Tag 90 bis 106 – Schneewittchen und Sozialschmarotzer

90 – 106  Mi – Do  2.9 – 18.9

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Liebe Lebenslauf -Freunde, -Sympathiesanten, -Interessierte, -Fans, -Verfolger……

In Koblenz bin ich gelandet. Bei Lara wohne ich seit Mittwoch. Ich habe sie um die Mittagszeit herum in Karins Bioladen getroffen, als ich Lebensmittel retten wollte. Wir wohnen seither in der perfekten, schönsten WG.

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Die letzten Tage waren für mich sehr inspirierend, einige meiner Bilder haben sich sehr schön zusammen fügen können….durch den Feien Raum, den ich hier gefunden habe.
Ich treffe unterwegs unglaublich viele Menschen, bekomme so viele Informationen, Anregungen, Spiegelungen, Reflexionen, Inspiration, daß mir manchmal ganz schwindelig wird.
Ich werde beschenkt mit Essen, mit Unterkunft, Vertrauen, schönsten Momenten…. Ich Danke allen Menschen, die mich so wunderbar aufnehmen, verwöhnen und unterstützen von ganzem Herzen, es bewegt mich weiter und macht mir den Weg sehr schön und meine Schritte leicht. Danke!!!
Natalie und Martin haben mich drei Nächte beherbergt. Eine, für mich sehr schöne und kräftigende Zeit in Bad Honnef.

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Ein Wandertag im Siebengebirge, hier liegt der Ursprung einiger Geschichten der Brüder Grimm, das Schloß Drachenboot soll das Original Schneewittchenschloß sein,

 

Das Auge Gottes
mit meditativer Pause am “Auge Gottes”  führte mich, gegen Abend, zu zwei Menschen, deren Adresse ich in Bonn bekam. So landete ich bei Ute und Uwe in Kasbach. Uwe ist Parfümentwickler und vielleicht derjenige, der irgendwann ein Parfüm findet, das einen Friedensprozess in den Menschen loslöst. Wer weiß? Ein schöner Gedanke…. Ich bestelle schon mal eine große Flasche.

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Ute hat eine kleine Yogaschule im Haus, und gibt dort Unterricht.

In einer Geldfreien Gesellschafft wird es überall, jederzeit und für jeden möglich sein, Yogalehrer ,Heilpraktiker, Therapeuten, Masseure, all die Menschen aufzusuchen, die für unser persönliches Wohlbefinden, für unser Wachstum so wichtig und unentbehrlich sind. Gemeinsames Weiterführen wird an einer der obersten Stellen stehen, weil jede_r spüren kann, daß niemand ohne alle anderen weitergehen kann.

Auf dem Weg nach Koblenz übernachtete ich drei Nächte in Folge draussen am Rheinstrand. Ich liebe es, mir dort am Abend einen schönen Platz zu suchen und auf meiner Matte, in den Schlafsack gekuschelt, den großen Rheinschiffen zuzuschauen, die Essensgeschenke zu geniessen, an die Menschen des Tages zu denken, Mundharmonika zu spielen, ich habe sie vor langer Zeit geschenkt bekommen und fange gerade an die Töne zu entdecken.

 

Manch ein Schiff bringt ein Wort des Tages.

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Am Sonntag, den 94. Tag meiner Reise, fragte ich auf einem Wanderweg Uwe nach dem Weg. Wir kamen ins Gespräch und er bot mir an, die Nacht in seinem großen, schönen Haus zu verbringen. Mit schönem Essen verwöhnt und mit seinen beiden Hundedamen Nandy und Scheila befreundet ging es mir sehr gut dort. Und nach der ersten, ersehnten Dusche nach vier Tagen, fühlte ich mich wieder sauber und duftig. Großartig!
Was gab es noch bis Koblenz?
in Linz hatte ich mehrere schöne Gespräche und Begegnungen. Mit drei Männern auf Fahrradtour in einem Biergarten, die mich zum Essen einluden; mit einem Spazieren gehenden Ehepaar, die mir ihre Emailadresse  gaben , falls ich mal Hilfe brauche. In einem Geschäft wurde ich mit Essen reich beschenkt.
Unterwegs, an einem schönen Aussichtspunkt am Rhein, traf ich ein Paar, die diesen Platz oft aufsuchen, ein schöner Nachmittag mit gutem Gespräch und liebevoller Verpflegung war die Folge.
In Neuwied rezitierte ich und kam irgendwo an einer offenen Hofgallerie vorüber, in die ich eintrat. Ich traf dort auf eine Künstlergemeinschaft, die dort einmal im Jahr eine gemeinsame Ausstellung mit Live-Musik veranstaltet.
Alle waren sehr offen und interessiert. Bei Kaffee und leckerstem Kuchen, der vom Fest übriggeblieben ist, konnte ich meinen Hut kleben, der sehr gelitten hat, in den letzten Wochen. Ein Gruppenbild mit Selbstauslöser hat etwas gedauert, weil ich versehentlich erst mal ein Video gemacht habe…….

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Mein Hut und ich erleben auch sehr viel und jedes Erlebnis hinterlässt Spuren.
Am Morgen bin ich, nach einer sehr windigen und Nieselregnerischen Nacht erwacht und hatte zum ersten Mal das Gefühl von Herbst. Und die Frage, wie wird es werden im Herbst und Winter. Und ich merkte Morgens, daß meine Jacke an ihre Grenzen kommt. Mein Windblocker ist für regnerische und stürmische Tage nicht ausreichend.
Und dann taucht am gleichen Tag im Atelier eine liegengebliebene Jacke auf, die ich erst mal nehmen konnte. Sie wird bei Minusgraden auch nicht ausreichen, aber erstmal hilft sie sehr. Was für ein toller “Zufall”!
Und am nächsten Tag schenkt mir Uwe sogar noch eine Regenjacke!
Ich bekomme wirklich, was ich brauche, oder mir Wünsche, ohne es auch nur ansatzweise zu Fordern. Ich meine damit ein inneres “Haben Wollen”. Das steht der Erfüllung immer sehr im Wege.
Es gäbe noch von einigen schönen Begegnungen und Geschenken zu berichten.
Ich möchte einfach allen von Herzen danken, die mir diesen Weg so wertvoll, schön und die Schritte leicht machen.

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Am Montag in Koblenz angekommen, gab es auf einer Demo des BUND für mich die Gelegenheit ein paar Worte zu sagen. Es hatten sich ca. 25 Menschen um drei Männer mit Mikrofon versammelt, und lauschten den politischen Reden und Anschuldigungen zum Thema “Flüchtlinge”.
Es sind mir alle Menschen sehr wichtig und machen mir Hoffnung, welche in Beispielhaften Hilfsaktionen, im Kleinen wie im Großen, einfach praktisch helfen, ohne viel zu Diskutieren.

Es gab dort eine Situation, wo konkret Hilfe von jemandem gebraucht wurde, aber alle in Diskussionen verfangen, unfähig waren, dieses zu registrieren. Darauf von mir angesprochen, sagte sogar jemand, es gäbe bei den Flüchtlingen viele Sozialschmarotzer. Da müsse man erst mal  sehen, ob der jenige nicht sogar einerr wäre! Es war alles in allem ein sehr erschütterndes Erlebnis, da der Hilfesuchende keines deutschen Wortes mächtig war und seinen zehnjährigen Sohn vermisste, der von Polizisten irgendwo hingebracht wurde. … Es fand sich noch, ohne Zutun der Demomenschen ein Übersetzer, der dem Mann helfen konnte.
Ich lernte an diesem Abend glücklicherweise, auf der klitzekleinen aber feinen Montagsdemo noch ein paar andere Menschen kennen. Niko und Oliver zum Beispiel. Bei Oliver konnte ich übernachten. Wir stellten fest, das wir, außer den grauen Haaren, noch einige weitere Ähnlichkeiten haben. Zum Beispiel den gleichen 60 Jahre alten Rasierer.

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Die Nacht zu Mittwoch habe ich dann wieder am Rheinstrand verbracht. Am Mittwoch Morgen trieb mich der Hunger in Karins Bioladen. Ich wollte fragen, ob es etwas zum Essen für mich da wäre, etwas, was sich in nicht mehr verkaufsfähigem Zustand befindet.  Ich wurde von Anne, Lara, Hanna so herzlich empfangen. Sie fragten mich, was ich brauche. Ich bekam ein lecker geschmiertes Käsebrötchen, ein großer Genuß. Ich konnte wirklich eine fast noch gute Paprika, Äpfel mit kleiner Stelle und anderes Gemüse aus der Verschenkkiste nehmen. Und meine derzeitige LieblingsSchokolade, Vegan, Nougat, Crisp, bekam ich geschenkt. Für die Seele!
In diesem Bioladen ist eine schöne, Freudige Stimmung. Neuen Kunden stellen sich die Mitarbeiterinnen persönlich mit Namen vor.
Lara hat mich dann eingeladen.
Es ist ein Segen für mich, daß es so einfach möglich ist, daß ich ausgerechnet sie getroffen habe, daß ich einfach hier sein und mich wieder etwas sortieren kann.                           Die Tage mit Yaro waren angefüllt mit Gesprächen, Spaziergängen, Kochen, Genuss, Spaß, mit Beisammensein…. Kaffee im Bett. Das war mal richtig schön. Es hat geregnet, wir sind nicht gewandert.

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Morgen werde ich weitergehen, aus Koblenz, in die Welt. Alles ist offen. Ein großer Raum, der bald bespielt werden möchte.

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