Tag 60 bis 67 – Energie und Enkeltauglichkeit

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60 – 67 MO – MO 3 – 10. 8

Gestern habe ich, nachdem ich nach der Veranstaltung noch weitere zwei Tage dort herumlungern durfte, zwei Tage, die ich etwas mit aufräumte und mir auch viel Zeit für mich nahm, diese ganze Fülle, diese wunderbare Energie dieser Tage auf dem Utopival, sacken zu lassen, nachzufühlen….Gestern habe ich endlich wieder meinen physischen Weg fortgesetzt.
Olli hat mich noch begleitet bis Engelskirchen, oder ich ihn zum Bahnhof. Zehn Kilometer durch kleine Orte und Wälder. Das Bergische Land gefällt mir sehr gut bisher, ich fühle mich hier wohl. Es ist leicht bergig, schön gewellt. Und etwas bewaldet. Ein schöner, stellenweise eiliger Gang, mit seinen Steigungen und Gefällen. Wir müssten ja Ollis Zug erwischen.
Für ein kleines Picknick im Walde, mit Kaffee aus der Thermoskanne war aber noch Zeit.

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Olli hat dann auch glatt den Zug nicht mehr erwischt und mußte einen späteren nehmen. Wir haben die Zeit und uns mit einem leckerstes Rhababereis gefüllt, gemeinsam mit Bernd, einem der Findhof – Betreiber, den wir in Engelskirchen getroffen haben.

Hier im Bergischen sind die Menschen recht offen, jedenfalls alle, die ich getroffen habe. Alles ist etwas leichter.
Ich gehe inzwischen oft von größtem Vertrauen getragen, und alles ergibt sich wunderbar, so wie gestern……
Ich habe Engelskirchen verlassen, entlang des Flüßchens Agger, das sogar links und rechts bedeicht ist, mit dem Gefühl, einfach zu gehen und zu sehen, was geschieht. An einem Restaurant, mitten in der Botanik an der L55, dachte ich daran, meine Wasserflasche aufzufüllen. Diesem Impuls bin ich gefolgt, ging die Treppe hoch auf die Außenterasse und wurde von zwei Menschen mit Hallo begrüßt. Ob ich Hunger hätte, fragte Patrik mich und ich wurde von ihm und seiner Frau Dawnie zum Abendessen eingeladen. Es hat sofort alles gepasst. Ich sitze jetzt in Patricks Wohnwagen, für zwei Nächte haben sie mich eingeladen. Und es ist wunderbar stimmig.
Ich bin eine Stunde vor dieser Begegnung auf einem Wochenendhaus-Campingplatz gelandet, wo ich meinen Ausweis zum Kopieren abgeben mußte und der Schwiegersohn-Polizist von meinem Auftauchen telefonisch benachrichtigt wurde. Als man sich entschieden hatte, mit äußerstem Mißtrauen, mir einen Baumplatz für meine Plane anzubieten, wurde mit Schlüßeln geklappert. Ich dachte, wo jemand aufschließt, schließt auch jemand zu. Und wenn ich drin bin, bin ich irgendwo drin. Ich hatte ein beklemmendes Gefühl, zumal der Schlüsselmann mehrfach betonte, er wäre schon oft enttäuscht worden und er hoffe für mich, ich würde ihn nicht enttäuschen. Als ich fragte, was er meint, sagte er “Keine Fragen”.
Ich habe mich dann höflich verabschiedet und bin so bei zwei ganz wundervollen Menschen gelandet, Dawnie und Patrik.

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Sie leben beide momentan in zwei kleinen Campingwagen und in zwei größeren Zelten. Eines habe ich für zwei Nächte beziehen dürfen.
Vertrauen ist ein soviel besserer Weg als Angst…..Für mich ist das relativ neu!
Aber Wegweisend!!
Dawnie und Patrik arbeiten viel, und genießen sich und das Leben.
Und Leben! Auf eine schöne offene und achtsame Art.

Diese Begegnung fügt sich wunderschön an die Tage des Utopivals.
Fünf Tage lang verbrachten Einundertzwanzig Menschen zusammen auf dem Findhof am Flüsschen Sülze in Frielingsdorf bei Lindlar zum Geldfreien Mitmachkongreß utopival. Von Distopie war hier nichts zu spüren. Spürbar hingegen waren Aufbruch, Optimismus, Kreativität und Freude an der Gemeinschaft. Unter den teilnehmenden Teilgebern gab es eine hohe Aufmerksamkeit und Achtsamkeit, eine unbändige Gestaltungsfreude und größte Selbstachtung.

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Teilgeber waren alle, jeder hat seine Talente, sein Herz hier hereingegeben und das utopival zu etwas sehr Besonderem werden lassen.
Fünfundzwanzig Workshops, allsamt hochwertig und bereichernd, wurden angeboten.

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Faszinierend war für mich die Mitmachwerkstatt, in der jeder seine Idee zu einem eigenen nachhaltigen und “Enkeltauglichen” Projekt vorstellen konnte, um Mitentwickler zu finden.
In Gruppen wurden diese dann etwas weiterentwickelt und am Ende allen im “open space” präsentiert. Mit größtem Interesse verfolgten alle gemeinsam die Vorstellung von open source Lösungen zum Beispiel zur Ermittlung der Nachhaltigkeit von Lebensmitteln. Wenn ich es richtig verstanden habe, geht es dabei um ein Computerprogramm, mit dessen Hilfe beim Einkauf ermittelt werden kann, woher die Lebensmittel kommen, wieviel Energie und Wasser Herstellung und Transport kostet, ob Arbeiter fair entlohnt und beschäftigt werden…..Und vieles mehr. Im Vordergrund aller Ideen und Gedanken, aber auch aller Handlungen stehen hier das Schonen von Ressourcen, der Umwelt, Menschen- und Tierwertes Leben, eben “Enkeltauglichkeit”.

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Ernährt haben wir 120 Menschen uns von “geretteten Lebensmitteln”, von rein veganen Produkten, bei denen des Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen war, die falsch Etikettiert oder an der Verpackung einfach nur beschädigt waren und somit nicht mehr Verkaufsfähig.

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Alles was wir gegessen und genossen haben, wurde so vor dem Wegwerfen gerettet. Der ganze Kongreß wurde von den Acht Initiatoren und den Zehn Helfern vollkommen Geldfrei ausgerichtet.
Die Workshops wurden kostenfrei gegeben, die ganze Woche kostete keinen Teilgebenden Teilnehmer auch nur einen Groschen, nicht für die Seminare, das Essen oder die Unterkunft. Eine großartige Leistung.

Hier noch ein paar Impressionen der Woche…..

Am Morgen weckte uns Lisa, in unseren Zelten mit ihrer wunderschönen Stimme. Ich höre sie jetzt morgens noch….
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In der Morgenbegrüßung, zu der wir nach dem Frühstück zusammenkommen, durfte ich zweimal den Morgenimpuls setzen. Eine Kurzgeschichte von Jorge Bucai und “über die Geduld” von Rilke habe ich gelesen.
Die Minuten hinterher….hundertzwanzig schweigende und in sich führende Menschen….Haben mich sehr beeindruckt und bewegt.
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Tinka auf der Friedensbrücke

Das Abschlußfest. Diese Gruppe war großartig. Sie haben sich in den Tagen erst zusammengefunden. Wir haben uns gefeiert und wild und schön getanzt. Ein wundervoller letzter Abend.

Der Findhof, geleitet von drei herzlichen Geschwistern Irmi, Bernd und Achim, war, bevor er Seminarbetrieb wurde ein bewirtschafteter Hof.
Die Betreiber haben ihn mit Herz und Gefühl umgebaut zu einem Wunderschönen Lehr- und Versammlungsort. Die Seminarräume tragen Namen, wie Lichtwerkstatt und Sternenhimmel……
Auch die Findhof-Familie war von der Idee des Utopival so sehr begeistert, daß sie Räumlichkeiten und Gelände ohne eine Gegenleistung zur Verfügung stellte. Großherzig und absolut wundervoll.
Für mich war es eine beeindruckende, bewegende und sehr nachhaltige wundervolle Woche, mit soviel Inspiration und Gelerntem.
Lange Jahre habe ich mich danach gesehnt, solche Menschen mit diesen Visionen und einer solchen Energie zu finden.
Mein größter Dank gilt allen Beteiligten.
Gerade habe ich erfahren, daß am 31.August die Ergebnishomepage des Utopival freigegeben wird. Da finden wir dann alles, rund ums diesjährige Treffen….Filme, Interviews, Impressionen.
Ich werde sie dann hier für alle zur Verfügung stellen, damit sich jede_r inspirieren lassen kann.