carportplatzes wollte einparken, sah mich, parkte sein Auto woanders, und schenkte mir die Möglichkeit meine Matte dort auszurollen zu können.

 

Es regnete die ganze Zeit, kaum jemand war unterwegs.
Ich war trotzdem sehr guter Dinge und beschloß erst einmal zu Abend zu Essen. Ich bemerke, daß ich eigentlich ohne die ganzen Sorgen, die ich mir ständig gemacht habe, viel besser leben kann. Alle Sorgen sind abgefallen, und ich weiß in jedem Moment, daß schon etwas geschehen wird, auf das ich dann gelassen reagieren kann, wenn der Augenblick da ist. Das macht ganz schön frei! Das kann ich sagen.
Und dann geschah auch schnell das Wunder……
Ein Mann kam vorbei, an dieser Stelle, wo zu solcher Zeit, kurz vorm Dunkel werden eigentlich niemand mehr geht, Armin, mit Bernhardiner, welcher mich gleich entdeckte.
Armin nahm mich mit nach Hause und stellte mich seiner Frau Helga und den Jungs, Hannes, Jonas und Luca vor. Hannes organisierte ein Zelt von Freunden aus der Nachbarschaft, zu fünft bauten wir es auf und Armin legte sogar Strom. Ich bin begeistert von dieser Hilfe, die sie mir zu Teil werden ließen. Hannes danke ich für den großartigen Einsatz, um das Zelt zu besorgen. Der ganzen Familie danke ich von Herzen, die mich so schön aufgenommen hat.

 

Nach einem schönem Gespräch mit Helga am Morgen, mit Proviant bestückt ging ich weiter. Das Wetter immer noch nass und windig.
Am Ende des 53. Tages, ging ich die Landstraße Richtung Breckerfelde..
Rechts und links von der Strasse ging es steil bergauf, und ich fand eine Wiese, hinter Hagen, die ich als Schlafstätte akzeptabel fand.

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Als die Pläne aufgespannt war, setzte auch schon der Regen ein.
Ich habe ganz schön geschlafen dort, obwohl alles schräg war, und ich immer ein wenig nach hinten rutschte. Alles ist trotz der Plane nass geworden.
Was gab es noch an täglichem Vergnügen?
In Breckerfeld würde ich spontan von vier Damen auf Ausflug zum Cappuccino und leckerstes Waffel eingeladen, mit anregenden Gespräch. Es ging ans Eingepackt, innerer Frieden und loslassen der Sorgen und Ausreden war das Thema…….Und nicht mal von mir ausgehend. Eine lustige schöne Runde!
Ich gehe zur Toilette in einer Bäckerei und finde bei der Rückkehr zu meinem Rucksack eine hingezauberte Brötchen- und Kuchentüte.
Mir begegnen soviel Herzensmenschen, daß ich garnicht verstehe, daß die Welt nicht ein schöner Ort für alle sein kann.
Wo ist die Herzensrevolution?

Ach ja, und in Breckerfelde wird auch auf den Papagoy geschossen!!!!!
Harpstedt und Breckerfelde könnten Partnerstädte werden. Wenn ich richtig erinnere ist Breckerfelde eine Hansestadt!!!! Ich schaue morgen mal aufs Ortschild.

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Ich habe jetzt hier, in der Epscheider Mühle mal einen Tag Auszeit genossen und konnte wieder Tagebuch schreiben.
Die Epscheider Mühle ist eine ehemalige Gemeinschaft, in der nur noch drei Menschen leben, mit einem Seminarbetrieb. Petra und Kalli betreuen hier noch einen Jugendlichen, Tobias.
Alle sind herzlich. Die Katzen fangen Mäuse, der Wind weht, es regnet dann und wann…. Und ich genieße……